Warnung vor dem Rhein

Mendelssohn, Felix

An den Rhein, an den Rhein, zieh nicht an den Rhein,

Mein Sohn, ich rathe dir gut:

Da geht dir das Leben zu lieblich ein,

Da blüht dir zu freudig der Muth.

Siehst die Mädchen so frank und die Männer so frei

Als wär es ein adlig Geschlecht;

Gleich bist du mit glühender Seele dabei:

So dünkt es dich billig und recht.

Und zu Schiffe, wie grüßen die Burgen so schön

Und die Stadt mit dem ewigen Dom!

In den Bergen, wie klimmst du zu schwindelnden Höhn

Und blickst hinab in den Strom.

Und im Strome, da tauchet die Nix aus dem Grund,

Und hast du ihr Lächeln gesehn,

Und sang dir die Lurlei mit bleichem Mund,

Mein Sohn, so ist es geschehn:

Dich bezaubert der Laut, dich bethört der Schein,

Entzücken faßt dich und Graus.

Nun singst du nur immer: Am Rhein, am Rhein,

Und kehrst nicht wieder nach Haus.