Eine holde Kleine kenn' ich

M. Spicker

Eine holde Kleine kenn' ich,

Eine Allerliebste, Lose,

Blühend wie die junge Rose,

O kein Zucker ist so süß.

Ach, wie reizend ist das Kindchen,

Ach, wie lacht ihr rothes Mündchen!

Bist du bei ihr nur ein Stündchen,

Glaubst du dich im Paradies.

Bin ich in der Nacht alleine,

Denk ich stets an Caroline,

Und ihr Bild mit sanfter Miene

Kommt und herzt mich und entweicht.

Dann, sobald der Tag fich röthet,

Fahr' ich weit im Meere wieder,

Doch das Ruder sinkt danieder,

Und ich führt' es sonst so leicht!

Wie du schön bist, Caroline,

Mit dem Mündchen von Korallen!

Womit hab' ich dir mißfallen,

Daß du mir so wehe thust?

Wohl hat Recht mein guter Vater:

's ist ein Unheil mit der Liebe,

Sie beschleicht dich gleich dem Diebe,

Daß du keine Stunde ruhst.

Nicht so leer sind meine Taschen,

Nein, das brauchst du nicht zu denken.

Einen Rock will ich dir schenken

Ganz von Sammt, das sollst du sehn.

Wenn wir dann zur Kirche gehen,

Hör' ich schon die Leute sagen:

Seht, wie weiß sie sich zu tragen!

Seht, wie ist das Hexlein schön!

Ach, den Kopf hab' ich verloren,

Nichts mehr sehn und hören mag ich,

Immer nur mit Seufzen frag' ich:

Denkt sie denn auch je an mich?

Willst du nie die Meine werden,

Seh' ich jede Hoffnung schwinden,

Wirst am Strand du einen finden,

Der zur Leiche ward um dich.