Abendlied

M. Reger

Die Sonne sinkt.

Jählings schwebt

Kühles Dämmern

Hin durch das Thal.

Fernes Hämmern,

Verlorner Schall zittert,

Bebet, leis' hell

Klagend über den Grund.

Zaghaft singend,

Regen sich Stimmen

Matt in den Blumen.

Es trinken die Immen

Die letzten Düfte,

Die letzte Süße.

Weich durch die Lüfte,

Scheidegrüße der Dämmerstund',

Gleitet ihr Summen

Scheidegrüße der Dämmerstund'.

Langsam erhebt

Zu ernsten Gestalten,

Zu Berg und Wald,

Die lautlos stehn,

Der Mantel sich bald,

Das graue Falten,

Der Nebel webt.

Schüchtern vom Baum

Lockt Amselschlag,

Die Töne verwehn,

Hörbar kaum im Abendwind.

Es ist still.

Wie ein müdes Kind

Entschlummert der Tag;

Ein Stern erblinkt.