An ihrem Grabe
Mendelssohn, Felix
Vier trübe Monden sind entflohn,
Seit ich getrauert habe;
Der falbe Wermut grünet schon
An meiner Freundin Grabe.
Da horch' ich oft im Mondenglanz
Der Grillen Nachtgesange,
Und lehn' an ihren Totenkranz
Die bleichgehärmte Wange.
Da sitz' ich, armes armes Kind,
Im kalten Abendhauche;
Und manche Sehnsuchtsthräne rinnt
Am falben Wermutsstrauche.
Der Flieder und die Linde wehn
Mir bange Seelenschauer,
Und hohe düstre Schatten gehn
Rings an der Kirchhofmauer.
Die Kirchenfenster regen sich,
Es regen sich die Klocken;
Es glänzt! es glänzt! Ach! seh' ich dich
Mit deinen hellen Locken?
Der Mond ists, so der Wolk entrollt,
Ins Kirchenfenster [schimmert,
Am rothen Band', am Flittergold
Der Todtenkränze flimmert!]
O komm zurück! o komm zurück
Von deines Gottes Throne!
O komm auf einen Augenblick
In deiner Siegerkrone!
In deinem neuen Engelreiz
Erscheine mir, erscheine,
Die ich, gelehnt ans schwarze Kreuz,
Auf deinem Grabe weine!