Nachtgesang
Mendelssohn, Felix
Schlummernd an des Vaters Brust
Ruht die Flur in mächt'gem Schweigen,
Wie sich leis' die Wipfel neigen,
Träumend von des Tages Lust.
Blumen, die zu Glanz und Pracht
Früh des Morgens Ruf erweckte,
Als sie Perlenthau bedeckte,
Schlafen längst in stiller Nacht.
Doch auf ihrer Blüthenbahn
Sendet dankbar noch die Erde,
Von dem grossen Opferherde
Balsamdüfte himmelan.
Und sie stiegen leicht und rein
Durch des Äthers blaue Meere
Aufwärts zu dem Sternenheere,
Das uns glänzt im ew'gen Schein.
Nach, euch nach! Entflieht noch nicht!
Leiht uns Schwingen, Blumendüfte,
Tragt uns, milde Himmelslüfte,
Aufwärts, aus der Nacht zum Licht.