Lieben und Schweigen

Mendelssohn, Felix

Ich flocht' ein Kränzlein schöner Lieder,

Ihr Name klang in jedem wieder,

Ich schrieb ihn in Blätter und Blumen ein

Und wahrte sie lang in geheimem Schrein,

Ich grub ihn tief in dunkle Eichen,

Ich liebte so schön und musste schweigen.

Ich folgt' im Flug ihr durch die Auen,

Ich mochte sie nur gerne schauen,

Es stand mir das Auge in Tränenflut,

Es glühte das Herz mir in Liebesglut.

Es glühte, den Himmel in ihr zu erreichen,

Ich liebte so heiss und musste schweigen.

Vor Sehnsucht erblasst' ich', wollte sterben,

Mocht' um kein andres Kleinod werben,

Sah prangende Röslein gar lieb und schön,

Ging eilend vorüber, liess alle stehn.

Ich nannte mein Herz ja nimmer mein eigen,

Ich liebte so treu und musste schweigen.