Rosen
M. von Kralik
Noch mehr, noch mehr! So viel die Hände fassen,
will Rosen ich in meine Kammer tragen
und mir von ihnen Antwort geben lassen
auf mei-ner Seele zweifelvolles Fragen.
Den Duft, durch den der Morgenwind gezittert,
den tausend Sonnenküsse süß gemacht,
daran sich vollsog jede Juninacht,
wenn fern am Horizonte es gewittert,
die ros' gen Kelche, die zum ersten Male
geöffnet sich, um Tau und Licht zu trinken,
die Purpurblättchen, die vom Rand der Schale,
wie des Genusses müd zu den Boden sinken,
sie will ich fragen:
gibts für mein Herz
nichts andres als entsagen?