Der Templer und die Jüdin
Marschner, Heinrich
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Der Templer und die Jüdin Libretto
SYSTEMErster Aufzug
SYSTEMOuverture.
SYSTEMNo.1: Introduktion
Ihr lagert still euch dort im Wald.
[diese Chöre durchaus piano gesungen]
Wir lagern still uns dort im Wald,
Der Zug muß hier vorbei.
Er ist nicht fern, er nahet bald...
Er ist nicht fern, er nahet bald
und glaubt die Straße frei;
Dann rasch aus unserm Hinterhalt,
hervor mit Kriegsgeschrei,
Es wird nicht einer uns entgeh'n,
Gefangen sollt ihr Alle sehn,
gefangen Alle sehn.
Es darf nicht einer uns entgehn.
Es wird nicht einer uns entgehn.
Gefangen muß ich Alle sehn.
Gefangen sollt ihr Alle sehn.
Es wird nicht einer uns entgehn,
gefangen sollt ihr Alle sehn.
Doch still! Gebt Acht, wer naht sich dort?
Wer da? Gebt Antwort! Halt!
[hinter der Scene]
Zurück! ihr Schurken! packt euch fort!
Wir fürchten nicht dein drohend Wort,
Gewalt vertreibt Gewalt.
So fühlet meines Arms Gewicht!
Greift an! und schonet länger nicht.
[Sie fechten.]
So fühlet meines Arms Gewicht!
Halt ein! die Stimme sollt' ich kennen...
Es scheint auch mir ich kenne Dich...
Du bist Sir Guilbert, tapfres Schwerdt!
De Bracy wird in dir geehrt!
Getroffen, Freund!
Getroffen Freund!
Was willst du hier?
Was willst du wohl hier?
Dieselbe Frage thu' ich dir!
Dieselbe Frage thu' ich dir!
[heimlich:]
Ich will hier freien um ein Weib,
Gewalt soll mir das Jawort bringen.
[eben so]
Auch mir soll eins zum Zeitvertreib,
Die Tapferkeit des Arms erringen.
[für sich]
Gleiche Absicht hat auch er,
/ Ha! Verwünscht! was muß ich hören!
| Welcher Teufel führt ihn her!
| Das wird meinen Plan zer stören.
|
[für sich]
| Gleiche Absicht hat auch er,
| Ha! Verwünscht! was muß ich hören!
| Welcher Teufel führt ihn her!
| Das wird meinen Plan zer stören.
|
[immer heimlich]
| Gleiche Absicht ist in beiden,
| hier wird wohl das Schwerdt entscheiden.
| Gleiche Absicht führt sie her,
Hier wird nur das Schwerdt entscheiden.
laut, zu Guilbert:
Solch einen Antrag könntest du
Gegen Cedrics Mündel wagen?
Nein, sie ist's nicht, gieb dich zur Ruh'!
Andres Wild will ich erjagen.
[heimlich zu Bracy:]
Sahst du die schöne Jüdin nicht
Mit holdem Engels-Angesicht?
Jedwede Schönheit beim Tournier
Verdunkelte ja neben ihr.
Sie soll und muß mein Liebchen heißen,
Und müßt' ich Riesen sie entreissen.
Dich unterstützen will ich, Freund,
und ich dir meine Hülfe leihen.
Wohlan so wollen wir vereint,
uns diesen Abentheuer weihen!
Wohlan so wollen wir vereint,
uns deisem Abentheuer weihen!
Doch jetzt nur rasch zur That!
So folget meinem Rath!
Ihr lagert still euch dort im Wald.
Wir lagern still uns dort im Wald,
Der Zug muß hier vorbei.
Er ist nicht fern, er nahet bald...
Er ist nicht fern, er nahet bald
und glaubt die Straße frei;
Dann rasch aus unserm Hinterhalt,
hervor mit Kriegsgeschrei,
Es wird nicht einer uns entgehn,
Gefangen sollt ihr Alle sehn,
gefangen Alle sehn.
Marsch.
Hinter der Scene
Cedric nahet sich mit zahlreichem Gefolge.
Recitativ.
Schon glänzt das Abendroth schimmernd durch diese Bäume
Die Nacht ereilet uns eh wir das Schloß erreichen.
O daß wir nimmer es verlaßen!
Verwünscht sei das Turnier und Eure Lust daran.
Verwünscht sei meine Thorheit die Euch dahin geführt!
Mein Oheim! Statt des glänzenden Turniers,
das Euren alten Stamm mit neuen Ehren krönte,
die Jvanhoe der Sieger Aller sich erwarb,
verwu; nschet Euch und Eurer hartes Herz,
das den Verwundeten o Gott! den eignen Sohn
der Milde fremder Menschen über gab.
Mir ist nicht unbekannt, weshalb
Ihr so bered't den Sohn vertheidig!
dem Vater zürnt, doch dies Gefuhl ist Euer unwerth.
Das königliche Blut dem Ihr entstammt?
Nein, Oheim! täuscht Euch nicht,
fest steht in diesem Reiche die Herrschaft
die dem edlen Löwenherz gebührt.
Vergeßen und verjährt sind meine Rechte!
Schließt Frieden mit der Welt
und mit dem edlen Sohne.
Ha bei dem Blut der Herward das in meinen Adern fließt,
Nicht will ich ihm vergeben so lang er kühn sein Auge bis zu Euch erhebt.
[zu Cedric
Ei edler Herr! wie heftig könnt Ihr werden,
und wißt doch der Mädchen Lannen ändern oft,
Heut ist er Alles ihr auf Erden,
Und morgen sehent sie was sie heut gehofft.
[zu Rowena:]
Muth, schönes Fräulein! Wollet nicht verzagen
Gebietet Euren Herzen Ruh',
Was hente Euch die Götter streng versagen
führt Euch ein gütig Schicksal morgen zu.
SYSTEMNo.2: Lied Des Narren
S'wird besser gehn, s'wird besser gehn,
Die Welt ist rund und muß sich drehn,
Das ist des Narren Sprüchelein und bist du klug,
So stimmst du ein, s'wird besser gehn,
Die Welt ist rund und muß sich drehn.
Seufzen und Klagen und Wüthen und Toben
Mehret den Kummer erschweret das Leid,
Zage im Unglück nicht, blicke nach Oben,
immer ja wechselt die rollende Zeit.
S'wird besser gehn, &c.
Warum auch wollest du ängstlich verzagen,
kehrt dir den Rücken das launische Glück?
Kannst du des Nachts ob der Finsterniss klagen,
Bringt ja der Morget die Sonne zurück.
S'wird besser gehn, &c.
[following scene not in libretto]
[Oswald kommt eiligst Cedric zu melden.]
Verweilet länger nicht,
verdächtig Volk zeigt sich in diesem Walde.
Du meinst doch nicht, daß sie es würden wagen
uns zu belästigen, kühn uns zu bedrohn?
Die Übermacht ist ganz auf ihrer Seite,
schon haben sie Gefangne weggeführt.
Jsaak von York und seine schöne Tochter
Sind in ihren Händen.
[zu seinem Gefolge:]
So stimmt den Schlachtgesang der Sachsen an,
nicht werden sie es wagen uns zu droh'n.
SYSTEMNo.3: Schlachtlied Der Sachsen
Wer Kraft und Muth in freier Brust,
Der zaget nicht vor Eisen noch vor Stahl,
er Zieht hinaus mit Kampfeslust.
Ihn schrecket nicht der Feinde starke Zahl,
ihn schrecket nicht,
ihn schecket nicht der Feinde starke Zahl
Wie der Blitz heruner fährt,
Zuckt die Keule und das Schwerdt!
Muth! Muth! Muth!
Schwelgt in Feindes Blut,
Und scheuet nicht die droh'nde Gefahr.
Der Sachsen-Held
Ist stark im Feld,
Wie Hengist und Horsa es war,
wie Hengest und Horsa es war!
Der Normann mag in Stahl gehüllt
Mit Lanze, Helm und Schild zum Kampfe ziehn,
Die kräft'ge Brust ist Sachsen-Schild,
Die strecken wir dem Feind entgegen kühn,
Die strecken wir, die strecken wir, dem Feind entegen kühn.
Wie der Blitz heruner fährt,
Zuckt die Keule und das Schwerdt!
Muth! Muth! Muth!
Schwelgt in Feindes Blut
und scheuet nicht die drohende Gefahr.
Der Sachsenheld ist stark im Feld,
wie Hengist und Horsa es war,
wie Hengist und Horsa es war!
SYSTEMNo.4: Lied Mit Chor
Der Barfüßler Mönch seome Zelle verließ
Ora pro nobis.
Er trägt auf der Schulter wohl Bogen und Speiß,
Ora pro nobis.
Die Rehe und Hirsche sie freuen sich sehr,
da kommt unser frommer Freund Barfüßler her,
Ora pro nobis.
Er pirschet wohl munter durch Flur und durch Wald,
daß frölich der lustige Jagdruf erschall,
Joho, joho, joho, ho-ho, joho!
Ora pro nobis.
Ha ha ha ha ha ha ha.
Er pirschet wohl munter durch Flur und durch Wald,
daß frölich der lustige Jagdruf erschall, Jo-ho!
[lacht]
Ach ohne die Flasche mit blinken dem Wein,
Da möchte der Teufel ein Barfüßler sein!
Joho, joho,
&c.
Ora pro nobis.
[Der Schwarze Ritter lacht unmäßig fort.]
Tuck singt diesen Vers in steigender Verlegenheit und Seelenangst indem er eilfertig bemüht ist Pastete Fleisch und Wein wegzuräumer. Nach dem zweiten Verse, heftiges Klopfen.
Der Barfüßler Mönch wird euch öffnen sogleich,
Ora pro nobis.
[Gleich. Es pocht.]
Herr Ritter, das ist doch ein heilloser Streich,
Ora pro nobis.
Der Ritter bewaffnet sich. Tuck läuft bald zum Thür, bald zum Ritter, wobei seine Trunkenheit sich kund giebt. Es pocht stärker.
Dem täuchen mich meine fünf Sinne nicht sehr,
So kommen der frommen Barfüßler mehr,
Ora pro nobis.
Fort Schlingel! was stört ihr mein frommes Gebet,
Herr Ritter, mein Kopf ist verwirrt und verdreht.
Joho, joho, joho, ho-ho, joho,
Ora pro nobis.
Ha ha ha ha, Jo-ho!
SYSTEMNo. 5: Recitativ
Rebecca wird von einem Knappen in's Thurmgemach gestoßen.
REBECCAWie bang'ist mir!
[zu dem Knappen:]
REBECCAIch bitt'Euch habt Erbarmen!
REBECCAWas soll ich hier? Welch Schicksal droht mir Armen?
Der Knappe geht schweigend ab, und schließt geräuschvoll die Thüre.
REBECCAEr hört mich nicht. Was soll ich nun beginnen?
[Sie rüttelt an der Thüre.]
REBECCAVerschloßen ist die Thür nicht kann ich nun enttrinnen!
[Sie erblickt das Thurmfenster: freudig:]
REBECCAVielleicht ein Ausweg dort.
[Sie eilt die Stufen zu dem Fenster hinauf.]
REBECCAGroßer Gott! Mich faßt ein Beben,
Ein Abgrund zeigt sich mir. Nur Gott allein,
REBECCAJa, Gott allein kann Bettung geben!
REBECCADas ist sie deren Schönheit ich mich beuge!
REBECCADer Räuber einen seh'ich nahn.
[zu Guilbert.]
REBECCADu dessen Macht ich mich demüthig neige,
REBECCANimm diesen Schmuck
REBECCAO scheuche diesen Wahn!
REBECCABei andern magst mit deinem Gold du prahlen
REBECCAAls Bittender nah' ich mich dir, mit Liebe nur,
REBECCAJa mit Liebe nur und Schönheit sollst du mir zahlen.
REBECCAKein Räuber, kein Geächteter steht hier.
REBECCAEin edler Mann erhört der Schwachen Flehen
REBECCAO gieb den Vater, gieb den kranken Ritter mir,
REBECCALaß ungehindert uns von dannen gehen,
REBECCAund ew'ger Dank und Lösegeld sei dein!
SYSTEMNo. 6: Große Scene und Duett mit Chören
REBECCAErkenne mich! Dich täuschte nicht dein Glauben,
REBECCAIch kam nicht her des Schmucks dich zu berauben;
REBECCAGern schmückt'ich selbst, kannes dein Herz erfreun,
REBECCADir Hals und Brust mit Gold und Edelstein,
REBECCAGleich einer Fürstin sollst du herrlich prangen,
REBECCAErfüllest du mein zärtliches Verlangen.
REBECCAWas kannst du wollen wenn's mein Gold nicht ist?
REBECCAIch stamm'aus Jsrael du bist ein Christ,
REBECCAund dein Gesetz wie mein's erkennt als Sünde,
REBECCADaß Christ und Jüdin jemals sich verbinde.
REBECCAGesetz? Verbindung was fällt dir ein?
REBECCABöt' mir ein König selbst sein Töchterlein
REBECCAund wollt'als seinen Erben mich er kennen
REBECCAich dürfle nimmer sie Gemahlin nennen!
REBECCADer weiblichen Schönheit zu Füßen,
REBECCAtreibt mich Gefühl und Natur;
REBECCAdoch leider darf ich nur verstohlen,
REBECCAverstohlen der Liebe, der Liebe genießen.
REBECCADrum Liebchen erhör' meine Bitte,
REBECCAkomm an das pochende Herz,
REBECCAUnd laß bei holdem Scherz, bei holdem Scherz
REBECCAuns lachen der Welt und der Sitte.
REBECCAWie süß meine Lippen dich nenen,
REBECCALiebchen das weißt du bereits,
REBECCAdoch auf der Brust dies Kreuz,
REBECCAAch! Läßt dich den Templer erkennen,
REBECCAden Templer erkennen!
REBECCAWie? Ohn Erröthen nennest du es, Christ,
REBECCAwas dir das Heiligste auf Erden ist?
REBECCAGerade jetzt, wo dein Gelübd' zu brechen,
REBECCAAls Mönch und Ritter du dich willst erfrechen?
REBECCAMir ist das Kreuz nicht heilig so wie dir,
REBECCADoch dein Betragen weckt den Anschen mir;
REBECCAdie Tugend gibt dir nichts,
REBECCASelbst nicht ihr Schein.
REBECCAHinweg von mir!
REBECCAWir haben nichts gemein!
REBECCAIst das mein Dank, du übermüth'ge Schöne,
REBECCAdaß mich dein Mund ob meine Milde höhne?
REBECCABedenk'es wohl es könnte dich gereu'n,
REBECCAauch ich kann stoltz und übermüthig sein.
REBECCADas Recht der Waffen theilte dich mir zu,
REBECCAdein Herr bin ich und meine Sclavin du!
REBECCAKann meine Bitte Lieve nicht erringen,
REBECCAso soll Gewalt, Gewalt mir deine Gunst erzwingen.
REBECCAWohl leicht mag es dem rohen Mann gelingen,
REBECCAEin hüflos, schwaches Mädchen zu bezwingen;
REBECCADenn rührt dich nicht mein Weinen und mein Flehen,
REBECCAder Kraft vermag ich nicht zu widerstehn.
REBECCAAber zitre, Bösewicht,
REBECCAob der Rache Strafgericht.
REBECCAAll mein Denken, all mein Handeln,
REBECCASoll in Rache sich verwandeln,
REBECCANicht beachtend eigne Schmach
REBECCAeiner Rache-Furie gleich,
REBECCAFolg' ich überall dir nach,
REBECCANicht beachtend eigne Schmach,
REBECCADurch das Ganze Königsreich,
[So in libretto instead of above line in score]
REBECCAFort, nur fort, von Land zu Land,
REBECCAMach' ich meine Schmach bekannt.
REBECCAWas mir Mitleid nicht verschafft,
REBECCASoll des Aberglaubens Kraft
REBECCAdeiner Brüder mir gewähren,
REBECCAWenn sie dein Verbrechen hören
REBECCAauf zur Rache gegen dich
REBECCAWill ich deinen Orden schreien!
REBECCAMit Entsetzen wird er sich
REBECCAVor dem Hoch verräther scheuen,
REBECCAWenn ich laut es ihm gesagt,
REBECCAdaß du mit der jüd'schen Magd,
REBECCADie ein Gräuel ist seinen Blicken,
REBECCADich in Liebe zu verstricken,
REBECCAFreh zu sündigen gewagt;
REBECCASo an Ehr' und Ruhm befleckt,
REBECCAFluch beladen, Schmach bedeckt;
REBECCAGrauser Abscheu deiner Brüder,
REBECCAFahre dann zur Hölle nieder,
REBECCADurch dein lasterhaftes Leben,
REBECCAGottes Rache preis gegeben,
REBECCAGottes Rache preis gegeben.
REBECCAHa, wohl ersonnen, Klügste aller Schönen!
REBECCADoch laut, sehr laut muß deine Stimme' ertönen,
REBECCASoll sie in diesen Mauern nicht verhallen;
REBECCANein, Liebchen, laß die Rach'gedanken
[Nachgedanken
REBECCA-libretto] fallen,
REBECCAErgieb dich mir, nimm meinen Glauben an,
REBECCAUnd herrlich und in Freuden soll dich dann,
REBECCABeneidet von so manchen Edelfrauen,
REBECCADie Welt als Freundin Bois Guilberts schauen.
REBECCADuett.
REBECCAIch deine Freundin?
REBECCADir mich ergeben!
REBECCAIn deinem Glauben
REBECCAFernerhim leben!
REBECCAGott meiner Väter erbarme dich mein!
REBECCAHa! dieser Eifer dieses Erglühen,
REBECCAlieblich verklärt es dein Engelsgesicht!
REBECCA/ Ha! dieser Eifer dieses Erglühen,
REBECCA| lieblich verklärt es dein Engelsgesicht!
REBECCA|
REBECCA| Gott meiner Väter erbarm' dich mein!
REBECCAHöre, Jehova! Höre mein Flehen, Vater!
REBECCAErhöre mein Hülfegeschrei!
REBECCASperre dich Täubchen, tobe und wüthe,
REBECCADoch meinem Kuße entziehst du dich nicht!
REBECCA/
REBECCA| Verräther! Zurück! Ich trotze dir!
REBECCA| Gelobt sei Gott! er zeigt den Ausweg mir!
REBECCA|
REBECCA| Sperre dich Täubchen tobe und wüthe,
REBECCADoch meinem Kuße entziehst du dich nicht!
[Sie eilt auf den Vorsprung am Thurm]
REBECCAEin Sprung und ich bin frei.
REBECCAHalt ein! Welch lasendes Beginnen!
REBECCAZurück! Nahst du nur einen Schritt,
REBECCAStürz'ich hinab von dieses Thurmes Zinnen!
REBECCAZerschmettert soll mein Leib an jenem Felsen liegen,
REBECCAeh'ich mich deiner freveln Lust will fügen.
REBECCAGott! wenn dein Fuß entglitt'!
REBECCABei meiner Ritterehre schwör' ich dir
REBECCABei meiner Ahnen Schild und Wappenzier,
REBECCANicht fürder mehr die kleinste Ungebühr
REBECCAdir anzumuthen, Edelste der Frauen.
REBECCASo bleibe fern von mir soll ich dir trauen.
REBECCA|
REBECCA| Ja helden müth'ges Mächen du, Ja nur du bist meiner werth,
REBECCA| Nicht mit Gewald, mit Bitten nur will ich um deine Liebe werben. |
REBECCA| Wer Kraft und Muth in freier Brust
REBECCA| Der Zaget nicht vor Eisen noch vor Stahl,
REBECCA| Er Zieht hinaus mit Kampfeslust,
REBECCA| Ihn schrecket nicht der Feinde starke Zahl,
REBECCA| Ihn schrecket nicht, ihn schecket nicht der Feinde starke Zahl.
REBECCA| Wie der Blitz heruner fährt,
REBECCA| Zuckt die Keule und das Schwerdt!
REBECCA| Muth! Muth! Muth!
REBECCA| Schwelgt in Feindesblut
REBECCA| Und scheuet nicht die drohende Gefahr.
REBECCA| Der Sachsenheld ist start im Feld
REBECCA| Wie Hengist und Horsa es war,
REBECCA| Wie Hengist und Horsa es war.
REBECCA|
REBECCA| Dein Stoltz rührt wunderbar mein Herz.
REBECCA| Du mußt die Meine werden.
REBECCA| Der Groll, den ich dir eingeflößt,
REBECCA| wird schwinden mit der Zeit, du wirst mein liebend Herz erkennen;
REBECCA| Geliebtes Mädchen, dich die meine nennen
REBECCA| Geliebtes Mädchen, du wirst mein liebend Herz erkennen,
REBECCA| Geliebtes Mädchen, dich die meine nennen.
REBECCA|
REBECCA| Drum sei dir Preis, Lob, Ehr' und Ruhm in alle Ewigkeit!
REBECCA| Du hast durch deiner Gnade Walten,
REBECCA| du starker Gott! mich wunderbar erhalten!
[Stürzen eilig herein:]
REBECCAKeck dringen Feinde auf uns ein,
REBECCAUm die Gefangnen zu befrein.
REBECCADaß uns der stolze Feind erliege,
REBECCAsei du der Führer uns zum Siege,
REBECCA/ Sei du der Führer zum Sieg!
REBECCA| Zum Sieg! zum Sieg! zum Seig!
REBECCA|
[mit Begeisterung:]
REBECCA| Ja, ich will eurer Führer sein, es gilt den Kampf um sie!
REBECCA| Und stürmen Heere auf mich ein dich Mädchen laß'ich nie!
REBECCAHeraus, heraus, mein gutes Schwerdt!
REBECCADie Schönheit ist des Kampfes werth!
REBECCAUmstrahlet von des Sieges Glanz,
REBECCAfleh' ich dann um der Liebe Kranz!
REBECCADer Schönheit Kron'
REBECCA/ ist würd'ger Lohn
REBECCA| der Tapferkeit,
REBECCA| Ihr wird geweiht
REBECCA| mit süßen Blick
REBECCA| der Liebe Glück!
REBECCA| Heraus! Heraus, mein gutes Schwerdt!
REBECCA| Die Schönheit is des Kampfes werth!
etc.
REBECCA|
REBECCA| Dem Normann Kampf und Streit gefällt,
REBECCA| Drum muthig in's Gefecht!
REBECCA| Dem tapfern Mann gehört die Welt,
REBECCA| Der Feige wird zum Knecht;
REBECCA| Der Normann ist der Krone werth,
REBECCA| Sein Zepter ist sein tapfres Schwerdt,
| Wo er es führt, wo er es zeigt,
REBECCASich Alles ihm als Herrscher neigt.
REBECCAGefahr und Krieg!
REBECCAUnd Ruhm und Sieg!
REBECCADer Waffen-klang!
REBECCADer Schlacht-Gesang!
REBECCATrompeten-Schall!
REBECCAUnd Feindes Fall!
REBECCADas ist des Normanns Lust,
REBECCADas ist des Normanns Lust.
REBECCA|
REBECCA| Dank dir, du meiner Väter Gott! Du hast mein Flehn gehört!
REBECCA| Wer dir vertraut dem droht umsonst der Starke mit Verderben!
REBECCA| Gott Jsraels nur du bist Herr! Im Himmel und auf Erden!
REBECCA| Gott Jsraels! nur du bist Herr!
REBECCA| Im Himmel und auf Erden!
REBECCA| Drum sei dir Preis, Lob, Ehr, und Ruhm!
REBECCA| In Alle Ewigkeit!
REBECCA| Du hast durch deiner Gnade Walten,
REBECCA| Du starker Gott! mich wunderbar erhalten.
REBECCA|
REBECCA| Der Sachsen Held,
REBECCA| Ist stark im Feld,
REBECCA| Wie Hengist und Horsa es war,
REBECCA| Wie Hengist und Horsa es war.
REBECCA|
REBECCA| Drum sei dir Preis, Lob, Ehr' und Ruhm in alle Ewigkeit!
REBECCARecitativ.
REBECCAO Gott! wirf unsere Freunde nicht darnieder!
REBECCAFür ihn und den Vater,
REBECCAFür ihn dringt mein Gebet zu dir empor.
[Ivanhoe tritt auf.]
REBECCAZum zweitenmal erscheinst du meinem Blick,
REBECCADurch dich O schöne Fee bin ich genessen,
REBECCAWeich' nicht vor meinem trunken Aug' zurück,
REBECCAO nenn' dich mir zaubrisch schönes Wesen!
REBECCADie Eure Wunden pflegte edler Mann!
REBECCAGeziemt's in stiller Demuth Euch zuehren,
[stolz:]
REBECCADem Volke Jsraels gehört sie an.
[entsetzt]
REBECCADu eine Jüdin? Was muß ich hören?
[kalt und stolz:]
REBECCANimm meinen Dank und reicher Lohn sei dein
[weinend:]
REBECCAO schweigt! Mir bricht das Herz,
REBECCAMir bricht as Herz bei solchem Worte.
[freundlicher:]
REBECCASprich Mädchen, wo mag Ritter Cedric sein?
REBECCAHält ihn ein gleich Geschick an diesen Orte?
REBECCAGefangen sah er Euch, und laut riefer:
REBECCAMein Sohn! mein Sohn!
REBECCASo sehe ich dich wieder!
[schüchtern:]
REBECCAAuch Lady Row'nas Herz erbangte schwer...
REBECCAAuch sie!
[rasch und freudig:]
REBECCAO theures Mädchen, Segen auf dich nieder!
SYSTEMNo. 7: Duett
[für sich:]
REBECCATheures Mädchen, sagt er — Wem?
[für sich:]
REBECCA| Ja, geliebte Freundin Du!
REBECCA| Theures Mädchen, sagt er — Wem?
REBECCA| Laut ruft mir das Herz es zu.
REBECCA| Ach, sein Herz fühlt nichts bei dem.
REBECCA| Du wirst mich befrein.
REBECCA| Was die Lippe spricht.
REBECCA| Was auch deinem Ritter droht.
REBECCA| Sicher ist sein Knecht, sein Schwerdt.
REBECCA| Feindes Holn, ruhmloser Tod.
REBECCA| Und sein Roß ihm liebenswerth.
REBECCA| Stets bleibt ihm der Hoffnung Schein.
REBECCA| Nur die arme Jüdin nicht.
REBECCA| Row'na du wirst ihn befrein.
REBECCA|Ob er theures Mädchen spricht.
REBECCA| Ach, es füllt im tiefsten Herzen
REBECCA| mich mit namenlosen Schmerzen,
REBECCA| Wenn ich denke daß der Mann,
REBECCA| Den ich lieven muß und ehren,
REBECCA| Mir kann Mitleid mag gewähren,
REBECCA| Ach mich nur verachten kann.
REBECCA| Alles, alles ist ihm lebenswerth,
REBECCA| Nur die arme Jüdin nicht!
REBECCA| Alles liebt er nur mich Arme nicht,
REBECCA| Ob die Lippe theures Mädchen spricht.
REBECCA| Es durch dringt mein tiefstes Leben
REBECCA| Freud'ger Hoffnung Wonne Beben,
[Wonneleben,
REBECCA- libretto]
REBECCA| Denke ich, Geliebte, dein:
REBECCA| Deiner Liebe sorgend Walten,
REBECCA| Wird des Ritters Ruhm erhalten,
REBECCA| Stets bleibt ihm der Hoffnung Schein,
REBECCA| Rowena! du wirst ihn befrein.
SYSTEMNo. 8: Finale
REBECCAHorch! Welcher Lärm! Ich höre Waffenklang,
REBECCA/ Und auch der Sachsen muth'gen Schlachtgesang.
REBECCA|
[tritt hastig an's Fenster]
REBECCA| Von diesem Thurme kann man nichts erspähen,
REBECCA| Es muß der Feind an jener Seite stehen.
REBECCA|
[hinter der Scene.]
REBECCA| Wer Kraft und Muth in freier Brust,
REBECCA| Der zaget nicht vor Eisen noch vor Stahl,
REBECCA| Er Zieht hinaus mit Kampfeslust,
REBECCAIhn schrecket nicht der Feinde starke Zahl.
REBECCAHorch! dieses Hornes Ruf das
[dies
REBECCA- lib.] bange Schrein
REBECCAHa! groß muß die Gefahr im Schlosse sein!
[freudig:]
REBECCASo siegen Eure
[unsre
REBECCA- libr.] Freunde?!
IVANHOEIch will eilen
IVANHOEDen Kampf zu sehn.
[ängstlich:]
IVANHOEO wollet hier verweillen,
IVANHOEEuch droht Gefahr wenn euch die Feind' entdecken
IVANHOELaßt mich.
IVANHOEGefahr darf nie den Ritter schrecken.
IVANHOEO, ich beschwör euch
IVANHOEEuer Arzt bin ich,
IVANHOEEure Genesung hemmt es sicherlich,
IVANHOEWenn Ihr nicht Ruh' euch gönnt; mich, mich laßt gehen,
IVANHOEBald sollt Ihr mich mit sichrer Kunde sehen!
IVANHOEDoch die Gefahr?
IVANHOEGefahr kann mir nicht dräu'n,
[mit bittern Gefühl:]
IVANHOEEin Jeder wird sich cor der Jüdin scheu'n,
IVANHOEDrum laßt mich, laßt mich bakd hin ich zurück.
[Rebecca eilt ab schnell.]
[allein:]
IVANHOEWie sehr beklag' ich Mädchen dein Geschick!
[not in libretto:
Von Herzen scheint sie gut, O möchte bald
Des Christenthumes himmlische Gewalt
Ihr Herz erlenchten ihre Seele rühren,
und sie zum Heil,
und sie zum Heil des wahren Glaubens führen.]
IVANHOEHorch! immer lauter tobt des Kampfes Wuth.
IVANHOEBang tönt das Horn
IVANHOEMuth!, meine Brüder Muth!
IVANHOEHa! daß ich hier in müß'ger Ruh' muß weilen,
IVANHOENicht die Gefahr des Kampf[e]s mit Euch kann theilen.
[Der Schwarze Ritter tritt eilig herein.]
IVANHOEHa! find ich dich! es steht das Schloß in Flammen,
IVANHOEGeschwind hinab, nald stüzet es zusammen.
IVANHOEWer bist du? Welchen Theil nimmst du an mir?
IVANHOEDein Freund bin ich, nr schnell hinweg von hier!
[beide gehen ab.]
Lärm, Hülfsgeschrei, Kampf und Tumult.
Die Flamme bricht von allen Seiten herein.
Der Thurm stürzt in sich zusammen.
Schloßhoff. Ein Theil des Gebäudes im Hintergrund ist eingestürzt, ein andrer steht in Flammen.
[hinter der Scene:]
IVANHOEDem Normann Kampf und Streit gefällt,
IVANHOEDrum muthig in's Gefecht!
IVANHOEDem tapfern Mann gehört die Welt,
IVANHOEDer Feige wird zum Knecht;
IVANHOEDer Normann ist der Krone werth,
IVANHOESein Zepter ist sein tapfres Schwerdt,
Wo er es führt, wo er es zeigt,
IVANHOESich Alles ihm als Herrscher neigt.
IVANHOEGefahr und Krieg!
IVANHOEUnd Ruhm und Sieg!
IVANHOEDer Waffen-klang!
IVANHOEDer Schlacht-Gesang!
[kommt hervorgestürzt:]
IVANHOEZu hülfe! Wehe mir! Entsetzlich! Fürchterlich!
IVANHOE| Verderben rings umher, Zerstörung und Gefahr!
[hinter der Scene:]
IVANHOE| Wer Kraft und Muth in freier Brust,
IVANHOE| Der zaget nicht vor Eisen noch vor Stahl,
IVANHOE| Er Zieht hinaus mit Kampfeslust.
IVANHOE| Ihn schrecket nicht der Feinde starke Zahl.
[stürzt aus dem brennedeit Schloße:]
IVANHOE| Wehe mir!
IVANHOE| Im Schutt der Thurm, wo er, der Heißgeliebte war.
IVANHOEMein Vater! Vater! Weh vergebens [ruf']ich dich
IVANHOEAuch du der Wuth der Flammen preis gegeben
IVANHOEWeh! meine Kräfte schwinden, fieberhaftes Beben,
IVANHOEDurchzuckt mich
[Wehmüthig:]
IVANHOEAch, so war mir Ärmsten nicht erlaubt
IVANHOEDein theures, ehrwürd'ges Silber-Haupt
IVANHOEMit kindlichen Thränen noch fromm zu benetzen?
IVANHOEDahin was ich liebte, verlaßen bin ich
IVANHOEO Himmel! O Himmel! erbarme der Hülflosen dich!
[Der Tumult und Waffenlärm beginnt auf's neue.]
IVANHOEDer Waffen schrechklicher Schimmer,
IVANHOEDer Sterbenden banges Gewimmer,
IVANHOEDer Feinde höhnende Wuth,
IVANHOEDer Flamme prasselnde Glut.
IVANHOE/
SYSTEMChor der Sachsen
[hinter der Scene:]
IVANHOE| Der Normann mag in stahl gehüt,
etc.
IVANHOE|
IVANHOE| Durchrobt
[Durchbebt
IVANHOE- score] mich mit Grausen
IVANHOE| Und bangem Entsetzen!
IVANHOE| O Himmel! Erbarme duch!
IVANHOE| O Himmel! Erbarme der Hülflosen dich!
IVANHOEO Himmel erbarme dich, erbarme der Hülflosen dich!
IVANHOEHab' ich endlich dich getroffen!
IVANHOENoch ein Rettungsweg ist offen,
IVANHOEDir und mir ihn zu bewahren
[bewachen
IVANHOE- score),
IVANHOERings umgeben von Gefahren,
IVANHOEBahnt' ich mir den Weg zu dir;
IVANHOEAuf denn! rasch und folge mir!
IVANHOEDu mich retten? Mich[?] allein?
IVANHOEIch dir folgen? Nimmermehr!
IVANHOELaß mit Thränen dich beschwören,
IVANHOEMeinen Vater zu befrein,
IVANHOEDort in Flammen schmachtet er,
IVANHOENiemand wird sein Jammernhören;
IVANHOERette ihn und seinen
[jennen
IVANHOE-lib.] kranken
IVANHOERitter, auf den Knien will ich
IVANHOEDir fü ihre Rettung danken.
IVANHOEIst er Ritter, mag er sicht
IVANHOEIn sein Schicksal auch ergeben,
IVANHOEUnd um eines Juden Leben,
IVANHOEMag der Teufel sich bewerben!
IVANHOEFort hinweg, die Zeit verfliegt.
IVANHOE/
IVANHOE| Lieber in den Flammen sterben,
IVANHOE| Als dir folgen, Bösewicht!
IVANHOE|
IVANHOE| Ha! die Wahl wird dir nicht bleiben
IVANHOEEinmal hast du mich besiegt,
IVANHOEEinmal hast du mich bediegt,
IVANHOEDoch zum zweiten Male nicht.
IVANHOEFort, hinweg!
REBECCANicht von der Stelle!
REBECCA[Trotz sei dir
- not in score]
GUILBERTMein bist du und sollst es bleiben,
GUILBERTTrotz dem Teufel in der Hölle!
GUILBERT[Hier hilft kein Sträuben-
not in score ]
GUILBERTMein sollst du bleiben, trozt dem Teufel in der Hölle!
[Er faßt sie und trägt sie hinweg.]
GUILBERTHülfe! Hülfe! Rettet mich!
[Das Gefecht kehrt auf die Bühne zurück.
Cedric und Bracy fechten.]
GUILBERTSieg! Sieg! Der Sieg ist errungen!
GUILBERTDer Normann bezwungen!
GUILBERTDie Feinde zerstreut!
GUILBERTDie Freunde befreit!
GUILBERTHoch lebe jeder Sachsen-Held!
GUILBERTHoch jeder brave Mann!
GUILBERTHoch lebe jeder Sachsen-Held!
GUILBERTHoch jeder brave Mann!
[The published libretto ends Act One here: The score appends a scene with no break in music or indication of change in the scenery (which is apparently in flames at the moment):]
Rowena von Cedric und Lokslei begleitet, tritt auf.
[zu Lokslei:]
GUILBERTNimm diesen Hädedruck von mir,
GUILBERTDir dank' ich Ehr' und Leben,
GUILBERTDu wackrer Mann! Bald, bald hoff' ich dir
GUILBERTWohl größern Lohn,
GUILBERTWohl größern Lohn zu geben.
GUILBERTMir gnügt fürwahr an Eurem Dank,
GUILBERTNur wollt mich nicht belohnen,
GUILBERTDaß mir die schöne That gelang,
GUILBERTDas gilt mir mehr als Kronen.
[zu Lokslei:]
GUILBERTNehmt dankbar meine Hand auch hin,
GUILBERTSonst hab' ich nichts, zu geben,
GUILBERTDenn ob ich gleich ein Narr nur bin,
GUILBERTSo lieb' ich doch das Leben.
GUILBERTRecit.
GUILBERTWenn je Gefahr ob Euren Haupte schwebt,
GUILBERTDenkt daß ein Freund in Rotherwood Euch lebt.
GUILBERTSprecht bei mir ein,
GUILBERTWer von Euch kommt
GUILBERTSoll mir wilkommen sein.
[Cedric parodirend]
GUILBERTDer Narr weiß wohl; Ihr seid nicht brav noch bieder.
GUILBERTGeächtet seid Ihr das ist ihm bekannt.
GUILBERTDoch weil Ihr Schurken Gutes ihm gethan,
GUILBERTHier meine Hand, nennt er Euch tapfer Freunde, seine Brüder!
[Fugue mit Chor (Presto).]
GUILBERTFrisch auf, ihr wacken Leute,
GUILBERTlaßt uns nicht länger weilen
GUILBERTdas Jägerhorn erschall!
GUILBERTUns ladet reiche Beute,
GUILBERTSie redlich zu vertheilen,
GUILBERTHinaus zum grüner Wald!
GUILBERT| Nicht ungetrübte Freude
GUILBERT| Ist Himmel! mir bescheiden.
GUILBERT| Ich sucht der bange Blick;
GUILBERT| Ward er des Feindes Bente
GUILBERT| Dahin ist dann mein Frieden,
GUILBERT| Dahin ist all' mein Glück, mein Glück!
GUILBERT| Ich sucht der bange Blick!
GUILBERT| Erst war hier großes Leiden,
GUILBERT| Man hörte Jammertöne,
GUILBERT| Der Feind hielt stolz das Feld.
GUILBERT| Jetzt! jubeln wir vor Freuden
GUILBERT| Und klangen werden jene,
GUILBERT| Das ist der Lauf der Welt,
GUILBERT| Das ist der Lauf der Welt!
GUILBERT| Frisch auf, ihr wacken Leute!
GUILBERT| Laßt uns nicht länger weilen
GUILBERT| Das Jägerhorn erschall!
GUILBERT| Uns ladet reiche Beute,
GUILBERT| Sie redlich zu vertheilen,
GUILBERT| Hinaus zum grüner Wald!
GUILBERT| Zum Wald!
GUILBERT| Nicht kann ich ganz der Freude mich,
GUILBERT| Der Freude fröhlich überlaßen,
GUILBERT| Was ich auch heut' gewann!
GUILBERT| Er fiel an meiner Seite,
GUILBERT| Ich sah den Freund er blaßen
GUILBERT| Den edlen Athelstane!
GUILBERT| Hinaus zum günen Wald! Frisch auf! Ihr wacken Leute,
GUILBERT| Laßt uns nicht länger weilen das Jägerhorn erschallt.
GUILBERT| Uns ladet reiche Beute, sie rechtlich zu vertheilen,
GUILBERT| Hinaus zum güner Wald,
GUILBERT| Hinaus zum güner Wald!
GUILBERT| Zum Wald, zum Wald!
Vorhang.
GUILBERTEnde des Ersten Akts
SYSTEMZweiter Aufzug
SYSTEMNo. 9: Introduction
GUILBERTEs zittert im Früroth vor Freuden die Welt,
GUILBERTGejüßt von dem lachden Morgen,
GUILBERTDie Lachende Sonne am Himmelsgezelt,
GUILBERTVerscheuchet die nächtlichen Sorgen.
GUILBERTMit Perl und Demanten besä't sie die Flur
GUILBERTUnd wonniges Beben durchzuckt die Natur.
GUILBERTUnd Blumen und Blüthen sie senden empor
GUILBERTZum Himmel die würzigen Düfte,
GUILBERTDer munteren Vögel Dankjubelndes Chor
GUILBERTSteigt jauchzend hinauf durch die Lüfte,
GUILBERTWas ist und was fühlt, was da athmet und lebt,
GUILBERTEs wird zum Gebete das himmelwärts strebt.
Musik auf dem Theater.
GUILBERTDie Lady mit Gefolge, das sie zu holen kam,
GUILBERTBricht auf und zieht von damen.
[Hier erscheint Rowena auf einem weißen Zelter nebst Gefolge.]
GUILBERTHeil! Heil! Lady Row'na
GUILBERTHeil! Heil! Lady Row'na Heil!
GUILBERTHabt Dank!
GUILBERTIhr Waldgesellen habt Dank
GUILBERTFür Schirm und Schutz, habt Dank!
/| Wir lenken froh die Schrite
/| Zum hei mathlichen Heerd nach
|| Lebt wohl! und denkt zuweilen der Waldgesellen auch,
|lebt wohl, lebt wohl!
SYSTEMLied des Brüder Tuck Mit Chor.
[In the libretto, the song is given to
WAMBABrüder wacht!
WAMBAHabet Acht!
WAMBAHörnerklang erschallt,
WAMBASchon entweicht die dunkle Nacht,
WAMBAFrisch zum grünen Wald.
WAMBAHalloh!
WAMBABrüder wacht!
WAMBAHabet Acht!
WAMBAHörnerklang erschallt,
WAMBASchon entweicht die dunkle Nacht,
WAMBAFrisch zum grünen Wald. Halloh!
WAMBAStärkend ist die Morgenluft,
WAMBAMunter fort durch Berg und kluft,
WAMBAReh' und Hirsche springer auf,
WAMBAJäger nach in vollem Lauf.
WAMBAStärkend ist die Morgenluft,
usw.
WAMBAMägdelein,
WAMBAZart und fein,
WAMBAJagd man gerne auch,
WAMBAStürzt das Wild, rasch hinterdrein!
WAMBADas ist Jägers Brauch
WAMBAMägdelein,
WAMBAZart und fein,
WAMBAJagd man gerne auch,
WAMBAStürzt das Wild, rasch hinterdrein!
WAMBADas ist Jägers Brauch
WAMBAJuchheisasa! Halloh! Trallalala!
WAMBAImmer so
WAMBAFrisch und froh,
WAMBAJagd man durch den Wald,
WAMBAHussa! Hussa! und Halloh!
WAMBAWie das Horn erschallt.
WAMBAHalloh! Immer so
WAMBAFrisch und froh,
usw.
WAMBAIn der Mittagssonne Glut,
WAMBASuchet man die blaue Fluth,
WAMBAFrischt dir Glieder müd und matt,
WAMBAIn dem kühlen Wellenbad.
WAMBAIn der Mittagssonne Glut,
usw.
WAMBAMägdelein,
WAMBASchlank und fein,
WAMBABad' dich
[Bad't sich
WAMBA- score] tief versteckt;
WAMBAHui! wie plumpt's in's Wasser nein [h'nein -lib.],
WAMBAWenn's der Jäger schrecht
WAMBAOho! Mägdelein,
WAMBASchlank und fein,
usw.
WAMBAJuchheisasa! Halloh! Trallalala!
WAMBAStolz einher,
WAMBABeute schwer,
WAMBAZieht man aus dem Wald,
WAMBAZeigend bei der Wiederkehr,
WAMBADaß es froh erschallt.
WAMBAHalloh! Stolz einher,
WAMBABeute schwer,
usw.
WAMBAHirsch' und Rehe, gute Nacht,
WAMBAUnser Tagwerk, ist vollbracht;
WAMBAFlur und Wald in Mondenschein,
WAMBALaden nur zu Ruhe ein.
WAMBAHirsch' und Rehe, gute Nacht,
usw.
WAMBALiebchen, du
WAMBASchläfft in Ruh,
WAMBAAuch beim Mondenschein;
WAMBASchlossest mir die Thüre zu.
WAMBARasch zum Fenster h'nein
WAMBAOho! Liebchen, du
WAMBASchläfft in Ruh,
usw.
WAMBAJuchheisasa! Halloh! Trallalala!
SYSTEMNo. 10: Recitative und Arie
[kommt eilig:]
WAMBAHa! Find ich Euch!
[zu Richard:]
WAMBADer Herzog Salisbury
WAMBAKam eben an, mit Eurem tapfern Heer;
WAMBAEuch sucht ein Jeder, Jeder rufet laut
WAMBANach seinem König, Richard Löwenherz!
WAMBADer König
WAMBAWär' es möglich?
WAMBAUns so nah, in unsrer Mitte?
Richard, in score
[den Helm öffnend:]
DER SCHWARZE RITTERJa, ich bin's, bin Richard Löwenherz.
DER SCHWARZE RITTEREr ist es! Vernahmst du's?
DER SCHWARZE RITTERVor Freude bebt die Brust;
DER SCHWARZE RITTERDer König, der König!
DER SCHWARZE RITTERO unverhoffte Luft!
DER SCHWARZE RITTERHeil sei dem Könige!
DER SCHWARZE RITTERHeil unserm Herrn.
[Lokslei in score]
DER SCHWARZE RITTERSire, deines Bruders Ungerechtigkeit
DER SCHWARZE RITTERZwang uns, zu süd'gen gegen das Gesetz;
DER SCHWARZE RITTERDoch hängen wir mit Leib und Seel an dir,
DER SCHWARZE RITTERDrum wolle uns ein milder Richter sein.
DER SCHWARZE RITTERUm Gnad' auch fleht Sanct
[St. in lib.]
DER SCHWARZE RITTERDunstans frommer Priester,
Ora pro nobis.
DER SCHWARZE RITTERNicht eures Fehltritts, eurer Treue nur,
DER SCHWARZE RITTERWill ich gedenken, gern verzeih' ich euch;
Steht auf, ihr wackern Freunde, seid fortan
DER SCHWARZE RITTERLehnsleute mir und wackere Unterthan'n!
DER SCHWARZE RITTERWir schwören die Treue!
DER SCHWARZE RITTERWir schwören die Treue!
DER SCHWARZE RITTERWir schwören die Treue,
DER SCHWARZE RITTERDu führst uns auf's Neue
DER SCHWARZE RITTERIn's Leben uns ein.
DER SCHWARZE RITTERWir schwören die Treue!
DER SCHWARZE RITTERDu führst uns auf's Neue
DER SCHWARZE RITTERIn's Leben uns ein.
DER SCHWARZE RITTERDrum wollen wir gerne,
DER SCHWARZE RITTEROb nah oder ferne,
DER SCHWARZE RITTERDas Leben dir weih'n.
[zu Richard:]
DER SCHWARZE RITTEREin biedres Volk erhofft von Euch sein Glück,
DER SCHWARZE RITTERLaßt, König, den erworb'nen Ruhm Euch gnügen,
DER SCHWARZE RITTERDen besten Ritter nennet Euch die Welt,
DER SCHWARZE RITTERMacht, daß das Volk Euch seinen Vater nennet.
SYSTEMNo. 11: Arie mit Chor
DER SCHWARZE RITTEREs ist dem König Ehr' und Ruhm
DER SCHWARZE RITTERHinaus zum Kampf zu ziehn,
DURCH ABENTHEUER KÜHNEs ist dem König Ehr' und Ruhm
DURCH ABENTHEUER KÜHNHinaus zum Kampf zu ziehn,
DURCH ABENTHEUER KÜHNZu streiten für das Ritterthum
DURCH ABENTHEUER KÜHNDurch Abentheuer kühn.
DURCH ABENTHEUER KÜHNDa ziegt sich Mannes Kraft und Werth,
DURCH ABENTHEUER KÜHNUnd nur der Tapfre word geehrt,
DURCH ABENTHEUER KÜHNDen Ritterruhm kann man nicht erben,
DURCH ABENTHEUER KÜHNDer König selbst muß ihn erwerben.
DURCH ABENTHEUER KÜHNDa ziegt sich Mannes Kraft und Werth,
DURCH ABENTHEUER KÜHNUnd nur der Tapfre word geehrt,
DURCH ABENTHEUER KÜHNDen Ritterruhm kann man nicht erben,
DURCH ABENTHEUER KÜHNDer König selbst muß ihn erwerben.
DURCH ABENTHEUER KÜHNDu kehrst als Ritter stolz zurück
DURCH ABENTHEUER KÜHNUmstrahlt von Ruhm und Ehr,
DURCH ABENTHEUER KÜHNSo gelte nun des Volkes Glück,
DURCH ABENTHEUER KÜHNDem Sieggekrönten mehr,
DURCH ABENTHEUER KÜHNVergönnt ist dir dich nun allein
DURCH ABENTHEUER KÜHNDem Wohl des Vaterlands zu weihn,
DURCH ABENTHEUER KÜHNBefriedgt sind des Ruhmes Triebe
DURCH ABENTHEUER KÜHNNun strebe nach des Volkes Liebe.
DURCH ABENTHEUER KÜHNDu kehrst,
usw.
DURCH ABENTHEUER KÜHNVergönnt ist dir dich nun allein
DURCH ABENTHEUER KÜHNDem Wohl des Vaterlands zu weihn,
DURCH ABENTHEUER KÜHNBefriedgt sind des Ruhmes Triebe
DURCH ABENTHEUER KÜHNNun strebe nach des Volkes Liebe.
SYSTEMNo. 12: Scene and Arie
DURCH ABENTHEUER KÜHNNicht zu verschmähen!
DURCH ABENTHEUER KÜHNStolze! Undankbare!
[in sanfteres Gefühl übergehend:]
DURCH ABENTHEUER KÜHNHeißgeliebte!
DURCH ABENTHEUER KÜHNNicht achtend die Gefahr,
DURCH ABENTHEUER KÜHNDes eignen Lebens, rettete ich dich;
DURCH ABENTHEUER KÜHNZahlloser Pfeile Ziel war meine Brust,
DURCH ABENTHEUER KÜHNNur dich zu schützen, braucht' ich meine Waffen,
DURCH ABENTHEUER KÜHNBesorgt nur war ich, daß den zarten Körper
DURCH ABENTHEUER KÜHNKein Pfeil erriche, keines Schwertes Spitze
DURCH ABENTHEUER KÜHNDie Lilienhait verletze! ha! und jetzt!
DURCH ABENTHEUER KÜHNZum Vorwurf machst du meine Liebe mir!
DURCH ABENTHEUER KÜHNPreis hätt' ich dich dem Feinde geben sollen,
DURCH ABENTHEUER KÜHNUnd sterben willst du lieber, als dein Leben
DURCH ABENTHEUER KÜHNMir danken! Grausam, lieblos, nennst du mich?
[schmerzlich:]
DURCH ABENTHEUER KÜHNAch könntest du mein Herz erkennen,
DURCH ABENTHEUER KÜHNDu würdest mich nicht lieblos nennen.
DURCH ABENTHEUER KÜHNUnd doch du fandest mich so doch daß ich's bin,
DURCH ABENTHEUER KÜHNWer anders als ein Weib bracht' mich dahin?
DURCH ABENTHEUER KÜHNWar ein Ritter je im Leben,
DURCH ABENTHEUER KÜHNSeiner Dame mehr ergeben,
DURCH ABENTHEUER KÜHNAls es Bois Guilbert war?
DURCH ABENTHEUER KÜHNWo man Ruhm und Ehre kannte,
DURCH ABENTHEUER KÜHNWo man tapfere Männer nannte,
DURCH ABENTHEUER KÜHNStark in jeglicher Gefahr!
DURCH ABENTHEUER KÜHNHörte man, berühmt vor Allen,
DURCH ABENTHEUER KÜHNMeiner Dame Nahmen schallen:
DURCH ABENTHEUER KÜHNAdelheid von Montemar!
DURCH ABENTHEUER KÜHNUnd beim klang der Minnelieder,
DURCH ABENTHEUER KÜHNTönt es mmir im Herzen wieder:
DURCH ABENTHEUER KÜHNAdelheid von Montemar!
DURCH ABENTHEUER KÜHNUnd was war der Treue Lohn?
DURCH ABENTHEUER KÜHNHerber Undank! bittrer Hohn!
DURCH ABENTHEUER KÜHNVon einem Zuge kehrt' ich stolz zurück,
DURCH ABENTHEUER KÜHNDen Lohn erwartend in der Liebe Glück,
DURCH ABENTHEUER KÜHNDa fand' ich sie wer malet meinen Schrecken
DURCH ABENTHEUER KÜHNVermählt! vermählt! Im Arme eines Gekken!
DURCH ABENTHEUER KÜHNMich fdaßt die Wut[h],
DURCH ABENTHEUER KÜHNDer Rache Glut[h],
DURCH ABENTHEUER KÜHNDurchlodert rasch mir Herz und Sinn;
DURCH ABENTHEUER KÜHNBeim Hochzeitmahl
DURCH ABENTHEUER KÜHNDurchstößt mein Stahl
DURCH ABENTHEUER KÜHNDen Buben, die Verrätherin!
DURCH ABENTHEUER KÜHNRache nur wollt' ich genießen
DURCH ABENTHEUER KÜHNIhr allein mein Ohr nur leihend,
DURCH ABENTHEUER KÜHNTrennt ich mich von allen süßen,
DURCH ABENTHEUER KÜHNZarten Banden der Natur;
DURCH ABENTHEUER KÜHNMich dem Templer-Orden weihend
DURCH ABENTHEUER KÜHNBittre Reue ward mit nur
DURCH ABENTHEUER KÜHNIn des Lebens wildem Drang,
DURCH ABENTHEUER KÜHNSucht' umsonst ich Jahre lang,
DURCH ABENTHEUER KÜHNTrost für die verlorne Liebe
DURCH ABENTHEUER KÜHNMacht und Reichthum, Ruhm und Glanz,
DURCH ABENTHEUER KÜHNUnd der blut'ge Lorbeer Kranz,
DURCH ABENTHEUER KÜHNStillen nicht des Herzens Triebe.
DURCH ABENTHEUER KÜHNMeines Lebens Blüthezeit,
DURCH ABENTHEUER KÜHNWelkte ungeliebt dahin
DURCH ABENTHEUER KÜHNWas des Mannes Herz erfreut:
DURCH ABENTHEUER KÜHNFrauen Liebe und treuer Sinn,
DURCH ABENTHEUER KÜHNHäuslich Glück bei Weib und Kind,
DURCH ABENTHEUER KÜHNAch! ach! mir ward es nicht gegeben!
DURCH ABENTHEUER KÜHNUnd so stirbt dahin mein Leben,
DURCH ABENTHEUER KÜHNFreudlos, wie ein Traum verrinnt.
DURCH ABENTHEUER KÜHNEinsam in das dunkle Grab,
DURCH ABENTHEUER KÜHNMuß ich ungeliebt hinab.
DURCH ABENTHEUER KÜHNLiebes sehnen,
DURCH ABENTHEUER KÜHNKindes Thränen
DURCH ABENTHEUER KÜHNFolgen, ach! mir Armen nimmer,
DURCH ABENTHEUER KÜHNUnd ich sterb' fü immer.
DURCH ABENTHEUER KÜHNDa noch einmal steigt
[blinkt,
DURCH ABENTHEUER KÜHNscore] von fern,
DURCH ABENTHEUER KÜHNFreundlich mir ein schöner Stern,
DURCH ABENTHEUER KÜHNAus der finstern Nacht empor;
DURCH ABENTHEUER KÜHNNur ein kräftiges Gemüth,
DURCH ABENTHEUER KÜHNGroß und edel denkend, zieht
DURCH ABENTHEUER KÜHNSelbst den Tod der Schande vor!
DURCH ABENTHEUER KÜHNDas thatst du mit heil'gem Feuer,
DURCH ABENTHEUER KÜHNDrum wirst du mir ewig theurer,
DURCH ABENTHEUER KÜHNIch dir treu ergeben sein;
DURCH ABENTHEUER KÜHNDeine Liebe zu erringen,
DURCH ABENTHEUER KÜHNWill das Schwerste, ich vollbringen.
DURCH ABENTHEUER KÜHNSetze kühn mein
[ das,
DURCH ABENTHEUER KÜHNscore] Leben ein.
DURCH ABENTHEUER KÜHNAlles, Alles soll dir werden,
DURCH ABENTHEUER KÜHNRuhm und Liebe, was auf Erden,
DURCH ABENTHEUER KÜHNNur ein weiblich Herz erfreut,
DURCH ABENTHEUER KÜHNUnd mir winkt, was ich vergebens
DURCH ABENTHEUER KÜHNSuchte in dem Drang des Lebens,
Lacht der Liebe Seeligkeit.
SYSTEMNo. 13: Finale
SYSTEMChor des Volks
DURCH ABENTHEUER KÜHNWie so ernst und feierlich,
DURCH ABENTHEUER KÜHNDas Gericht beginnet;
DURCH ABENTHEUER KÜHNWehe! weh! wer freventlich
DURCH ABENTHEUER KÜHNJe auf Böses sinnet!
DURCH ABENTHEUER KÜHNAngst befällt die Sünder hier,
DURCH ABENTHEUER KÜHNBleichet die Gesichter,
DURCH ABENTHEUER KÜHNDenn das Kreuz ist hier Panier,
DURCH ABENTHEUER KÜHNUnd Gott selbst ist Richter.
Semper leo percutiatur!
BEAUMANOIRIn der Feinde stolze Reih'n
BEAUMANOIRWie sie trotzen, wie sie dräu'n,
BEAUMANOIRMuthvoll stürzen wir hinein,
Semper leo percutiatur.
[eignen
DOCH AUCH IN DER ENGEN- score]Brust,
DOCH AUCH IN DER ENGENSchlummert oft uns unbewußt
Semper leo percutiatur.
DOCH AUCH IN DER ENGENZeig' er offen sich und frei,
DOCH AUCH IN DER ENGENBerg er sich in Zauberei,
DOCH AUCH IN DER ENGENWo er nur zu finden sei;
Semper leo percutiatur.
[auf Guilbert deutend:]
DOCH AUCH IN DER ENGENSeht Bruder, dort den jammernswerthen Freund,
DOCH AUCH IN DER ENGENNicht wagt er sich in unsern Kreis herbei;
DOCH AUCH IN DER ENGENSeht, wie er mit sich selbst zu ringen scheint,
DOCH AUCH IN DER ENGENDoch läßt ihn nicht der böse Zauber frei;
DOCH AUCH IN DER ENGENEr sonst der Kräftige in jeglicher Gefahr,
DOCH AUCH IN DER ENGENDer unser Stolz, ein Fels des Tempels war.
DOCH AUCH IN DER ENGENDa steht er, ein beweinenswerther Mann,
DOCH AUCH IN DER ENGENNur unser Mitleid spricht der Ärmste an;
DOCH AUCH IN DER ENGENDoch wehe ihr! die ihn dahin gebracht,
DOCH AUCH IN DER ENGENDurch Zauberkünste und der Hölle Macht!
DOCH AUCH IN DER ENGENMit Schrecken soll sie ihre Richter sehn,
DOCH AUCH IN DER ENGENUnd der gerechten Strafe nicht entgehn.
DOCH AUCH IN DER ENGENSeht dort naht sie!
DOCH AUCH IN DER ENGENFluch der Jüdin!
DOCH AUCH IN DER ENGENFluch der Zaub'rin!
DOCH AUCH IN DER ENGENFluch der Jüdin!
DOCH AUCH IN DER ENGENFluch! Fluch! Fluch! Fluch! Des Ritters Schmach,
DOCH AUCH IN DER ENGENVersöhn der Hexe Blut!
DOCH AUCH IN DER ENGENDer Flamme Glut[h]
DOCH AUCH IN DER ENGENVerzehre ihr Gebein!
DOCH AUCH IN DER ENGENSie sterbe!
DOCH AUCH IN DER ENGENSchützt sie, ihr Knappen, vor des Volkes Wuth!
DOCH AUCH IN DER ENGENIhr Streiter Gottes! Ehrfurcht dem Gericht!
DOCH AUCH IN DER ENGENSie ungehört verdammen, ziemt dem Christen nicht.
DOCH AUCH IN DER ENGENRuhe gebiet' ich hier!
[heimlich zu Rebecca]
DOCH AUCH IN DER ENGENNimm dieses Blatt, zur Rettung dient es dir.
DOCH AUCH IN DER ENGENDu, Tochter eines Stammes, der verworfen ist,
DOCH AUCH IN DER ENGENWiß, daß der Zauberei du überwiesen bist.
DOCH AUCH IN DER ENGENDurch böse Künste hast du diesen Ritter hier
DOCH AUCH IN DER ENGENAn dich gefesselt, unsers Ordens Zier,
DOCH AUCH IN DER ENGENSo daß er nicht beachtend seine Pflicht,
DOCH AUCH IN DER ENGENVergnügen nur in deinem Umgang fand;
[Zu Guilbert:]
DOCH AUCH IN DER ENGENSprich selber, Guilbert, sprich: in welchem Licht
DOCH AUCH IN DER ENGENBetrachtest du dies unglücksel'ge Band?
DOCH AUCH IN DER ENGENGuilbert hält solch ein thörichtes Beschulden
DOCH AUCH IN DER ENGENNicht einer Antwort werth,
DOCH AUCH IN DER ENGENDoch wird sein tapfres Schwert
DOCH AUCH IN DER ENGENKeine Beleidigung seiner Ehre dulden!
DOCH AUCH IN DER ENGENUnglücksel'ger! nicht will es dir geziemen,
DOCH AUCH IN DER ENGENDer Tapferkeit dich hier zu rühmen,
DOCH AUCH IN DER ENGENUnd deine, Meister keck zu drohn.
DOCH AUCH IN DER ENGENDer Ärmste, ach! zu sehr hat schon
DOCH AUCH IN DER ENGENDer Zauber ihn umsricket. Nun, wohl an!
DOCH AUCH IN DER ENGENSo frag' ich dich Verworfne! sage an:
DOCH AUCH IN DER ENGENWeiß du etwas, dich zu entschuld'gen?— Sprich!—
DOCH AUCH IN DER ENGENMein zuvor entschleire dich!
DOCH AUCH IN DER ENGENLaßt den Schleier mir, ich bitte;
DOCH AUCH IN DER ENGENMir gestattet nicht die Sitte
DOCH AUCH IN DER ENGENMeines Volks, mich zu enthüllen
DOCH AUCH IN DER ENGENVor so vieler Männer Blick.
DOCH AUCH IN DER ENGENMein Gebot sollt du erfüllen,
DOCH AUCH IN DER ENGENNimm den Schleier rasch zurück.
/| Laßt den Schleier mir, ich bitte;
/| Mir gestattet nicht die Sitte
/| Meines Volks, mich zu enthüllen
/| Vor so vieler Männer Blick.
|| Mein Gebot sollt du erfüllen,
|Nimm den Schleier rasch zurück.
[Der Wache winkend]
|Auf! entreißt den Schleier ihr!
|Ach! um Eurer Töchter willen
|Doch, ihr seid ja Kinderlos,
|Rauhe Männer seid ihr blos;
|Nun denn, bei dem Angedenken
|Eurer Mütter, eurer Schwestern!
|Wollt' Barmherzigkeit mir schenken,
|Laßt von roher Männer Händen,
|Zucht und Sitte zu verlästern,
|Nicht den Schleier mir entwenden;
[zum Großmeister:]
|Wenn Ihr wollt, daß ich es soll,
|Ihr seid alt und würdevoll,
|Will ich dem Gebot mich beugen
[fügen,
|- score],
|Und das schaamerglüht'
[Schamerglüht'
|- score] Gesicht
|Einer Unglücksel'gen zeigen,
|Das um Mitleid zu euch spricht.
[Sie entschleiert sich.]
/| Ha!
/| Wie so süß die Stimme spricht!
/| Welch win anmuthvolles Wesen!
/| In dem klaren Angesicht
/| Ist nicht böse Schult zu lesen;
/| Mitleid regt sich leis' in mir,
/| Für die schöne Sünd'rin hier.
[bei Seite:]
|| Gott, du strafest mich gerecht
|| Für des Herzens sünd'ge Treibe,
|| Ach, ich fühl's es ist nicht recht,
|| Daß ich jenen Christen liebe,
|| Führ' durch Leiden mich zur Pflicht,
|Vater, laßen kann ich's nicht.
|Verworf'ne Jüdin! durch der Hölle Macht,
|Hast du den Ritter hier so weist gebracht,
|Daß er vergessend Pflicht und Ruhm und Ehr
|An dir nur hängt, mit sündigen Begehr;
|Zum Himmel schreit um Rache dies Verbrechen
|Und sühnen kann ihn nur den Zaub'rin Blut.
|Drum, Brüder, auf! Laßt uns das Urtheil sprechen:
|Sie sterbe in des Scheiterhaufens Glut.
|Den Himmel sühnt allein der Hexe Blut,
|Sie sterbe in des Scheiterhaufens Glut!
|Den Himmel sühnt allein der Hexe Blut,
|Sie sterbe in des Scheiterhaufens Glut!
|Sie sterbe! Sie sterbe!
[zu Rebecca:]
BEAUMANOIRWeiß du noch etwas, Jüdin, sage an,
BEAUMANOIRWas dein Verbrechen mindern kahn?
BEAUMANOIREuer Mitleid zu erflehen
BEAUMANOIRWeiß ich, würde fruchtlos sein,
BEAUMANOIRDenn ihr wollt mich schuldig sehen,
BEAUMANOIRWeidet euch an meiner Pein.
BEAUMANOIRMich erreten durch Verderben
BEAUMANOIRMeines Feindes will ich nicht,
BEAUMANOIRMag die arme Jüdin sterben
BEAUMANOIRDurch ein ungerecht Gericht;
BEAUMANOIRGott wird einstens zwischen mir
BEAUMANOIRRichter sein und diesem hier.
[Sie wendet such zu Guilbert]
BEAUMANOIRNur auf dich allein, auf dich!
BEAUMANOIRHier, wie dort, beruf ich mich:
BEAUMANOIRIst die Wahrheit hier gesagt?
BEAUMANOIRWeß man jetzt mich angeklagt,
BEAUMANOIRBin ich schuldig dessen? Sprich!
[Pause.]
BEAUMANOIREr verstummet! Wehe! Wehe!
BEAUMANOIRWelch ein fürchterliches Zeichen!
BEAUMANOIRBöser Zauber wartet hier!
BEAUMANOIRWill nicht wanken und nicht weichen.
[zu Guilbert:]
BEAUMANOIRBist du ein Ritter, rede Christ!
BEAUMANOIRRede, wenn ein Mann du bist!
BEAUMANOIRBei dem Kreuze des Gewandes,
BEAUMANOIRDas du trägst, beschwör ich dich!
BEAUMANOIRBei dem Ruhme deines Standes,
BEAUMANOIRDen du schändes, Frevler! Sprich!
BEAUMANOIRSprich die Wahrheit! Sprich, Verräther!
BEAUMANOIRSprich die Wahrheit! ich beschwöre
BEAUMANOIRDich bei deiner Mutter Ehre!
BEAUMANOIRBei dem Grabe deiner Väter!
BEAUMANOIRIst die Klage wider mich,
BEAUMANOIRWahrheit oder Lüge? Sprich!
[sprechend:]
BEAUMANOIRDas Blatt! Das Blatt!
BEAUMANOIRDas Blatt! Das Blatt!
hebt rasch an, und der Chor stimmt
gesummt ? humming ? Here the score has parts for the chorus, but no vocalization
BEAUMANOIRWehe! Wehe! nur das Blatt,
BEAUMANOIRSteht vor seinem irren Geist,
BEAUMANOIRDas den Zauberbann berweist,
BEAUMANOIRDer ihn ganz unsponnen hat.
[die das Blatt gelesen gesprochen:]
BEAUMANOIR"Einen Kämpfer ford're dir."
BEAUMANOIRDieses Mannes Zeugniß spricht,
BEAUMANOIRDir zu Gunsten wahrlich nicht;
BEAUMANOIRNur zu deutlich sehen wir
[ihn unterbrechend.]
BEAUMANOIRWohl mir bleibt ein Mittel noch,
BEAUMANOIRSelbst der Templer stolz Gericht,
BEAUMANOIRKann und muß es mir erlauben;
BEAUMANOIRLieb' ich gleich mein Leben nicht,
BEAUMANOIRIst es Gottes Gabe doch,
BEAUMANOIRUnd ich darf es mir nicht rauben,
BEAUMANOIRWo noch Rettung möglich ist;
BEAUMANOIRDrum, ihr Richter, hö und wißt:
BEAUMANOIRHiermit reklär' ich wahr und frei,
BEAUMANOIRDaß eure Anklag' Lüge sei,
BEAUMANOIRUnschuldig weiß ich mich und rein,
BEAUMANOIRDer Himmel wird mir Schutz verlein;
BEAUMANOIRUnd darum fordr'ich Gericht,
BEAUMANOIRWo Gott im Zweikampf Urtheil spricht.
BEAUMANOIRErhören wird der Herr mein Beten,
BEAUMANOIRMein Kämpe siegreich mich vertreten.
BEAUMANOIRWer wird für eine Zaub'rin streiten,
BEAUMANOIRWer soll der Jüdin Kämpe sein?
BEAUMANOIRGott wird den Kämpen mir bereiten,
BEAUMANOIRIhm meiner Unschuld Sieg verleihn.
BEAUMANOIRWenn auch ein Kämpe möglich wäre,
BEAUMANOIRWer steht dem Kreuz, des Ordens Zier? !
BEAUMANOIRDer Herr allein giebt Gnad' und Ehre,
BEAUMANOIRDer Herr allein ist Sonn' und Schild.
BEAUMANOIRErzitt're vor des Ew'gen Grimme,
BEAUMANOIRArglist'ge, falsche Zauberin !
BEAUMANOIRIch ford're Spruch durch Gottes Stimme
BEAUMANOIRHeir werf' ich meinen Handschuh hin !
Sie wirft den Handschuh in die Mitte des Platzes.
/| Begeist'rung spricht aus dem Gesicht,
/| Und würdevoll ist ihr Betragen,
/| Sie will den Himmel selbst befragen,
/| Und scheuet Gottes Urtheil nicht.
|| Nun glückt es mir sie zu befrein !
|| Nun Liebchen, stille deine Klagen
|| Ich werde selbst dein Kaempfe sein
|| Mir glänzt ein ros'ger Hoffnungschein,
|| Und mich durchzuckt's mit füßem Beden;
|| Du rettetest ihm einst das Leben,
|Es wird auch jetzt dein Kämpe sein.
|Wohlan, gebt mir den Handschuh her.
[Es geschieht]
|Wer tritt als Kämpe für den Orden ein ?
|Ihr ritter, sprechet: Wer?
|Bois Guilbert, soll der Kämpe sein !
|Wer? ich ! ha, nimmermehr !
|Ja, du sollst unser Kämpe sein !
|Ha! nimmermehr !
|Ja, du! dich haben laut die Brüder auserkohren,
[Dich haben laut die Brüder erkoren.
|-libretto]
|Reicht ihm das Pfand.
|Weh' mir ! ich bin verloren !
[Malvoisin nimmt den Handschuh
und bringt ihn Guilbert wider Wißen-auf.]
|So nehme denn die Sache ihren Lauf,
|Dir, Tochter Juda's geb ich auf,
|Eh' noch der Sonne letzte Strahlen schwinden,
|Muß sich ein Kämpfer für dich finden,
Erscheint er nicht, erliegt er in dem Streit,
|Wirst du dem Flammen-Tod geweiht,
|| Er, der hoch im Himmel thront,
|| Böses strafet, Gutes lohnt,
|| Wird der Wahrheit Sieg verliehn !
|| Auf ihn bauen
|| Im Vertrauen,
|| Darf allein,
|| Wer von Sünd' und Frevel rein.
||
|| Verderben stürmet auf mich ein !
|| Ich kann sie jetzt nicht mehr befrein
|Will ich nicht selbst das Opfer sein.
Vorhang.
|End des Zweiten Aktes
SYSTEMDritter Aufzug
SYSTEMNo. 14: Introduction
|Schlinget frohe Tänze,
|windet Blumenkränze,
|Freude herrsche rings umher;
|Laß die Fahnen wallen,
|Siegslieder schallen,
|Zu des Königs Ruhm und Ehr.
|Ballade.
Vers 1
|Wer ist der Ritter hochgeehrt,
|Der hin den Osten zieht?
|Wer ist's, vor deßen Flammenschwert
|Der Muselmann entflieht,
|Wer ist's, der dort im Siegesglanz,
|auf Ptolomais steht?
|Wer, deßen Stirn der Lorbeerkranz,
|Bei Askalon umweht?
|Du stolzes England, freue dich,
|Dein Richard hoch und ritterlich,
|Dein König! Dein König!
|Der Tapfere Löwenherz.
|Du stolzes England, freue dich,
|Dein Richard hoch und ritterlich,
|Dein König! Dein König!
|Der Tapfere Löwenherz.
Vers 2
|Wer ist es, deßen Tapferheit,
|Jerusalem uns gab?
|Wer bahnte kühn der Christenheit,
|Den Weg zum heil'gen Grab?
|Wer ist des Kreuzes erster Held?
|Den selbst der Heide preis't?
|Wer ist, den die erstuante Welt,
|Den besten Ritter heißt?
|Du stolzes England, freue dich;
|Dein Richard hoch und ritterlich,
|Dein König! Dein König!
|Der tapfre Löwenherz.
|Du stolzes England, freue dich,
usw.
Vers 3
|Ach lange war das Vaterland,
|Im blut'gen Haß geheilt,
|Er schlang der Eintracht süßes Band,
|Das alle Wunden heilt.
|Und seht ihr ein beglücktes Paar,
Das Freudenthränen weint,
|So ahnet ihr wohl, wer es war,
|Der treü Lieb' verient,
|Du glücklich england, freue dich,
|Dein Richard hold und minniglich,
|Dein König! Dein König!
|Der edle Löwenherz.
|Du glücklich England, freue dich,
usw.
|Schlinget frohe Kränze,
|Windet Blumenkränze,
|Freude herrsche rings umher;
|Laßt die Fahnen wallen,
|Siegeslieder schallen,
|Zu des Königs Ruhm und Ehr!
SYSTEMNo. 15 Lied des Narren
|Es ist doch gar köstlich, ein König zu sein,
|Es stürmen ja Freude und Ruhm auf ihn ein;
|Gefiel mir das Leben als Karr nicht zu sehr,
|So wollt' ich, mein Seel! das ein König ich wär'.
|Wie stand nicht erst vor kürzem noch,
|der Feind im Lande stolz und hoch,
|Raum schallt des Königs Name her,
|Stellt sich das Volkzu tapfrer Wehr,
|Das schlägt den Feind und Alles schreit:
|Hoch leb' des Königs Tapferkeit!
|Drum ist es gar köstlich, ein König zu sein,
usw.
|Wie, schwur mein Herr nicht oft und laut.
|Rie wird sie meines Sohnes Braut!
|Der König spricht eind freundlich Wort,
|So ist der alte Groll schon fort,
|Er willigt ein - das frohe Paar,
|Bringt lauten Dank dem König dar.
|Drum ist es gar köstlich, ein König zu sein,
usw.
SYSTEMNo. 16: Pregheira
|Herr, aus tiefen Jammernöthen,
|Hör' der Seele brünstig Flehn,
|Laß mich nicht in Gram vergehn,
|Höre, ach, erhor mein Beten.
|Die mich schmähen, die mich haßen,
|Schreiten groß und stolz einher,
|Zahllos, wie der Sand am meer;
|Ich bin hülflos und verlaßen.
|Wenn ich meine Hände ringe,
|Wenn ich wieine bitterlich,
|Höhnen meine Feinde mich,
|Niemand, der mir Trost nur bringe.
|Seit ich lalle deinen Namen,
|Bist du meine Zuversicht,
|Herr, mein Gott, verlaß mich nicht,
|Sende deine Hülfe, Amen.
[Pause.]
|Wer klopft?
SYSTEMNo 17. Recitativ und Duett.
|Weh mir, du bist's? Kommst du,
|Dich an den Leiden,
|Die du erschus'st, Grausamer! noch zu weiden?
|Nein, Freund und Retter werden will ich dir!
|doch tadle nicht, wenn ich zuvor dir sage:
|Gefahr und Schmach und Schande bringht es mir,
|Drum wenn ich alles für die Jüdin wage,
|Beding' ich auch, das sie zu thun verspricht,
|Was ich begehr'.
|Sprich, ich versteh' dich nicht.
|Sieh, erschein' ich in den Schranken,
|Darf mein Waffenruhm nicht wanken,
|Und du endest in den Flammen.
|Kämpf ich nicht, ha, so verdammen
|Mit und Nachwelt mich, zerbrochen
|Wird mein Schild durch Henkershand,
|Über mich die Acht gesprochen,
|Pflicht und ehrlos ich genannt!
|Und doch will ich alles tragen,
|Heir zu Füßen schwör' ich's dir,
|jedem Glücke gern entsagen,
|Lächelst du nur freundlich mir,
|Schmach und Schande acht' ich nicht,
|Selbst das Leben feß ich ein,
|Wenn nur deine Lippe spricht;
|Du sollst mein Geleiter sein.
|Denk' an solche Thorheit nicht;
|Faßt euch, Ritter, seid ein Mann!
|O, Rebecca, hör mich an!
|Laß mein flehen dich erweichen;
|Nur die Hoffnung nimm mir nicht,
|Deine Lied' einst zu erreichen.
|Christ! bedenke deine Pflicht.
|Ich die Jüdin, kann auf Erden,
|Nimmermehr die Deine werden.
GUILBERTDu verschmähest meine Liebe!
GUILBERTStolze Spröde! (Nun wohlan!)
GUILBERTNur der Rache süßem triebe,
GUILBERTWeih' ich meine Seele dann.
GUILBERTIch verachte sund'ge Liebe,
GUILBERTDeiner Rache biet' ich Truß,
GUILBERTFolge deinem rohen triebe,
GUILBERTGott im Himmel mein Schuß.
[Guilbert und Rebecca zusammen.]
GUILBERT|
GUILBERT| Nur der Rache sueßem Triebe,
GUILBERT| Weih ich meine Seele dann.
GUILBERT|
REBECCA| Folge deinem rohen Triebe,
REBECCA| Gott im Himmel ist mein Schuß
REBECCA|
REBECCA| Wenn der flammen dunkle Glut,
REBECCA| Dich umfaßt mit wilder Muth,
REBECCA| Wenn du mußt mir Höllenquallen,
REBECCA| Deinen Übermuth bezahlen,
REBECCA| Ha! dein Gott befreit dich nicht.
REBECCA|
REBECCA| Selbst noch in der Flammen Glut,
REBECCA| Soll mein Herz mit freud'gem Muth,
REBECCA| Dankend sich zu Gott erheben,
REBECCA| Siegreich dir zu widerstehen.
Trompetenstoß hinter den Scene.
REBECCA/
REBECCA| Horch! schon tönet die Trompete,
REBECCA| Ha, dein Gott befreit dich nicht.
REBECCA| Fort denn, fort zum Blutgericht.
REBECCA|
REBECCA| Zittre! Frevler! Bösewicht!
REBECCA| Seine Wunder wirst du sehen,
REBECCAEr verläßt die Seinen nicht.
SYSTEMNo. 18: Finale
REBECCAHier steht der tapfre Ritter Bois Guilbert,
REBECCABereit mit jedem Ebenbürtigen zu streiten,
REBECCADer für die Jüdin will den Kampf bestehen,
REBECCADen das Gefeß, ihr gnadig zürkannte.
REBECCADu, Herold, laß die Aufford'rung erschallen.
Dreimaliger Trompetenstoß.
Tiefe Pause
Kein Kämpfe zeigt sich für Angeklagte.
[zu Rebecca:]
REBECCAHast du den Kämpfen, Jüdin, dir erwählt,
REBECCADer Heute wird für deine Sache streiten?
REBECCASprich! ober unterwirfst du dich dem Urtheil,
REBECCADas wir gefällt, als wohlverdienter Strafe?
REBECCAGott wird mir den Kämpfen schicken,
REBECCAIch bin schuldlos. Jede Frist
REBECCAForb're ich, die gefeßlich ist,
REBECCAGläubig will ich aufwärts blicken,
REBECCAOb er mir sein Wort erfülle,
REBECCADas er Schuß der Unschuld sei.
REBECCAIst die leßte Frist vorbei,
REBECCASo gescheh' sein heil'ger Wille.
REBECCAWas das Gefeß gestattet, werde dir,
REBECCAGerechtigkeit was stets des Ordens Zier;
REBECCAWir harren bis zum spät'sten Abendroth,
REBECCADer Sonne Scheiden kündet dir den Tod.
Pause
REBECCARebecca, wende dich zu mir.
REBECCAHinweg! ich habe seinen Theil an dir.
REBECCAIm Feiber pocht mein Herz, dumpf in meinen Sinn,
REBECCAKaum weiß ich was ich thu, und wo ich bin,
REBECCADer Holzstoß dort, die Schranken, du und ich
REBECCAEin böser Traum, so scheint's, umgaukelt mich.
REBECCAMein Geist und Sinn faßt klar so Ort als Zeit:
REBECCADer Holzstoß dort, er ist für mich bereit,
REBECCADu bist mein Feind, durch dich droht mir Verderben,
REBECCANur kurze Frist, so muß ich qualvoll sterben.
REBECCAHa nimmermehr! ha nimmermehr!
REBECCARebecca hör':
REBECCAIch will dir Leben
REBECCAUnd Freiheit geben.
REBECCAErschreckt dich die Menge?
REBECCAHa, rasch durch's Gedränge,
REBECCAEntführe ich,
REBECCAFeinsliebchen (fein's Liebchen - score), dich.
REBECCAZurück Versucher! fort von mir!
REBECCANicht fern von hier,
REBECCABeim Knappentroß,
REBECCADa harrt mein Roß;
REBECCANur rasch davon! Und lange schon,
REBECCAEh' sie sich besinnen,
REBECCABist du von hinnen.
REBECCASelbst in der höchsten Todesangst,
REBECCAErfüll' ich nicht, was du verlangst;
REBECCAAuf gott vertrau' ich, fluche dir,
REBECCAZurück, Versucher! fort von mir!
REBECCAEin kalter Trost durchschaürt mein Gebein,
REBECCAUnd Wahnsinn stürmt, ich fühl' es, auf mich ein.
REBECCASprich, hat die Zauberin ihre Schuld bekannt,
REBECCAWie, oder steht sie fest auf ihren Sinn?
REBECCAIhr habt das rechte Wort genannt:
REBECCAJa, sie ist fest, die holde Zauberin;
REBECCASie springt vom höchsten Thurm hinab,
Kalt blickt sie in das offne Grab,
REBECCASie scheut selbst nicht den Flammentod!
REBECCADer endet freilich alle Roth!
REBECCAMir wird das wenig frommen
REBECCAHalloh! Halloh! will denn kein Kämpe kommen?
Pause.
REBECCALänger werden stets die Schatten,
REBECCAImmer tiefer sinkt die sonne;
REBECCAWenige Minuten noch,
REBECCAUnd zu Ende ist die Frist.
REBECCAWehe armes Mädchen, wehe!
REBECCAGott erbarm' sich deiner Roth!
REBECCAAch, sein Kämpe will sich zeigen,
REBECCAUnvertheidigt mußt du steigen,
REBECCAÄrmste, in den Flammentod.
REBECCAVater zu die rufe ich!
REBECCAWeihe mich nicht dem Verderben!
REBECCASei barmherzig, rette mich!
REBECCASterben laß mich nicht! Nicht sterben!
REBECCAIhr Sclaven, zündet nun den Holzstoß an!
REBECCAZu Gottes Ehren lodr' er Himmelan,
REBECCADie Sonne, Jüdin, ist dem Scheiden nah,
REBECCAMach dich bereit, der Augenblick ist da.
Trompetenstoß hinter den Scene.
REBECCAEin Kämpe naht! hurrah! hurrah!
REBECCAWillkommen hier, viel Glück und Heil!
REBECCAEin wackrer Kämpe naht sich da!
REBECCADem Tapfern werde Sieg zu Theil!
REBECCAHeil! Heil dir! Glück und Sieg! Hurrah!
REBECCAKomm an! komm an! du feiger Wicht!
REBECCASchon einen traf der Rache Strahl,
REBECCADenn ungestraft läßt Guilbert nicht
REBECCASich rauben seines Herzens Wahl.
[Außer sich vor Freuden:]
REBECCAEr ist's! er ist's! er muß es sein!
REBECCADank dir, o Gott, aus freud'ger Brust!
REBECCAAch, deine Prüfung war nur klein,
REBECCAUnd wie unendlich ist die Luft!
Ivanhoe schreitet unter
dem Gejauchze geharnischt und mit geschloßenem Visir durch die Schranken, und neigt sich vor dem Großmeister.
REBECCAKommst du zum Kampf für die Beklagte hier,
REBECCASo nenne deinen Stand und Namen mir.
REBECCAIhr Buhle bist du, ja ich kenne dich!
REBECCASchlau wußtest du ihr Herz mir zu entwenden;
REBECCADu wirst nicht triumphiren ünber mich,
REBECCAMein Stahl soll bald dein Leben enden.
REBECCAEin beß'rer Ritter wohl als du,
REBECCABin ich. Wilfred von Ivanhoe!
REBECCAWilfred von Ivanhoe!
REBECCAMein Glaube täuscht mich nicht!
REBECCAHa ha! komm an! komm an!
REBECCAUnd ich behaupte kühn und frei,
REBECCADaß die Beklagte schuldlos sei;
REBECCADich nenn' ich aller ehren baar,
REBECCAEntführer! Räuber! Mörder gar!
REBECCAMit meinem Schwert will ich's verheiden,
REBECCAUnd Gott im Himmel mög' entscheiden.
REBECCANun so beginne denn der Streit,
REBECCANach Rittersitte. Seid bereit!
[Guilbert und Ivanhoe rüsten sich zum Kampf.]
REBECCATrompeter blase! Nun wohlan,
REBECCAIn Gottes Namen fanget an.
Der Kampf beginnt. Der erste Gang führt zu nichts. Beim zweiten holt Guilbert zu einem fürchterlichen Hiebe aus, stürzt aber mit diesem Schlage in sich selbst zusammen.
REBECCAHa seht! er stürzt! Sieg! Sieg!
[sein Schwerdt auf Guilberts Brust setzend.]
REBECCABekenne oder stirb!
REBECCAHalt ein! er ist besiegt.
REBECCADank dir, Gott Abrahams!
REBECCAHa! leblos liegt er da, doch unversehrt
REBECCAVon Feindes Schwert;
REBECCAEin Gottes Urtheil, wie ich keines sah!
[zu Rebecca:]
REBECCADu hast mich einst vom Tod' befret,
REBECCASchuldlos gekränktes Wesen.
REBECCALaß mich aus Pflicht der Dankbarkeit,
REBECCAJetzt deine Feßeln löfen.
REBECCAWie lieb' ich diese Feßeln hier,
REBECCADie Bosheit mir gegeben,
REBECCADenn ihr seid mein Erretter, ihr!
REBECCAEuch danke ich dies Leben.
REBECCAHa seht, des Königs Fahnen wallen!
REBECCAUmringt von seines Reichs Vasallen,
REBECCARah't er dem Platz in Haft'ger Eil'?
REBECCAHeil Richard! unserm König Heil!
[zu Ivanhoe:]
REBECCASprich war es recht, das du zum Kampf geeilt,
REBECCADa du von schweren Wunden kaum geheilt,
REBECCAAls Sieger grüß' ich dich, doch lob' ich nicht,
REBECCADaß du die Freunde konntest so betrüben.
REBECCADie Unschuld beschüßen und Dankbarkeit üben,
REBECCAIst jedes ächten Ritters Pflicht.
[Rowena umarmt Ivanhoe.]
RICHARDNun wohl, du kannst den schönsten Dank ja lesen,
RICHARDIm Aug' der Braut für deine Heldenthat.
[zu Rebecca:]
RICHARDDoch welchen Lohn willst du, du holdes Wesen,
RICHARDDas ungerecht so viel gelitten hat?
[schmerzlich:]
RICHARDWas kann ich wollen? Ich!
RICHARDJa, nenne deinen willen,
RICHARDWas du verlangst, der König wird's erfüllen.
RICHARDIch seh' euch von liebenden Armen umflochten,
RICHARDIch sehe euch glücklich, des freu' ich mich sehr,
RICHARDIhr habt ja für mich, für die Jüdin gefochten!
[schmerzlich:]
RICHARDWas will die arme Jüdin mehr.
RICHARDEuch stolze Templer, frag' ich jetzt:
RICHARDWer har zum Richter euch in meinem Reich gesetßt??
RICHARDIch bin heir König! ich allein,
RICHARDUnd strenger Feind will ich der Willführ sein.
RICHARDLaßt lauten Jubelruf erschallen,
RICHARDDaß Berg' und Thäler wiederhallen,
RICHARDUnd freudig jauchzt es Himmelwärts:
RICHARDHoch lebe Richard Löwenherz!
Vorhang.
RICHARDEnde