Abschiedstafel

Mendelssohn, Felix

So rückt denn in die Runde!

Es schleicht die Zeit im Dunkeln,

Sie soll uns rüstig finden

Und heiter, stark und gut!

Gar viel ist zu vollbringen,

Gar Vieles muß mißlingen.

So mag die letzte Stunde

Nachleuchten uns und funkeln!

Wo unsre Pfad' sich winden,

Wir sind in Gottes Hut.

Dem Bruder meines Lebens,

Der, fern, mit mir zusammen,

Sei denn aus Herzensgrunde

Das erste Glas gebracht!

Ich brauch' ihn nicht zu nennen,

Er aber wird mich kennen.

Viel Land trennt uns vergebens,

Ihm soll dies Wort, die Stunde,

Durch alle Adern flammen,

Wie ich an Ihn gedacht!

Zu dir nun, heitre Schöne,

Wend' ich mich voll Gedanken.

Wie sie zu Dir sich wenden,

Muß ich so fröhlich sein.

So weit Poeten wohnen,

So weit der Wälder Kronen,

So weit kunstreiche Töne

Die heiteren Gedanken

Und Himmelsgrüße senden:

Ist Alles mein und Dein.

Laß nie die Schmach mich sehen,

Daß auch Dein Herz, der Lüge

Des andern Volks zum Raube,

[Bereuend feig und hohl,

An Licht und Schmuck mag zagen!]

Nicht wahr ist, was sie sagen:

Daß Lieb' und Lust vergehen,

Nicht wahr, daß uns betrüge

Der schöne, freud'ge Glaube,

Und also lebe wohl!

Ihr aber, klug' Gesellen,

Die hier mit in dem Kreise,

Wie quält Ihr mich seit Jahren

Mit weisem Rath und Wort.

Stoßt an, es sei vergessen!

Im Meere, ungemessen

Sind viele tausend Wellen

Und tausend Schiffe fahren,

Ein jedes seine Reise,

Komm' jedes in seinen Port!

Vom Berg' hinabgewendet,

Seh' ich die Ströme, Zinnen,

Der Liebsten Schloß darunter -

Nun, Morgenlohe, hülle

In Glorie dein Reich!

Dir, tieflebend'ge Fülle,

Schleudr' ich das Glas hinunter,

Mir schwindeln alle Sinnen,

So wend' ich mich geblendet,

Gott segne Dich und Euch.