Der König in Norge
M. Zenger
War einst ein König in Norge,
Der hat einen tiefen Gram:
Der sank ihm über die Augen,
So oft der Abend kam.
Am Tag pflag er des Rathes,
Des Reiches und des Rechts
Und waltete treu der Sorgen
Des Friedens und Gefechts.
Doch, wann in Abendwolken
In's Meer die Sonne sank, --
Dann ward ihm trüb das Auge,
Dann ward das Herz ihm krank
Denn einst in Abendwolken
War ihm das Weib entschwebt,
Schwanflügelig, mit Rauschen,
Das kurz bei ihm gelebt.
«Fahr wohl!» rief sie hernieder,
«Die Heimat zieht mich an!
Uns Himmlische zu halten
Vermag kein Erden-Mann.»
Es trug seither der König,
Der arme, tiefen Gram,
Der zog ihm über die Angen,
So oft der Abend kam.