Neujahrslied

Mendelssohn, Felix

Mit der Freude zieht der Schmerz

Traulich durch die Zeiten,

Schwere Stürme, milde Weste,

Bange Sorgen, frohe Feste

Wandeln sich zur Seiten.

Und wo manche Thräne fällt,

Blüht auch eine Rose,

Schon gemischt, noch eh' wir's bitten,

Ist für Thronen und für Hütten

Schmerz und Lust im Loose.

War's nicht so im alten Jahr?

Wird's im neuen enden?

Sonnen wallen auf und nieder,

Wolken geh'n und kommen wieder,

Und kein Wunsch wird's wenden.

Gebe denn, der über uns

Wägt mit rechter Waage,

Jedem Sinn für seine Freuden,

Jedem Mut für seine Leiden,

In die neuen Tage.

Jedem auf des Lebens Pfad

Einen Freund zur Seite,

Ein zufriedenes Gemüthe,

Und zu stiller Herzensgüte

Hoffnung in's Geleite.