Fließet, liebe Veilchen, fließet

M. von Kralik

Fließet, liebe Veilchen, fließet,

fließt hinab in Ruh',

gießet, alle Wasser, gießet

eure Fluten zu.

Traget, trübe Wellen, traget,

was euch eigen sei!

Klaget, leise Lüfte, klaget,

denn es ist vorbei.

Liebe Veilchen, die ich pflückte

dort auf jenen Höh'n,

ob es mir das Herz auch drückte,

denn ihr wart so schön!

Aber jener Guten, Schönen

wart ihr zugedacht,

da sie schied, mit stillem Sehnen

hab' ich euch gebracht.

Wollt' ihr manches sagen heute,

dass sie dächte mein,

doch es waren zu viel Leute,

und es sollt' nicht sein.

Fließet, arme Veilchen, schwebet

nun den Strom hinab;

dass ihr keiner andern lebet,

warf ich euch ins Grab.

Fließet! Zwischen Klippen führe

euch die Flut einher.

Dass kein Frevler euch berühre!

Fließet bis ins Meer.

Eine Wasserminne winde,

Blüten, euch ums Haupt,

aber keinem Menschenkinde

sei der Schmuck erlaubt!