Hans Heiling

Marschner, Heinrich

Responsief blok lib/tran/syn

Hans Heiling Libretto

Erste Szene.

Das Innere von Heilings Wohnung

unsichtbar

KÖNIGINO Bleib' bei mir!

unsichtbar

GEISTERCHORO bleib' bei uns,

GEISTERCHORdie Geister dienen

GEISTERCHOR[mit/auf] Wort un Mienen

GEISTERCHORwillig dir.

Man sieht Heiling aus einem unterirdischen Gange heraufsteigen, das Schmuckkästchen in der Hand. Er blickt den Gang hinab, der sich schließt.

HEILINGAuf ewig schließe dich, du dunkler Gang,

HEILINGich will dich nicht mehr gehen.

Er tritt zu dem aufgeschlagenen Zauberbuch an den Tisch.

HEILINGIhr mächt'gen Zeichen, durch deren Spruch

HEILINGich alle Geister [zwinge/banne], verstummt auf immerdar.

Er schlägt das Buch zu und schließt die Klammern.

HEILINGUmfange mich mit Liebesarmen nun,

HEILINGdu reiche Erde und halte Wort mir,

HEILINGganz bin ich nun dien.

Er legt den Schmuck weg, schürt die Glut des Feuers, usw.

außen an der Tür pochend

GERTRUDEMeister Heiling!

HEILING(

stutzt

HEILINGWer ruft?

ANNAMeister Heiling, guten Morgen!

HEILING(

entzückt

HEILINGSie ist es! Sie!

HEILING(

Er eilt die stark verriegelte Türe zu öffnen und führt Anna und Gertrude herein.

HEILINGWillkommen mir auf dieser Stelle,

HEILINGden Himmel trägst du über meine Schwelle,

HEILINGzum erstenmale unter meinem Dach,

HEILINGdarf ich zum Gruße diese Hände faßen.

ANNA(

unbefangen

ANNAUnd gestern habt den ganzen Tag

ANNAIhr wieder Euch nicht sehen laßen.

GERTRUDEEs hat uns recht um Euch gebangt...

HEILING(

zu Anna

HEILINGSo hat dein Herz nach mir verlangt?

ANNAEi ja! Ei ja, es hat mich recht verdroßen,

ANNAdaß Ihr Euch abermals verschloßen,

ANNAwas, ja was habt gestern Ihr gemacht?

HEILINGNur an dich! ja nur an dich hab' ich gedacht;

HEILINGdoch nun soll uns nichts mehr scheiden,

HEILINGnie will ich dich wieder meiden.

HEILING|

ANNA|Recht so, laßt die Heimlichkeit

ANNA|die ja keinen Menschen freut,

ANNA|stellt das düstre Grübein ein,

ANNA|lernet froh und lustig sein!

ANNA|

GERTRUDE|Wie an solcher Zärtlichkeit

GERTRUDE|sich mein Mutterherz erfreut,

GERTRUDE|ja, in solchen Glückes Schein

GERTRUDE|wird mein Alter sorglos sein.

GERTRUDE|

HEILING|Ja, ich tu' mit Freudkeit,

HEILING|was dein holder Mund gebeut,

HEILING|nenn' ich dich erst Teure mein,

HEILING|werd' ich fröhlich, selig sein.

HEILING(

Heiling trifft Anstalten, Gertrude und Anna das Haus zu zeigen. Gertrude redet ihrer Tochter zu, einen so reichen und gelehrten Mann zu erhören, muß sie in drei Tagen Heiling heiraten. Sie tritt an den Tisch, wo Heilings Zauberbuch liegt, und versucht es zu öffnen.

ANNA(

In das Zauberbuch blickend

ANNAHa, welche Zeichen,

ANNAso glänzend und schön,

ANNAwie sie nahen und weichen,

ANNAwie ich['s] nie gesehn.

ANNAWirre Gestalten

ANNAtreiben und walten,

ANNAschwellen wie Wellen,

ANNAwie sie sich verschlingen,

ANNAmächtig auf mich dringen.

ANNA(

Die Blätter schlangen sich von selbst um.

ANNA[Immer mehr! Immer mehr!

ANNASie schwindeln und drehn, die Sinne mir vergehn,

ANNAEntsetzlich! Entsetzlich! Was hab' ich gesehn?]

HEILING(

Tritt heftig herbei

HEILINGUnselige! Unselige!

HEILINGWas hast du getan?

HEILING(

Er schlägt das Buch zu, und stößt Annas Hand vonsich. Anna sinkt in Gertrudes Arme.

HEILINGWelch' toller Wahnsinn

HEILINGtrieb dich an?

HEILINGHinweg! Vermeßene!

GERTRUDEWas ist dir? O mein kind!

ANNAWehe mir!

HEILING(

sich besinnend, zu Anna

HEILINGVerzeihe mir!

GERTRUDEAch mein Kind!

HEILING(

Er will Anna liebkosend in den Arm nehmen

HEILINGErhole dich, laß deine Angst mich stillen.

ANNA(

reißt sich los

ANNANein, um aller Heil'gen willen,

ANNAvernichtet das Buch, schafft['s zur/mir] Ruh'!

HEILINGAnna, was verlangest du?

ANNAFort das Buch, hört auf mein Flehn,

ANNAwollt Ihr mich je heiter sehn!

ANNA[Hat mein Bitten keine Kraft,

ANNAIst Eure Liebe schon dahin?

ANNAAus Erbarmen willigt ein,

ANNAIch vergeh' vor Pein!]

HEILINGAnna, was verlangest du?

ANNAHört auf mein Flehn,

ANNAwollt Ihr mich wieder heiter sehn!

ANNAHat mein Bitten keine Kraft,

ANNAist Eure Liebe schon dahin?

ANNAAus Erbarmen willigt ein,

ANNAich vergeh' vor Pein!

HEILING(

für sich

HEILINGMeine hohe Wißenschaft,

HEILINGmeinen Stoltz und meine Kraft,

HEILINGgäb' ich dahin!

HEILINGSoll ich die Geister ganz befrein,

HEILINGfürder machtlos sein?

ANNA(

Immer drängender

ANNAFort das Buch, hört auf mein Flehn,

ANNAwollt Ihr mich je heiter sehn.

ANNAHört auf mein Flehn,

ANNAwollt Ihr mich wieder heiter sehn!

ANNAHat mein Bitten keine Kraft,

ANNAist Eure Liebe schon dahin?

ANNAAus Erbarmen willigt ein,

ANNAich vergeh' vor Pein!

ANNA(

Sie schmeigt sich ängstlich an Heiling.

HEILINGAlles muß ich dir gewähren!

HEILING(

Er faßt das Buch mit beiden Händen.

HEILINGMag die Flamme dich verzehren!

HEILING(

Er schleudert es auf den Herd, eine lohende Flamme schlägt auf und verschlingt das Buch. Es donnert dumpf. Heiling tritt zu Anna.

HEILINGMachtlos, arm steh'ich nun hier,

HEILINGall mein Glück liegt nun in dir!

GERTRUDEDen Heil'gen Dank!

ANNAO tausend, tausend Dank!

HEILINGSei mir nicht bang...

HEILING| Sei mir nicht bang!

HEILING| O mein ganzes Leben

HEILING| Muß ich dir ja geben,

HEILING| Nichts ist mir f&uumlr dich zu teuer!

HEILING|

ANNA| O tausend Dank!

ANNA| Ihr habt neues Leben

ANNA| Mit zurückgegeben.

ANNA| Bub atm'ich wieder freier.

ANNA|

GERTRUDE| Den Heil'gen Dank!

GERTRUDE| Er hat nachgegeben,

GERTRUDE| Kann nicht widerstreben,

GERTRUDE| Das ist ein gefäll'ger Freier.

GERTRUDE(

Anna und Gertrude danken ihm. Anna bemerkt die Goldkette, die Heiling trägt, und die er ihr nun umlegt.

HEILINGAn jenem Tag, da du mir Treue versprochen,

HEILINGals ich in Wonn' und Schmerz zu deinen Füßen rang,

HEILINGda, ja da, ist in meiner Brust der Morgen angebrochen,

HEILINGgestillt zum erstenmal war meiner Seele Drang.

HEILINGAus trüber, freudenloser Nacht

HEILINGBin ich zum hellen Leben da erwacht.

HEILINGDu, ja du, hast üverschwenglich selig mich gemacht!

HEILING(

innig, doch mit heimlicher Drohung

HEILINGO laß die Treue niemals wanken,

HEILINGhalt fest die Liebe in deinem Herzen,

HEILINGIn dir nur lebe ich!

HEILINGIch liebe dich so ohne Schranken,

HEILINGIch liebe dich mit tausend Schmerzen,

HEILINGmit Höllenqualen lieb' ich dich!

HEILINGKönntest du je von mir laßen,

HEILINGKönnte je dein Herz erkalten,

HEILINGWeh! uns beiden dann!

HEILINGSchon bei dem Gedanken faßen

HEILINGmich die finstern Gewalten,

HEILINGtreiben zu gräßlicher Rache mich an!

HEILINGIch liebe dich mit blutendem Herzen,

HEILINGIch liebe dich mit enlosen Schmerzen,

HEILINGmit Argwohn und Bangen,

HEILINGmit rasendem Verlangen!

HEILING(

Er wirft sich Anna zu Füßeb und verbirgt sein Gesicht in ihrer Kleidung. Anna richtet ihn auf und beruhigt ihn. In drei Tagen sollen sie heiraten, aber an dem Tag wird das Fest des heliegen Florian gefeiert, und Anna möchte gern an deb Festlichkeiten im Dorf teilnehmen, Falls sie gehen, besteht Heiling darauf, daß Anna nicht tanzen darf.

HEILINGWohlan! Wohlan!

HEILINGSo laßt uns gehen!

ANNA| O herrlich, o prächtig,

ANNA| das ist schön!

ANNA| O herrlich, das ist schön,

ANNA| Daß wir nun doch zum Feste gehn.

ANNA|

GERTRUDE| Seht, Meister Heiling, das ist schön,

GERTRUDE| Daß Ihr sie laßt zum Feste gehn.

GERTRUDE|

GERTRUDE| Seht, Meister Heiling, daß ist schön,

GERTRUDE| Daß Ihr sie laßt zum Feste gehn.

ANNA(

mit der Kette spielend und unherhüpfend

ANNANun macht das Gechmeide

ANNAmir erst rechts Freude,

ANNADenn heimlich und allein

ANNAKann mich nichts erfreuen.

ANNADie Mädchen und Frauen

ANNAwie werden die schauen.

ANNAManche wird freundlicher grüßen,

ANNAManche auch wird es verdrießen!

ANNAHa ha! Welchen Spaß gibt es da!

GERTRUDE: Seht nur, das närrisch junge Blut

GERTRUDEwie es so kindisch tut.

ANNAAch Heiling, wie bin ich Euch so gut

ANNAdaß Ihr mir den Gefallen thut!

GERTRUDESeht nur, das närrisch junge Blut

GERTRUDEwie es so kindisch tut.

HEILINGAuch der törichte Übermut,

HEILINGwie steht er Euch so gut!

GERTRUDESo laßt uns fort!

HEILINGMit Widerstreben

HEILINGhab'ich der Bitte nachgegeben.

HEILINGDoch gilt es dir ein Liebeszeichen,

HEILINGso muß mein Widerwille weichen.

GERTRUDESo laßt uns gehn.

GERTRUDEO laßt das Wort Euch nicht gereu'n,

GERTRUDEGewiß, das Fest wird Euch erfreu'n.

HEILINGWirst du mir stets zur Seite sein,

HEILINGso soll es nimmer mich gereu'n.

SYSTEM2 Szene.

HEILING(

Platz vor der Schenke unter Bäumen. Im Hintergrund freie Außicht. Stephan, Niklas und Bauern trinkend an Tischen, usw.

BAUERNCHORJuchheisa! Juchheisa,

BAUERNCHORHeut' dürft ihr die Kannen nicht schonen,

BAUERNCHORDer heilige Festtag gehöret den Bauern,

BAUERNCHORDenn Zehnten und Steuern,

BAUERNCHORUnd Zinsen und Fronen,

BAUERNCHORKann schon armen Leuten

BAUERNCHORDas Leben versauern.

BAUERNCHORDas Tragen und Hacken,

BAUERNCHORDas Mühen und Placken

BAUERNCHORHört heut' einmal auf.

BAUERNCHORDrum lustig, Gevattern

BAUERNCHORUnd Nachbarn, stosst an,

BAUERNCHOREs lebe der heilige Florian!

BAUERNCHORJuchheisa! Juchheisa,

BAUERNCHORHeut' dürft ihr die Kannen nicht schonen,

BAUERNCHORDer heilige Festtag gehöret den Bauern,

BAUERNCHORDenn Zehnten und Steuern,

BAUERNCHORUnd Zinsen und Fronen,

BAUERNCHORKann schon armen Leuten

BAUERNCHORDas Leben versauern.

BAUERNCHOREin sprödes, allerliebstes Kind

BAUERNCHORSchlug jeden Antrag in den Wind,

Lacht' ihre Freier aus.

BAUERNCHORDoch als ein schmuckes Gräflein kam,

BAUERNCHORSie flugs sich ihn zum Manne nahm,

BAUERNCHORJuchheisa hopsasa!

BAUERNCHORIhr Bursche, bost euch grün und blau,

BAUERNCHORIch werde gnäd'ge Frau!

BAUERNCHORDa guckt sie einst durch's Schlüßelloch,

BAUERNCHORSieht wie ihr Mann zwei Spannen hoch

BAUERNCHORMit andern Zwergen tanzt.

BAUERNCHORMit kurzen Beinen, dickem Kopf,

BAUERNCHORSpringt der Herr Graf, der arme Tropf,

BAUERNCHORHophop, heisa, hophop!

BAUERNCHORSchlägt Burzelbäume flink voran,

BAUERNCHOREin Kobold war ihr Mann!

BAUERNCHOR(

Während der letzten Strophe treten Heiling, Anna, und Gertrude auf. Sie stehen auf einer Seite bei den Frauen, die die Goldkette bewundern, welche Anna von Heiling bekommen hat. Heiling selbst steht zunächst unbemerkt in der Menge der Dorfbewohner, die ihn jedoch bald bemerken und ihn begrüßen. Stephan bietet ihm einen Krug Wein an, aber Heiling, der Anna mit Konrad lachen und scherzen sieht, wirft voller Eifersucht den Krug zu Boden. Anna möchte mit Konrad tanzen, doch Heiling läßt dies nicht zu.

ANNAWie hüpft mir vor Freuden

ANNADas Herz in der Brust,

ANNADas Tanzen, das Tanzen

ANNAIst meine Lust!

ANNAZu schweben und drehen

ANNAIm wogenden Kranz:

ANNAO laßt Euch erbitten,

ANNAGewähret mir den Tanz!

HEILINGNein! Ich kann sie nicht gewähren

HEILINGDie verführend wilde Lust!

HEILINGWollt, o wollt die Bitte ihr gewähren,

HEILINGGönnet ihr die kleine Lust.

HEILINGNein!

ANNASoll ich ganz der Freud' entbehren,

ANNAWollt ihr jede Lust mir wehren?

HEILINGMeine Wünsche sollst du ehren

HEILINGNicht was mir verhaßt begehren!

KONRAD(

für sich

KONRADKaum kann ich dem Zorne wehren...

GERTRUDE(

für sich

GERTRUDEKönnt' ich doch dem Zwiste wehren!

Zeigt ihr Euch schon als Tyrann,

ANNAUnd seid doch noch nicht mein Mann,

ANNASei es frei denn Euch gesagt,

ANNANimmer werd' ich Eure Magd!

HEILING(

mit einer Bewegung nach Anna

HEILINGAnna! Anna!

GERTRUDEKind, ich bitte!

KONRAD(

diese Bewegung missverstehend

KONRADHalt! Verietzet nicht die Sitte!

HEILING(

wütend

HEILINGWagt ihr?

GERTRUDEAnna, ich bitte!

ANNA(

begütigend

ANNANicht doch, lieber Freund,

ANNAEs war ja nicht so bös' gemeint!

ANNAIhr wißt ich kann das Befehlen nicht leiden,

ANNAEs bringt mich zur Wut!

ANNASeid freundlich, seid sanft und bescheiden,

ANNADann, ja dann bin ich Euch gut.

HEILINGSo willst du?

ANNA(

die Hand ihm auf den Mind haltend

ANNANein, lasst es vergeßen sein.

ANNANicht wahr, ihr kommt mit hinein?

ANNA(

rasch mit Gertrude und Konrad ab.

HEILING(

ihr nachrufend

HEILINGAnna! Anna!

HEILINGSie hört mich nicht?

HEILINGSie geht? Sie geht?

HEILINGSie hat mich nie geliebt!

HEILING(

Er steht starr in sich versunken. Die Musik aus der Schenke wird lauter gehört.

HEILINGHa jubelt! jubelt, rast in toller Lust.

HEILINGIhr weckt den finstern Geist in meiner Brust!

HEILINGMir diesen Trotz, mir diesen Hohn,

HEILINGDies meiner grenzenlosen Liebe Lohn!

HEILINGAch! ach, sie hat mich nie geliebt!

HEILING(

Er stürzt wütend ab.

SYSTEMEnde des Erster Akt.

SYSTEMZweiter Akt

HEILINGErste Szene.

HEILING(

Wilde Wald und Felsengegend; das Abendrot leuchtet durch die Bäume

ANNAWehe mir! Wohin, wohin ist es mit mir gekommen?

ANNAWie schlägt mein Herz so ängstich und beklommen,

ANNAMein froher Mut beginnt zu wanken

ANNAUnd miteinander streiten dir Gedanken.

ANNAEinst was so tieger Friede mir im Herzen,

ANNAIch kannte keine Sehnsucht, keine Schmerzen,

ANNAWar so harmlos, war so frölich.

ANNASeit ich geliebt bin,

ANNAIst mein Friede hin,

ANNAUnd nun ich liebe,

ANNABin ich unglückselig.

ANNA(

Sie verliert such sinnend in Gedanken

ANNAWohin, wohin soll ich mich wenden

ANNAwie soll es enden?

ANNAWer wird mein Retter sein

ANNAVon dieser Pein?

ANNADem Bräutigam hab' ich mein

ANNAWort gegeben,

ANNAEs hängt sein ganzes Leben

ANNAAn meinem Treuversprechen!

ANNAKann ich das je brechen?

ANNAUnd dennoch hab' ich jetzt es erst verstanden

ANNAWas so mit mächt'gen Banden

ANNADie Herzen aneinander zieht,

ANNADaß Seel' an Seel' erglüht.

ANNAAn Konrads Liebe denk' ich mit Entzücken,

ANNADa schreckt mich Heilings Bild mit Vorwurfsblicken,

ANNAUnd doch bin ich in meiner Brust

ANNAMir keiner Schuld bewußt.

ANNAWohin, wohin soll ich mich wenden,

ANNAWie soll es enden...

usw.

SYSTEMChor der Geister

ANNA(

unterirdisch

ANNAAus der Klüfte Schlund,

ANNADurch der Erde Grund

ANNADrängt hinauf, empor

ANNAAn das Licht hervor.

ANNA(

Die Geister steigen aus der Erde empor

KÖNIGINHör' auf mein Wort,

KÖNIGINBetörtes Menschenkind,

KÖNIGINIch bin gekommen dich zu warnen,

KÖNIGINDas Unglüuck droht dich zu umgarnen,

KÖNIGINUnd ins Verderben stürzest du dich blind.

ANNA(

sehr bewegt

ANNAO hohe Frau, was hab' ich denn begangen?

ANNAWas könnt ihr doch von mir verlangen?

GEISTERCHORMenschenkind gib dich gefangen

GEISTERCHORGleich erfüllte ihr Verlangen!

KÖNIGINMeinen Sohn gib mir zurück!

KÖNIGINLaß ihn frei

KÖNIGINAus dem Netz der Liebeszauberei.

KÖNIGINDenn auf Erden blühet ihm kein Gluck!

GEISTERCHORWehe dir, gehorchst du nicht!

ANNAWehe mir! Ich versteh' euch nicht!

KÖNIGINWiße denn, dein Bräutigam

KÖNIGINIst Geisterfürst der Berge!

KÖNIGINEr gehört dem Stamm

KÖNIGINDer Gnomen und der Zwerge!

ANNAAllmächt'ger Gott!

ANNA(

Sie sinkt vermichtet nieder.

KÖNIGINÖffne dein Ohr

KÖNIGINFür die warnende Stimme,

KÖNIGINGib ihn mir wieder,

KÖNIGINDen einzigen Sohn,

KÖNIGINGib ihn zurück

KÖNIGINDem verlaßenen Thron!

KÖNIGINSonst bist du verfallen

KÖNIGINDem rächenden Grimme

KÖNIGINDer mächtigen Geister,

KÖNIGINSie fordern den Meister

KÖNIGINSie sinnen un spinnen

KÖNIGINGrau'n und Entsetzen.

KÖNIGINSie schrecken und hetzen

KÖNIGINBie Tag und bei Nacht,

KÖNIGINSie schrecken und hetzen dich

KÖNIGINMit endloser Pein!

GEISTERCHORWehe dir! Wehe dir!

GEISTERCHORWirst du nicht

GEISTERCHORGehorsam sein!

GEISTERCHOR(

Sie versinken langsam

KONRAD(

hinter der Szene

KONRADWohl durch den grünen Wald mein Jägerhorn erschallt!

KONRADWer weilt so spät und einsam noch in Walde?

KONRADIst es ein Mensch, ein Spuk der bösen Geister?

KONRADNur frisch heran, es soll sich bald mir zeigen.

KONRAD(

Er tritt hinzu und erkennt Anna

KONRADWas seh' ich, Anna!

KONRADUm Sankt Hubertus willen, was tut Ihr hier?

ANNA(

ensetzt

ANNALaßt ab! Laßt ab von mir!

KONRAD(

sanft zuredend

KONRADKennt Ihr mich nicht? Anna, seht mich doch an.

ANNAAch Konrad! Konrad! Euch hat Gott gesandt!

KONRADO faß Euch, sagt was ist Euch hier begegnet?

KONRADWo ist Euer Bräutigam, daß er Euch nicht beschützt?

ANNAO schweigt von ihm. Ensetzen packt mich an!

KONRADIhr liebt ihn nicht?

ANNANie hab' ich ihn geliebt!

KONRADUnd wollt sein Weib dich werden?

ANNANimmer mehr. Eh' will ich in den tiefsten

ANNAStrom mich betten.

KONRADHa, dieses Wort gibt erneuertes Leben,

KONRADSchwellet mir mächtig den Mut.

KONRADTrauet auf mich, Ihr sollt' nicht mehr beben!

KONRADSchutz will ich gegen die Hölle Euch geben,

KONRADEuch weih' ich all'mein Blut.

ANNA(

für sich

ANNAJa ihm vertraue ich freudig mein Leben,

ANNAWie stärkt mich sein männlicher Mut!

KONRADDoch rash nun fort

KONRADVon diesem Ort

KONRADAuf immerdar!

ANNADoch rash nun fort

ANNAVon diesem Ort

ANNAAuf immerdar!

ANNA|

KONRAD| Laßt, o laßt Euren Weg mich beschützen,

KONRAD|Euch meinen Arm, meinen Arm Euch unterstützen,

KONRAD|Dann seid Ihr sicher vor jeder Gefahr!

KONRAD|

ANNA|Er will mich mutig beschützen,

ANNA|Mich soll sein Arm unterstützen,

ANNA|Ja ich vertrau' Euch in jeder Gefahr!

SYSTEM2 Szene.

ANNA(

Gemach in Gertrudes Hütte. Es is dunkel, eine brennende Lampe steht auf dem Tish. Feuer auf dem Herd. Der Wind heult. Gertrude sitzt mit dem Rocken in der Tiefe.

GERTRUDE(

sprechend

GERTRUDEWo nur Ännchen bleibt, es ist finstre Nacht

GERTRUDEUnd der Wind heult kalt über die Heide.

GERTRUDEWüßt' ich nicht, daß sie die Wege kennt,

GERTRUDEMir wäre bange um sie.

GERTRUDE(

Sie geht ans Fenster

GERTRUDEEs ist auch kein Sternchen am Himmel.

GERTRUDEHeihei, das stümt ja,

GERTRUDEAls wäre das wilde Heer los.

GERTRUDE(

Sie macht das Fenster zu und fängt wieder an zu spinnen.

GERTRUDEWäre nur Anna erst da!

GERTRUDEIch sagte es gleich,

GERTRUDEEs wäre heute schon zu spät

GERTRUDEZur Base zu geh'n, der Weg ist zu weit,

GERTRUDEEs hätte ja morgen sin können.

GERTRUDE(

Sie singt.

GERTRUDEDes Nachts wohl auf der Heide

GERTRUDEDa brennt ein Flämmchen blau.

GERTRUDE(

sprechend

GERTRUDEWenn sie nur ohne Anfechtung

GERTRUDEDurch den Wald gekommen ist.

GERTRUDE(

singend wieder

GERTRUDEEin geiziger, hartherziger Mann,

GERTRUDEDen Schatz zu heben kommt er an.

GERTRUDE(

sprechend

GERTRUDEWie die Hunde in den Sturm heulen.

GERTRUDE's ist schaurig kalt.

GERTRUDE(

Sie schüttelt sich. Singend

GERTRUDEUnd wie er gräbt, da steigt empor,

GERTRUDEein bleiches Totengeripp!

GERTRUDE(

sprechend

GERTRUDEStill, raschelt es nicht an der Tür?

GERTRUDE(

Sie horcht

GERTRUDENein, sie ist es noch nicht.

GERTRUDE(

Sie singt.

GERTRUDEAuf der Heide,

GERTRUDEDa brennt ein Flämmchen blau.

GERTRUDEDu hörst nicht auf der Armen Not,

GERTRUDEDrum würge ich dich jetzt zu Tod.

GERTRUDEDes Nachts wohl auf der Heide,

GERTRUDEDa brennt ein Flämmchen.

GERTRUDE(

sprechend

GERTRUDEWer kommt da?

GERTRUDE(

Konrad trägt Anna herein.

GERTRUDEAll'ihr Heiligen, was ist gescheh'n?

KONRADErschreckt nicht, Mutter Gertrude.

KONRADEs ist ihr kein Leid gescheh'n.

KONRAD(

Gertrude ist mit Anna beschättigt. Konrad beschwört sie, die Hochzeit zu verhindern.

KONRADIhr hört es!

KONRADSchon sein Nam' ist ihr ein Abscheu,

KONRADUnd Ihr wollt sie zu solchem Bündis zwingen?

KONRADO sagt mir, Anna, wird in Eurem Busen

KONRADFür keinen Andern eine Stimme laut

KONRADUnd könntet Ihr ein Herz voll unbegrenzter

KONRADTreu' und Zärtlichkeit verwerfen?

ANNAKonrad, ach schonet mein,

ANNAIch bin ein armes unglücksel'ges Mädchen!

KONRADGönne mir ein Wort der Liebe,

KONRADEin einzig Wort der Liebe,

KONRADUnd ewig, ewig bin ich dein.

KONRADDann soll dir kein

KONRADTag mehr trübe

KONRADKeiner, keiner leidvoll sein.

KONRADSorgsam will ich alle Freuden

KONRADDir auf deinem Pfad vereinen,

KONRADUnd in Leiden für dich käpfen,

KONRADMit dir weiden!

KONRADNur die Lieb' in deinen Blicken

KONRADSei mein Leben, mein Entzücken,

KONRADNur die Freud; in deinen Blicken

KONRADSei mein Leben, mein Entzücken!

KONRAD(

zu Gertrude

KONRADLasset Gewährung mich hoffen!

KONRAD(

zu Anna

KONRADWillst du die Meine sein?

KONRADAnna! Willst du die Meine sein?

KONRADLasset Gewährung mich hoffen!

KONRADWillst du die Mein sein?

KONRADDann ist der Himmel mir offen,

KONRADWonne der Seligen mein!

KONRADWillst du die Meine sein?

KONRAD|

GERTRUDE|Ei, Kunz, wo denkt Ihr hin!

GERTRUDE|Was kommt Euch in den Sinn?

GERTRUDE|Wollt' ich auf Eure Worte hören,

GERTRUDE|Was würde Meister Heiling sagen?

GERTRUDE|

KONRAD|O wollt Eurer Kinder Glück gewähren,

KONRAD|Ihr sollt es nimmermehr beklagen!

KONRAD|Ihr sollt es nimmermehr bereuen!

KONRAD|

ANNA(

schüchtern

ANNA|Darf ich wohl freud'ge Hoffnung nähren?

ANNA|Ich muß an allem Glück verzagen!

ANNA(

Heiling tritt unbemerkt herein und bleibt beobachtend im Hintergrund. Anna erblickt Heiling. Entsetzt.

ANNADa ist er!

HEILINGNimmermehr hätt'ich geglaubt,

HEILINGDaß du so mich kränken könntest,

HEILINGMir so ungehorsam sein.

HEILINGDoch will es dir verzeih'n,

HEILINGBald bist du mein Weib und wehe dem,

HEILINGDer zwischen uns sich stellt!

HEILINGSchön geschmückt sind Haus und Hof

HEILINGIhre Herrin zu empfangen.

HEILING(

Heiling öffnet das Schmuckkästchen und läßt Juwelen und goldne Ketten hervornblitzen, die Gertrude von ferne anstaunt.

HEILINGNimm demnach als Leibgedinge

HEILINGDiesen Schmuck, den ich dir bringe.

HEILING(

Heiling reicht Anna den Schmuck hin. Anna schauder zusammen und senkt den Blick, die Hände zusammen pressend. Konrad steht mit verschränkten Armen finstern Blicks beobachtend.

GERTRUDEHeil'ge Jungfrau! Welch'ein Glanz,

GERTRUDEEr verblendet mich noch ganz.

HEILINGWllst du mein Geschenk verschmäh'n,

HEILINGDeinen Brautschmuck gar nicht seh'n?

HEILING(

Er naht sich Anna damit.

ANNA(

entsetzt

ANNAFort, hinweg mit dem Geschenk!

ANNANichts, o nichts will ich von Euch!

GERTRUDEEi, Kind, bedenk'!

KONRAD(

für sich, mit unterdrücktem Zorn

KONRADGelüstet es dem Frechen

KONRADEin hartes Wort zu sprechen.

HEILING(

für sich

HEILINGWelch trotziges Erfrechen,

HEILINGNur er lehrt sie so sprechen,

HEILINGSein Verderben soll es rächen!

GERTRUDE(

zu Anna

GERTRUDEMein Kind, du mußt zur Sühne sprechen,

GERTRUDEsonst wird der Friede brechen!

KONRAD(

für sich

KONRADGelüstet es dem Frechen

KONRADEin hartes Wort zu sprechen,

KONRADSoll dieser Arm es rächen!

HEILING(

zu Anna

HEILINGNicht bedacht hast du dein Wort,

HEILINGFremder Eifer riss dich fort;

HEILING's ist dein Leibgedinge

HEILINGWas ich bringe,

HEILINGIch, der Bräutigam deiner Wahl,

HEILINGBald dein Herr und dein Gemahl!

HEILING(

Er faßt ihre Hand. Anna reisst sich los und flieht.

ANNA(

zu Konrad, auf Heiling deutend

ANNAWenn du mich liebst so schütze mich!

ANNAEr ist ein Erdgeist!

HEILING(

stürzt zusammen

HEILINGHa!

KONRADWas höre ich!

ANNAGlaubt mir doch, das war es ja,

ANNAWas ich vorhin im Walde sah,

ANNAEr stammt aus dem Reich der Zwerge,

ANNA's ist ein Geisterfürst der Berge!

KONRAD(

zu Heiling

KONRADBeim heil'gen Hubert beschwör' ich dich,

KONRADHebe dich hinweg von hier,

KONRADSonst, bei Gott, versuche ich

KONRADDen blanken Stahl an dir!

HEILINGAlles dahin!

HEILING|

KONRAD(

zu Anna

KONRAD|Frei bist du, frei,

KONRAD|Trotz seinem tück'schen Droh'n!

KONRAD|Frei, bist du, frei,

KONRAD|Ich lach' des Kobolds Wut!

KONRAD|

ANNA|Gott steh' uns bei!

ANNA|Stille das feindliche Droh'n!

ANNA|Der Rache flammende Wut!

ANNA|

HEILING|Hei hei! Wie sie droh'n

HEILING|Welch lustiger Hohn!

HEILING(

Er sticht plötzlich nach Konrad und stürzt lachend ab.

HEILINGHei hei! hei hei!

ANNA(

stürzt sich auf Konrad

ANNAKonrad, Geliebter!

ANNAVorhang

SYSTEMDritter Akt

ANNAErste Szene.

ANNA(

Ödes, rings geschlossenes Felsenthal. Es is Nacht. Heiling steigt mühsam und verstört über die Felsen.

HEILING(

sprechend

HEILINGIch bin am Ziel. Hier ruht ihr müden Gleider,

HEILINGZu Ende ist nun eire Erdenfahrt. O rasende

HEILINGVerblendung, die mich trieb das Glüuck der Erde

HEILINGNeidenswerrt zu finden.

HEILINGDer Mensch allein kann Erdenglück genießen,

HEILINGWeil dem beschränkten Stumpfsinn es genügt.

HEILINGDes höhern Geistes mächtiges Verlangen

HEILINGKann nur getäuscht an seinem Schimmer hangen.

HEILINGUnd was ist diese mächt'ge Weibesliebe,

HEILINGDer Lebenspuls von allem Menschentreiben?

HEILINGHaha! Haha! O Unsinn darauf zu bauen!

HEILINGEin einz'ger Blick, ein buhlerisches Wort,

HEILINGEin einz'ger Tanz, un Lieb' und Treu'

HEILINGSind fort un die wir Alles hingeopfert.

HEILINGStill! Der Erde Täuschung liegt weit

HEILINGHinter mir, Ich habe mich gerächt-

HEILINGIhr Buhl' ist tot!

HEILINGMag sie verderben nun in Gram und Not.

HEILING(

Er singt

HEILINGO Mutter, hätt'ich dir gegkaubt,

HEILINGUns beiden espart'ich dann das herbe Leiden.

HEILINGDoch kehr' ich wieder Mutter, und auf immer!

HEILINGWeil von mir stoss'ich die unwüd'ge Schwächte,

HEILINGWeit von mir jedes menschliche Gefühl!

HEILINGZum Geisterkönig wurde ich geboren

HEILINGUnd meiner Abkunft Stoltz ist nicht verloren!

HEILINGHerauf ihr Geister aus Höhl' und Kluft,

HEILINGHerauf, der Meister, der König ruft!

HEILING(

Die Erdgeister steigen aus dem Boden.

SYSTEMChor der Geister

HEILINGWer rief uns? Wer beschwört der Tiefe Geister,

HEILINGWer ist so kühn und nennt sich ihren Meister?

HEILINGIch bin's! Erkennet mich, meine Brüder!

HEILINGDer Erde müde, kehr' ich wieder,

HEILINGIch hab'auf ewig ihr entsagt.

SYSTEMChor der Geister

HEILING(

höhnisch

HEILINGHast du nun an uns gedacht,

HEILINGDa dein Mädchen dich verlacht?

HEILINGDas Lachen hat sich schnell gewandt;

HEILINGIhr Buhle fiel von meiner Hand!

SYSTEMChor der Geister

HEILINGHa, ha, ha! Seht doch an!

HEILINGWie Meister Heiling prahlen kann!

HEILINGDer Jäger ist frisch,

HEILINGGesund wie ein Fisch!

HEILINGEr lebt, sagt Ihr?

SYSTEMChor der Geister

HEILINGDu trafst ihn schlecht,

HEILINGEr lebt und sitzet

HEILINGWarm in seines Liebschens Arm!

HEILINGSo wär' ich nicht gerächt, nicht?

SYSTEMChor der Geister

HEILINGDein Schätzchen ist des Jägers Braut,

HEILINGUnd morgen wird's ihm angetraut!

HEILINGSo rächet ihr denn eures Königs Schmach,

HEILINGZur Hochzeit gehen wir, mir nach!

SYSTEMChor der Geister

HEILINGHast dich ja von uns losgesagt,

HEILINGGeh'hin, und prüfe deine Macht!

HEILINGSprecht ihr eurem König Hohn?

HEILINGNieder mir zu Füßen,

HEILINGEuren Trotz zu büßen!

SYSTEMChor der Geister

HEILINGWo ist deine Krone,

HEILINGWo deine Herrscherstab?

HEILINGSag' wo ist dein Buch,

HEILINGDessen Zauberspruch

HEILINGUns in Fesseln schlug?

HEILING(

Seiner Hilflosigkeit inne werdend

HEILINGMein Buch, Mein Hort,

HEILINGMeine Krone fort!

SYSTEMChor der Geister

HEILINGHi hi hi hi hi hi!

HEILINGWillst dich überheben

HEILINGAuf der Erde leben,

HEILINGNur gemach,

HEILINGDie Reu' folgt nach!

HEILING(

verzweifelnd

HEILINGHa! Das Geisterreich stößt mich zurück,

HEILINGUnd hin ist all'mein Erdenglück!

HEILINGAlles, alles ist verloren.

HEILINGO des Toren.

HEILING(

Er stürzt nieder, Die Geister umgeben ihn, die Hände über ihn streckend.

SYSTEMChor der Geister

HEILINGJetzt ist er unser auf immerdar!

HEILINGJetzt eilig hin, zur Königin!

HEILING(

Die Zwerge huschen fort und kehren mit dem Zepter zurück. Zu Heiling

HEILINGHör' uns an, verzweifle nicht!

HEILINGOb auch der Menschen Treue bricht,

HEILINGDie Geister halten streng am Pflicht!

HEILINGWills du wieder uns gehören,

HEILINGDich uns ganz zu eigen schwören

HEILINGSoll dieser Zepter wieder dein,

HEILINGUnd unsre Macht dir dienstbar sein!

HEILINGAlles, alles will ich euch versprechen,

HEILINGLaßt mich meine Schmach nur rächen,

HEILINGRache, Rache, nur will ich!

SYSTEMChor der Geister

HEILING(

Ihm den Zepter reichend

HEILINGSo nimm ihn hin!

HEILINGWir rächen dich!

HEILINGHabt Dank, habt Dank, ihr Brüder!

HEILINGJetzt, jetzt bin ich König wieder!

HEILINGEs nahet die Rache.

HEILINGWehe euch beiden,

HEILINGIhr triumphieret nicht!

HEILINGWenn ihr beim Feste

HEILINGim Taumel der Freuden

HEILINGDann halte ich Gericht.

SYSTEMChor der Geister

HEILINGEs nahet die Rache,

HEILINGWehe euch beiden,

HEILINGIhr triumphieret nicht!

HEILINGWenn ihr beim Feste

HEILINGim Taumel der Freuden

HEILINGDann, ja dann halte ich/wir Gericht!

SYSTEM2 Szene.

HEILING(

Wald, den Hintergrund nimmt eine hohe Felswald ein, auf der zur Seite eine Kapelle steht.

Bauernhochzeitsmarsch.

Stephan und vier Schützen mit ihren Hörnen, Bauern mit Stangen, Bergknappen-Musikanten, der Schulmeister, Bauern mit Fahnen, Brautjungfern, Konrad, Anna und Gertrude treten auf, Konrad den Arm in der Binde. Stephan singt.

CHOREs wollte vor Zeiten ein Jäger frei'n,

CHOREr zog in den grünen Wald hinein.

CHORBau bau, hallo, trara, bau bau, hetz hetz!

CHOREr lockte das hohe und niedere Wild,

CHORDie Männchen und Weibchen im grünen Gefild,

CHORIhr lieben Gesellen, ach ratet mir fein,

CHORWie muß mein Betragen im Ehestand sein?

CHORBau bau, hallo, trara, bau bau, hetz hetz!

CHORDer Jäger zuerst zu dem Bären trat,

CHORDu zottiger Petz gib mir guten Rat!

CHORBau bau, hallo, trara, bau bau, hetz hetz!

CHORDa brumette der Bär: Sieh mich nur an,

CHORBin ich nicht ein Muster als Ehemann?

CHORDenn dickfellig muß man bein Weibern sein,

CHORUnd brummen und brummen Jahr aus, Jahr ein.

CHORBau bau, hallo, trara, bau bau, hetz hetz!

CHOR(

Alle bewegen sich in einem Brautzug zur Kapelle him. Hans Heiling tritt auf mit einem Zepter in der Hand, ein ungebetener und unwillkommener Gast. Er hö dem Gesang zu.

CHORBauern, Hochzeitgästen, Anna, und Konrad

CHORSegne Allmächtiger, segne dies Paar,

CHORSchütze ihr Haupt in jeder Gefahr.

CHORDu bist der starke Gott auf den wir bauen,

CHORDu der Allmächtige dem wir vertrauen,

CHORDu bist der starke Gott dem wir vertrauen,

CHORDu der Allgütige auf den wir bauen.

CHOR|

ANNA|Ich ewig dein,

ANNA|Ich halte dich umfangen

ANNA|Und alles Fürchten vergeßsen ist's,

ANNA|Auf immer und vergangen.

ANNA|Was mir gelobt dein süßer Mund,

ANNA|Der Liebe heil'gen Eid,

ANNA|Den hat zum ew'gen Treuebund

ANNA|Der Himmel nun geweiht.

ANNA|

KONRAD|Nun bist du mein,

KONRAD|Ich halte dich umfangen

KONRAD|Und alles Fürchten alles Bangen, vergeßsen ist's,

KONRAD|Auf immer und vergangen.

KONRAD|Was mir gelobt dein süßer Mund,

KONRAD|Der Liebe heil'gen Eid,

KONRAD|Den hat zum ew'gen Treuebund

KONRAD|Der Himmel nun geweiht.

KONRAD(

Anna und Konrad spielen nun Brautsuchen. Beiden werden die Augen verbunden und Konrad versteckt sich unter den Männern, Anna unter den Frauen. Konrad kniet im Kreise der Mädchen, die ihm die Augen verbinden.

SYSTEMChor der Mädchen

KONRADSo wollen wir auf kurze Zeit

KONRADDie Augen dir verbinden,

KONRADHast du nach Herzens Lust gefreit,

KONRADWirst du dein Weibchen finden.

KONRAD(

zu Anna

KONRADUnd wärst du tausend Meilen weit,

KONRADIch wollte dich schon finden.

KONRAD(

Zwei Mädchen führen ihn rasch ab.

STEPHANNun lauft mit ihm was ihr könnt,

STEPHANVersteckt ihn, ich komme gleich

STEPHANMit der Braut nach.

SYSTEMChor

STEPHAN(

zu Anna, welcher sie ebenso die Augen verbinden

STEPHANSo wollen nur auf kurze Zeit

STEPHANDie Augen dir verbinden,

STEPHANWenn du ein treues Weibchen bist,

STEPHANWirst du dein Liebsten finden.

ANNAAch wer dem Herzen teuer ist,

ANNADen weiß man schon zu finden.

ANNA(

Die Mädchen führen Anna im Kreise herum. Sie streckt die Hand aus. Heiling tritt vor und ergreift sie. Die Mädchen schreien laut auf und laufen erschrocken davon.

ANNANun fürht mich!

ANNAMädchen! Ha!

ANNAWas soll das Schrein?

ANNAIhr tollen Mädchen,

ANNALaßt die Possen sein,

ANNASo kommt doch, wollt ihr nicht?

ANNASo sprecht, iht ängstigt mich,

ANNAAch das ist gar nicht recht!

ANNA(

Sie reißt die Binde los.

ANNABarmherz'ger Gott!

HEILING(

mit starrer Kälte

HEILINGAls Rächer komm ich her!

ANNAWeh mir!

HEILING(

tief bewegt

HEILINGAnna! warum hast du mir das getan?

ANNAO, rechnet mir nicht Euren Jammer an!

HEILINGGedenkst du nicht des Tag's, da du mir Treu' versprochen,

HEILINGAls ich in Wonn' und Schmerz zu deinen Füßen rang?

HEILINGWarum, warum, hast du mir deine Treue gebrochen?

ANNAWarum habt Ihr zum Menschen Euch gelogen,

ANNAIn Eure grause Nähe mich gezogen,

ANNAMit Eitelkeit mein Herz versucht?

ANNAIch wußte nicht, was ich versprochen,

ANNAAls Ihr mich Braut gennant.

HEILINGVerflücht!

HEILINGDu hast du keine Treue mir gebrochen?

HEILINGVor meiner Lieve konnte dir schon grauen?

HEILINGWohlan, wohlan so sollst du meine Rache schauen!

ANNASo räche dich, Entsetzlicher!

ANNADoch nur an mir, an mir allein,

ANNAErschöpfe alle Pein,

ANNAUnd schone, schone meines Gatten nur!

HEILINGHa, Schädliche! So wagst du ihn zu heißen?

HEILINGAus deinem Herzen will ich diesen Namen reißen!

ANNA(

flieht nov ihm wankenden Schritts

ANNAIhr Heil'gen alle,

ANNASchützet, rettet mich!

ANNA(

Sie stürzt in die Knie, mit ausgebreiteten Armen ruft sie in Verz*uuml; ckung zum Himmel.

ANNAIn deine Hände, O Gott, befel'ich mich!

ANNA(

Heiling läßt von ihr ab. Konrad tritt auf. Gertrude, Stephan, Schützen, Bauern und Brautjungfern folgen ihm, und umgeben Heiling drohrend.

KONRAD(

zu Heiling

KONRADWeiche, Verflucher!

KONRADIhr Retter ist da!

KONRADWeh dir, Verrucher,

KONRADDie Rache ist nah!

KONRADRufe deine Geister,

KONRADSchwarzer Hexenmeister!

KONRADRolle nur wütend den Blick,

KONRADHier nimm deinen Dolchstoss zurück!

KONRAD(

Er sticht wütend auf Heiling. Die Klinge bricht. Heiling steht unbeweglich und lacht gellend auf. Die anderen weichen entsetzt zurück.

KONRADGertrude, Konrad, und Chor

KONRADWehe! Entsetzlich!

KONRADEr ist unverletzlich!

HEILINGGeister herbei,

HEILINGDie Rache ist frei!

HEILING(

Er schwingt seinen Zepter.

SYSTEMChor

HEILINGDie Höll' ist frei,

HEILINGGott steh' uns bei!

HEILING(

Unterirdischer Donner. Die Bühne verfinstert sich. Plötlich steigen Gnomen mit Feuerbränden und Kobolde an mehreren Stellen unter den Hochzeitsleuten auf, die davor fliehend mehrere Gruppen des Schreckens bilden. Zwei größere sind vorn zu beiden Seiten zusammen gedrängt. Mehrere Mädchen liegen auf den Knien, die Gesichter verbergend. Die Schützen stellen sich schirmend vor die Gruppen.

HEILINGWehe euch Allen!

HEILINGIn des Verderbens Nacht

HEILINGSeid ihr gefallen.

SYSTEMChor der Bauern

HEILINGWehe uns! In des Verderbens Nacht

HEILINGSind wir gefallen.

HEILING(

Während der folenden Szenerie weichen die Hochzeitsleute zu beiden Seiten zurück. Im Hintergrunde öffnet sich die ganze Bergwand und zeigt die Außicht in das mit allen Schätzen der Erde glänzend geschmückte Hölenreich. Die Königin steht auf einer Thronehöhung, Zwerge sind um sie gruppiert. Die Erdgeister werfen sich nieder, so daß die Außicht zum Hintergrunde frei wird. Heiling steht auf der einen Seite im Vordergrunde. Anna, Gertrude und Konrad auf der andern. Es wird nach und nach wieder hell.

KÖNIGINHalt ein, mein Sohn, die Rache darf nicht richten,

KÖNIGINLaß mich den Streit in Liebe schlichten.

KÖNIGIN(

Die Königin steigt herab und tritt während dieser Musik weiter vor.

SYSTEMChor der Hochzeitsleute

KÖNIGINHa! Welch Wunder ist geschehen?

KÖNIGINWelch ein Glanz läß dort sich sehen?

KÖNIGIN(

zu Heiling

KÖNIGINDu hast der Erde Lust und Pein erfahren,

KÖNIGINHast deine Leidenschaft gebüßt,

KÖNIGINErherbe dich nun über sie!

KÖNIGINDas Geisterreich beut dir die Krone,

KÖNIGINUnd treue Liebe ihrem Sohne Verheißt

KÖNIGINDer Mutter Herz.

KÖNIGINHieher mein Sohn,

KÖNIGINHier endet aller Schmerz.

KÖNIGIN(

Sie breitet die Arme nach ihm aus.

SYSTEMChor der Erdgeister

KÖNIGINIhn bewegt der Mutter Rede,

KÖNIGINWird er sich zur Milde kehren?

SYSTEMChor der Hochzeitleute

KÖNIGINWelche wunderbare Rede,

KÖNIGINWird er auf die Mahnung hören?

HEILING(

der immer in sich gekehrt gestanden

HEILINGWenn mein Kranz verblüht,

HEILINGWenn mein Herz gebrochen,

HEILINGDann, ja dann hatt' ich Wiederkehr versprochen!

HEILING(

Er kämpft mit sich selbst.

HEILINGIch komme Mutter!

HEILINGAlles, alles ist erfüllt!

HEILING|

SYSTEMChor der Erdgeister

HEILING|Heil, die Herrin hat gesiegt,

HEILING|Heil uns, Heil, er ist gewonnen!

HEILING|

SYSTEMChor der Landsleute

HEILING|Wohl uns, er ist besiegt,

HEILING|Die Gefahren sind verronnen.

HEILING(

er erhebt sich

HEILINGFahr ihn, der Erde Lust und Leid!

HEILINGEs war beschieden was gescheh'n,

HEILINGKein sterblich Auge soll mich wiederseh'n!

HEILING(

Er geht in die Bergöffnung.

ANNAFahr wohl, fahr wohl und unter uns sei Frieden!

ANNAAnna, Gertrude, Konrad, Stephan, Erdgeister, und Landsleute

ANNAGottes Allmacht hat entschieden,

ANNAAllen Recht und Allen Frieden!

ANNANun endlich mein und alles Bangen,

ANNAVergeßen sei's, auf immer vergangen.

ALLEGottes Allmacht hat entschieden,

ALLEAllen Recht und Allen Frieden!

ALLEVorhang

ALLEEnde des Oper.