Mittagskönig und Glockenherzog

M. Schillings

In weitem Bogen öffnet sich des Waldes Tor.

Auf mächtigem Roß der Mittagskönig tritt hervor.

Ob seinem Anblick stockt der Sonne Siegeslauf,

die Berge recken sich, der Wolkenbaum steht auf,

vom Himmel huldigend mit fliegender Standarte.

Doch von des Münsterturmes königlicher Warte

sendet der Glockenherzog, seinen Herrn zu grüßen,

von Sangesfluten einen Teppich ihm zu Füßen.

Der Mittag schützt das Auge mit der hohlen Hand,

dann reitet er empor die Luft gewob'ne Wand.

Was ist sein Steg? Der Tone wogendes Gewühl.

Drob schweigt die atemlose Luft erwartungsschwül.

Horch! jauchzend Rossewiehern! Auf ersprung'ner Zinne

geschieht von Herrn zu Herrn in brüderlicher Minne

der Willkommgruß. Dann hält das Fürstenpaar zu Pferde

im Rundgang um das Münster Umschau auf die Erde.

Von Glockensturm umbrüllt, von Fahnenwind umweht,

und den geschäft'gen Werktag adelt Majestät.