Die Sterne schau'n in stiller Nacht

Mendelssohn, Felix

Die Sterne schau'n in stiller Nacht

Herab zur Lagerstätte,

Wo's blonde Mädchen sitzt und wacht,

An kranker Mutter Bette.

Was blickst du einsam zu uns auf?

Willst späh'n der rollenden Welten Lauf?

Ihr Sternlein, ach! versteht ihr nicht

Der Tochter bangen Kummer?

Daß nicht das treu'ste Auge bricht,

O schenkt ihm süßen Schlummer,

Ihr Sternlein all', hab' euch so gern!

Doch Mutterlieb' ist der schönste Stern.

Nur still, du weinend Mädchen, du!

Der Schlummer senkt sich nieder,

Ein holder Engel schließt ihr zu

Die müden Augenlider;

Schau' nur, wie sanft sie ruht im Bett!

Ja, wenn nicht der Mensch seine Engel hätt'!