Lenz und Liebe

M. Zenger

Fröhlich ist der Vögel Schall nun aufs neu erklungen:

Lenzeslust allüberall -- freuet euch, ihr Jungen!

Er bringt neue Freuden ja;

Grün ist alles fern und nah,

Phöbus strahlt im Blauen,

Und es weckt in linder Luft neuer Blumen Zier und Duft

Flora auf der Auen.

Jovis Strahlenblick zerschlug winterliche Bande,

Hoch und höher nimmt den Flug Sommer durch die Lande.

Das hat uns die Sonn' beschert,

Die so freundlich wiederkehrt

Mit den warmen Tagen.

Und es macht in solcher Zeit Venus uns die Herzen weit,

Lässt sie heisser schlagen.

Schon im Sommerlaubgewand stehen die Dryaden,

An des Hügels Schattenwand schwärmen Oreaden.

Von der Satyrn Festverein,

Der frohlockend schlingt den Reihn,

Hallt das Waldthal wieder;

Um die Wette frohen Schall hebet auch Frau Nachtigall,

Süsse Frühlingslieder.

Lang ersehnet kam uns nun Sommer aus der Fremde.

Erde hat genug zu thun, wirkt ihr Hochzeithemde.

Und aus ihrem kleinen Haus

Voll Behagen lugt hinaus

Mit Gezirp die Grille.

Lieblich dringen durch den Wald Jubelstimmen mannichfalt,

Zwitschern und Geschrille.

Darum freut euch, dass die Welt sich so schön erneuet;

Glücklich, wer im Arme hält was sein Herz erfreuet,

Dankbar in Frau Venus Sold,

Deren Altar wunderhold

Duft'ger Flor umblühet.

Armer Mann, wer liebeskrank schmachten muss und ohne Dank

Hoffnungslos sich mühet.