Gasparone

Millöcker, Carl

CARLOTTA, verwitwete Gräfin Santa Croce - Sopran

BABOLENO NASONI, Podestà (Bürgermeister) von Syrakus - Bariton (Bass)

SINDULFO, sein Sohn - Tenor

CONTE ERMINIO - Tenor (Bariton)

LUIGI, dessen Freund - Bariton

BENOZZO, Wirt - Tenor

SORA, dessen Frau - Sopran

ZENOBIA, Gouvernante Carlottas - Alt

MARIETTA, Kammerzofe Carlottas - Sopran (Mezzosopran)

MASSACCIO, Benozzos Onkel, Schmuggler - Bariton

Ein OBERST - Sprechrolle

Ein LEUTNANT - Sprechrolle

Schmuggler, Zollwächter, Volk (Frauen, Mädchen, Männer), Gendarmen,

Ballgäste (Damen und Herren von Syrakus, Offiziere), zwei Diener,

ein Fahnenträger, zwei Trompeter, eine Abteilung Carabinieri,

ein Gerichtsdiener, ein Hauptmann, ein Sergeant.

Ort: In und bei Syrakus auf Sizilien

Zeit: 1821

SYSTEMIntroduktion

SYSTEMERSTER AKT

Freier Platz eines am Meeresufer gelegenen Ortes nächst Syrakus. Links auf dem Prospekt eine Bucht des zerklüfteten, hier und da von einem Flecken unterbrochenen Meeresufers. In blauer Ferne der leicht rauchende Ätna. Das Meeresufer rückwärts praktikabel. Vorn rechts Benozzos Kneipe mit Balkon, welcher, unten eine Laube bildend, das Erdgeschoss überragt. Vor der Kneipe einige einfache Tische und Stühle. Ganz vorn links der praktikable Eingang zum Keller. Wenn der Vorhang aufgeht, ist es vorn möglichst dunkel. Der Ätna glänzt im lichten Morgenrot. Das Ufer ist von demselben leicht gefärbt.

SYSTEMERSTE SZENE

Eine Stimme (hinter der Szene), Massaccio, Chor der Schmuggler, dann Benozzo

Die Bühne ist leer.

rechts hinter der Szene in weiter Entfernung

EINE STIMMEWihu! Wihu!

eilt von links auf die Bühne, gefolgt von einigen Schmugglern, ruft ins Meer hinaus

MASSACCIOWihu! Wihu!

hinter der Szene, aber schon näher

EINE STIMMEWihu! Wihu!

MASSACCIOHört nur, hört!

MASSACCIODen wohlbekannten Ton!

CHOR DER SCHMUGGLERDie Freunde sind's!

CHOR DER SCHMUGGLERSie nahen schon!

MASSACCIOZu bergen gilt's

MASSACCIOihre Ladung reich!

CHOR DER SCHMUGGLERDoch wo ist Benozzo?

MASSACCIODen weck' ich gleich!

eilt zum Fenster des Wirtshauses

MASSACCIOBenozzo, ohne Säumen!

MASSACCIOGenug hast du geruht!

MASSACCIOJetzt ist nicht Zeit zu träumen!

aus dem Hause, gähnend

BENOZZOAh! Ah! Schon gut!

MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERSie sind schon da!

MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERSie kommen schon heran!

MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERDem Ufer ganz nah,

MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERdort legen sie an!

der indes wieder ans Ufer geeilt war, ungeduldig wieder zu Benozzos Fenster zurückkehrend

MASSACCIOSchon wird es hell und heller,

MASSACCIOdrum heisst es: auf der Hut!

MASSACCIOBenozzo, öffne uns den Keller!

auf dem Balkon; er trägt nichts als ein Leinenbeinkleid, grobe Schuhe über den blossen Füssen, ein offenes gestreiftes Hemd, einen schlichten Wollgürtel und eine Zipfelmütze, weiss und rot gestreift; er hat krauses Haar, Ohrringe, ein Amulett um den blossen Hals, einen spärlichen Vollbart, stark bronzierten Teint; gähnend

BENOZZOAh! Ah! Schon gut!

MASSACCIOMit Kisten schwer beladen

MASSACCIOkommt von Afrikas Strand

MASSACCIOUnser Schiff ohne Schaden

MASSACCIOmit unsern Freunden ans Land.

MASSACCIOVorsicht nun! Auf der Hut!

BENOZZOJa, ja! Schon gut!

verschwindet und kommt nach einer kleinen Pause mit dem Schlüssel zum Keller, den er öffnet. Indes ist rückwärts die "Tartane" gelandet, der eine Anzahl Schmuggler entsteigen, die sich mit den auf der Bühne befindlichen vereinigen.

MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERHier, wo die Schergen

MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERuns bewachen,

MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERgilt's zu bergen

MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERschnell die Sachen.

MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERSind wir am Land, Verrat uns droht,

MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERdrum ist hier Vorsicht stets Gebot.

MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERFreiheit wohnt nur auf dem Meer!

MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERWenn Feinde dort hinter uns her,

MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERha, bald vorbei war

MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERdie Gefahr!

MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERWir flohn mit der Beute

MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERins Weite.

MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERDoch hier, wo Schergen

MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERuns bewachen,

MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERgilt's zu bergen

MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERschnell die Sachen.

MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERWeil am Land Verrat uns droht,

MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERist Vorsicht hier Gebot!

hat den Keller aufgesperrt, tritt nun zu den Schmugglern, die ihn begrüssen

BENOZZOFort! Nicht länger gesäumt,

BENOZZOweg damit! Aufgeräumt!

BENOZZODass kein Aug' es erspäht,

BENOZZOdass uns niemand verrät!

BENOZZOAh! Nun behend

BENOZZOrührt die Händ'!

BENOZZOAngepackt! Aufgesackt!

BENOZZOAbgefahrn!

BENOZZOMit den War'n

BENOZZOfort, nur fort!

BENOZZOAlles dort

BENOZZOins Versteck,

BENOZZOdass entdeck'

BENOZZOkein Verräter das Gut,

BENOZZOwo es sicher dann ruht!

BENOZZOVorwärts. Freunde, nur Mut!

BENOZZOHurtig schnell

BENOZZOauf der Stell,

BENOZZOimmer flink

BENOZZOauf den Wink!

BENOZZOSchafft es hin!

BENOZZOViel Gewinn

BENOZZOes euch bringt,

BENOZZOwenn's gelingt!

BENOZZOHabet acht!

BENOZZOAufs Signal seid bedacht!

BENOZZODroht Gefahr,

BENOZZOmacht euch rasch unsichtbar!

CHOR DER SCHMUGGLERHurtig schnell

CHOR DER SCHMUGGLERgleich zur Stell!

CHOR DER SCHMUGGLERDroht Gefahr,

CHOR DER SCHMUGGLERmacht euch rasch unsichtbar!

MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERDoch wenn wir auf dem Meer,

MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERnicht Gefahren mehr drohen;

MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERwenn Feinde hinterher,

MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERsind in Eil' wir entflohen!

MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERJa, sind wir dort an Bord,

MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERsegeln wir eilig fort!

BENOZZOMässigt euch,

BENOZZOsolang ihr noch am Strand,

BENOZZOdenn Verrat droht am Land!

BENOZZOHurtig schnell

BENOZZOauf der Stell'

BENOZZOimmer flink

BENOZZOauf den Wink!

BENOZZOSchafft es hin!

BENOZZOViel Gewinn

BENOZZOes euch bringt,

BENOZZOwenn's gelingt!

BENOZZOHabet acht!

BENOZZOAufs Signal seid bedacht!

BENOZZOAllzumal droht Gefahr,

BENOZZOso macht euch rasch unsichtbar!

CHOR DER SCHMUGGLERHurtig schnell,

CHOR DER SCHMUGGLERimmer flink,

CHOR DER SCHMUGGLERschafft es fort

CHOR DER SCHMUGGLERauf den Wink

CHOR DER SCHMUGGLERund habt acht!

CHOR DER SCHMUGGLERAllzumal droht Gefahr,

CHOR DER SCHMUGGLERso macht euch rasch unsichtbar!

Die Waren sind fortgeschafft.

BENOZZOHurra! Gelungen ist's,

BENOZZOdas Werk, es ist geglückt!

BENOZZONun vorwärts, schnell!

BENOZZOZurück zur Stell!

BENOZZOHurtig! Vorwärts!

BENOZZOSchneller! Flink!

Die zweite Hälfte der Schmuggler besteigt schnell das Boot, welches sich entfernt, während die übrigen Schmuggler, am Strande stehend, ihnen Lebewohl winken und dann rückwärts verschwinden. Massaccio und Benozzo schliessen währenddessen den Keller.

teilweise im Boot

MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLER:

MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERVor den Schergen

MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERmuss man's bergen,

MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERhabt acht!

MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERWeil am Land Verrat uns droht,

MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERist hier Vorsicht Gebot!

SYSTEMZWEITE SZENE

Massaccio. Benozzo, dann Erminio, Luigi

SYSTEMDialog

Es wird heller.

MASSACCIOWenn die Zollwächter uns erwischten, träf die Schuld dich, verdammter Langschläfer!

BENOZZODie Zollwächter sind für heute nacht unschädlich gemacht!

heiter

BENOZZOIch habe sie samt dem Herrn Podestà wieder auf die Spur Gasparones gehetzt!

Erminio erscheint, von Luigi gefolgt. Sie schleichen sich unter Benozzos Balkon und horchen. Beide sind in grosse Mäntel gehüllt und tragen weiche grosse Hüte.

MASSACCIOBist doch ein Teufelskerl! Sprengt der Spitzbube

schlägt Benozzo auf die Schulter

MASSACCIOnicht das Gerücht aus, dass Gasparone. der furchtbare Bandit der Romagna, sich hierher nach Sizilien geflüchtet habe!

heiter

BENOZZONur, um uns freies Feld zu schaffen …,fürs Schmuggeln! Hahaha!

MASSACCIONie ging unser Geschäft besser, als seit du den Leuten weismachtest, Gasparone hause in den Schluchten des Ätna!

ruhig, in seinen Mantel gehüllt, an einer Seite des Balkons lehnend, Luigi neben ihm

ERMINIO....während er doch drüben die Abruzzen unsicher macht!

anfangs bestürzt, greifen nach den Dolchmessern und wollen sich auf die beiden stürzen

BENOZZO, MASSACCIOSpione!

Erminio hält ihnen eine Pistole vor, gleiches tut Luigi. Beide avancieren. Benozzo und Massaccio erschrecken, weichen zurück. Erminio nimmt Massaccio aufs Korn, während Luigi nach Benozzo zielt.

ERMINIOWerft die Messer fort!

Benozzo und Massaccio wollen noch einen Versuch machen, sich der lästigen Lauscher zu entledigen.

ERMINIOGehorcht, Schufte, oder

Massaccio und Benozzo gehorchen. Luigi und Erminio nehmen sie in die Mitte.

ERMINIOAlso, ihr Halunken missbraucht Gasparones Namen zu euren Operationen?

BENOZZOAls Schmuggler, Exzellenza!

MASSACCIOAls ehrliche Schmuggler ... von etwas Zucker und Kaffee!

BENOZZONur, um die Behörden von unserem Treiben abzulenken

ERMINIOIhr wisst, was euch bevorsteht, wenn ich euch anzeige?

LUIGIDie Galeere!

knien nieder

BENOZZO, MASSACCIOGnade, Exzellenza, Gnade!

ERMINIOSo hört! Ich kann entschlossene Männer, wie ihr seid, brauchen. Wollt ihr mir blindlings gehorchen?

demütig

BENOZZO, MASSACCIOJa!

ERMINIOSteht auf! Ich verspreche euch dagegen tiefstes Schweigen, werde euch für eure Dienste gut belohnen! Die Fabel von Gasparones Aufenthalt hier passt mir!

BENOZZOSollten Exzellenza in freien Stunden etwa selbst ...

macht die Gebärde des Stehlens und Zustechens

heiter

ERMINIONein, mein Junge. Was ich stehlen will, ist ein Frauenherz!

BENOZZODas ist zollfrei!

ERMINIOUnd was ihr für mich rauben sollt, ist ein Drache!

BENOZZO, MASSACCIOEin Drache?

ERMINIOJa, eine alte, prüde Duenna, welche die Dame meines Herzens argwöhnisch bewacht, so dass es mir bis jetzt unmöglich war, mich ihr zu nähern.

BENOZZOCapisco! Exzellenza wollen, dass wir auf Rechnung Gasparones die Alte unschädlich machen sollen?

ERMINIOAuf kurze Zeit nur!

Glockengeläute

MASSACCIODie Morgenglocke!

LUIGIGehen wir!

ERMINIOGut!

zu Massaccio

ERMINIODu, Alter, folgst mir, ich will dich instruieren

will ab

ERMINIOHalt! Sooft ich euer bedarf, diene euch als Erkennungszeichen die Losung ... die Losung

BENOZZOSagen wir... Zucker und Kaffee!

ERMINIOGut! Zucker und Kaffee!

BENOZZO, MASSACCIOEinverstanden!

ERMINIOAlso: blind gehorchen!

MASSACCIOTiefstes Schweigen!

BENOZZOGut bezahlen!

ERMINIOLosung?

BENOZZO, MASSACCIO, ERMINJO, LUIGIZucker und Kaffee!

Erminio, Luigi, Massaccio verschwinden.

BENOZZOEine seltsame Begegnung! Gleichviel, der Mann gefällt mir!

Man hört Geräusche von links.

geht nach hinten; gesprochen

BENOZZOAh, die Zollwächter und Gendarmen, die der Podestà auf der Suche nach Gasparone die ganze Nacht

BENOZZOherumgehetzt hat!

geht an die Tür des Wirtshauses

BENOZZOSora! Sora! Mach auf, wir bekommen Gäste!

zum Publikum

BENOZZODenn einen Räuber suchen, der gar nicht da ist ... macht durstig!

ab ins Haus

SYSTEMDRITTE SZENE

Chor der Zollwächter, dann Nasoni, später Sora; Volk (Frauen, Männer)

treten auf

CHOR DER ZOLLWÄCHTERErscheinen wir als Rächer

CHOR DER ZOLLWÄCHTERmit lautem Trarara,

CHOR DER ZOLLWÄCHTERso wissen die Verbrecher

CHOR DER ZOLLWÄCHTERvon weitem, dass wir da!

CHOR DER ZOLLWÄCHTERWir bliesen auf Trompeten

CHOR DER ZOLLWÄCHTERauch heute Trarara!

CHOR DER ZOLLWÄCHTERDa ging der Fang uns flöten,

CHOR DER ZOLLWÄCHTERder unser schon beinah!

CHOR DER ZOLLWÄCHTERTrara! Trara!

CHOR DER ZOLLWÄCHTERDen Gasparone fangen,

CHOR DER ZOLLWÄCHTERist Kleinigkeit ja nur!

CHOR DER ZOLLWÄCHTERTrara! Trara!

CHOR DER ZOLLWÄCHTERIst's heut' auch nicht gegangen,

CHOR DER ZOLLWÄCHTERwir sind doch auf der Spur!

CHOR DER ZOLLWÄCHTERWir kennen keine Schonung,

CHOR DER ZOLLWÄCHTERwir geben keine Ruh,

CHOR DER ZOLLWÄCHTERerringen die Belohnung

CHOR DER ZOLLWÄCHTERund Ehren noch dazu!

CHOR DER ZOLLWÄCHTERTrara! Trara!

SYSTEMRezitativ

tritt auf; er trägt Zivilkleider jener Zeit, dazu einen Säbel, Pistolen und eine Tromba - Gewehr mit trompetenartiger Mündung -; in den Kreis tretend mit Aplomb

NASONIIhr tapfern Kameraden,

NASONIGenossen in Gefahren,

NASONImacht euch nichts draus,

NASONIwenn heut' wir

NASONInicht ganz glücklich waren!

NASONIErwischen wir den Bösewicht,

NASONIwird er gehängt, doch früher nicht!

CHOR DER ZOLLWÄCHTERHeil dem tapfern Podestà!

CHOR DER ZOLLWÄCHTERTrarara! Trarara!

CHOR DER ZOLLWÄCHTERDem Podestà, dem Podestà!

NASONI1.

NASONIDer verdammte Gasparone

NASONItreibt es mir denn doch zu bunt:

NASONItäglich hinter dem Patrone,

NASONIdabei geht man ja zugrund!

NASONIWas ich heute Nacht gelitten,

NASONImacht mich jetzt noch desperat!

NASONIÜber Lavablöcke schritten

NASONIwir auf unwegsamstem Pfad!

NASONIRingsherum in allen Ecken

NASONIsoll der Gasparone stecken:

NASONIunterm Tische, in dem Bett,

NASONIselbst im kleinsten Kabinett;

NASONIin den Klöstern, in den Kellern,

NASONIin der Küche unter Tellern,

NASONIob der Raum so eng und klein,

NASONIdass kein Teufel kommt hinein:

NASONIwo es dunkel oder licht,

NASONIwittert man den Bösewicht!

NASONIIhn, den alle Häscher suchen,

NASONIihn, dem alle Lippen fluchen,

NASONIihn, den alle Wälder kennen,

NASONIihn, den Räuber Bruder nennen,

NASONIihn, von dem man schaudernd spricht:

NASONIihn, ihn, ihn,

NASONIihn erwisch' ich nicht,

NASONIo verflixte G'schicht!

NASONIIch erwisch' ihn nicht,

NASONIo verflixte G'schicht!

NASONI2.

NASONIBin schon völlig wie zerschlagen,

NASONImeine Beine fühl' ich kaum!

NASONIHier im Kopfe, da im Magen:

NASONIüberall ein leerer Raum!

NASONISchon zu lang werd' ich geduldig

NASONIimmer hin und her gesprengt,

NASONIbin's nun der Gesundheit schuldig,

NASONIdass der Kerl wird bald gehängt!

NASONISagt mir einer guten Morgen,

NASONIbin ich auch bereits in Sorgen,

NASONIob's nicht Gasparone ist,

NASONIder mich so vertraulich grüsst.

NASONIWenn Champagnerkorken knallen,

NASONIglaub' ich mich schon überfallen;

NASONIsticht mich irgendein Insekt,

NASONIglaub' ich, dass sein Dolch schon steckt,

NASONIschrei': halt auf den Bösewicht,

NASONIder auf Schandtat nur erpicht.

NASONIIhn, den alle Häscher suchen,

NASONIihn, dem alle Lippen fluchen,

NASONIihn, den alle Wälder kennen,

NASONIihn, den Räuber Bruder nennen,

NASONIihn, von dem man schaudernd spricht:

NASONIihn, ihn, ihn,

NASONIihn erwisch' ich nicht,

NASONIo verflixte G'schicht!

NASONIIch erwisch' ihn nicht,

NASONIo verflixte G'schicht!

SYSTEMDialog

legt Säbel, Pistolen und Tromba missmutig beiseite, setzt sich rechts

NASONIAh, mir brechen fast die Beine ab vor Müdigkeit! Setzen, setzen! Das bin ich meiner Gesundheit schuldig!

dehnt sich behaglich

NASONIAh!

kommt aus dem Wirtshaus

SORAEine Erfrischung gefällig. Exzellenza?

mürrisch

NASONIEin Glas Wein!

Sora näher betrachtend

NASONIBist ja ein schmuckes Ding! Ich habe dich doch schon irgendwo gesehen?!

SORAIch heisse Sora, Exzellenza; war bis vor kurzem im Dienst der Gräfin Santa Croce!

NASONIMeiner künftigen Schwiegertochter, richtig!

SORAEben will ich ihr entgegengehen. Sie hat versprochen, mich zu besuchen, meine neue

SORAWirtschaft anzusehen ... Ich bin seit acht Tagen verheiratet!

NASONIRichtig! Mit diesem Halunken von Benozzo!

SYSTEMVIERTE SZENE

Die Vorigen, Benozzo

kommt aus dem Wirtshaus

BENOZZOHaben Exzellenza mich gerufen?

NASONIWeisst du, dass ich Lust hätte, dich durchprügeln zu lassen?

unterwürfig

BENOZZOMich ... Exzellenza?

NASONIDu Lügenmaul hast uns abermals um eine ganze Nacht betrogen!

BENOZZOAlso Exzellenza haben Gasparone nicht gefunden?

stark

NASONINein!

einlenkend, leiser

NASONIDas heisst ... eine Spur von ihm schon!

BENOZZOAlso doch!

leise

NASONIDies Billett.

beiseite

BENOZZOUnser Schiffsschreiber hat's geschrieben!

NASONIDies Billett, das mir, an einen Stein gebunden, vor die Füsse fiel!

liest

NASONI"Wo der Podestà Nasoni erscheint, zieht sich Gasparone zurück. Der kleine Räuber weicht dem grösseren!"

heiter, mit dem Finger drohend

BENOZZOExzellenza, der kennt Sie!

leise

BENOZZOEr wird gehört haben, dass unser Podestà gern ein Auge zudrückt, wenn man ein Pflaster drauflegt.

macht die Gebärde des Geldzählens

leise

NASONIAh bah! Wenn ich nur täglich ein Auge zumache, so trägt das mehr ein, als wenn ich alle beide eine Woche lang offen habe. Das bin ich meiner Gesundheit schuldig!

laut

NASONIEs ist nun schon das dritte Mal, Benozzo, dass du mich, die Gendarmen und Zollwächter umsonst auf Gasparones Spur gehetzt hast! Warum begleitest du uns nie?

BENOZZOEi, wenn ich gerade meinen mutigen Tag habe, mit Freuden!

NASONIMutigen Tag?

Sora ist in den Hintergrund abgegangen.

sanft

BENOZZOMein Vater, Exzellenza, war Hirte und Witwer. Er päppelte das Kind mit Schafsmilch auf, und diese Milch gab meinem Charakter jene Milde, welche mich zum Liebling von ganz Syrakus machte.

spöttisch

NASONIEingebildeter Tropf!

achselzuckend

BENOZZOGeschmacksache! Eines Abends geriet unser Büffelstier mit einer seiner Odalisken in Streit, ich wollte sie trennen, der Stier gabelte mich auf, rannte davon und... stürzte mit mir in einen Abgrund!

misstrauisch

NASONIIst das auch alles wahr?

BENOZZODer Abgrund existiert noch!

NASONINun dann!

BENOZZOEin Eremit nahm sich meiner an, flösste mir das Herzblut des schwer verwundeten Stiers ein und rettete mir so das Leben!

misstrauisch

NASONIIst das ebenfalls wahr?

BENOZZOSo wahr Sie - ein ehrlicher Mann sind!

NASONIAlso hast du Kerl Büffelblut in den Adern?

BENOZZOUnd Schafsmilch! Deshalb habe ich Tage,

wild

BENOZZOwo ich mutig bin wie ein Büffel und welche,

sanft

BENOZZOwo ich sanft bin wie ein Lämmchen!

NASONI:Mir scheint, mit diesem Lämmchen, diesem Büffel willst du mir einen Bären aufbinden?!

BENOZZOGewiss nicht! So wahr Sie ein ehrlicher Mann...

NASONIHaha! Das hast du schon einmal gesagt!

BENOZZOGestern zum Beispiel, als Sie auszogen gegen Gasparone, war ich ein ... Lämmchen. Heute aber bin ich der Büffel!

brummt wild

BENOZZOMuh! Wenn's heute gefällig ist, heute ziehe ich mit!

überlegend

NASONIHeute? Hm! Heute schon wieder? Ach, wenn's nicht wegen der tausend Zechinen Belohnung wäre, die ich so notwendig brauche! Also einverstanden! Wir ziehen abends wieder aus: ich, du, die Gendarmen und die Zollwache!

BENOZZOJa, namentlich die brave, ortskundige Zollwache!

für sich

BENOZZOWir haben noch eine ganze Schiffsladung draussen! ...

plötzlich kleinlaut

BENOZZOAber ... wenn sich Gasparone an mir rächt ... mich über den Haufen schiesst?

NASONIOho! Keine Schafsmilch! Büffelblut! Büffelmut! Wenn Gasparone dich tötet, das schwöre ich, hängt er zehn Minuten später am nächsten Baum!

BENOZZOZehn Minuten früher wäre mir lieber!

Man hört, ziemlich entfernt, kurz nacheinanderfolgende Pistolenschüsse; Bewegung. Alles springt auf und greift zu den Waffen.

NASONIWas ist das?

zeigt links

BENOZZOSchüsse im Pinienwäldchen!

NASONIGasparone etwa?

für sich

BENOZZOGasparone? Sollte dahinter nicht eher "Zucker und Kaffee" stecken?

ersteigt einen hohen Stein

NASONIDa kommt Sora ... sie winkt, sie deutet, sie ruft!

allgemeine Stille

SYSTEMFÜNFTE SZENE

Die Vorigen, Sora, dann Carlotta

ruft hinter der Szene

SORARettet die Gräfin Santa Croce!

gesprochen

NASONIDie Gräfin Santa Croce? Meine künftige Schwiegertochter in Gefahr? Entsetzlich!

für sich

NASONIOhne ihre Million wäre ich ein ruinierter Mann!

FRAUEN, MÄNNER, ZOLLWÄCHTER

BENOZZO, NASONI, CHORDa ist sie! Sprich, was ist geschehn?

auftretend, sinkt erschöpft in Benozzos Arme, der sie nach vorn geleitet; alle folgen

SORAGeduld!

BENOZZOWie soll ich das verstehn?

BENOZZOSo sag!

CHORWas ist mit ihr?

sich angstvoll umschauend

SORADer Schreck!

NASONIWas fehlet dir?

stockend und atemlos

SORAMir fehlt der Atem noch!

SORAIch bin ganz ausser mir!

NASONIJa, ja, das sehen wir!

BENOZZOSo sprich, erzähle doch!

SORAIm dichten Walde hier

SORAein Hilferuf ... ganz nah!

SORADie Angst, ich kann nicht mehr!

NASONIUnd weisst du, was geschah?

SORAGewiss!

SORADie Gräfin, sie ward angefallen!

NASONIWie? Die Gräfin Santa Croce?

SORASchon ist sie

SORAin des Räubers Krallen!

NASONI, CHORSchnell hin zu ihr,

NASONI, CHORzu retten sie!

sich gegen den Hintergrund wendend

in leichter Erregung, doch lächelnd, plötzlich entgegen

CARLOTTAIch bin schon da!

SORA, BENOZZO, NASONI, CHORSie ist da!

SORA, BENOZZO, NASONI, CHORWas geschah?

bietet Carlotta einen Stuhl an, den sie verweigert

NASONIWas haben wir gehört?

NASONIIst's möglich,

NASONIdass Sie in Gefahr geschwebt?

lächelnd

CARLOTTA's war nicht der Rede wert!

NASONIO teilen Sie uns mit,

NASONIwas Sie erlebt!

mit heiterer Laune

CARLOTTA1.

CARLOTTAEin höchst romantisch Abenteuer,

CARLOTTAnicht weit von hier, im Pinienwald!

CARLOTTAZwar, die Gefahr schien ungeheuer,

CARLOTTAdoch ging's zum Glück vorüber bald.

CARLOTTAMein muntres Pferd war der Begleitung

CARLOTTAvorausgeeilt auf schmalem Pfad;

CARLOTTAich überliess mich seiner Leitung

CARLOTTAund träumte von der Zukunft grad.

CARLOTTADa plötzlich wurd' aus meinen Träumen

CARLOTTAich aufgeschreckt recht schauerlich:

CARLOTTAzwei Räuber stürzten aus den Bäumen,

CARLOTTAder packt' mein Pferd, der andre mich!

CARLOTTADa fühlte ich,

CARLOTTAmein Mut entwich,

CARLOTTAerbleichend dacht' ich innerlich:

CARLOTTARecht gefährlich ist der Aufenthalt

CARLOTTAso allein im dunklen Pinienwald!

CARLOTTAJa, gefährlich ist der Aufenthalt

CARLOTTAso allein im dunklen Pinienwald!

SORA, BENOZZO, NASONI, CHORJa, gefährlich,

SORA, BENOZZO, NASONI, CHORist's im dunklen Pinienwald!

CARLOTTA2.

CARLOTTAIm Innern fühlt' ich mich erbeben!

CARLOTTAKein Wunder, wenn so plötzlich man

CARLOTTAden Raubgesellen preisgegeben,

CARLOTTAan Widerstand nicht denken kann!

CARLOTTASchon war vom Rosse ich gesunken,

CARLOTTAda knallt ein Schuss, ein zweiter dann,

CARLOTTAich blick' empor ... und freudetrunken

CARLOTTAsah einen Helfer kühn ich nahn!

CARLOTTADie feigen Räuber fiohn ins Weite.

CARLOTTAMein Retter hob mit sichrer Hand

CARLOTTAmich in den Sattel, trat zur Seite,

CARLOTTAverbeugt sich artig und verschwand!

CARLOTTAWas ich galant,

CARLOTTAdiskret auch fand,

CARLOTTAweil er die Situation verstand!

CARLOTTADenn gefährlich ist der Aufenthalt

CARLOTTAso zu zwein im dunklen Pinienwald!

CARLOTTAJa, gefährlich ist der Aufenthalt

CARLOTTAso zu zwein im dunklen Pinienwald!

SORA, BENOZZO, NASONI, CHORJa, gefährlich

SORA, BENOZZO, NASONI, CHORist's im dunklen Pinienwald!

NASONIUnd jener Retter?

CARLOTTAWar

NASONIMein Sohn! Das dacht' ich mir!

leicht verlegen

CARLOTTAO nein! Es war ein andrer Kavalier,

CARLOTTAsehr artig scheint er immer gegen Damen.

NASONISie kennen ihn?

CARLOTTANicht seinen Namen,

CARLOTTAdoch bin ich früher schon begegnet ihm.

parodistisch

NASONIGleichviel!

NASONIDie Heldentat war gross, sublim!

NASONIWo ist der edle Mann,

NASONIdass ich ihm danken kann?

NASONIDer teuren Schwiegertochter Leben

NASONIerhielt er mir!

blickt in den Hintergrund, mit leichtem Schrei, da sie Erminio erblickt

CARLOTTAHa! Da kommt er eben!

NASONIMein Sohn!

NASONIKommt endlich er hierher?

CARLOTTANein, nicht Ihr Sohn!

CARLOTTAMein Retter! Er!

SYSTEMSECHSTE SZENE

Die Vorigen, Erminio

NASONIWer?

CARLOTTAEr!

NASONIDer?

BENOZZODer?

SORADer?

CARLOTTAJa, er!

SORA, BENOZZO, NASONIWie, der wär Er?

war anfangs im Hintergrund geblieben, tritt jetzt vor

ERMINIOVergebung, wenn ich stör'!

zu Carlotta

ERMINIOMich zog's hierher,

ERMINIOzu sehn, wie Ihr Befinden wär!

CARLOTTANach dem Malheur?

CARLOTTAIch danke sehr!

für sich

NASONIDieser Er

NASONIkommt hierher?

NASONIMeinem Sohn zum Malheur!

NASONIWas ist sein Begehr?

NASONIMir ist verdächtig

NASONIgar mancherlei!

NASONIErfahren möcht' ich,

NASONIwer er wohl sei!

NASONIAls Unbekannter,

NASONIals Ungenannter

NASONIkommt er hierher,

NASONIder Herr von Er! Er!

für sich

CARLOTTAScheint auch verdächtig

CARLOTTAnoch mancherlei,

CARLOTTAerfahren möcht' ich

CARLOTTAdoch, wer er sei!

CARLOTTAEin Ungekannter,

CARLOTTAein Ungenannter

CARLOTTAblieb er bisher,

CARLOTTAdoch hübsch ist er!

für sich

ERMINIOJa, wetten möcht' ich

ERMINIObei meiner Treu,

ERMINIOdass ich allen verdächtig

ERMINIOhier sei,

ERMINIOund trotzdem kam ich hierher!

für sich

NASONIMir ist verdächtig

NASONIgar mancherlei!

NASONIErfahren möcht' ich,

NASONIwer das wohl sei!

NASONIAls Ungekannter,

NASONIals Ungenannter

NASONIkommt er hierher,

NASONIder Herr von Er!

für sich

BENOZZOMir ist verdächtig

BENOZZOgar mancherlei!

BENOZZOErfahren möcht' ich,

BENOZZOwer das wohl sei!

BENOZZOAls Ungekannter,

BENOZZOals Ungenannter

BENOZZOkommt er,

BENOZZOder Herr von Er!

für sich

SORAEin Ungekannter

SORAblieb er bisher,

SORAdoch hübsch ist er!

für sich

ERMINIOJa, wetten möcht' ich,

ERMINIOmeiner Treu,

ERMINIOdass ich verdächtig

ERMINIOhier sei!

für sich

BENOZZO, NASONIMir ist verdächtig

BENOZZO, NASONImancherlei,

BENOZZO, NASONIund wissen möcht' ich,

BENOZZO, NASONIwer er sei!

für sich

CARLOTTA, SORAScheint auch verdächtig

CARLOTTA, SORAer bisher,

CARLOTTA, SORAdoch hübsch ist er!

CARLOTTA, SORAWissen möchte ich,

CARLOTTA, SORAwer er wohl wär!

für sich

BENOZZO, NASONIGanz unbekannt

BENOZZO, NASONIkommt er hierher,

BENOZZO, NASONIder Herr von Er!

BENOZZO, NASONIHier ist verdächtig

BENOZZO, NASONIgar mancherlei!

BENOZZO, NASONIErfahren möcht' ich,

BENOZZO, NASONIwer wohl der Er da sei,

BENOZZO, NASONIdenn verdächtig ist er,

BENOZZO, NASONIdieser Er!

für sich

ERMINIOSchwören möcht' ich,

ERMINIOdass verdächtig

ERMINIOich hier,

ERMINIOmeiner Ehr!

untereinander

FRAUENEin Ungenannter

FRAUENblieb er bisher,

FRAUENdoch ist er hübsch,

FRAUENder Herr von Er!

untereinander

MÄNNER, ZOLLWÄCHTEREin Ungenannter

MÄNNER, ZOLLWÄCHTERblieb er bisher.

MÄNNER, ZOLLWÄCHTERWas will er hier,

MÄNNER, ZOLLWÄCHTERder Herr von Er!

Erminio tritt einige Schritte näher.

ihm entgegen

NASONIMein Herr! Sie nennen sich?

ERMINIONoch nicht!

für sich

NASONIDas klingt etwas verdächtig.

laut

NASONIdoch meine ich, Sie kennen mich!

ERMINIONoch nicht!

für sich

NASONIDas klingt noch mehr verdächtig,

NASONIund dabei lächelt er

NASONIganz niederträchtig!

laut und heftig

NASONIMein Herr,

NASONIwenn Sie's nicht wissen schon.

NASONInun so erfahren Sie:

NASONIich habe einen Sohn!

verbeugt sich lächelnd

ERMINIOSie sind beneidenswert!

mit Grimasse

NASONINun, wie man's nimmt...

heftiger

NASONIMein Sohn ist Bräutigam der Dame!

zeigt auf Carlotta

mit Verbeugung, lächelnd

ERMINIOBedaure! Ist das schon bestimmt?

NASONIGewiss! Drum frag' ich, wie Ihr Name?

CARLOTTANur nicht so heftig!

in Wut

NASONIJa, zur Stunde

NASONImuss ich das wissen, weil's nicht klar,

NASONIob mit dem Räuber Sie im Bunde,

NASONIvielleicht der Räuber selbst sogar!

ERMINIOHahaha! Hahaha!

Nasoni beruhigend

CARLOTTAWas fällt Ihnen ein?

ERMINIOHahaha! Hahaha!

CARLOTTAWas fällt Ihnen ein?

SORA, BENOZZO, FRAUEN, MÄNNER, ZOLLWÄCHTERWie? Der soll Gasparone sein.

SORA, BENOZZO, FRAUEN, MÄNNER, ZOLLWÄCHTERein Räuber sein?

SYSTEMRomanze

mit Innigkeit gegen Carlotta, mit leiser Ironie gegen Nasoni

ERMINIO1.

ERMINIOOh, dass ich doch der Räuber wäre,

ERMINIOich strebte nicht nach Eurem Gold!

ERMINIOErringen wollt', bei meiner Ehre,

ERMINIOich mir weit süssern Minnesold!

ERMINIOEin Lösegeld ich dann begehrte,

ERMINIOdas aufzubringen nimmermehr,

ERMINIOdas von unschätzbar hohem Werte.

ERMINIOOh, dass ich doch der Räuber wär!

ERMINIO2.

ERMINIOJa, wenn mir solch ein Fang gelungen,

ERMINIOwär meine Macht zu End fürwahr!

ERMINIOGefangen würd ich sein, bezwungen

ERMINIOin Ihren Fesseln ganz und gar!

ERMINIODoch nein, ich muss ja einem andern

ERMINIOnun dieses Kleinod geben hin,

ERMINIOmuss meine Strasse weiter wandern,

ERMINIOweil leider ich kein Räuber bin!

hat bei den letzten Worten Carlottas Hand geküsst, verbeugt sich nun leicht und verschwindet im Hintergrund, wie er gekommen, während alle andern verblüfft dastehen. Carlotta blickt ihm mit Teilnahme nach.

SYSTEMSIEBENTE SZENE

Die Vorigen, ohne Erminio

SYSTEMDialog

SORAEin reizender Mensch!

CARLOTTAEin liebenswürdiger Mann!

setzt sich rechts

verächtlich

NASONIJa, ja, recht nett! Etwas rätselhaft, aber recht nett!

zu Carlotta

SORAWie sieht er denn aus, der schreckliche Gasparone?

heiter

CARLOTTAIhn näher anzusehn, hatte ich nicht die Zeit! Auf dem Wege von Santa Croce hierher passierten wir den Pinienwald. Plötzlich schrie Zenobia ...

springt auf

CARLOTTAHimmel! Wo ist Zenobia?

ruft

CARLOTTAZenobia!

Stille

CARLOTTAMein Gott! Zenobia fehlt!

NASONIZenobla?

CARLOTTAMeine Duenna! Der grässliche Bandit hat sie geraubt!

zu Nasoni

CARLOTTAPapa, ich beschwöre Sie, bieten Sie alles auf, die Arme zu befreien!

stark und mit Zuversicht

NASONIZu den Waffen, Sizilianer! Zeigt, dass euch Frauenehre etwas wert ist! Entreisst Zenobia dem blutdürstigen Bluthund! Ich selbst … ich bleibe bei der Gräfin. Das bin ich meiner Gesundheit schuldig!

rufen, die Waffen schwingend

ZOLLWÄCHTER, GENDARMENZenobia! Trara!

Die Truppen marschieren ab. Die Frauen und Männer folgen ihnen. Auch Benozzo schliesst sich an, nachdem er die besorgte Sora umarmt hat. Nasoni gibt ihm seinen eigenen langen Säbel. Sora geht ins Haus zurück.

SYSTEMACHTE SZENE

Nasoni, Carlotta, dann Benozzo, Zenobia, ein Sergeant, vier Gendarmen, später Massaccio

SYSTEMDialog

mit Pathos

NASONITeure Carlotta! Bei dem Gedanken, dass Sie jetzt in den Händen des unerbittlichen Gasparone sein könnten, schaudert mir!

CARLOTTAEi! Im äussersten Falle hätte ich von meiner Waffe Gebrauch gemacht!

hält ihm ein elegantes Taschenterzerol entgegen

erschrickt

NASONIOh! Ich sage es meinem Sohne ja täglich: Carlotta besitzt alle Frauentugenden. Sogar schiessen kann sie!

CARLOTTASie tun wohl daran, padre mio! Sindulfo selbst scheint diese Vorzüge nicht zu bemerken!

NASONIWie unrecht tun Sie Sindulfo!

wütend zwischen den Zähnen

NASONIWo der verdammte Windbeutel nur wieder steckt!

laut

NASONISindulfo betet Sie an, vergöttert Sie!

CARLOTTAWirklich?

NASONIEs gibt auf ganz Sizilien keinen solideren Jüngling!

für sich

NASONIDer Lump hat mir mein ganzes Vermögen verjuxt!

CARLOTTAIch muss es glauben, weil Sie es sagen.

NASONIIch, Ihr uneigennütziger, Ihr einziger Freund!

warm, ihm die Hände reichend

CARLOTTANiemals, Nasoni, werde ich vergessen, wie warm Sie sich meiner annahmen, als ich Witwe wurde.

spielt den Gerührten

NASONIOh, Ihr Gemahl war ein braver Mann. - Leider starb er ohne Testament. Sein Nachlass, das alte Schloss Santa Croce und eine Million Lire in guten Papieren, ward Ihnen von der Familie bestritten!

CARLOTTADer Prozess verschlang alle meine Ersparnisse. Was haben Sie alles aufgeboten, dass ich ihn gewinne ... vergebens!

NASONIJa!

betonend

NASONIDer Fall steht schlecht, sehr schlecht! Aber wie dem auch sei, meine Schwiegertochter müssen Sie doch werden!

CARLOTTAMein Gott, ich arme Witwe sollte...

NASONIWas frage ich danach! Ich schätze, liebe Sie und...

herzlich

CARLOTTANun, bei Gott, ich heirate nicht, um Sindulfos Frau, sondern um Ihre Schwiegertochter zu werden!

mit schlecht verhehlter Freude

NASONIAlso eingeschlagen. Ihr Wort?!

feierlich

CARLOTTAMein Wort!

gibt ihm die Hand

für sich

NASONIEndlich!

affektiert gerührt

NASONITeure Tochter!

CARLOTTABester Vater!

Umarmung. Stimmen hinter der Szene.

hinter der Szene

BENOZZOWir haben sie! Wir haben sie!

CARLOTTAWas ist das?

zurückeilend

NASONIBenozzo schleppt ein älteres, geräumiges Frauenzimmer daher!

freudig

CARLOTTAZenobia!

eilt Zenobia entgegen, die von Benozzo und dem Sergeanten halb ohnmächtig hereingeschleppt wird. Vier Gendarmen folgen ihnen, bleiben rückwärts.

BENOZZOWir haben sie! Wir haben sie!

Nasoni stellt einen Stuhl, auf den man Zenobia niederlässt.

besorgt

CARLOTTASchnell, Benozzo, richte ein Ruhebett, hole einen Arzt!

BENOZZOGleich, gleich!

zu Massaccio, der unbemerkt auftrat und sich in Benozzos Haus schleichen will, leise

BENOZZONun?

leise

MASSACCIOWir haben unsere Aufgabe erfüllt und enterten die Alte! Pamosa, unser Steuermann, spielte den Gasparone. Haha!

beide ab ins Haus

SYSTEMNEUNTE SZENE

Nasoni, Carlotta, Zenobia; ein Sergeant, vier Gendarmen

bisher mit Carlotta und Zenobia beschäftigt

NASONIBrave Burschen! Mit Gefahr ihres Lebens entrissen sie dem grässlichen Räuber sein Opfer!

macht eine verneinende Gebärde, schwach

ZENOBIANein!

bietet Zenobla ein halbvolles Glas Wein vom nächsten Tische, an dem diese nippt

CARLOTTAFassung, Fassung, Zenobia!

zu Nasoni

CARLOTTADie Ärmste muss furchtbar gelitten haben!

macht eine verneinende Gebärde, schwach

ZENOBIANein!

NASONISchleppten Sie die Unholde? Blieben für Ihr Flehen taub?

CARLOTTAGrässlich!

für sich

NASONIUnbegreiflich!

ZENOBIAErbarmungslos rissen sie mich bis zur Höhle ihres Hauptmanns mit sich fort! Ein Stossgebet zum Himmel stärkte mich. Ich war auf alles gefasst ... da hob Gasparone meinen Schleier und sagte, im reinsten Romagna-Dialekt, nichts als: Ui je!

CARLOTTA, NASONIWas sagte er?

ZENOBIAUi je! Und dann ... entliess er mich.

NASONIGegen ein Lösegeld?

tonlos

ZENOBIANein. Er gab mir noch einen Dukaten mit auf den Weg.

zeigt ihn

Nasoni steckt ihn ein.

erfreut

CARLOTTAEdelmütiger Mann!

NASONIEin Räuber, der noch was draufzahlt? Unglaublich!

ZENOBIAWo ist er?

NASONIWer?

ZENOBTADer Dukaten!

zeigt auf seine Westentasche

NASONIHier!

ZENOBIAAch, geben Sie ihn mir! Hier ist ein anderer!

betrachtet den Dukaten, den er wieder aus der Tasche gezogen hat

NASONIEr sollte mir als Corpus delicti dienen.

nimmt ihn

ZENOBIAMir dient er als Andenken!

küsst die Münze

ZENOBIAAls Andenken an ihn!

zu Nasoni

CARLOTTASie phantasiert! Ich will sie zur Ruhe bringen!

NASONISergeant! Wartet auf mich! Ihr sollt mich auf dem Heimweg bedecken, damit mich dieser Teufel Gasparone nicht etwa selbst fängt!

Auf sein Zeichen zieht sich der Sergeant mit den Gendarmen zurück.

sich mit Zenobia nach dem Hause wendend, zu Nasoni

CARLOTTANun denn, so gehn auch wir hinein,

CARLOTTAIhr Sohn bleibt gar zu lang mir aus!

freudig

NASONISie sehnen sich nach ihm?

CARLOTTAO nein! O nein!

CARLOTTAIch sag' es Ihnen grad heraus:

lächelnd und fein

CARLOTTAHalt der Sohn sich fern von mir

CARLOTTAüber- die Gebühr,

CARLOTTAbleibt der Vater doch galant

CARLOTTAimmer mir zur Hand!

CARLOTTAEr nimmt seine Stelle ein,

CARLOTTAich bin nicht allein,

CARLOTTAunterhalte wohlgemut

CARLOTTAmich mit ihm recht gut!

CARLOTTAAber, wenn auch nicht verstimmt,

CARLOTTAmuss ich doch gestehn:

CARLOTTAmein Herr Bräutigam benimmt

CARLOTTAsich durchaus nicht schön,

CARLOTTAnicht schön, nicht schön!

plötzlich, sehr zungenfertig, dazwischen

ZENOBIAJa! So sind die jungen Leute

ZENOBIAvon heute!

ZENOBIAWenn nicht die alten Herren

ZENOBIAnoch wären,

ZENOBIAständ' um uns Frauenzimmer

ZENOBIAes schlimmer!

ZENOBIADie sind viel amüsanter,

ZENOBIAcharmanter,

ZENOBIAund werden dabei schwerlich

ZENOBIAgefährlich!

CARLOTTA, ZENOBIASo sind die jungen Leute

CARLOTTA, ZENOBIAvon heute!

CARLOTTA, ZENOBIAWenn nicht die alten Herren

CARLOTTA, ZENOBIAnoch wären,

CARLOTTA, ZENOBIAständ' um uns Frauenzimmer

CARLOTTA, ZENOBIAes schlimmer!

CARLOTTA, ZENOBIADie sind viel amüsanter,

CARLOTTA, ZENOBIAcharmanter,

CARLOTTA, ZENOBIAund werden dabei schwerlich

CARLOTTA, ZENOBIAgefährlich!

CARLOTTA, ZENOBIADa braucht man zu fürchten nie!

CARLOTTA, ZENOBIAAlles bleibt Galanterie.

NASONISo sind die jungen Leute

NASONIvon heute!

NASONIWenn nicht wir alten Herren

NASONInoch wären,

NASONIständ' um die Frauenzimmer

NASONIes schlimmer!

NASONIWir sind viel amüsanter,

NASONIcharmanter,

NASONIund werden dabei schwerlich

NASONIgefährlich!

NASONIDa braucht man zu fürchten nie!

NASONIAlles bleibt Galanterie.

CARLOTTAIhre Treu ist erprobt,

CARLOTTAdenn sie haben ausgetobt.

CARLOTTAJa, solch ältrer Kavalier,

CARLOTTAja, recht gern räum' ich's ein,

CARLOTTAkann charmant auch sein!

ZENOBIAIhre Treu ist erprobt,

ZENOBIAdenn sie haben ausgetobt.

ZENOBIAJunge wär'n wohl lieber mir,

ZENOBIAdoch solch ältrer Kavalier,

ZENOBIAja, recht gern räum' ich's ein,

ZENOBIAkann charmant auch sein!

NASONIUnsre Treu ist erprobt,

NASONIdenn wir haben ausgetobt.

NASONIJugend wär wohl lieber mir,

NASONIdoch solch ältrer Kavalier,

NASONIja, recht gern räumt man's ein,

NASONIkann charmant auch sein!

Carlotta geht mit Zenobia ins Haus. Nasoni begleitet Carlotta mit affektierter Zärtlichkeit bis zur Tür von Benozzos Kneipe.

SYSTEMZEHNTE SZENE

Nasoni (allein), dann Sindulfo

SYSTEMDialog

NASONIAh!

wischt sich den Schweiss ab

NASONIWenn diese Heirat nicht bald zustande kommt, werde ich verrückt! Einen solchen Gauner zum Sohne zu haben, ihn täglich als Muster eines jungen Mannes hinstellen zu müssen, statt ihn durchhauen zu können: das halte ein Schwede aus, ein Norweger, ein Lappe! Für einen Sizilianer ist das zu viel, zu viel! Ich platze, ich explodiere! Oh, wäre ich der Ätna, dass ich Feuer speien könnte ... das wär ich meiner Gesundheit schuldig!

lässt sich in einen Stuhl fallen

hinter der Szene

SINDULFOPapa! Papa! Carissimo padre!

fährt auf

NASONIDa ist er! Ah!

ein langer, magerer, abgelebter junger Mann, karikierter Stutzer im Kostüme jener Zeit, heiter und gleichgültig

SINDULFOO Papa, da bist du ja! Buon giorno!

will Nasoni umarmen

wehrt ihn ab

NASONIVa via!

erstaunt

SINDULFOWas hast du, würdiger Urheber meines Lebens?

NASONIIch hätte auch was Gescheiteres tun können, als dein Leben ... urzuheben! - Wo kommst du her?

heiter

SINDULFOVom Souper, Papa!

NASONIVom Souper? Um halb zehn Uhr vormittags? Woher?

vertraulich

SINDULFOIch sage nichts als Lucia!

NASONIDu bist der grösste Taugenichts von Sizilien! Kostest mich mein ganzes Vermögen! Wer die Höhe der Summe kennt, kann die Tiefe meines Schmerzes ermessen!

setzt sich

SINDULFODio mio! Schon wieder eine Strafpredigt

NASONIDir zuliebe habe ich alles angebracht, alles, bis auf dich!

SINDULFOPapa, ich muss bitten

NASONITaci! Es ist also deine Pflicht, durch eine gute Partie mich und dich wieder zu rangieren!

SINDULFOGute Partie? Und da verlobst du mich mit der armen Gräfin Santa Croce!

packt Sindulfo und reisst ihn an die äusserste Linke

NASONIPscht! Nicht so laut! Carlotta ist drinnen bei Sora!

leiser

NASONIBück dich!

Es geschieht.

NASONIGräfin Carlotta ist nicht arm!

SINDULFOMein Himmel! Der Prozess ... halb verloren!

leise

NASONINein, nicht halb verloren, sondern ganz gewonnen!

freudig

SINDULFOWie? Gewonn...

freudig

NASONIPscht! Das Obertribunal in Neapel hat zugunsten der Gräfin entschieden, ich habe seit drei Tagen das Urteil in der Tasche.

zieht das Dokument hervor

will danach greifen

SINDULFOOh!

hindert ihn daran

NASONIOho! Noch hat Carlotta keine Ahnung davon! Doch habe ich ihr Wort: sie wird dein Weib, ob arm, ob Millionärin!

SINDULFOMillionärin! Hm! Die Frau fängt auf einmal an, interessant zu werden.

NASONINicht wahr? Schau, Sindulfo, du musst mehr den Cavaliere servente spielen, immer zur Hand sein ... Nicht so, wie vorhin, wo Carlotta, von Räubern angefallen, ein anderer rettete!

SINDULFOIch hörte im Hafen davon, eilte deshalb hierher, um ihren Retter zur Rede zu stellen.

NASONIDu kennst ihn?

SINDULFOEin Piemontese, sogenannter Conte Erminio. Sein Aufenthalt hier ist ganz Syrakus ein Rätsel.

fuchtelt mit seinem Spazierstöckchen in der Luft herum

SINDULFOIch werde ihm die Lust vertreiben, meine Braut zu retten!

entzückt

NASONIEndlich einmal eine ritterliche Regung! So gefällst du mir, carissimo figliuolo!

SINDULFODas kostet ihn die Ohren!

NASONIUnd die Nase, meinetwegen auch die Nase! Nur eine Tat, etwas Ritterliches! Ich eile jetzt zur Stadt, kehre bald zurück. Also sei artig, galant, liebenswürdig! Sie hat "Ja" gesagt. Schmiede die Gräfin, solange sie warm ist!

SINDULFOSollst sehen, Papa, wie ich mich zu meinem Vorteil verändere.

NASONIDu kannst dich überhaupt nur zu deinem Vorteil verändern!

SINDULFOO Papa!

NASONAlso, eine Tat, etwas Ritterliches! Was tut man nicht alles für eine Million! Stich diesen Conte Erminio aus bei Carlotta ... hau ihm was weg, schiess ihm was 'nein! Und dann heirate! Heirate! Das bist du meiner Gesundheit schuldig!

schnell links ab

SYSTEMELFTE SZENE

Sindulfo (allein), dann Sora, später Benozzo

SINDULFOEine Million Lire! Sindulfo, zeige, dass du ein Weltmann, dass du diesem Conte Erminio überlegen bist!

klopft auf den Tisch

SINDULFOHeda, Wirtshaus!

kommt aus dem Haus

SORABefehlen?

SINDULFOMeine Braut ...?

SORADie Gräfin ruht ein wenig.

SINDULFOAlso heisst's warten.

gähnt

SINDULFOWie langweilig!

setzt sich

SINDULFOBring Wein, Sora, vom besten!

SORAZu dienen!

ab

SINDULFODieser Erminio muss mir Rede stehen. Ob auf Säbel oder auf Pistolen gleichviel!

zündet sich eine Zigarre an

kommt mit Wein

SORAHier, Signore, echter Syrakuser!

trinkt, schnalzt mit der Zunge

SINDULFOFamos!

zieht Sora etwas an sich

SINDULFOWeisst du, Kleine, dass du ein ganz appetitliches Weibchen bist?

SORADeshalb fand ich auch einen braven Mann, Signore!

SINDULFOAch ja, diesen Tagdieb von Benozzo!

Benozzo erscheint auf dem Balkon, kehrt diesen mit einem Reisbesen, horcht auf, als

er seinen Namen nennen hört.

SORADer hübscheste Junge von Syrakus!

SINDULFOAber ein heilloser Schmuggler!

SORANicht, dass ich wüsste!

SINDULFOPapperlapapp! Ich kaufte durch ihn vorigen Monat tausend geschmuggelte Zigarren!

BENOZZODie Sie heute noch schuldig sind!

gleichgültig, klemmt sein Monokel ins Auge

SINDULFOAh, du bist auch da?

BENOZZOJa, ich bin auch da!

kehrt wütend aus

SINDULFOGeniere dich nicht! Du siehst, ich mache deiner Frau die Cour!

BENOZZOLassen Sie mich lieber Geld sehen!

SINDULFOFür die Frau?

BENOZZONein, für die Zigarren!

sieht, dass Sindulfo zu Sora zärtlicher wird, heftig

BENOZZOKeine Handgreiflichkeiten, wenn ich bitten darf!

SORAAber Signore!

SINDULFORuhig, da oben!

BENOZZONein, nicht ruhig da oben, sondern ruhig da unten, und wenn Sie nicht augenblicklich ...

droht mit dem Besen; zu Sora

BENOZZOMarsch, ins Haus mit dir!

SINDULFONein, sie bleibt!

BENOZZOSie geht! Herein da, Sora!

SINDULFOIch glaube gar, der Bursche untersteht sich, sich mit mir zu messen! Das hiesse, ein edles Pferd zu einem Esel spannen!

BENOZZOWie kommen Sie dazu, mich ein Pferd zu nennen?

SINDULFOHaha! Die Eifersucht macht ihn witzig! Höre nicht auf ihn, Sora!

umfasst Sora

BENOZZOMaledetto! Der Büffel in mir wird wütend!

wirft den Besen nach Sindulfo und eilt durchs Haus nach unten

lässt sich nicht abhalten, Sora mit Zärtlichkeiten zu verfolgen

SINDULFODer Büffel trägt Hörner, ergo

nimmt den Besen auf und wehrt Sindulfo damit ab

SORAEi, Signore, jetzt ist's genug!

auftretend

BENOZZOOb Sie jetzt gleich aufhören werden, meine Frau zu verfolgen, oder ...

nimmt den Besen, den Sora weggeworfen hat und dringt auf Sindulfo ein. Sora, von Sindulfo verfolgt, welchen wieder Benozzo verfolgt, fliegt dem mit Luigi von rechts auftretenden Erminio in die Arme.

SYSTEMZWÖLFTE SZENE

Die Vorigen, Erminio, Luigi

heiter

ERMINIOGefangen!

umarmt und küsst Sora

für sich

SINDULFOConte Erminio? Eben recht!

sieht das, fährt auf Erminio los

BENOZZOWas war das?

heiter

ERMINIOIch küsse jede hübsche Frau, die mir in die Arme eilt!

küsst Sora wieder

SORAAh!

erkennt Erminio, plötzlich freundlich

BENOZZOAh! Exzellenza!

zu Benozzo

SINDULFOWie? Und das lässt du dir gefallen?

zu Sindulfo

BENOZZOWas geht's denn Sie an, wenn Exzellenza

meint Erminio

BENOZZOmeine Frau küsst?

zu Erminio

BENOZZOBitte! Wollen sich Exzellenza nur bedienen!

zu Sindulfo

BENOZZOJetzt just, jetzt just!

zu Erminio

BENOZZOBitte!

präsentiert mit dem Besen

SINDULFOIch liess' mir's doch nicht gefallen!

stolz zu Sindulfo

ERMINIODarf ich fragen, mein Herr, mit welchem Rechte Sie sich da einmischen?

stolz

SINDULFOIch... Herr?!

lässt seinen Stock durch die Luft schwirren

ERMINIOJa, Sie ... Herr!

trifft Sindulfo, der schreiend zurückfährt

für sich

SINDULFOUnangenehmer Patron!

SINDULFOWerde mich nicht mit ihm schlagen!

laut

SINDULFOHabe nicht das Vergnügen, Sie zu kennen!

ERMINIOMeinerseits!

grüsst

SINDULFOIhr Diener!

zu Sora, laut

SINDULFOSora!

SORASignore?

zum Teil bedeutsam nach Erminio hinsprechend

SINDULFOMelde meiner reizenden Braut, der Gräfin Santa Croce ... du verstehst?

stärker

SINDULFOmeiner Braut, dass ich einen Wagen besorgen und mit Bedeckungsmannschaft zurückkehren werde

dazwischenredend, für sich

ERMINIOZurückkehren? Wie ärgerlich!

ohne abzusetzen

SINDULFO... um gewissen Leuten die leichte Mühe zu ersparen, sie abermals retten zu müssen, wenn Räuber sie anfallen!

Sora geht ins Haus.

SINDULFORäuber?! Gott, wie romantisch! Hahaha!

für sich

ERMINIONa warte! Das vergelt' ich dir!

leise

ERMINIOLuigi!

bespricht sich vertraulich mit Luigi

will abgehen

SINDULFOAddio!

verstellt ihm den Weg

BENOZZOUnd mein Guthaben?

SINDULFOWas bin ich schuldig?

BENOZZOWas Sie alles schuldig sind, weiss ich nicht! Ich bekomme sechs Baiocci für den Wein und zwölf Scudi für die Zigarren.

SINDULFOGut, gut! Aufschreiben!

will ab

BENOZZOAufgeschrieben wird bei mir nicht!

SINDULFODesto besser!

schnell ab

steht verblüfft da

BENOZZOAh! Das ist stark!

leise

LUIGIBenozzo! 's gilt einen Streich gegen den da

zeigt nach der Seite, wo Sindulfo abging

LUIGIFolge mir!

BENOZZOAh, ich verstehe! Zucker und Kaffee! Mit Wonne!

Luigi und Benozzo folgen Sindulfo.

SYSTEMDREIZEHNTE SZENE

Erminio, Sora

ERMINIOJetzt ans Werk!

ruft

ERMINIOSora!

SORASignore?

ERMINIODu beherbergst momentan die Gräfin Santa Croce?

SORAWelcher ich bis zu meiner Verheiratung als Kammermädchen diente. Ja, Exzellenz!

ERMINIOIch habe der Gräfin - in ihrem Interesse - einen Rat zu geben.

will ihr Geld geben

ERMINIOHier nimm und verschaffe mir eine Unterredung mit ihr!

SORAWo sich's um der Gräfin Interesse handelt, Signore, lasse ich mich nicht bezahlen! Ich will Sie melden.

geht ab

SYSTEMVIERZEHNTE SZENE

Erminio (allein)

ERMINIOO Liebe, Liebe! Zu welchen Torheiten kannst du selbst Männer von Charakter und Ehre verleiten!

heiter zum Publikum

ERMINIOIch, Conte Erminio Saluzzo, dreissig Jahre alt, ledig, Gutsbesitzer, reich ... mache mit Luigi, meinem Freund, eine geologische Exkursion hierher. Auf einem Spazierritt begegne ich Carlotta, verliebe mich sterblich in sie, höre, dass sie in den Händen dieses dunklen Ehrenmannes Nasoni ist, dessen Sohn sie heiraten soll! Ich schliesse Einverständnisse mit Schmugglern, missbrauche die allgemeine Gasparone-Furcht, arrangiere einen fingierten Überfall; die Schmuggler vergreifen sich, nehmen, statt der Alten nur, auch die Gräfin gefangen! Ich muss Carlotta befreien und ernte einen Dank, den ich gar nicht verdiene ... wie beschämend für mich! Doch gleichviel! Ich muss sie diesem Nasoni entreissen, koste es, was es wolle! Ah, da kommt die Gräfin! Gott Amor, steh mir bei!

SYSTEMFÜNFZEHNTE SZENE

Erminio, Carlotta

kommt aus dem Wirtshaus; mit Wärme zu Erminio

CARLOTTAWie freu' ich mich, dass Sie noch hier!

CARLOTTAZu danken herzlich nach Gebühr

CARLOTTAwar möglich mir bis jetzt noch nicht.

CARLOTTAHier meine Hand

CARLOTTAals Unterpfand!

CARLOTTAIch fühle innig Dankespflicht!

CARLOTTAJa! Wohin Sie auch die Schritte lenken,

CARLOTTAo glauben Sie,

CARLOTTAstets werd' ich Ihrer Tat gedenken;

CARLOTTAvergessen nie,

CARLOTTAwie Sie als Held mit starker Hand

CARLOTTAschnell die Gefahr von mir gewandt!

freudig; sanft unterbrechend

ERMINIOZuviel!

ERMINIODoch bitt' ich, fahren Sie nur fort,

ERMINIOdenn süss klingt mir solch innig Wort!

CARLOTTAGern möcht' ich Ihnen mehr noch sagen,

CARLOTTAdoch bin ich eigentlich zu End!

entzückt

ERMINIODass solchen Dank davonzutragen

ERMINIOaufs neu' Gelegenheit ich fänd!

ERMINIOJa! Wohin Sie auch die Schritte lenken,

ERMINIOstets werde ich

ERMINIOSie schirmen vor des Feindes Ränken!

ERMINIOGanz sicherlich!

ERMINIOUnd wo Gefahr zu drohen scheint,

ERMINIOwacht über Sie ein treuer Freund!

entzückt

CARLOTTAZuviel!

CARLOTTADoch bitt' ich, fahren Sie nur fort,

CARLOTTAdenn süss klingt solch ein Freundeswort!

ERMINIOEs wacht ein Freund,

ERMINIOvertraun Sie meinem Wort!

traurig

ERMINIOSie sind ja Braut, in wenig Tagen

ERMINIOein andrer Sie die Seine nennt!

losbrechend

ERMINIOOh, dass ich Sie durchs Leben tragen,

ERMINIOdass ich Sie schützen, führen könnt'!

ein wenig zurückhaltend, doch ohne Kälte

CARLOTTADies Recht kann nur dem Gatten passen,

CARLOTTAer wird es sich nicht nehmen lassen.

finster

ERMINIOIhr Gatte? Nun, er ist's noch nicht.

schwankend

CARLOTTADoch wird er's sein!

mit Nachdruck

ERMINIOGewiss!

immer schwankender

CARLOTTAWarum denn nicht?

ERMINIOWarum?

CARLOTTAWarum?

nach kurzem, innerem Kampfe

ERMINIONoch darf ich's nicht erklären.

ERMINIODoch möchten Sie des Freundes Warnung hören!

ernst

ERMINIOHüten Sie sich vor dem Räuberpaar,

ERMINIOdas schmeichelnd die Freundeshand Ihnen bot!

ERMINIOIm Walde war kleiner die Gefahr,

ERMINIOals hier von diesen beiden droht!

ERMINIOMerken Sie sich:

ERMINIOEin Freund bin ich,

ERMINIOkeinem andern traun,

ERMINIOauf mich allein nur baun!

ERMINIOUnd was auch geschah,

ERMINIOich bin ja da,

ERMINIObleibe nah!

CARLOTTAMerken will ich,

CARLOTTAdass sicherlich

CARLOTTAich auf ihn darf baun,

CARLOTTAauf seinen Schutz vertraun.

CARLOTTAUnd was auch geschah,

CARLOTTAer ist ja da,

CARLOTTAbleibt mir nah,

CARLOTTAmir nah!

ERMINIOMerken Sie sich:

ERMINIOEin Freund bin ich,

ERMINIOkeinem andern traun,

ERMINIOauf mich allein nur baun!

ERMINIOWas auch geschah,

ERMINIOich bleibe da,

ERMINIObleibe da!

für sich

CARLOTTAWie sonderbar!

CARLOTTAMir droht Gefahr

CARLOTTAvon jenen beiden,

CARLOTTAdie Freunde mir?

CARLOTTASollt' er sie neiden?

CARLOTTAWas birgt sich hier?

CARLOTTASie meinten's schlecht?

CARLOTTAVerstand ich recht?

ERMINIOHüten Sie sich vor dem Räuberpaar,

ERMINIOdas schmeichelnd die Freundeshand Ihnen bot!

ERMINIOIm Walde war kleiner die Gefahr,

ERMINIOals hier von diesen beiden droht!

CARLOTTAMerken will ich,

CARLOTTAdass sicherlich

CARLOTTAich auf ihn darf baun,

CARLOTTAauf seinen Schutz vertraun.

CARLOTTAUnd was auch geschah,

CARLOTTAer bleibt mir nah,

CARLOTTAer ist da!

CARLOTTASetzt sein Leben dafür freudig ein,

CARLOTTAdarf er mein Retter sein!

ERMINIOMerken Sie sich:

ERMINIOEin Freund bin ich,

ERMINIOkeinem traun,

ERMINIOauf mich nur baun!

ERMINIOUnd was auch geschah,

ERMINIOich bleibe nah,

ERMINIOich bin da!

ERMINIOSetz' mein Leben dafür freudig ein,

ERMINIOdarf ich Ihr Retter sein!

Mit schnellem Entschluss verabschiedet sich Erminio und eilt davon. Carlotta bleibt sinnend zurück.

SYSTEMSECHZEHNTE SZENE

Carlotta (allein), dann Zenobia, Sora, später Nasoni. Erminio, Luigi, zuletzt Benozzo, Massaccio, Volk (Frauen, Männer), Musikanten

SYSTEMDialog

CARLOTTAWas soll ich von alledem denken? Der Ton seiner Stimme klang so ehrlich, so männlich, so glaubwürdig ... Aber nein, nein! Ich kann, ich darf nicht zurück! Nasoni, der mir Beweise uneigennütziger Freundschaft gegeben, ist ein Ehrenmann, und ich will ihm beweisen, dass ich würdig bin, den Namen Santa Croce zu tragen. Ach, und doch, wenn ich denke: dieser Sindulfo und er!! - Nein, nein! - Es darf nicht sein!

leidenschaftlich, Erminio Kusshände nachwerfend

CARLOTTAAddio! Addio denn! Und nun schweig, mein Herz!

hat sich sinnend in einen Sessel gesetzt, ohne anfänglich durch das im Hintergrunde hörbar werdende Geräusch gestört zu werden

auf dem Balkon

ZENOBIAHört von fern das Geschrei!

ZENOBIAVieles Volk strömt herbei!

kommt aus dem Haus

SORAHört doch, wie die Glocken schallen,

SORAFreudenschüsse widerhallen!

ZENOBIAJubel zeiget jeder Blick!

SORADas verkündet Glück!

SORAJa, das verkündet Glück!

aus ihren Träumen erwachend

CARLOTTAGlück - für wen?

SORAFür wen? Für Sie nur ganz allein!

CARLOTTAFür mich?. Ach nein!

Volk sammelt sich im Hintergrund. Musikanten ziehen auf.

im Auftreten

VOLKHierher! Kommet hier herein!

VOLKRufet laut das Tamburin,

VOLKtönet lustig die Schalmei,

VOLKströmt von nah und fern

VOLKgleich alt und jung herbei!

VOLKJubelruf und Vivat-Schrein

VOLKklingt in die Musik hinein!

VOLKAlles mag sich nun der Freude weihn!

VOLKJubelruf, Vivat-Schrein

VOLKklingt in die Musik hinein!

VOLKAlles mag sich

VOLKder Lust und Freude weihn!

VOLKHemmt euren Lauf,

VOLKstellt hier euch auf!

VOLKHaltet Ruh,

VOLKschweigt und höret zu!

tritt auf, Schweigen gebietend

NASONIGenug! Wir sind am Ziel!

NASONIMan lärme nicht zuviel!

leise, unter sich

VOLKHaltet Ruh,

VOLKhöret zu!

Erminio und Luigi treten unbemerkt auf.

für sich

CARLOTTASollt' der Prozess entschieden sein?

CARLOTTADarf ich mich froher Hoffnung weihn?

CARLOTTA, SORA, ZENOBIA, ERMINIO, LUIGIEntscheidung ist jetzt nah,

CARLOTTA, SORA, ZENOBIA, ERMINIO, LUIGIder Augenblick ist da!

CARLOTTA, SORA, ZENOBIA, ERMINIO, LUIGIDas Wort hat jetzt der Podestà.

entfaltet eine Papierrolle

NASONI1.

NASONISo höret, was mein Mund euch jetzt verkündet!

NASONIIhr seht in mir den Dolmetsch der Gerechtigkeit!

NASONIWie vor dem Sonnenstrahl der Nebel schwindet,

NASONIward aller Trug durch Richterspruch zerstreut.

NASONIWer daran zweifelt, kommt sofort ins Loch!

NASONIAch, denn in Sizilien gibt es Richter noch!

NASONI, VOLKDenn in Sizilien gibt es Richter noch!

NASONI2.

NASONIDas alte Schloss mitsamt dem Barvermögen

NASONIder Gräfin Santa Croce nun gehört!

NASONIDie Richter mussten lang sich's überlegen.

NASONIIch selbst hab' längst als Herrin sie verehrt,

NASONIweil ich das Richt'ge sozusagen roch.

NASONIAch, denn in Sizilien gibt es Richter noch!

NASONI, SORA, ZENOBIA, ERMINIO, LUIGI, VOLKDenn in Sizilien gibt es Richter noch!

NASONI, SORA, ZENOBIA, ERMINIO, LUIGI, VOLKHeil der Contessa! Preis und Heil,

NASONI, SORA, ZENOBIA, ERMINIO, LUIGI, VOLKdas solches Glück ihr ward zuteil!

zu Carlotta tretend

NASONIIch gratulier'

NASONIals erster hier!

NASONIVon Herzen froh,

NASONIdass dieses nun

NASONIgefügt sich so

NASONIrecht opportun!

NASONIJetzt fordr' ich auch des Freundes Lohn:

NASONIdie schöne Hand für meinen Sohn!

NASONISie schweigen?

betroffen, für sich

CARLOTTAMich ergreifet Zagen!

CARLOTTAWas soll ich tun?

sie beobachtend, für sich

ERMINIOWas wird sie sagen?

NASONIHab' ich erfüllt die Freundespflicht?

verlegen

CARLOTTAGewiss!

drängend

NASONIZaudern Sie drum nicht!

untereinander

VOLKWas wird sie tun?

VOLKWas sagt sie nun?

VOLKNicht Freude zeiget ihr Gesicht!

leise zu Carlotta

ERMINIOHüten Sie sich vor dem Räuberpaar,

ERMINIOdas schmeichelnd die Freundeshand Ihnen bot!

ERMINIOIm Walde war kleiner die Gefahr,

ERMINIOals hier von diesen beiden droht!

unentschlossen, für sich

CARLOTTAWas höre ich? Was soll ich tun?

für sich

ERMINIO, NASONISie zaudert noch!

untereinander

SORA, ZENOBIA, VOLKWas sagt sie nun?

zögernd

CARLOTTANun denn

NASONIDer Augenblick

NASONIentscheidet mein Geschick

NASONIund meines Sohnes Glück!

für sich

NASONIDer Kerl ist niemals da!

sich aufraffend

CARLOTTANun denn, nun denn, ich sage Ja!

CARLOTTAWill Ihnen Tochter sein.

losplatzend

NASONITriumph! Sie willigt ein!

SORA, ZENOBIA, VOLKSie willigt ein, sie willigt ein!

umherlaufend

NASONISindulfo! Sohn! Wo mag er sein?

schmerzlich zu Carlotta

ERMINIOOh, mögen Sie es nie bereun!

schnell mit Luigi ab

NASONISie willigt ein, sie willigt ein,

NASONIsie will mir Tochter sein!

NASONIDie Stunde zu verschonen,

NASONIlasst nun Musik ertönen,

NASONIder Freude mag sich alles nun weihn!

SORA, ZENOBIA, VOLKUm die Stunde zu verschönen,

SORA, ZENOBIA, VOLKlasst Musik nun ertönen,

SORA, ZENOBIA, VOLKalles mag sich nun

SORA, ZENOBIA, VOLKder Lust und der Freude nur weihn!

SORA, ZENOBIA, VOLKEs lebe hoch das Paar!

SORA, ZENOBIA, VOLKWir bringen Wünsche dar

SORA, ZENOBIA, VOLKund wollen uns mit Ihnen freun!

gewaltsam

CARLOTTAJa, fort mit allem Leid,

CARLOTTAes herrsche Heiterkeit!

CARLOTTAZu frohem Sang seid nun bereit,

CARLOTTAseid nun bereit!

VOLKZu frohem Sang seid nun bereit!

hervortretend

SORA1.

SORAAnzoletto sang "Komm, mia bella!

SORAunterm Fenster der holden Estrella.

SORA"Komm hinaus in den duftenden Hain,

SORAmöcht' dir sagen ein Wörtchen allein!'

SORADoch nicht will ihn Estrella verstehen.

SORAsie bleibt taub, mag er bitten und flehen,

SORAbis von fern Tamburinschlag erklingt

SORAund der Liebende singt:

SORAHör doch die Töne, Estrella,

SORAman tanzt Tarantella!

SORABerauschende Musik

SORAbringt mir der Liebe süsses Glück.

SORAWem zuckt es nicht in den Füssen,

SORAdie Nacht zu geniessen?

SORAWer zaudert da noch lang,

SORAwenn hell das Tamburin erklang?

SORAHör doch die Töne, Estrella,

SORAman tanzt Tarantella!

SORABerauschende Musik

SORAbringt mir der Liebe süsses Glück.

SORAWem zuckt es nicht in den Füssen,

SORAdie Nacht zu geniessen?

SORAWer widersteht dir lang,

SORAZauberklang!

CARLOTTAAh! Ah! Ah! O Zauberklang!

VOLKLa, la, la

VOLKWem zuckt es nicht in den Füssen,

VOLKdie Nacht zu geniessen?

VOLKWer widersteht dir lang,

VOLKZauberklang!

SORA2.

SORALange eh Anzoletto geendet,

SORAhat sie trotzig das Köpfchen gewendet,

SORAdoch bald wendet sie's wieder zurück,

SORAgar zu lockend erschallt die Musik!

SORANein, Estrella kann einsam nicht bleiben,

SORAbei dem Ton war's zu End' mit dem Sträuben,

SORAund bald hält sie im Reigen so warm

SORAAnzoletto im Arm!

SORANun tanzt die schöne Estrella

SORAmit ihm Tarantella.

SORABerauschende Musik

SORAbracht' ihm der Liebe süsses Glück.

SORAWem zuckt es nicht in den Füssen,

SORAdie Nacht zu geniessen?

SORAWer zaudert da noch lang,

SORAwenn hell das Tamburin erklang?

SORANun tanzt die schöne Estrella

SORAmit ihm Tarantella.

SORABerauschende Musik

SORAbracht' ihm der Liebe süsses Glück.

SORAWem zuckt es nicht in den Füssen,

SORAdie Nacht zu geniessen?

SORAWer widersteht dir lang,

SORAZauberklang!

CARLOTTAAh! Ah! Ah! O Zauberklang!

VOLKLa, la, la

VOLKWem zuckt es nicht in den Füssen,

VOLKdie Nacht zu geniessen?

VOLKWer widersteht dir lang,

VOLKZauberklang!

hinter der Szene

BENOZZOWeh! O weh!

sich nach dem Hintergrund drängend

ZENOBIA, NASONI, VOLKWas soll das sein?

SORABenozzo ist's!

ZENOBIAWas fällt ihm ein?

tritt auf

BENOZZOWeh! O weh!

NASONIWas hast du, sprich!

NASONISahst meinen Sohn du?

BENOZZOSicherlich!

BENOZZOWir gingen ja zusammen fort.

NASONIUnd woher kommst du jetzt allein?

NASONIIst er nicht hier?

BENOZZONein, er ist dort,

BENOZZOdenn Gasparone lud ihn ein!

SORA, CARLOTTA, ZENOBIA, NASONI, VOLKDer Gasparone?

SORA, CARLOTTA, ZENOBIA, NASONI, VOLKWas soll das sein?

BENOZZOAch, ich bin gelaufen!

BENOZZOLasst mich nur verschnaufen!

BENOZZODann erzähl' sogleich

BENOZZOich die Sache euch!

NASONIWas ist's mit meinem Sohne,

NASONIund was mit Gasparone?

NASONIO sprich, o sprich,

NASONIich bitte dich!

BENOZZOSogleich, sogleich

BENOZZOerzähl' ich's euch!

zu Massaccio, der mit ihm aufgetreten war

BENOZZONichts als "Zucker und Kaffee".

zu allen

BENOZZOWo der Wald sich zieht herunter

BENOZZObis nahe an das Meer,

BENOZZOschritt Signor Sindulfo munter,

BENOZZOund ich ging hinterher!

BENOZZODie Zeit uns zu verkürzen,

BENOZZOich ein lustig Liedchen summ'!

mit geschlossenem Munde

BENOZZOMm-Mm-Mm-Mm

BENOZZOAber plötzlich bleib' ich stecken,

BENOZZOHerr Sindulfo schaut sich um:

BENOZZO"Warum schweigst du voller Schrecken

BENOZZOund siehst mich an so dumm?

BENOZZOSo singe doch nur weiter!",

BENOZZOsagt Herr Sindulfo heiter,

BENOZZO"dein lustig Liedchen summ!"

mit geschlossenem Munde

BENOZZOMm-Mm-Mm-Mm

BENOZZODoch währt es nicht lange,

BENOZZOwird ihm auch recht bange,

BENOZZOdenn es regt sich

BENOZZOplötzlich dort im Busch,

BENOZZOes bewegt sich

BENOZZOdrinnen husch, husch, husch!

BENOZZODas ist sehr verdächtig,

BENOZZOund wetten drauf möcht' ich,

BENOZZOdass hinterm Baum dort einer steht!

BENOZZOHör'n und Seh'n uns vergeht!

BENOZZORichtig! Bald

BENOZZOaus dem Wald

BENOZZOstürzen plötzlich sieben Mann

BENOZZOund ein "Halt!"

BENOZZOdonnernd schallt!

BENOZZOZu zittern ich begann,

BENOZZOdoch war ich voll Entschlossenheit

BENOZZOsogleich zur Flucht bereit!

BENOZZOAuch Ihr Sohn

BENOZZOrennt davon

BENOZZOund ich lief hinterdrein.

BENOZZODoch mit Spott

BENOZZOund mit Hohn

BENOZZOholt man uns wieder ein!

BENOZZONoch eh ich "Wer da?" konnte sagen,

BENOZZOpacken zwei mich schon beim Kragen

BENOZZOUnterdess' mit dicken Stricken

BENOZZOwird auf eines Maultiers Rücken

BENOZZOHerr Sindulfo festgeschnürt

BENOZZOund ins Dickicht fortgeführt!

BENOZZOMir gab man diesen Brief,

BENOZZOund einer von den Räubern rief:

BENOZZO"Du magst frei nun von hinnen gehen.

BENOZZOschnell, laufe 'jetzt nach Haus!

BENOZZOEilig melde, was geschehen.

BENOZZOrichte viele Gruse aus!

BENOZZODie Zeit dir zu verkürzen,

BENOZZOdein lustig Liedchen summ!"

BENOZZOMm-Mm-Mm-Mm

BENOZZOHui, wie ich da ausriss

BENOZZOund lief und lief und lief bis

BENOZZOder Atem wollte mir vergehn!

BENOZZODas Weitre wird da drinnen stehn!

gibt Nasoni einen Brief

öffnet den Brief und liest

NASONI"Bruder Nasoni!" - Impertinenter Kerl! -

liest weiter

NASONI"Ich habe deinen Sohn entführt. Willst du ihn wiederhaben, so kostet das zehntausend Zechinen Lösegeld." - Zehntausend Zechinen! Misericordia!

wischt sich den Schweiss ab, liest weiter

NASONI"Ein unbewaffneter Fussgänger bringe die Summe heute nach Sonnenuntergang zum Steinbruch, 'Das Ohr

NASONIdes Dionysos' genannt. Mit kollegialem Gruss, Antonio Gasparone, Podestà einer Banditen-Gemeinde."

SYSTEMCARLOTTA, SORA, ZENOBIA. BENOZZO. MASSACCIO, VOLK

NASONIO Frechheit des Banditen,

NASONIdas fordert Blut!

NASONIWie sollen wir uns hüten

NASONIvor seiner Wut?

NASONIWo nehme zehntausend

NASONIZechinen ich her?

NASONIIch kann sie so leicht

NASONInicht stehlen wie er!

NASONIMein Sohn als Pfand bei ihm versetzt!

NASONIWer löst ihn aus? Wie helf' ich jetzt?

mit plötzlichem Entschluss

CARLOTTADas Geld geb' ich, bin ich doch reich!

NASONIWas höre ich, ist's wahr?

CARLOTTASogleich

CARLOTTAsei das verlangte Lösegeld

CARLOTTAdem Räuber zugestellt!

NASONIZehntausend Zechinen sind es bloss!

unmutig

ZENOBIAUnd mich gab ganz umsonst er los!

CARLOTTAWer aber wagt es,

CARLOTTAdas Geld ihm zu bringen?

BENOZZOIch will es tun,

BENOZZOmir wird's gelingen!

BENOZZOIch folg' der Pflicht

BENOZZOund zage nicht!

CARLOTTA, SORA, ZENOBIA, NASONI, MASSACCIO, VOLKEr folgt der Pflicht

CARLOTTA, SORA, ZENOBIA, NASONI, MASSACCIO, VOLKund zaget nicht!

CARLOTTA, SORA, ZENOBIA, NASONI, MASSACCIO, VOLKEr zaget nicht!

BENOZZOVoll Courage, ohne Beben

BENOZZObring' kühn ich ihm sein Geld.

BENOZZOWill ein Beispiel dadurch geben,

BENOZZOwie sich benimmt ein Held!

BENOZZOIch bin nicht mehr das Lämmchen,

BENOZZOich fühle Heldenmut!

BENOZZOUnd schäumend, siedend, zischend

BENOZZOrollt in mir das Büffelblut!

SYSTEMCARLOTTA, SORA, ZENOBIA, BENOZZO, NASONI, MASSACCIO

BENOZZOWohlan! Wohlan!

BENOZZOZum Ruhme führt die Bahn!

CARLOTTA, SORA, ZENOBIA, NASONI, MASSACCIO, VOLKNur Courage! Ohne Beben

CARLOTTA, SORA, ZENOBIA, NASONI, MASSACCIO, VOLKbring ihm das Lösegeld!

BENOZZONur Courage! Ohne Beben

BENOZZObring' jetzt ich ihm sein Geld!

SYSTEMCARLOTTA, SORA, ZENOBIA, BENOZZO, NASONI, MASSACCIO

BENOZZOWohlan! Wohlan!

BENOZZOZum Ruhme führt die Bahn!

CARLOTTA, SORA, ZENOBTA, NASONI, MASSACCIO, VOLKJa, ein Beispiel sollst du geben,

CARLOTTA, SORA, ZENOBTA, NASONI, MASSACCIO, VOLKwie sich benimmt ein Held!

CARLOTTA, SORA, ZENOBTA, NASONI, MASSACCIO, VOLKNui Courage! Ohne Beben,

CARLOTTA, SORA, ZENOBTA, NASONI, MASSACCIO, VOLKsei ein Held,

CARLOTTA, SORA, ZENOBTA, NASONI, MASSACCIO, VOLKbring ihm das Lösegeld

CARLOTTA, SORA, ZENOBTA, NASONI, MASSACCIO, VOLKund zeige dich als kühner Held!

CARLOTTA, SORA, ZENOBTA, NASONI, MASSACCIO, VOLKEr will sich ermannen,

CARLOTTA, SORA, ZENOBTA, NASONI, MASSACCIO, VOLKzieht fröhlich von dannen,

CARLOTTA, SORA, ZENOBTA, NASONI, MASSACCIO, VOLKdringt mit bemerkenswertem Mut

CARLOTTA, SORA, ZENOBTA, NASONI, MASSACCIO, VOLKins Hauptquartier der Räuberbrut!

CARLOTTA, SORA, ZENOBTA, NASONI, MASSACCIO, VOLKWenn's wirklich gelinget,

CARLOTTA, SORA, ZENOBTA, NASONI, MASSACCIO, VOLKwenn heim er ihn bringet,

CARLOTTA, SORA, ZENOBTA, NASONI, MASSACCIO, VOLKder in der Räuber Krallen schon,

CARLOTTA, SORA, ZENOBTA, NASONI, MASSACCIO, VOLKkehrt wieder heim der teure Sohn,

CARLOTTA, SORA, ZENOBTA, NASONI, MASSACCIO, VOLKdann wird ihm reicher Lohn!

BENOZZOJa, ein Beispiel soll ich geben,

BENOZZOwie sich benimmt ein Held!

BENOZZONur Courage! Ohne Beben,

BENOZZOals ein Held,

BENOZZObring ich das Lösegeld

BENOZZOund zeige mich als kühner Held!

BENOZZOIch will mich ermannen,

BENOZZOzieh' fröhlich von dannen,

BENOZZOdring' mit bemerkenswertem Mut

BENOZZOins Hauptquartier der Räuberbrut!

BENOZZOWenn's wirklich gelinget,

BENOZZOwenn heim ich ihn bringe,

BENOZZOder in der Räuber Krallen schon,

BENOZZOdann wird mir reicher Lohn!

SYSTEMZWEITER AKT

Altertümlicher Salon im Schloss Santa Croce, im Hochparterre. Rings um den Salon herum ein schwerer geschnitzter und getäfelter Holzsockel. Altes Möblement. Links vorn ein Tafelklavier mit der schmalen Seite gegen das Publikum gestellt. Ein Diwan, Fauteuils, Blumentisch maskieren das Instrument etwas. Rechts ein breites hohes Fenster, das nach dem Garten sieht. Dahinter ein Kamin. Links eine Tür, zu Carlottas Gemächern führend. Rückwärts zwei hohe Türen, die, wenn sie geöffnet sind, Ausblick in einen reichmöbliertem Saal gewähren. Zwischen diesen Türen befindet sich eine solide, ins Mauerwerk gefügte eiserne Cassa, im Holzgetäfel des Sockels versteckt. Der Druck auf einen Knopf demaskiert deren Schlüsselloch. Ist sie geöffnet, sieht man hinter der schweren Eisentür mehrere Regale, auf denen einige alte Familienbücher, Pergamentrollen und einige alte Goldgeschirre stehen.

SYSTEMERSTE SZENE

Marietta, dann Sora; Chor (hinter der Szene)

hinter der Szene

CHORHör doch die Töne, Estrella.

CHORman tanzt Tarantella!

CHORBerauschende Musik

CHORbringt uns der Liebe süsses Glück.

CHORWem zuckt es nicht in den Füssen.

CHORdie Nacht zu geniessen?

CHORWer zaudert da noch lang,

CHORwenn hell das Tamburin erklang?

CHORWer widersteht dir, Zauberklang

SYSTEMDialog

von links, im Kostüm eines Kammermädchens jener Zeit

MARIETTADio mio! Wenn die braven Leute nur einmal aufhören würden mit ihrer Serenata! Gratulieren zur Verlobung ist schön und gut, aber meine arme Gräfin hat Kopfweh und ...

geht ans Fenster, öffnet es, nickt und winkt mit dem Taschentuch

MARIETTAJa! Wir glauben's euch! Wir glauben's euch!

Der Gesang wird schwächer.

MARIETTAAh, sie entfernen sich, sie winken! Addio! Addio!

Der Gesang verhallt. Marietta schliesst das Fenster, trällert das Motiv mit, ordnet einiges im Zimmer, zieht die noch überzogenen Möbel ab.

von links auftretend

SORADie Gräfin ruht etwas, Marietta! Wenn der Herr Podestà kommt, soll er warten. Falls aber

leise

SORAder Conte Erminio käme, soll man's ihr melden!

schlau

MARIETTAHm! Hm! Mit dem Sindulfo verlobt sie sich, und den Erminio ladet sie dazu ein! Na, beim Auskehren wird sich's ja finden!

SORAMir ist ebenfalls unbegreiflich, dass unsere Gräfin diesen Sindulfo von der traurigen Gestalt nimmt; aber der alte Nasoni lässt ihr keine Ruhe; will durchaus, dass die Verlobungsfeier schon heute stattfindet.

spöttisch

MARIETTAHaha! Begreiflich! Seit die schönen runden Millionen drinnen in dem Schranke dort liegen, da hinter jener Tür,

zeigt nach derselben

MARIETTAhat's der Alte gar eilig!

SORADie Gräfin fühlt sich durch ihr Wort an Sindulfo gebunden! Aber, ich lasse mir's nicht nehmen, der Erminio wär ihr lieber!

MARIETTANa, beim Auskehren wird sich's ja finden!

Beide plaudern, übers Klavier gelehnt, weiter.

SYSTEMZWEITE SZENE

Die Vorigen, Zenobia

übellaunig eintretend

ZENOBIAWie, Marietta? Weisst du nichts Besseres zu tun heute, wo wir gegen hundert Gäste erwarten, als da zu tratschen und zu quatschen?

empört

SORATratschen, Signorina?

empört

MARIETTAQuatschen, Signorina?

herrisch

ZENOBIASchweigt!

zu Sora

ZENOBIAWas machst du hier, Sora?

SORAMich hat die Gräfin rufen lassen, nur ihr zuliebe bleibe ich, denn ich bin in grässlicher Unruhe!

setzt sich auf ein überzogenes Fauteuil

ZENOBIAWarum?

SORAEi, wegen meines Benozzo! Mehr als vierundzwanzig Stunden sind verstrichen, seit er mit dem Lösegeld an Gasparone abging, und er ist noch nicht zurückgekehrt!

zu Zenobia

MARIETTABitte!

ZENOBIAWas?

MARIETTADer Überzug!

steht auf

ZENOBIAAch so!

weinerlich

SORAAch, was mag der entsetzliche Räuber mit meinem guten Benozzo angefangen haben?

setzt sich wie früher auf ein überzogenes Fauteuil

ZENOBIAWeine nicht, einfältiges Ding, wegen eines Mannes!

unwillig über Zenobia, zu Sora

MARIETTASignorina hat recht!

münzt ihre Rede auf Zenobia

MARIETTAEs gibt Leute, die gar keinen Mann haben und auch leben!

scharf

ZENOBIAMeinst du damit mich?

knickst

MARIETTANein, Signorina, mich!

ZENOBIAIch sah deutlich, wie du auf mich zeigtest!

lebhaft

MARIETTAJa, wenn Sie es selbst gesehen haben, wird es wohl so sein!

ZENOBIAGenug, genug! Keinen Widerspruch, kecker Schnabel!

scharf

MARIETTABitte!

ZENOBIAWas?

MARIETTADer Überzug!

steht wütend auf

ZENOBIAAch so! Hinaus! Hinaus einmal! Und eins sage ich dir: mässige deine lose Zunge! Wenn nicht, gehst du aus dem Hause - oder ich!

MARIETTANa, beim Auskehren wird sich's ja finden!

geht mit Sora links ab

SYSTEMDRITTE SZENE

Zenobia (allein)

ZENOBIAAh! Haushalt besorgen, wenn das Innere blutet; Küche bestellen, wenn das Herz hungert; Keller inspizieren, wenn die Seele durstet... welch eine Tortur! O gemeine Prosa des Lebens, wie ekelst du mich an, seit ich in

ZENOBIARäuberhänden war!

sinnend

ZENOBIAUnd doch ... und doch ist er nicht ohne, ah, dieser Gasparone!

ZENOBIA1.

ZENOBIADer Blick von diesem Ungeheuer

ZENOBIAschien grausam wohl, jedoch voll Feuer.

ZENOBIAEr stand vor mir, so gross, so stramm,

ZENOBIAein Wolf vor einem zarten Lamm!

ZENOBIADie Hände zitternd hoch erhoben

ZENOBIAfleht' ich ihn an, den schönen Mann!

ZENOBIAEr schaut von unten mich bis oben

ZENOBIAdurchdringend an und lächelt dann.

ZENOBIADa fühlt' ich alle Fassung weichen;

ZENOBIAohnmächtig sank ich um, doch er

ZENOBIAliess sinken mich, tat nichts dergleichen!

ZENOBIAEs gibt ja keine Männer mehr!

ZENOBIAKeine Männer mehr, keine Männer mehr!

ZENOBIANein, nein, die gibt's nicht mehr!

ZENOBIA2.

ZENOBIAGanz hilflos lag ich auf dem Sande,

ZENOBIAdicht neben mir ein Teil der Bande,

ZENOBIAdie andern weiter im Gebüsch.

ZENOBIAEs war romantisch, malerisch!

ZENOBIABedenk' ich, was mir konnt' geschehen,

ZENOBIAerstarret mir noch jetzt das Blut!

ZENOBIAVor Angst und Schreck wollt' ich vergehen,

ZENOBIAdahin der Jungfrau Stolz und Mut!

ZENOBIADie wilde Schar auf öder Heide:

ZENOBIAder Augenblick war kritisch sehr,

ZENOBIAdoch tat mir keiner was zuleide!

ZENOBIAEs gibt ja keine Männer mehr!

ZENOBIAKeine Männer mehr, keine Männer mehr!

ZENOBIANein, nein, die gibt's nicht mehr!

setzt sich träumerisch auf den Diwan

SYSTEMVIERTE SZENE

Zenobia, Nasoni

SYSTEMDialog

stürmt von rückwärts herein

NASONINichts, nichts! Keine Spur von Benozzo und immer noch kein Sindulfo! Mit wem soll sich Carlotta verloben, wenn sie keinen Sindulfo hat?

die aus ihren Träumen unwillig aufschreckte

ZENOBIAWarum auch das Verlobungsfest schon auf heute ansetzen, ohne Ihres Sohnes Rückkunft abzuwarten?!

NASONIVielleicht verlangt dieser Gasparone mehr Lösegeld?

höhnisch

ZENOBIANun, hat die Gräfin für den Bräutigam zehntausend Zechinen gezahlt, wird sie schon noch was drauflegen!

scharf

NASONIDen Bräutigam? Was wollen Sie damit sagen, Signorina?

ZENOBIADass Ihr Sohn so viel Lösegeld gar nicht wert ist.

scharf

NASONIWenn Sindulfo ein überreifes Frauenzimmer wäre wie Sie, gäb Gasparone ihn vielleicht ohne Lösegeld frei!

wütend

ZENOBIAÜberreif?

scharf

NASONISagen wir: alt!

wütend

ZENOBIAAlt? ... Herr Podestà, man ist nur so alt, wie man aussieht!

giftig

NASONFür so alt hätte ich Sie gar nicht gehalten!

stampft mit dem Fusse

ZENOBIAOh!

mit vor Wut erstickter Stimme

ZENOBIAWas kostet es hierzulande, wenn man einen Podestà "Flegel" nennt?

frech

NASONIZwei bis drei Monate Einzelhaft!

ZENOBIADann ...

bemeistert sich

ZENOBIAdann will ich Sie lieber nicht ,,Flegel" nennen!

geht ab

sieht Carlotta in Begleitung Erminios von links kommen

NASONIDa kommt die Gräfin; und wieder dieser Conte Erminio mit ihr! Oh, vergiften könnte ich diesen Menschen, vergiften! Das wär' ich meiner Gesundheit schuldig.

grüsst Carlotta

SYSTEMFÜNFTE SZENE

Nasoni, Carlotta, Erminio

CARLOTTAWillkommen, padre mio! Nun... und Sindulfo?

NASONIIst noch immer nicht da! Sie sehen mich in heller Verzweiflung darüber!

ironisch

ERMINIO:Also eine Verlobung ohne Bräutigam!

fein

ERMINIO:Darf ich als Ersatz vielleicht indes mich anbieten?

zwischen beide tretend

NASONINein, nein, danke!

für sich

NASONIErdolchen könnt' ich diesen Menschen, erdolchen!

laut

NASONIGeduld, teure Carlotta! Ich habe eine ganze Postenkette ausgestellt, die uns meines Sohnes Rückkehr durch Schüsse anzeigt. Er wird bald hier sein!

heiter

CARLOTTANun denn, vertreiben wir uns die Zeit indes, so gut es geht! Musizieren

CARLOTTAwir!

tritt zum Klavier

eifrig

NASONIJa, ja, musizieren wir!

blättert in Noten

CARLOTTADa ist das Duett, welches Sie mir letzthin brachten 'Der einsame Schäfer!"

NASONISie wollten es mit Sindulfo singen?!

CARLOTTADer leider nicht da ist!

ERMINIODarf vielleicht ich mich als Partner anbieten?

CARLOTTABitte!

für sich

NASONIErwürgen könnt' ich diesen Menschen, erwürgen

laut zu Errninio

NASONISingen Sie denn überhaupt?

ERMINIOBis ins hohe A. Singt Sindulfo?

NASONIBis ins hohe B, mein Herr! Bis ins hohe B, C, D, E. F, G, H, J, K, L, bis ins Z!

ERMINIOSchade, dass er nicht da ist! Ich hätte ihn gebeten, mir sein ABC vorzusingen!

CARLOTTANun, behelfen wir uns ohne ihn!

zu Erminio

CARLOTTAAlso, wir beide singen, und

zu Nasoni

CARLOTTASie begleiten!

verblüfft

NASONIBegleiten?

CARLOTTANun ja!

hämisch

ERMINIOBegleiten und umblättern!

für sich, wütend

NASONIDurchblättern könnt' ich diesen Menschen, durchblättern!

CARLOTTAAlso?

NASONIJa, ja, meinetwegen

für sich

NASONIOh, ich berste vor Wut!

setzt sich ans Klavier, spielt einige Akkorde, dann die einfach gesetzte Einleitung eines Duetts. Im Augenblick, wo Erminio den ersten Ton singt, unterbricht Nasoni sein Spiel.

NASONIWar das nicht ein Schuss?

CARLOTTAGott bewahre, spielen Sie nur!

ERMINIOIch habe nichts gehört!

brummig

NASONIIch würde schwören, dass das ein Schuss war!

CARLOTTA, ERMINIONein, nein! Weiter, weiter!

spielt wieder die Einleitung. Im Augenblick, wo Erminio den ersten Ton singt, springt Nasoni auf, setzt sich auf die Klaviatur und schreit

NASONIDiesmal war's einer!

CARLOTTA, ERMINIONein, nein!

CARLOTTANur fort! Ich weiss nicht, was Sie haben! Spielen Sie, spielen Sie, spielen Sie nur!

NASONIAber' ich ...

im selben Augenblick, als er sich wieder setzt und spielen will, ertönen Schüsse, näher als die früheren. Er springt auf.

NASONIDiesmal ist' richtig! Kein Zweifel, man hat geschossen, er ist's! Es ist Sindulfo!

höhnisch zu Erminio

NASONIJetzt wird er singen! Er! Und nicht Sie!

eilt zum Fenster, öffnet es und blickt gespannt hinaus

SYSTEMSECHSTE SZENE

Erminio, Carlotta, dann Nasoni

Carlotta will Nasoni folgen, Erminio vertritt ihr den Weg.

ERMINIOEin Wort, Gräfin! Lassen Sie mich den Moment benützen, Sie nochmals zu warnen!

CARLOTTABitte, nichts Mehr davon! Sie kennen meinen Entschluss. Ich kann nicht zurück!

ERMINIOMit diesen Worten kennzeichnen Sie selbst Ihre Lage. Sie stehen im Begriff, eine Verbindung zu schliessen, gegen welche sich Ihr Herz sträubt, und...

unterbricht ihn

CARLOTTA...Ich bitte, quälen Sie mich nicht! Ich muss ...

beherrscht sich

CARLOTTAIch will ... und gebe niemand das Recht, meinem Vorsatz entgegenzutreten!

Vivatrufe hinter der Szene

kommt zurück vom Fenster

NASONIEviva! Eviva! Oh, oh, ich kann mich vor Freude nicht fassen! Schüsse! Freudenrufe! Staub auf der Landstrasse! Er ist's, er ist's! Oh!

küsst und umarmt Carlotta leidenschaftlich

NASONIIch muss Sie umarmen, Carlotta, küssen ... bin das meiner Gesundheit schuldig!

CARLOTTAIch teile Ihre Freude, Papa.

NASONIOh, ich kann meine Ungeduld nicht mehr bemeistern! Ihm entgegen, entgegen!

will ab

SYSTEMSIEBENTE SZENE

Die Vorigen, Marietta, dann Sora, Benozzo

stösst mit Nasoni unter der Tür zusammen

MARIETTAEr kommt! Er kommt! Da ist er!

weicht zurück

NASONISindulfo?

MARIETTAGeschehen ist ihm nichts, nichts!

NASONISindulfo?

will ab

stürzt Nasoni entgegen

SORADa ist er, da ist er! Und unbeschädigt!

NASONISindulfo?

eilt zurück und zerrt Benozzo herein

SORANein, Benozzo! So komm doch, mein Männchen!

folgt ziemlich kleinlaut seinem Weibe

BENOZZODa bin ich, da bin ich schon, mein Weibchen!

ungeduldig

NASONINun also, was ist's? Wo ist mein Sohn Sindulfo?

grüsst die Anwesenden

BENOZZOErgebenster Diener, meine Herrschaften!

NASONIWo mein Sohn ist, will ich wissen!

grüsst die Anwesenden, ohne sich um Nasoni zu kümmern

BENOZZOMein teures Weib! Wie froh bin ich, dich nach so grässlicher Gefahr wieder umarmen zu können!

umarmt Sora

zärtlich

SORAMein Männchen!

trennt beide

NASONIMacht diese Zärtlichkeiten zu Hause ab! Wo mein Sohn ist, will ich wissen!

schüttelt Marietta die Hand, ohne sich um Nasoni zu kümmern

BENOZZODie gute Marietta! Wie teilnahmsvoll sie mich anblickt!

MARIETTAUnd Gasparone hat Euch nichts angehabt, Benozzo?

trennt beide, wütend

NASONIWo ist Sindulfo? Unmensch!

zu Marietta

BENOZZONein, gar nichts!

NASONIMaledetto! Jetzt reisst mir die Geduld!

packt Benozzo am Kragen und schüttelt ihn

NASONIWo ist Sindulfo?

BENOZZOWo soll er denn sein? Beim Gasparone!

schreien leicht auf

CARLOTTA, SORA, MARIETTA, NASONIAh!

leise zu Erminio

BENOZZOZucker und Kaffee!

NASONIEntsetzlich! Dieser Bluthund war mit dem Lösegeld nicht zufrieden. Verlangt er mehr?

BENOZZODas weiss ich nicht.

NASONIMensch! Ich lasse dich peitschen, wenn du nicht sprichst! Du hast gestern das Lösegeld übernommen?

BENOZZOJa!

NASONIBist du damit zum "Ohr des Dionysos" geeilt?

BENOZZOJa! - Das heisst, ich bin nur bis zum Läppchen gekommen.

NASONIWie?

BENOZZOBis zum Ohrläppchen! Je weiter ich gegangen bin, desto weniger hat mein Büffelblut getobt. Und wie ich ganz nahe war, beim Ohr, da hat's ganz aufgehört zu toben: das Büffelblut.

mit Pantomime

BENOZZOUnd die Schafsmilch ist nach oben gestiegen. 's reine Obers!

NASONIFeiger Halunke!

teilnahmsvoll

CARLOTTAMein armer Nasoni!

für sich

ERMINIOBraver Benozzo!

niedergeschmettert

NASONIHa! Elender Wicht! Wehe dir, wenn meinem Sindulfo nur ein Haar gekrümmt wird!

setzt sich verzweifelt

leise zu Benozzo

ERMINIOWo ist Sindulfo?

leise, schnell zu Erminio

BENOZZOIn unseren Keller eingesperrt, bei Zucker und Kaffee!

mit raschem Entschluss

NASONIWo ist das Lösegeld? Her mit den zehntausend Zechinen!

BENOZZODie hab' ich nicht mehr.

ALLEOh!

NASONISchuft, infamer! Was hast du mit dem Gelde gemacht?

BENOZZOIch hab's meinem Onkel Massaccio gegeben und ihm aufgetragen, es Gasparone zu bringen.

NASONIAh! Das schlägt dem Fass den Boden aus! Zehntausend Zechinen ... Massaccio, dem grössten Halunken von Syrakus!

BENOZZOHerr Podestà, Sie vergessen sich! Mein Onkel ist ein ehrlicher Mann, für den ich bürge!

NASONIUnd wer bürgt für dich?

BENOZZOMein Onkel!

rennt ausser sich auf und ab

NASONIGrässlich, grässlich! Was tun? Was tun?

CARLOTTABeruhigen Sie sich, teurer Freund! Wozu habe ich das viele Geld dort in der Kasse?

zeigt danach, zu Marietta

CARLOTTAMarietta, bring mir die Kassenschlüssel!

MARIETTAZu Befehl!

geht links ab

NASONIO Carlotta, teuerste Tochter, wie soll ich Ihnen danken?

herzlich

CARLOTTAVerdanke ich nicht Ihren Bemühungen mein ganzes Vermögen?

NASONIWenn auch, aber...

CARLOTTAWenn es notwendig ist, senden wir noch heute dieselbe Summe an Gasparone.

mit zwei kleinen Schlüsseln an einer Stahlkette zurückkehrend

MARIETTAHier die Schlüssel, Frau Gräfin!

nimmt die Schlüssel

CARLOTTADanke. Es wird sich doch ein mutiger Mann finden, der den Weg zu Gasparone nicht scheut!

steckt die Schlüssel zu sich

heldenmässig vortretend

BENOZZODieser mutige Mann bin ich! Jetzt fühle ich mich wieder Büffel! Wehe Gasparone! Wehe!

schickt Benozzo beiseite

NASONIMach, dass du weiterkommst, Tölpel ... mit deinem Büffelblut! Geh in einen Schafstall, dorthin gehörst du!

Musik

SYSTEMACHTE SZENE

Die Vorigen, dann Ballgäste, Zenobia

CARLOTTADas Orchester! Wir wollen unsere Gäste nicht umsonst geladen haben!

zu Nasoni

CARLOTTAHeiter, heiter, Papa! Sindulfo wird uns zurückgegeben, dessen bin ich gewiss!

wendet sich nach rückwärts, wo sie sich mit Benozzo und Sora beschäftigt; Marietta öffnet beide Türen und geht hinter denselben nach rechts und links, als lade sie die Gesellschaft ein, einzutreten.

leise zu Nasoni

ERMINIOUnd so viel Edelsinn rührt Sie nicht, macht Sie nicht schamrot?

frech

NASONISchamrot?

leise zu Nasoni

ERMINIOSie bestehen auf einer Verbindung, zu der Sie der Gräfin Ja-Wort durch Lug und Trug gewonnen?

fährt zusammen, fasst sich aber schnell

NASONIJa, mein Herr! Ich bestehe darauf!

wendet sich nach rückwärts

für sich

ERMINIODann bleibt nichts anderes übrig, als dass ich den grossen Coup ausführe!

CARLOTTAAh, meine Gäste!

Eintritt der Damen und Herren, die beim Eintreten Carlotta ehrfurchtsvoll begrüssen. Die Baligäste in französischer Kleidung jener Epoche. Unter ihnen einige Offiziere der Armee und der Marine. Nasoni begrüsst ebenfalls.

BALLGÄSTEDurch dieses Schlosses weite Hallen,

BALLGÄSTEdas lang in Nacht und Schweigen lag,

BALLGÄSTElasst nun die heitren Klänge schallen;

BALLGÄSTEes brach herein der junge Tag!

CARLOTTADer Freude wollen wir uns weihn!

tragisch

NASONISindulfo ist noch immer fern!

CARLOTTAIn kurzem wird auf jeden Fall er wieder bei uns sein. Indes eröffnen wir den Ball.

ERMINIOIch tret' an seine Stelle gern und hoff', er wird mir dankbar sein!

für sich

NASONIVergiften könnt' ich diesen Herrn!

halblaut zu Erminio, der mit Carlotta plaudert

NASONIMein Herr, Sie sind im Wege mir!

verbindlich

ERMINIOGern mach' ich Platz! Sie bleiben hier, ich geh' zum Tanz!

reicht der Gräfin den Arm

wütend

NASONIZum Teufel!

für sich

NASONIMir wird schwach!

sich zurückwendend, zu Nasoni

ERMINIOWenn Ihr Herr Sohn kommt,

ERMINIOschicken Sie ihn nach!

geht mit Carlotta zu den mittleren Türen, die in den Saal führen

folgend

BALLGÄSTEDurch dieses Schlosses weite Hallen,

BALLGÄSTEdas lang in Nacht und Schweigen lag,

BALLGÄSTElasst heitre Sänge jetzt erschallen;

BALLGÄSTEes brach herein der junge Tag!

im Hintergrunde sich wendend, indem sie einige Paare an sich vorübergehen lässt, ehe sie im den Saal folgt

CARLOTTAWohlan, zum Ball! Ich bitte sehr!

bleibt wütend vorn stehen

NASONIKommt er mir nochmals in die Quer',

NASONIdann wehe ihm!

folgt Carlotta und Erminio

im Abgehen

BALLGÄSTEZum frohen Reihn!

BALLGÄSTEEs herrsche heitre Lust allein!

auf der entgegengesetzten Seite von Nasoni vorn allein, wartet vergeblich, dass einer der defilierenden Herren ihr den Arm reicht

ZENOBIANa, na, na, na, na, na,

ZENOBIAha! Es gibt ja keine Männer mehr!

ZENOBIAKeine Männer mehr, keine Männer mehr!

ZENOBIANein, nein, die gibt's nicht mehr!

folgt den übrigen

SYSTEMNEUNTE SZENE

Benozzo (allein), dann Sora

SYSTEMDialog

hüllt sich in einen weiten Mantel

BENOZZOIch will Sora aufsuchen und ihr mitteilen, dass ich die Nacht auswärts verbringe. Wir haben wieder eine Ladung geschmuggelter Ware zu bergen. Sora hat keine Ahnung davon, dass wir schwärzen - was soll ich ihr also weismachen? 's ist ein ahnungsloses Gemüt, mein Weibchen! Haha! Es glaubt noch heute, dass es Gasparone war, der ihm neulich im Hohlwege begegnete, es küsste! Und doch war ich's, der in rabenschwarzer Nacht mit geschwärztem Gesicht geschwärzte Waren paschte! Hm! Was soll ich ihr sagen, mein Ausbleiben heute Nacht zu entschuldigen?

kommt aus dem Saal; für sich

SORADie Gräfin verlangt einen Fächer …

will rechts ab, sieht Benozzo

SORABenozzo, du hier, und im Mantel? Willst du schon nach Hause?

nimmt den Mantel ab, er trägt Pistolen im Gürtel; für sich

BENOZZOHm! Am besten ist, ich spiel' den Eifersüchtigen, mache ihr eine kleine Szene.

SORAOb du nach Hause gehst, frage ich!

spielt den Übelgelaunten

BENOZZOIch kann gehen, wohin ich will, bin dir keine Rechenschaft schuldig!

erstaunt

SORAWas?

BENOZZODu bindest mir auch nicht alles auf die Nase!

SORA:Was ist denn das für ein Ton? Wo lernst du auf einmal solche Unarten?

BENOZZODie kann ich alle auswendig!

SORASeh' mir einer den Flegel an! Ist grob mit mir, statt der Vorsehung zu danken, dass sie mich zu seiner Frau machte!

BENOZZODie Vorsehung gibt uns die Mädchen. Zu Frauen machen wir sie!

verächtlich

SORAPah!

BENOZZOPah! Pah! Was soll dieses Pah heissen?

SORADieses Pah heisst

schnalzt mit den Fingern

SORAsoviel als, du machst dir nichts aus mir!

BENOZZODas merke ich schon lange!

SORAWie?

BENOZZODu bist eine Kokette!

SORAIch?

BENOZZOJa! Gegen Nachbar Pamfilio artig, zuvorkommend

SORAIch?

BENOZZOVom Conte Erminio hast du dich küssen lassen

SORAMit deiner Erlaubnis!

BENOZZAEin braves Weib soll sich selbst mit seines Mannes Erlaubnis nicht küssen lassen!

stärker

BENOZZAUnd Gasparone?

SORAGasparone?

BENOZZOHast du vergessen, dass er dich neulich im Hohlwege attackierte?

SORAIn allen Ehren!

BENOZZO... dich küsste?

SORAIn allen Ehren!

BENOZZOWas tat er sonst noch? Sprich! Sprich!

SORA's ist gar nicht schön, mit solchen Fragen

SORAauf mich zu dringen ein!

BENOZZODem Gatten muss man alles sagen,

BENOZZOdein Richter will ich sein!

SORAEs ist nichts Böses ja geschehn!

BENOZZONichts Böses? Nun, wir wollen sehn!

SORADu wirst schon sehn!

BENOZZOWir wollen sehn!

SORAStockfinster war die Nacht,

SORAkein Mond, kein Sternlein wacht!

SORAIn solchem Dunkel kann

SORAnicht deutlich sehen man!

BENOZZODas fängt ja ziemlich dunkel an!

BENOZZOJedoch, lass sehn, was dann?

SORAStockfinster war die Nacht,

SORAkein Mond, kein Sternlein wacht!

SORAIn solchem Dunkel kann

SORAnicht deutlich sehen man!

BENOZZODoch ich sehe leider klar,

BENOZZOwie die Affaire war!

SORANun, wohlan! Sag an!

BENOZZOErst nahm er zärtlich deine Hand,

unterbrechend

SORAO nein, o nein! So war es nicht!

BENOZZO... er drückte sie so recht galant,

SORAO nein, o nein! Das tat er nicht!

BENOZZOer hielt sie fest dann ziemlich lang!

SORAO nein, o nein! Das ist nicht wahr!

spöttisch

BENOZZOUnd dir, und dir war gar nicht bang!

SORAO nein, du weisst nicht, wie es war!

SORAHa, stockfinster war die Nacht,

SORAkein Mond, kein Sternlein wacht!

SORAin solchem Dunkel kann

SORAnicht deutlich sehen man!

BENOZZOUnd dann?

stockend

SORAUnd dann nichts weiter mehr!

fest

BENOZZONun, einen Kuss verlangte er?!

BENOZZOUnd du?

einfallend

SORAIch wies ihn fest zurück!

BENOZZODa stahl ihn dir der Galgenstrick!

BENOZZOUnd du, du hast's geduldet?

weinerlich

SORAIch habe nichts verschuldet!

SORAEr stahl ihn trotz dem Widerstand,

SORAweil er im Stehlen sehr gewandt!

weinend

SORAHuhuhuhu!

SORAEs war ja finstre Nacht!

sie kopierend

BENOZZOKein Mond, kein Sternlein wacht!

zornig

BENOZZOIch kenne sie, die Melodie!

BENOZZOUnd mir ist alles offenbar,

mit Nachdruck

BENOZZOdenn wisse,

BENOZZOdass ich selbst der Räuber war!

SORAWie, du?

BENOZZOJa, ich! Ja, ich!

erstaunt

SORAWarum nicht gar?

BENOZZOJa, ja, 's ist wahr!

SORAHa, nun wird mir sonnenklar,

SORAwas bisher noch dunkel war

SORAbei dieser Finsternis!

SORAIst auch Übles nicht geschehn,

SORAkonnt' es leicht doch schlimmer gehn,

SORAdas ist nur zu gewiss!

SORAObzwar die Nacht stockfinster war,

SORAseh' ich doch jetzt ganz klar!

BENOZZOHa, nun sieht sie sonnenklar,

BENOZZOwas bisher noch dunkel war

BENOZZObei dieser Finsternis!

BENOZZOIst auch Übles nicht geschehn,

BENOZZOkonnt' es leicht doch schlimmer gehn,

BENOZZOdas ist nur zu gewiss!

BENOZZOObzwar die Nacht stockfinster wai,

BENOZZOseh' ich doch jetzt ganz klar!

SORANun siehst du, wie du dich blamiert,

SORAwohin die Eifersucht dich führt!

BENOZZOUnd kannst du denn noch wagen.

BENOZZOdie Augen aufzuschlagen?

SORAOh! An mir ist's jetzt, zu fragen!

SORADu wirst sogleich mir sagen,

SORAwas du in schwarzer Nacht

SORAdort eigentlich gemacht?

verdutzt

BENOZZOWieso?

SORAGestehe, sprich, was triebst du, wie?

für sich

BENOZZOAm besten ist's, ich mach's wie sie!

laut

BENOZZOStockfinster war die Nacht,

BENOZZOkein Mond, kein Sternlein wacht!

BENOZZOIn solchem Dunkel kann

BENOZZOnicht deutlich sehen man!

ärgerlich

SORAFang selbst dir deine Lieder an!

SORAWas tatst du dort, sag an!

BENOZZOStockfinster war die Nacht,

BENOZZOkein Mond, kein Sternlein wacht!

BENOZZOIn solchem Dunkel kann

BENOZZOnicht deutlich sehen man!

heftig

SORADoch mir ist's leider klar,

SORAwie die Affaire war!

BENOZZONun, sag an, sag an!

SORADu hattest dort ein Stelldichein,

BENOZZOO nein, o nein, so war es nicht!

SORA…du ludest dir ein Liebchen ein!

BENOZZOO nein, o nein, so war es nicht!

SORAGesteh. gesteh! Sonst werd ich wild!

BENOZZOIch hab' ja gar nichts zu gestehn!

SOFIADu warst im Mantel dicht verhüllt!

BENOZZODas konntest du ja gar nicht sehn,

BENOZZOdenn: stockfinster war die Nacht,

BENOZZOkein Mond, kein Sternlein wacht!

BENOZZOIn solchem Dunkel kann

BENOZZOnicht deutlich sehen man!

SORALass jetzt die Possen, Element!

SORASonst sind auf ewig wir getrennt!

SORAGib Antwort meinen Fragen!

BENOZZONun gut, so lass dir sagen:

BENOZZOwas ist denn Schlimmes dran am End'?

leiser

BENOZZOIch führte mit Massaccio dort

BENOZZOganz heimlich Schmugglerwaren fort!

laut, sehr überrascht

SORAEin Schwärzer! Du?

hält ihr den Mund zu

BENOZZONur still!

leise und erfreut

SORAIst's wahr?

SORAIch hielt für treulos dich,

SORAich will's gestehn!

BENOZZOWas fällt dir ein?

BENOZZODen Schwärzer hast

BENOZZOdu allzu schwarz gesehn!

BENOZZOMich lockt ganz anderer Gewinn;

BENOZZOauch heute muss ich wieder hin!

SORAWas kümmert mich die Schmuggelei!

BENOZZOSie bringt mir Gold!

SORAWenn du mir nur als Gatte treu,

BENOZZOMehr als ich sollt'!

SOFIA... magst weiter schmuggeln du!

SOFIADass dabei nichts störe deine Ruh,

SOFIAwünsch' ich recht schwarze Nacht dazu!

BENOZZOHahahaha!

SORAStockfinster sei die Nacht,

SORAkein Mond, kein Sternlein wacht!

SORADenn in solchem Dunkel kann

SORAnicht deutlich sehen man!

SORADass eure Schmuggelei

SORAsicher vor Spähern sei,

SORAwünsch' ich dir gute,

SORAdas heisst eine kohlschwarze Nacht!

BENOZZOSie wünscht mir schwarze Nacht,

BENOZZOkohlrabenschwarze Nacht,

BENOZZOdamit in dem Dunkel dann

BENOZZOniemand mich sehen kann!

BENOZZOWahrlich, das brave Weib

BENOZZOkümmert nicht, was ich treib'!

BENOZZOSie wünscht mir gute,

BENOZZOdas heisst eine kohlschwarze Nacht!

Es wird nach und nach dunkel. Benozzo und Sora gehen rückwärts rechts ab.

SYSTEMZEHNTE SZENE

Marietta (allein), dann Carlotta

SYSTEMDialog

Im selben Augenblick, wo Sora und Benozzo abgehen, tritt Marietta von links rückwärts auf.

MARIETTAEi, ei, ei! Da drüben im Ballsaal scheint etwas vorgefallen zu sein! Der interessante Conte Erminio ist plötzlich verschwunden! Die Gräfin, bis dahin heiter und tanzlustig, ist verstimmt, echauffiert, will sich etwas zurückziehen, hat sich ein Glas Limonade bestellt! Das ist immer ein Zeichen übler Laune bei ihr!

will links abgehen; es donnert

tritt von links hinten auf

CARLOTTAMarietta!

MARIETTAFrau Gräfin?

CARLOTTARasch ein Tuch! Mich fröstelt!

MARIETTAGleich!

für sich

MARIETTAVorhin war ihr warm, jetzt fröstelt sie's wieder!

eilt links ab

geht aufgeregt ans Fenster, stösst es auf, gleichzeitig hört man Donner

CARLOTTAEs jagt ein Gewitter übers aufgeregte Meer daher, das passt so recht zu meiner Stimmung!

mit einem Tuch und einer Platte, auf welcher ein Glas Wasser steht und ein Kaffeelöffel liegt

MARIETTAHier, Frau Gräfin! Limonade zum Abkühlen und

leicht spöttisch

MARIETTAein Tuch zum Wärmen!

stellt die Platte auf einen Tisch; gibt Carlotta das Tuch um, in das sich diese rasch hüllt

trinkt

CARLOTTAIch muss einen Moment ruhen! Lass mich allein!

setzt sich

MARIETTAZu Befehl!

fährt bei einem starken Blitz, dem ein heftiger Donner folgt, sich bekreuzigend, zurück

MARIETTAAlle guten Geister! War das ein Blitz!

verstopft sich die Ohren

MARIETTAPuh, und der Donner!

ärgerlich

CARLOTTAJa, ja, schon gut! Mach endlich, dass du fortkommst!

MARIETTAMein Gott, ich gehe ja schon, ich gehe ja schon! Man wird sich doch noch fürchten dürfen!

geht kopfschüttelnd nach hinten ab

MARIETTAHat die Frau heute eine Gewitterlaune! Ich gehe, damit's nicht einschlägt!

Es wird ziemlich dunkel, flammende Blitze erhellen zeitweise durchs rechte Fenster den Salon; der Donner grollt fort.

SYSTEMELFTE SZENE

Carlotta (allein), dann Erminio

CARLOTTAAh!

geht nervös-erregt auf und ab

CARLOTTADieser Zustand ist unerträglich! Dieser Kampf zwischen Pflicht, Ehre und - warum soll ich's nicht aussprechen? - Liebe. Ja, Liebe! Dieser Kampf reibt mich auf!

setzt sich links in einen Lehnstuhl, stützt melancholisch den Kopf auf die rechte Hand

CARLOTTASchreckliches Los! Meine erste Ehe mit einem alternden Manne freudlos, und die zweite mit…

sinnt nach

sehr fernes Gewitter und Wetterleuchten

kehrt langsam vom Fenster zurück und lässt sich sinnend auf dem Diwan nieder

CARLOTTADunkel breitet sich über das Meer

CARLOTTAder Donner rollt,

CARLOTTABlitze zucken, die Luft ist schwer .

CARLOTTAein Wetter grollt.

springt, nachdem er sich, umgesehen, leicht und ohne Geräusch durchs Fenster. Er ist in einen Mantel gehüllt; für sich

ERMINIOFast erbeb' ich, ob auch gelingt.

ERMINIOwas ich erdacht,

ERMINIOdoch vertraun will ich unbedingt

ERMINIOder Liebe Macht!

für sich

CARLOTTABin ich allein,

CARLOTTAallein mit meinen Gedanken,

CARLOTTAbeginnt mein Mut zu wanken,

CARLOTTAich denke sein!

vergräbt ihr Gesicht in den Händen

für sich

ERMINIOAns Werk denn ohne Schwanken,

ERMINIOes muss ja sein!

spricht

ERMINIODoch Vorsicht!

ERMINIOErst den Rückzug gesichert!

versperrt beide rückwärtige Türen; beim Sperren der zweiten auf der rechten Seite entsteht ein heftiges Geräusch.

fährt auf

CARLOTTAMarietta, bist du da?

steht auf; ein Blitzstrahl erleuchtet das Zimmer und zeigt ihr Erminio; erschrocken

CARLOTTAO Gott, ein Mann ist hier!

einen Schritt näher tretend

ERMINIOIch bitte, keinen Laut!

ihn erkennend, etwas beruhigter

CARLOTTASie sind es? Sie bei mir?

CARLOTTAWie kommen Sie herein?

unbefangen

ERMINIODurchs Fenster stieg ich ein!

betroffen

CARLOTTAFür einen Ehrenmann

CARLOTTArecht seltsam immerhin!

leicht

ERMINIOFür einen Ehrenmann?

ERMINIOWer weiss, ob ich das bin.

beleidigt

CARLOTTAGenug mit diesem Ton!

CARLOTTASie gehen, oder ich!

geht entschlossen zur Tür

ohne sich zu rühren

ERMINIODas sah voraus ich schon.

ERMINIOUmsonst bemühn Sie sieh,

ERMINIOverschlossen ist die Tür.

da Carlotta eine Bewegung macht, nach der anderen Seite zu gehen

ERMINIODie andre auch!

CARLOTTAWeh mir!

CARLOTTAVerlassen Sie das Haus,

CARLOTTAsonst ruf' urn Hilfe ich!

ergreift die Glocke

ERMINIOAuch das sah ich voraus.

lässt den Mantel fallen, hält in jeder Hand eine Pistole und zielt mit der rechten auf Carlotta

ERMINIOSie würden zwingen mich,

ERMINIOrecht ungalant zu sein,

ERMINIOwenn Sie zu rufen wagen.

Da Carlotta die Kraft versagt, unterstützt er sie und geleitet sie zum Diwan.

sucht sich zu fassen

CARLOTTASie dringen heimlich ein,

CARLOTTAbei Nacht, bewaffnet gar!

CARLOTTADas ist …

ERMINIO... ich muss es sagen,

ERMINIOverdächtig offenbar!

fest

CARLOTTAUnd gegen alle Sitte!

CARLOTTAWarum bedrohn Sie mich?

ERMINIODen Schlüssel nur erbitte

ERMINIOzu jenem Schranke ich!

deutet auf dem Wandschrank

CARLOTTADer Scherz geht etwas weit!

ERMINIOKein Scherz! Mir tät es leid,

macht einen Schritt näher

ERMINIOwenn ich gezwungen wäre

entsetzt

CARLOTTAGewalt?

ERMINIONicht Ihrer Ehre

ERMINIOsoll Gefahr hier drohn,

ERMINIOnein, nur der Million!

verwirrt

CARLOTTAEin Räuber wären Sie?

CARLOTTAIst's Wahrheit, was ich seh'?

leicht

ERMINIOMein Gott, was wollen Sie,

ERMINIOs ist einmal mein Metier!

lustig

ERMINIONur Gold will ich holen,

ERMINIOnichts andres mich zieht,

ERMINIOein wirklicher Räuber,

ERMINIOein echter Bandit!

ERMINIOIch kann Sie versichern,

ERMINIObei mir trügt der Schein,

ERMINIOmein Äussres ist nobel,

ERMINIOmein Innres gemein!

ERMINIOWohl weiss Ihre Reize

ERMINIOzu würd'gen ich sehr,

ERMINIOallein die Millionen,

ERMINIOdie reizen noch mehr!

für sich

CARLOTTANur Gold will er holen,

CARLOTTAnichts andres ihn zieht,

CARLOTTAals wirklicher Räuber,

CARLOTTAals echter Bandit!

ERMINIONur Gold will ich holen.

ERMINIOnichts andres mich zieht,

ERMINIOals wirklicher Räuber,

ERMINIOals echter Bandit!

ERMINIOWas man in der Tasche

ERMINIOnicht forttragen kann,

ERMINIOdas bleibt mir stets heilig,

ERMINIOdas rühr' ich nicht an!

ERMINIOEs gibt ein altes Lied,

ERMINIOda singt der Bandit:

ERMINIOWird erfüllt mein Verlangen,

ERMINIObleib' ich sanft,

ERMINIOnicht braucht Ihr zu bangen!

ERMINIOJa, wenn man zahlt,

ERMINIObin ich galant,

ERMINIOja, wenn man zahlt,

ERMINIObin ich charmant!

ERMINIONur gegen bar,

ERMINIOkling, kling, kling, kling,

ERMINIOgeh' ich euch frei,

ERMINIOha, ha, ha, ha!

ERMINIONur gegen bar,

ERMINIOkling, kling, kling, kling,

ERMINIOsonst droht Gefahr!

für sich

CARLOTTAWär es wahr?

CARLOTTAWas ich empfand,

CARLOTTAbin zu deuten

CARLOTTAich kaum imstand!

CARLOTTANur gegen bar

CARLOTTAgibt er mich frei?

CARLOTTAO San Giovanni, mich bewahr

CARLOTTAvor der Gefahr!

ERMINIONur gegen bar!

ERMINIOBeenden wir die Sache!

ERMINIOZu lang hab' ich Sie derangiert.

immer leidenschaftlicher

CARLOTTAUnd wenn ich Lärm nun mache?

CARLOTTASie werden arretiert,

CARLOTTAgefesselt, fortgeführt,

CARLOTTAverurteilt vom Gerichte!

leicht

ERMINIOUnd aufgehängt sodann!

ERMINIOSo endet die Geschichte

ERMINIOwahrscheinlich

ERMINIOrecht peinlich,

ERMINIOdie doch so schön begann!

ERMINIODrum muss ich mich beeilen.

ERMINIOdarf nicht so lang hier weilen,

ERMINIObis man mich hier gefunden!

dringend

ERMINIODen Schlüssel!

Carlotta reicht ihm schweigend den Schlüssel.

ihn nehmend

ERMINIOSehr verbunden!

während Erminio den Schrank öffnet und behutsam das Portefeuille herausnimmt und den Inhalt überprüft

für sich

CARLOTTAAch, was muss ich entdecken?

CARLOTTA's ist nicht Angst nur und Schrecken,

CARLOTTAwas mein Herz jetzt durchglüht!

CARLOTTANein, er ist kein Bandit,

CARLOTTAnimmer kann ich es glauben,

CARLOTTAdass er kam, um zu rauben!

CARLOTTAWer löst dies Rätsel nur?

CARLOTTAWer hilft mir auf die Spur?

ERMINIODas schöne Kapital,

ERMINIOdas hier verschlossen ruht,

ERMINIOsoll Ihnen Zinsen tragen,

ERMINIOich leg' es an sehr gut!

sich artig verabschiedend

ERMINIOSie werden gütig mir verzeihn!

ERMINIOBeklagenswert ist mein Geschick:

ERMINIOdas Schönste lasse ich zurück,

ERMINIOnahm schnöden Mammon nur allein!

ironisch dankend

CARLOTTAGalanter kann man nicht mehr sein!

ERMINIOHa! Wird erfüllt mein Verlangen,

ERMINIObleib' ich sanft,

ERMINIOnicht braucht Ihr zu bangen!

ERMINIOJa, wenn man zahlt,

ERMINIObin ich galant,

ERMINIOja, wenn man zahlt,

ERMINIOdann bin ich charmant!

für sich

CARLOTTAOb Schrecken auch dies Herz durchzieht,

zu Erminio

CARLOTTAandres Gefühl nicht in mir glüht!

CARLOTTANehmt, was Ihr wollt,

CARLOTTAnehmt all mein Gold,

CARLOTTAdoch nun eilet schnell fort!

CARLOTTAEntflieht!

schwingt sich aufs Fenster, während ihm Carlotta angstvoll nachstarrt

ERMINIORuhen Sie sanft, reizende Frau!

ERMINIOBitte sich nicht zu bemühn!

ERMINIOIch kenn' den Weg sehr genau!

halb ohnmächtig in den Sessel sinkend nächst dem Fenster

CARLOTTAMeine Kraft ist dahin!

springt aus dem Fenster

ERMINIOAdieu! Adieu!

SYSTEMZWÖLFTE SZENE

Carlotta (allein).

Marietta, Zenobia (hinter der Szene)

SYSTEMDialog

Carlotta liegt halb in Ohnmacht.

hinter der linken Tür

MARIETTAFrau Gräfin! Frau Gräfin! Das Souper ist bereit!

hinter der rechten Tür

ZENOBIAFrau Gräfin! Frau Gräfin! Die Gesellschaft wartet!

Beide klopfen; kurze Pause

hinter den Türen

BEIDEFrau Gräfin!

hinter der Szene

ZENOBIAWas ist das? Sie antwortet nicht?!

hinter der Szene

MARIETTAVorhin fühlte sie sich nicht wohl!

hinter der Szene

BEIDEHilfe! Hilfe!

SYSTEMDREIZEHNTE SZENE

Carlotta, Zenobia. Marietta, dann Nasoni, Ballgäste, später Männer; Sora, zwei Diener

Zwei Diener brechen die rückwärtigen Türen auf. Marietta eilt auf die Gräfin zu, nimmt sich ihrer hilfreich an.

blickt im Salon umher

ZENOBIAMein Himmel, die Gräfin in Ohnmacht? Das Fenster offen ... die Kasse erbrochen ... beraubt!

MARIETTA, ZENOBIAHerein! Herein!

MARIETTA, ZENOBIANur alles herein!

MARIETTA, ZENOBIAKommt sehn, kommt sehn,

MARIETTA, ZENOBIAwelch Unheil geschehn!

BALLGÄSTEWas ist geschehn?

BALLGÄSTEWas gibt's zu sehn?

ZENOBIAEin Raub, ein Einbruch.

ZENOBIAes ist klar!

hereinlaufend

NASONIEin Raub. ein Einbruch.

NASONIist es wahr?

ZENOBIAKein Zweifel! Seht nur her.

ZENOBIAdie Cassa offen. leer!

BALLGÄSTEDie Cassa offen, leer!

BALLGÄSTEWas braucht's Beweise mehr?

NASONIDie Million!

NASONIWer hätt's geglaubt,

NASONIwär heute schon

NASONIentführt, geraubt?

NASONIWer war's, wer drang hier ein'?

NASONIWo finden wir die Spur'?

MARIETTADie Gräfin war allein,

MARIETTAkann Auskunft geben nur!

Carlotta, die sich, von Marietta betreut, unterdessen erholt hat, erhebt sich.

zu Carlotta

NASONISprecht, wer mit Frevlerhand

NASONIhier eingegriffen, wer'?

verlegen, stockend

CARLOTTAEr ist mir unbekannt.

CARLOTTAfragt mich nicht weiter mehr.

NASONIKein Zweifel mehr,

NASONIdas war Er!

BALLGÄSTEWer? Er?

NASONIIch sage gar nichts mehr

NASONIals das war Er!

NASONISo lasset uns den suchen,

NASONIwir holen ihn noch ein,

NASONIden Schuft, dem wir fluchen!

NASONIBestraft soll er sein!

BALLGÄSTESchleppt ihn her, wer's auch sei!

BALLGÄSTEKeinen einz'gen lasset frei!

hinter der Szene

MÄNNERWir haben ihn, wir haben ihn,

MÄNNERer soll uns nicht entfliehn!

MÄNNERNein, solch ein Wicht,

MÄNNERdarf länger nicht

MÄNNERverhöhnen das Gericht!

NASONISie haben ihn schon.

NASONISie bringen ihn ein!

NASONIDas muss Gasparone sein!

SYSTEMVIERZEHNTE SZENE

Die Vorigen. Benozzo

NASONIAns Licht! Damit sich zeig'.

NASONIwer es gewesen sei!

Benozzo, in Mantel und breitkrempigem Hut, wird von den Männern hereingebracht.

BALLGÄSTEBenozzo ist's!

leise zu Benozzo

SORAWo warst du, sprich?

leise zu Sora

BENOZZOSie störten mich

BENOZZOin schönster Schmuggelei!

BALLGÄSTEBenozzo ist's!

BALLGÄSTEWo kommt er her?

NASONISo sprich, gestehe nun.

NASONIwas draussen du gemacht!

NASONIWas hattest du zu tun

NASONIbewaffnet in der Nacht?

leise zu Benozzo

SORAJetzt lüge schnell etwas!

leise zu Sora

BENOZZONichts leichter als das!

laut

BENOZZO1.

BENOZZONach schimpflicher Blamage,

BENOZZOvon der ihr habt gehört,

BENOZZOwar wieder die Courage

BENOZZOzurücke mir gekehrt!

BENOZZOSobald das Büffeiblut

BENOZZOdie Oberhand gewann,

BENOZZOkam wieder mir der Mut,

BENOZZOdie Schafsmilch, sie gerann!

BENOZZOIch muss ihn ganz allein

BENOZZOund ohne Lösegeld

BENOZZOdurch tapfre Faust befrein!

BENOZZOSo macht's der echte Held!

BENOZZOWeh dir, du Bösewicht!

NASONIUnd hast du ihn?

gleichmütig

BENOZZONoch nicht! Noch nicht!

BENOZZODoch tat ich meine Pflicht!

BENOZZONoch nicht! Noch nicht!

BENOZZODoch tat ich meine Pflicht!

SORA, MARIETTA, ZENOBIA, BALLGÄSTENoch nicht! Noch nicht!

SORA, MARIETTA, ZENOBIA, BALLGÄSTEDoch tat er seine Pflicht!

BENOZZO2.

BENOZZODa schlich's heran verdächtig,

BENOZZOim Dunkel die Gestalt!

BENOZZOAch, dacht' ich, das geht prächtig.

BENOZZOna wart, dich hab' ich bald!

BENOZZOSchon hob ich mein Gewehr,

BENOZZOda fiel zum Glück mir ein,

BENOZZOdass es viel besser wä r,

BENOZZOman fängt ihn lebend ein!

BENOZZOGanz leise nah' ich mich,

BENOZZOwill so ihn packen grad,

BENOZZOda packen diese mich,

BENOZZOund meine Heldentat

BENOZZOman grausam unterbricht!

NASONIUnd hast du ihn?

BENOZZONoch nicht! Noch nicht!

BENOZZODoch tat ich meine Pflicht!

BENOZZONoch nicht! Noch nicht!

BENOZZODoch tat ich meine Pflicht!

SYSTEMSORA. MARIETTA, ZENOBIA, BALLGÄSTE

BENOZZONoch nicht! Noch nicht!

BENOZZODoch tat er seine Pflicht!

NASONIKerl, was schwatzest du da für Zeug!

BENOZZOAls sie lärmten, floh er weiter!

wendet sich von Benozzo ab

NASONIVorwärts denn, das ist gescheiter,

NASONIjagt ihm nach! Hinaus sogleich!

Männer ab

NASONIDie ganze Bevölk'rung sperret mir ein,

NASONIda wird doch der Rechte drunter sein!

hinter der Szene

MÄNNERWir haben ihn, wir haben ihn,

MÄNNEREr soll uns nicht entfliehn!

MÄNNERNein, dieser Wicht,

MÄNNERdarf länger nicht

MÄNNERverhöhnen das Gericht!

SYSTEMFÜNFZEHNTE SZENE

Die Vorigen, Massaccio

Diesmal schleppen die Männer den in einen Mantel gehüllten Massaccio herein.

triumphierend

NASONIHa! Diesmal ist's der Echte!

dem man Hut und Mantel abnahm

MASSACCIONein, ich bin nicht der Rechte!

MASSACCIODoch war bei den Banditen

MASSACCIOich mit dem Lösegeld,

MASSACCIOund bald wird Herr Sindulfo

MASSACCIOuns franco zugestellt.

MASSACCIODas schwor der Bösewicht.

Männer ab

NASONIUnd hast du ihn?

MASSACCIONoch nicht! Noch nicht!

MASSACCIODoch tat ich meine Pflicht!

MASSACCIONoch nicht! Noch nicht!

MASSACCIODoch tat ich meine Pflicht!

SORA, MARIETTA, ZENOBIA, BALLGÄSTENoch nicht! Noch nicht!

SORA, MARIETTA, ZENOBIA, BALLGÄSTEDoch tat er seine Pflicht!

NASONIHin ist das Lösegeld,

verzweifelt

NASONIhin ist auch die Million,

NASONIund ich hab' gar nichts mehr.

NASONIhab' nicht mal meinen Sohn!

hinter der Szene

MÄNNERDa bringen wir noch einen,

MÄNNERwir haben jetzt den Dritten!

SYSTEMSECHZEHNTE SZENE

Die Vorigen, Sindulfo

Die Männer führen Sindulfo, ebenfalls in Hut und Mantel, herein.

NASONIDa bringen sie noch einen!

NASONIAh, da muss ich doch bitten!

zu Sindulfo, der mit dem breiten Hut bedeckt, von einigen festgehalten wird, gravitätisch

NASONIDu nächtlicher Tourist,

NASONIgestehe, wer du bist!

NASONIRäuber kann sich jeder nennen,

NASONIdas muss man beweisen können!

NASONIKannst du's, sei willkommen mir,

NASONIbist du ehrlich, fort von hier!

BALLGÄSTEBist du Gasparone, sprich?

BALLGÄSTEBist du's nicht, so packe dich!

dem man Hut und Mantel abnimmt

SINDULFOAber Papa!

SINDULFOIch bin es ja!

NASONIMein Sohn Sindulfo wieder da?!

BALLGÄSTEDer Räuber war sein Sohn. haha!

NASONIMein Sohn ist wieder da!

SINDULFOPapa!

NASONIDen ich so lang nicht sah!

SINDULFOPapa!

NASONIIch fand ihn. Heureka!

NASONIEr ist mir endlich nah!

SINDULFOIch bin da!

für sich

CARLOTTAMein Bräutigam ist da

SINDULFOPapa!

für sich

CARLOTTAund die Entscheidung nah!

SINDULFOPapa!

für sich

CARLOTTAWas hier indes geschah

CARLOTTAscheint mir ein Traum beinah!

SINDULFOIch bin da!

SINDULFOPapa!

SORA, MARIETTA, ZENOBIA, BENOZZO, MASSACCIOEin rührend Bild steht da,

SORA, MARIETTA, ZENOBIA, BENOZZO, MASSACCIOwie man noch keines sah!

NASONIEr ist da, mir wieder nah!

BALLGÄSTEEr ist da!

SORA, MARIETTA, ZENOBIA, BENOZZO, MASSACCIODer Sohn mit dem Papa,

SORA, MARIETTA, ZENOBIA, BENOZZO, MASSACCIOsie sind sich wieder nah!

SORA, MARIETTA, ZENOBIA, BENOZZO, MASSACCIOEr ist da!

BALLGÄSTEEr ist da!

BALLGÄSTESindulfo ist es ja!

NASONI:Er ist da! Er ist da!

SINDULFOPapa! Ich bin da!

BALLGÄSTEUnglaublich ist's beinah!

BALLGÄSTEWeil er nun endlich da,

BALLGÄSTEerfährt man, was geschah!

BALLGÄSTEEr ist da! Er ist da!

CARLOTTAWeil er nun endlich da,

CARLOTTAerfährt man, was geschah!

CARLOTTAMein Bräutigam ist da!

CARLOTTAEr ist da!

SORA, MARIETTA, ZENOBIA, BENOZZO, MASSACCIOWeil er nun endlich da,

SORA, MARIETTA, ZENOBIA, BENOZZO, MASSACCIOerfährt man, was geschah!

SORA, MARIETTA, ZENOBIA, BENOZZO, MASSACCIOEr ist da!

NASONIEr ist nun wieder da!

NASONIEr ist da!

SINDULFOIch bin nun wieder da!

SINDULFOPapa, ich bin da!

nachdem er Sindulfo von allen Seiten untersucht hat, freudig

NASONIEr ist ganz unverletzt!

NASONIDoch gib uns Auskunft jetzt,

NASONIwo warst du? Rede, sprich!

SINDULFODie Räuber schleppten mich

SINDULFOin ein stockfinstres Kellerloch,

SINDULFOwo's nach Kaffee und Zucker roch!

NASONIWie? Zucker und Kaffee?

SORAAha, ich versteh'!

leise zu Sora

BENOZZO's war unser Atelier!

NASONIAber sag nur, wo und wer?

SINDULFODas zu sagen, ist sehr schwer,

SINDULFOweil die Augen mir verbunden!

SINDULFOEinsam sass ich manche Stunden,

SINDULFOdachte dabei gelegentlich

nach Carlotta schmachtend

SINDULFOan meine Braut, so heiss ersehnt,

SINDULFOund mir ward gar so wunderlich!

ungeduldig

NASONIWeiter! Weiter!

SINDULFOPlötzlich tönt

SINDULFOeine Stimme durch die Nacht,

SINDULFOdie bekannt mir schien:

SINDULFO"Lasst den Tölpel fliehn,

SINDULFOalles ist schon abgemacht!

SINDULFONur Gold wollt' ich haben,

SINDULFOnichts andres mich zieht,

SINDULFOals wirklicher Räuber,

SINDULFOals echter Bandit!"

entsetzt, für sich

CARLOTTASo war's Gasparone,

CARLOTTAes war der Bandit,

CARLOTTAfür den bange Sorge

CARLOTTAdas Herz mir durchzieht!

ohne Carlotta

ALLEWohlan, ihm nach!

ALLENur fort, ihm nach!

ALLEIhn einzuholen, eilet nach!

ALLEDann wehe dir, Gasparone!

ALLENur fort, ihm nach

ALLEund rächt die Schmach!

für sich

CARLOTTAWeh! Ach, kein Zweifel waltet nunmehr,

CARLOTTAder Bandit, der Räuber war er!

CARLOTTAWas muss ich entdecken,

CARLOTTAkaum berg' ich meinen Schrecken,

CARLOTTAdoch muss ich schweigen,

CARLOTTAnur Gleichmut zeigen!

CARLOTTAMir selbst es sagen,

CARLOTTAdarf kaum ich wagen.

CARLOTTAIch kann's nicht glauben.

CARLOTTANur Gold zu rauben

CARLOTTAwar sein Begehr

CARLOTTAnimmermehr, nein, nein!

ohne Carlotta

ALLESolcher Frechheit kann doch allein

ALLEGasparone fähig nur sein!

ALLEDoch wiederzuholen.

ALLEwas kühn er hier gestohlen,

ALLEihm ohne Zagen

ALLEes abzujagen,

ALLEdas muss gelingen

ALLEvor allen Dingen!

ALLEDas Gold zu rauben.

ALLE's ist kaum zu glauben.

ALLEdass solch Malheur

ALLEdenkbar wär!

für sich

CARLOTTADoch muss ich schweigen,

CARLOTTAnur Gleichmut zeigen!

CARLOTTAMir selbst zu sagen,

CARLOTTAdarf kaum ich wagen.

CARLOTTAIch kann's nicht glauben:

CARLOTTAnur Gold zu rauben

CARLOTTAwar sein Begehr

CARLOTTAnimmermehr!

NASONIJetzt auf!

NASONIDem Räuber nachgejagt!

will zu Carlotta

SINDULFONoch nicht!

SINDULFOErst rufet mich die Pflicht!

SINDULFOGern hätt' ich der Gräfin

SINDULFOein Wort gesagt!

hält ihn zurück

NASONINoch nicht!

NASONIErst rufet uns die Pflicht!

SINDULFONun bin ich frei,

SINDULFOund sie wird mein!

beiseite

NASONIZu früh, zu früh, o weh, o weh!

will abermals hin

SINDULFOLass endlich die Verlobung sein!

NASONIZu spät, zu spät, o jemine!

SORA, MARIETTA, ZENOBIA, BENOZZO, MASSACCIONun eilet ihm nach!

SORA, MARIETTA, ZENOBIA, BENOZZO, MASSACCIONein, es ist kein Zweifel mehr,

SORA, MARIETTA, ZENOBIA, BENOZZO, MASSACCIOdass der Räuber er!

CARLOTTANein, es ist kein Zweifel mehr.

CARLOTTAdass der Räuber er!

BALLGÄSTEEs waltet kein Zweifel,

BALLGÄSTEder Räuber war er!

leise zu Sindulfo

NASONISie hat ja keine Millionen mehr!

laut

NASONIDie Gräfin braucht jetzt Ruhe sehr!

NASONIIhr andern, auf jetzt, unverzagt!

NASONIDem frechen Räuber nachgejagt!

NASONIIhn, den alle Häscher suchen,

NASONIihn, dem alle Lippen fluchen,

NASONIihn, den alle Wälder kennen,

NASONIihn, den Räuber Bruder nennen.

NASONIihn, von dem man schaudernd spricht.

NASONIihn erwisch' ich doch,

NASONIihn, ihn, ihn,

NASONIhöchstwahrscheinlich noch,

NASONIihn erwisch' ich doch

NASONIhöchstwahrscheinlich noch!

SYSTEMSORA, MARIETTA, ZENOBIA, BENOZZO, MASSACCIO, BALLGÄSTE

NASONIIhn erwischt er doch

NASONIhöchstwahrscheinlich noch!

SYSTEMSORA, MARIETTA, ZENOBIA, BENOZZO, SINDULFO, NASONI, MASSACCIO, BALLGÄSTE

NASONIIhm nach, ihm nach!

NASONISolcher Frechheit kann doch allein

NASONIGasparone fähig nur sein!

NASONIDoch wiederzuholen,

NASONIwas kühn er hier gestohlen,

NASONIihm ohne Zagen

NASONIes abzujagen,

NASONIdas muss gelingen

NASONIvor allen Dingen!

NASONIDas Gold zu rauben,

NASONIs ist kaum zu glauben,

NASONIdass solch Malheur

NASONIdenkbar wär!

NASONIKein Zweifel mehr,

NASONIer kam hierher!

NASONIEr war uns nah!

NASONIDas war kein anderer als ei!

NASONIEr ist noch da,

NASONIganz nah!

CARLOTTAWeh mir!

CARLOTTAHa, was muss ich entdecken!

CARLOTTAMir selbst es sagen,

CARLOTTAdarf kaum ich wagen.

CARLOTTAIch kann's nicht glauben:

CARLOTTAnur Gold zu rauben,

CARLOTTAwar sein Begehr

CARLOTTAnimmermehr!

CARLOTTADoch war er da!

CARLOTTAEr war mir nah,

CARLOTTAwar da!

Alle wenden sich zum Gehen. Nasoni zieht Sindulfo mit sich. Carlotta wird von Zenobia und Sora gestützt.

SYSTEMDRITTER AKT

Freier Platz in Syrakus, auf einem gegen das Meer abfallenden Hochplateau gelegen. Links vorn das Rathaus mit prächtigem Eingang. Vor demselben eine mächtige Palme, unter der später das Standgericht im Freien abgehalten wird: vorläufig stehen ein langer Tisch und mehrere Stühle unter derselben. Rechts Häuser; der Prospekt bildet eine Stadtvedute: hinter einer nach abwärts steigenden Strasse sieht man das Meer. Nach rückwärts ist die Bühne mittels einer steinernen Balustrade abgeschlossen, durch die ein Eingang besteht, der mittels Treppe nach abwärts führt.

SYSTEMERSTE SZENE

Sora, Benozzo, Massaccio, Volk (Frauen, Mädchen, Männer), ein Leutnant, ein Fahnenträger, zwei Trompeter, eine Abteilung Carabinieri

Frauen, Mädchen und Männer, unter ihnen Sora, Benozzo und Massaccio blicken und deuten erwartungsvoll auf die aufmarschierenden Carabinieri.

aufmarschierend

CHOR DER CARABINIERIDie Carabiniers marschieren ein

CHOR DER CARABINIERIund stelin die Ordnung her!

CHOR DER CARABINIERIDie Carabiniers marschieren ein,

CHOR DER CARABINIERIdrum fürchtet euch nicht mehr!

CHOR DER CARABINIERIWir nehmen hier

CHOR DER CARABINIERIbei euch Quartier,

CHOR DER CARABINIERIum eure Beschützer zu sein.

CHOR DER CARABINIERIAuch Appetit

CHOR DER CARABINIERIbringt jeder mit,

CHOR DER CARABINIERIlasst sehn, was habt ihr für Wein!

CHOR DER CARABINIERIRespekt vor der bewaffneten Macht!

CHOR DER CARABINIERIIhr Fraun und Mädchen, habet wohl acht,

CHOR DER CARABINIERIdie Carabiniers marschieren ein,

CHOR DER CARABINIERIum Sieger hier zu sein!

Nachdem die Carabinieri in der Mitte der Bühne Stellung genommen, pflanzt man die Fahne schräg in die Palme, wo sie ein Mann befestigt.

Er liest aus einer gedruckten Rolle

LEUTNANT"Für Stadt und Bezirk Syrakus wird bis zur Habhaftwerdung des Räubers Antonio Gasparone und seiner Genossen hiermit das Standrecht publiziert. Im Namen des Königs: das königliche Obergericht!"

Die Rolle wird an die Palme geheftet. Der Leutnant geht in das Haus des Podestà. Die Carabinieri marschieren ebenso ab, wie sie gekommen sind.

FRAUEN, MÄDCHEN, CARABINIERIDie Carabiniers marschieren ein

FRAUEN, MÄDCHEN, CARABINIERIund stelin die Ordnung her!

FRAUEN, MÄDCHEN, CARABINIERIDie Carabiniers marschieren ein,

FRAUEN, MÄDCHEN, CARABINIERIdrum fürchtet euch nicht mehr!

FRAUEN, MÄDCHENSie nehmen hier

FRAUEN, MÄDCHENbei uns Quartier,

FRAUEN, MÄDCHENum unsre Beschützer zu sein!

CARABINIERIWir nehmen hier

CARABINIERIbei euch Quartier.

CARABINIERIum eure Beschützer zu sein!

FRAUEN, MÄDCHEN, CARABINIERIAuch Appetit bringt jeder mit.

FRAUEN, MÄDCHEN, CARABINIERIlässt gern sich schmecken den Wein!

FRAUEN, MÄDCHEN, CARABINIERIRespekt vor der bewaffneten Macht!

FRAUEN, MÄDCHEN, CARABINIERIIhr Fraun und Mädchen, habet wohl acht,

FRAUEN, MÄDCHEN, CARABINIERIdie Carabiniers marschieren ein,

FRAUEN, MÄDCHEN, CARABINIERIum Sieger hier zu sein!

Die Carabinieri mit Fahnenträger und Trompetern sind abmarschiert. Das Volk zerstreut sich.

SYSTEMZWEITE SZENE

Benozzo, Massaccio, Sora

SYSTEMDiaIog

vorn, sich verlegen den Kopf kraulend, halblaut

BENOZZONun, Onkel Massaccio. was sagst du dazu! Das Standrecht?!

halblaut

MASSACCIOPah, was kümmert's mich? Sind wir vielleicht Räuber?

BENOZZODas nicht, aber Schmuggler!

MASSACCIOSo lange das Standrecht dauert, werden wir eben nicht schmuggeln!

BENOZZORecht geschieht uns! Wozu haben wir den Gasparone an die Wand gemalt! Wüsst' ich nur, wer den Raub an der Gräfin in seinem Namen ausgeführt hat?!

MASSACCIOEin kecker Streich! Doch was kümmert's uns? Fort, nach Hause!

BENOZZOIch muss den Conte Erminio noch aufsuchen. Er befahl es.

zu Massaccio halblaut

BENOZZOZucker und Kaffee!

SORAUnd ich soll der Gräfin dies Billet des Podestà bringen.

zeigt ein Billet

MASSACCIOAlso dann auf heute abend! Verratet euch nicht, das Standgericht versteht keinen Spass!

BENOZZOUnd erschiesst die Missetäter. Wenn sie sich erwischen lassen!

weinerlich

SORAAch Gott. wenn nur meinem Benozzo kein Leid geschieht!

klammert sich an ihn

MASSACCIOUnsinn!

Sora weint.

MASSACCIOFlenn nicht, einfältiges Ding!

BENOZZOGeh. geh, mein Schatz!

karikiert

SORAAch, Benozzo!

umarmt ihn

karikiert

BENOZZOAch, Sora!

umarmt sie

drängend

MASSACCIOVorwärts! Vorwärts!

BENOZZOJa, geh, mein Schätzchen, geh!

weinend

SORAAch, wenn ihm nur nichts geschieht!

geht weinend, von Massaccio gezogen, links ab

SYSTEMDRITTE SZENE

Benozzo (allein)

BENOZZOWie sie mich liebt, die gute Sora! Wie besorgt sie ist, dass mir etwas geschehen könnte! Oh, oh!

wirft ihr Kusshânde nach

BENOZZOIn der Lotterie "Ehe" hat mir Gott einen Treffer beschert mit dieser Frau! Ich hab' es vor der Heirat auch an Gebeten nicht fehlen lassen. Heisst's in Sizilien doch: "Gehst du in den Krieg, so bete einmal; gehst du zur See, bete zweimal; gehst du in den Ehestand, bete dreimal!" Ich habe sechsmal gebetet! Doppelt hält besser! Deshalb macht mich meine Soretta auch so glücklich, und wir führen eine Ehe, die sich für Geld sehen lassen kann.

vertraulich zum Publikum

BENOZZODenn in Sizilien haben sich die Weiber den Ehestand zurechtgelegt in einer Weise, welche mir nicht passen würde. Mir nicht!

BENOZZOEr soll dein Herr sein!

BENOZZOWie stolz das klingt!

BENOZZOGeltung hat's leider nur sehr bedingt;

BENOZZOdenn man beseh'

BENOZZOsich in der Näh'

BENOZZOsolche Eh' in Sizilien!

BENOZZOHier steht der Eh'mann

BENOZZOstets vor der Tür.

BENOZZODer Cicisbeo sitzt drin bei ihr

BENOZZOganz ungeniert!

BENOZZOUnd das passiert

BENOZZOin den besten Familien!

BENOZZOLang blieb sie im Bette.

BENOZZOspät macht sie Toilette,

BENOZZOendlich sitzt sie im Glanz,

BENOZZOspielt mit dem Rosenkranz:

BENOZZOdraussen am Herd

BENOZZOsteht und schwitzt der Mann,

BENOZZOkocht ihr Schokolade!

BENOZZOSie, mit dem Abbate,

BENOZZOplaudert vom Seelenheil

BENOZZOoder vom Gegenteil:

BENOZZOWirtschaft, die geht sie nichts an!

BENOZZOHorch, aus dem Gemache

BENOZZOsüsser Stimmenklang.

BENOZZOholder Zwiegesang!

BENOZZOUnd der Mann hält draussen Wache,

BENOZZOlauscht auf den Tenor,

BENOZZOspitzt das Ohr.

BENOZZOEr muss Braten wenden.

BENOZZObei der Wäsche stehn,

BENOZZOnach der Suppe sehn,

BENOZZOhat zu tun an hundert Enden,

BENOZZOweil ihr Freund zumeist

BENOZZObei ihm speist!

BENOZZO"Geh, Mann!" ruft sie,

BENOZZO"zum Abend kauf ein!

BENOZZOSchau nach,

BENOZZOwarum die Kinder so schrein!

BENOZZODu störst uns hier,

BENOZZOwir machen Musik!"

BENOZZOUnd er zieht sich zurück ...

BENOZZOIndes bleibt mit dem Freund sie allein,

BENOZZOschenkt von des Gatten Weinen ihm ein,

BENOZZOer dankt und trinkt

BENOZZOmit schmachtendem Blick,

BENOZZOer seufzt, sie seufzt zurück!

BENOZZOOh, armer Ehemann,

BENOZZOwie bist du übel dran!

BENOZZONein, da dank' ich schön,

BENOZZOmuss ich gestehn!

BENOZZOEr soll dein Herr sein!

BENOZZOWie stolz das klingt!

BENOZZOGeltung hat's leider nur sehr bedingt;

BENOZZOdenn man beseh'

BENOZZOsich in der Näh'

BENOZZOsolche Eh' in Sizilien!

BENOZZOHier steht der Eh'mann

BENOZZOstets vor der Tür!

BENOZZODer Cicisbeo sitzt drin bei ihr

BENOZZOganz ungeniert!

BENOZZOUnd das passiert

BENOZZOin den besten Familien!

Benozzo geht rechts ab.

SYSTEMVIERTE SZENE

Nasoni, Leutnant, Gerichtsdiener

SYSTEMDialog

tritt mit Papieren in der Hand aus dem Bürgermeisteramt, verabschiedet sich von dem Leutnant

NASONIMelden Sie dem Herrn Oberst meinen Respekt. Das Verhör sei für zwölf Uhr anberaumt!

zum Gerichtsdiener

NASONIHier meine Dispositionen!

Der Gerichtsdiener grüsst und geht ab.

salutiert

LEUTNANTGuten Morgen, Herr Podestà!

geht ab

NASONIGanz Ergebenster, padrone, amilissimo servo!

begleitet ihn devot, kehrt in grosser Aufregung zurück, allein

NASONIOh! Oh! Dieser Gasparone bringt mich noch ums Leben! Das Obergericht

zeigt ein Aktenstück

NASONIverlangt partout, dass ich Gasparone erwischen soll! Es droht mir mit Absetzung, wenn ich der Gräfin Santa Croce nicht wieder zu ihrer Million verhelfe! Man wirft mir vor, dass ich den Banditen zu neuen Taten ermutigt hätte, weil ich ihm das Lösegeld für meinen Sohn gesendet habe! Du lieber Gott, ich hätte das Lösegeld ja so gern unterschlagen, wenn's nur gegangen wäre! Zehntausend Zechinen zusammenbringen! Ach, wär ich nicht Podestà, ich möchte Gasparone sein!

setzt sich

SYSTEMFÜNFTE SZENE

Nasoni. Sindulfo, dann Erminio, Benozzo

affektiert schwermütig; er hat einen Trauerflor am Hute, ein Trauerband um den linken Arm und ist schwarz gekleidet

SINDULFOGuten Morgen, Papa!

mürrisch

NASONIHol dich der ...

Rest unverständlich

NASONIWas soll das heissen? Du trauerst?

mit Seufzen

SINDULFOJa!

NASONIUm wen?

mit Seufzen

SINDULFOUm sie!

NASONIUm die Million?

SINDULFONein, - um Carlotta!

erstaunt

NASONIUm Carlotta?

SINDULFOIch trauere, weil du mir jetzt auf einmal verbietest, sie zu heiraten!

NASONICarlotta hat kein Geld mehr!

zeigt auf den Anschlag an der Palme

SINDULFOWenn's aber Gasparone wieder herausgibt?

NASONIWas man einmal gestohlen, gibt man nicht mehr heraus! Das versteh' ich besser!

SINDULFOAber du hast die Mutter doch auch ohne Geld geheiratet! Warum?

Ausrede suchend

NASONIIch …

karikiert weich

NASONIich wollte dich zum Sohne haben!

gerührt

SINDULFOPapa!

gerührt

NASONISindulfo!

Umarmung

bittend

SINDULFOAlso ich darf die Gräfin heiraten?

NASONINur, wenn sie die Million zurückkriegt!

streichelt Nasoni schmeichelnd das Kinn

SINDULFO:Schau, Papa, Carlotta hat durch Erlass des Lösegeldes bewiesen, wie teuer ich ihr bin, wie sie mich liebt!

NASONIPrr! Lieben ... dich ... dich? Lieben -

packt ihn am Kinn, zeigt dem Publikum Sindulfos Gesicht

NASONImit der Larve? Der Figur?

zum Publikum

NASONIEinen Kerl. der nur aus zwei langen Beinen besteht! Lieben? Hahaha! So

NASONIlachen, das war ich meiner Gesundheit schuldig!

setzt sich

unwillig

SINDULFONun sag. was du willst, ich bin mündig, liebe Carlotta. habe ihr Wort

SINDULFOund heirate!

will abgehen

springt auf, läuft Sindulfo nach

NASONIUnmensch! Bedenke unsere Lage! Halb Syrakus hat Geld von mir zu fordern!

SINDULFOUnd die andere Hälfte von mir! Haben wir einander nichts vorzuwerfen.

geht schnell ab

Erminio und Benozzo treten von rückwärts über die Treppe auf und beobachten Nasoni.

NASONIOh! Oh! Das ist zum Verzweifeln! Ein ungeratener Sohn - ruiniert - die Million beim Teufel - das Standrecht - Gasparone - das Obergericht -

schlägt wütend auf den Tisch

NASONIHimmelkreuztausendbombenelement!

wirft sich wütend auf den Stuhl

leise zu Erminio

BENOZZOWenn die Not am grössten, ist der Podestà am bösesten! Jetzt, Exzellenza, wär der richtige Moment!

leise

ERMINIODu hast recht, lass uns allein!

leise

BENOZZODen Brief werde ich zur rechten Zeit bringen

sehr leise

BENOZZOZucker und Kaffee!

geht ab durch die Treppe

SYSTEMSECHSTE SZENE

Nasoni, Erminio

steht verzweifelt da

NASONIIch sehe einen Abgrund vor mir! Tritt nicht ein Glücksfall ein, bin ich verloren!

der langsam zu Nasoni trat, legt ihm die Hand auf die Schulter

ERMINIOVielleicht doch nicht!

blickt finster auf, barsch

NASONIHa! Sie? Ich habe mit Ihnen nichts zu schaffen! Was wollen Sie?

ERMINIOEinen Moment mit Ihnen plaudern, guter ehrlicher Mann!

schroff, aufstehend

NASONIIch bin kein guter ehrlicher Mann! Ich bin der Podestà Nasoni und werde Sie rufen lassen, wenn ich Sie zum Verhör brauche!

ERMINIOUnd wenn ich Ihnen Rettung brächte?

höhnisch

NASONISie mir? Rettung? Sie, ein Unbekannter?! Ein dubioser Conte!

ERMINIOIch sehe, es ist an der Zeit, dass ich mich Ihnen gegenüber legitimiere. Hier, meine Papiere ... von Ihrer Regierung beglaubigt!

blättert in zwei Dokumenten, die ihm Erminio reicht, erstaunt

NASONIConte Erminio Saluzzo?

höflicher

NASONIEin Verwandter des Ministers vielleicht?

einfach

ERMINIOSein Sohn!

gibt artig das Papier zurück

NASONISomit einer der angesehensten Kavaliere Piemontes

mit artigem Grusse bestätigend

ERMINIO... und leidenschaftlicher Geologe! Die Erforschung des Ätna führte mich nach Syrakus!

sichtlich artiger

NASONIUnd der Herr Graf wollten mir hilfreich beispringen?

ERMINIOWenn Sie mir rückhaltlos vertrauen, ja! Zuvörderst heisst's, Ihren stark beschädigten Ruf als Podestà zu rehabilitieren!

kratzt sich verlegen am Kopfe, sagt zaudernd und mit humoristischer Offenheit

NASONIHm! Das wird schwer gehen, denn .., ich bin schlechter als mein Ruf!

humoristisch bestätigend

ERMINIOMan zieht Vergleiche zwischen Ihnen und Gasparone, die zugunsten des Räubers ausfallen

heiter triumphierend

NASONI... hat aber keine Beweise!

ERMINIORichtig! Sie können sogar in Amt und Würden bleiben, vielleicht avancieren, aber

NASONIAber?

ERMINIOSie müssten ein ehrlicher Mann werden!

mit Grimasse

NASONIEin ehrlicher Mann?

herzlicher

ERMINIOVersuchen Sie's einmal!

reicht ihm die Hand

ERMINIOUnd versprechen Sie mir …

will einschlagen, tut es aber nicht, unterbricht Erminio

NASONIVersuchen will ich's! Versprechen nicht!

ERMINIOJa, in die Affäre des Millionendiebstahls glaube ich Licht bringen zu können!

eifrig

NASONIUnd etwa gar die Million wieder verschaffen?

heiter

ERMINIOOho! Sie gehen zu weit! Die Million ist für Sie unwiderruflich verloren!

enttäuscht

NASONIWorin besteht dann das Licht?

ERMINIOMan wird erfahren, wer das Geld genommen!

NASONIMir ganz gleich, wenn ich's nicht war!

droht mit dem Finger

ERMINIOIst das der Gedanke eines

betonend

ERMINIOehrlichen Mannes?

NASONIIch will ja nur versuchen, einer zu werden!

blickt hinter die Szene

ERMINIOAh, die Gräfin!

NASONISie kommt zum Verhöre!

ERMINIOIhre Aussage ist von Wichtigkeit. - Wenn Sie meiner bedürfen, Herr Podestà. so befehlen Sie! Ich bin in der Nähe.

will nach links abgehen

NASONIGut, gut!

hält ihn zurück

NASONISie glauben also wirklich, dass die Million hin ist?

ERMINIOFutsch! Total futsch!

geht links ab

NASONIFutsch!

stampft mit dem Fuss

NASONIMaledetto!

SYSTEMSIEBENTE SZENE

Nasoni. Carlotta. Zenobia, Sora, dann Erminio

mit Zenobia und Sora. auftretend; freundlich

CARLOTTASo, da bin ich, mein lieber Papa! Buon giorno!

barsch

NASONIGuten Tag!

für sich

NASONIJetzt, wo die Frau kein Geld hat, ist sie mir total gleichgültig!

laut, barsch

NASONIGuten Tag!

CARLOTTAWelch wichtige Amtsmiene! Ah ich ...

wichtig

CARLOTTA...das Standrecht?... Das Verhör?... Nicht so, Papa?

barsch

NASONINennen Sie mich nicht Papa, Madame! Hier bin ich Podestà, Sie sind Partei, werden gleich Zeugenschaft ablegen wegen des Millionendiebstahls! Ich will Sie instruieren!

barsch

NASONISetzen Sie sieh!

CARLOTTAMein Himmel! Wie verändert Sie sind!

grob

NASONISetzen sollen Sie sich!

Carlotta setzt sich.

ZENOBIASoll ich mich auch setzen, Herr Podestà?

NASONIJa, und bleiben Sie sitzen, Sie sind daran gewöhnt!

setzt sich

ZENOBIAWas kostet es hierzulande, wenn man einen Podestà …, Fle..

NASONIWas?

ZENOBIA... phlegmatisch anhört?

NASONIAch so!

SORADarf ich mich auch setzen?

wütend

NASONIJa!

Sora setzt sich hin.

NASONIWenn Sie präzise Antworten geben, kriegen wir die Million wieder!

CARLOTTADiese Hoffnung habe ich aufgegeben!

für sich

NASONISo, schön! Die auch!

laut

NASONIPapperlapp! Mit solchen nichtssagenden Antworten kommt man der Justizmacht?!....

erstaunt

CARLOTTADieser Ton! Was haben Sie nur?

NASONIWas ich habe? Nichts habe ich, gar nichts!

für sich

NASONISie leider auch nichts!

hinter der Palme verborgen

ERMINIOPst! Pst!

horcht auf

NASONIWas?

hinter der Palme

ERMINIOPst! Pst!

zu Zenobia

NASONIIch verbitte mir solche Vertraulichkeiten!

ZENOBIAWieso?

flüstert Nasoni zu

ERMINIOIch bin es ja! Fahren Sie fort! Nur streng! Streng!

nickt Erminio verständnisvoll zu

NASONIHm!

zu Carlotta

NASONIZuvörderst rate ich den Zeuginnen, die reinste Wahrheit zu sagen, da sich

schielt hinter die Palme

NASONIein Mann von hoher Stellung freiwillig gemeldet hat, Licht in die Affäre zu bringen!

erstaunt

CARLOTTAEin Mann von hoher Stellung?

aufstehend

ZENOBIADer mehr weiss als wir? Den möchte ich kennenlernen!

NASONIBleiben Sie sitzen!

Zenobia setzt sich.

aufstehend

SORADoch nicht etwa Benozzo?

NASONINein! Setz dich!

zu Carlotta

NASONISie wollen den Mann kennenlernen? Bitte!

zeigt auf Erminio, der vortritt

grüsst

ERMINIOMeine Damen!

im höchsten Grade erschreckt und erstaunt

CARLOTTA:Ah!

für sich

CARLOTTA:Er? - Er hier?

bleiben sitzen, gleichgültig

SORA, ZENOBIADer Conte!

NASONIWas gibt's da zu stau ...

will ,,staunen" sagen

unterbricht ihn

CARLOTTAWie. Herr Podestà, das ... das ist Ihr Zeuge?

NASONIJa.

überlegen und artig

ERMINIOGewiss, Frau Gräfin!

NASONIUnd das ein Zeuge, der vom Diebstahl manches zu wissen scheint!

nervös, gegen Absicht fast ironisch

CARLOTTADas stimmt!

NASONIEin Mann von bekanntem Namen

nervös, gegen Absicht fast ironisch

CARLOTTAJa, ja, sehr bekannt!

NASONI... grossem Vermögen!

ironisch

CARLOTTAMillionär etwa?

NASONIJa, Gräfin: Millionär! Das kann nicht jeder von sich sagen!

CARLOTTANein, gewiss nicht!

geht auf und ab, zerdrückt nervös ihr Taschentuch, für sich

CARLOTTANicht jeder kann eine Million stehlen. - Und er. er hat die Vermessenheit, hier zu erscheinen!

leise zu Nasoni

ERMINIOZuvörderst fragen Sie wohl nach des Räubers Signalement?

eifrig, leise

NASONIGewiss, gewiss, Herr Graf!

für sich

ERMINIOMir pocht das Herz! Wird Carlotta die Prüfung bestehen?

zu Carlotta

NASONIWie sieht der Räuber aus?

steht auf, elegisch

ZENOBIAMännlich, kräftig, strahlend, schön!

setzt sich

NASONIJa, ja, schon gut!

steht auf

SORAIch hab' ihn auch gesehen!

NASONIWie sieht er aus?

singt

SORAStockfinster war die Nacht

unterbricht

NASONIWie hast du ihn dann sehen können? Setz dich!

Sora setzt sich.

NASONIUnd Sie, Gräfin, was sagen Sie? Wie sieht der Räuber aus?

fixiert Erminio

CARLOTTAIch sage ... ich sage, dass er ein Ungeheuer ist!

ERMINIOEin ... Ungeheuer?

NASONIWie?

ZENOBIAAber ein bildschönes Ungeheuer!

CAR LOTTAAbscheulich!

ERMINIOAbscheulich? O Gräfin!

erstaunt zu Erminio

NASONIBitte, bitte, bitte! Lassen Sie die Zeugin sprechen! Warum soll ein Räuber nicht abscheulich sein?

ERMINIOPardon!

NASONIAugen?

steht auf

ZENOBIABraun, karfunkelnd!

setzt sich

steht auf

SORABlau!

setzt sich

bestimmt

CARLOTTAGrün!

ERMINIOGrün?

NASONINun ja, warum soll ein Räuber keine grünen Augen haben?

fährt fort

NASONIHaare?

steht auf

ZENOBIASchwarz!

setzt sich

steht auf

SORABlond!

setzt sich

bestimmt

CARLOTTARot!

ERMINIOWas sagen Sie?

CARLOTTAIch sage, dass er rote Haare hat und bleibe dabei!

leise zu Erminio

CARLOTTAJetzt aber bitte ich: gehen Sie! Fliehen Sie!

freudig, leise

ERMINIOEdle Frau! Sie geben ein falsches Signalement, um mich zu retten?

leise

CARLOTTAJa! Aber gehen Sie, meine Kraft ist zu Ende!

laut zu Nasoni, sich aufraffend

CARLOTTAWo ist Sindulfo?

indem sie Erminio scharf fixiert

CARLOTTAIch wünsche, Papa, dass unsere Heirat so bald wie möglich stattfinde!

für sich

NASONIKönnt' mir einfallen!

laut, forciert, artig

NASONIJawohl, jawohl, gewiss! Auch Sindulfo brennt vor Verlangen und …

sich aufraffend

CARLOTTAEr ist ein ehrenhafter Charakter, unfähig jeder schimpflichen Komödie!

ERMINIOBraver Sindulfo!

wütend, leise zu Erminio

CARLOTTAWerden Sie endlich fliehen?!

Geräusch hinter der Szene, rückwärts aus der Tiefe schallend

SYSTEMACHTE SZENE

Die Vorigen, Benozzo, Massaccio, später Luigi

hinter der Szene

BENOZZO, MASSACCIOHerr Podestà! Herr Podestà!

NASONIWas gibt es denn schon wieder da?

SORA, ZENOBIA, NASONIHört doch, hört, was dort geschah!

Alle drei gehen nach rückwärts, sehen über die Balustrade hinab.

SORABenozzo ist's!

ZENOBIAMassaccio auch!

SORAEr winkt!

NASONIWir wollen hören, was er bringt!

NASONISOfiA. ZENOBIA, NASONI

NASONIWir wollen hören, was er bringt!

Zenobia, Nasoni bleiben im Hintergrunde, blicken Sora nach, die den Ankommenden entgegen eilt.

sich entschlossen Carlotta nähernd, die indes im Vordergrunde blieb, spricht mit gedämpfter Stimme

ERMINIOUnd Sie halten mich wirklich für Gasparone?

abgewendet; spricht

CARLOTTA:Fliehen Sie!

ERMINIOSie begreifen nicht, dass ich den Räuber nur spielte, um Sie zu retten?

CARLOTTAWie?

ERMINIONasoni wird Ihnen noch heute Ihr Wort zurückgeben, da er die Million verloren glaubt, die ich Ihnen sicher und treu bewahrte!

CARLOTTAIst's möglich? Sie riskierten, als Dieb verhaftet zu werden, - wagten Gefängnis. Verurteilung, - weil

ERMINIOWeil ich - Sie liebe!

ergreift Carlottas Hände; beide blicken sich zärtlich an. In dem Augenblick erscheinen rückwärts atemlos Benozzo und Massaccio und kommen mit Nasoni, Sora und Zenobia in den Vordergrund.

BENOZZO, MASSACCIODa sind wir!

SORA, ZENOBIADa sind sie!

NASONIWas habt ihr? Redet! Sprecht!

ERMINIOWas ist geschehn?

CARLOTTAWas ist geschehn?

SORA, ZENOBIAWas ist geschehn?

zu Nasoni

BENOZZOIch habe einen Brief an Euch zu übergeben!

NASONISchon wieder? Von wem?

NASONISo lass doch sehn!

BENOZZOVon wem - das ist es eben!

MASSACCIOVon wem - das ist es eben!

BENOZZOEin höchst verdächtiger Gesell

BENOZZOstand plötzlich vor mir

BENOZZOund sprach: "Zum Podestà geh schnell

BENOZZOmit diesem Papier!"

MASSACCIOMir gab den Beutel er und sagt:

MASSACCIO"Nimm das noch dazu!"

MASSACCIOUnd eh ich noch "von wem" gefragt,

MASSACCIOverschwand er im Nu!

SYSTEMCARLOTTA, SORA, ZENOBIA. ERMINIO, NASONI

MASSACCIOSehr seltsam, muss ich sagen!

MASSACCIOWas hat sich zugetragen,

MASSACCIOwas wird da drinnen stehn?

öffnet den Brief

NASONIGleich werden wir es sehn!

liest; gesprochen

NASONI"An das Standgericht! Müde

NASONIder Verfolgung des genialen Podestà Nasoni

NASONIräume ich Sizilien und kehre in meine ge-

NASONIliebten Abruzzen zurück. Antonio Gasparone.

NASONINachschrift: Die zehntausend Zechinen für

NASONISindulfo folgen anbei!"

freudig nach dem Beutel greifend, den Massaccio hält

NASONIZehntausend Zechinen für meinen Sohn?

steckt den Beutel ein

NASONIDie bin ich meiner Gesundheit schuldig!

unter sich

ERMINIO, BENOZZO, MASSACCIOEr steckt sie ein; er hat sie schon!

NASONIDoch Auskunft erwart' mit Ungeduld ich:

NASONIwie steht es denn mit der Million?

bestimmt

BENOZZODie nimmt er mit!

schmerzlich, für sich

NASONIO Infamie!

NASONIDann hat sie nichts! Adieu, Partie!

entfernt sich ostentativ von Carlotta

ihn betrachtend, zu Carlotta

ERMINIOWie ich es gedacht hab',

ERMINIOwird's in Erfüllung gehn!

für sich, mit Bedauern

ZENOBIADer Räuber geht, reist ab.

ZENOBIAIch werd' ihn nimmer wiedersehn!

ZENOBIADer Räuber geht, reist ab.

ZENOBIAIch werd' ihn nimmer sehn, ha!

CARLOTTA, SORA, ERMINIO, BENOZZODer Räuber geht, reist ab.

CARLOTTA, SORA, ERMINIO, BENOZZOSie wird ihn nimmer sehn, ha!

NASONI, MASSACCIODer Räuber geht, reist ab.

NASONI, MASSACCIOMan wird ihn nicht mehr sehn, ha!

beglückt zu Erminio

CARLOTTABald kehrt das Glück

CARLOTTAmir neu zurück,

CARLOTTAo welche süsse Freud!

CARLOTTAMein Herz durchbebt

CARLOTTAwie neu belebt

CARLOTTAder Liebe Seligkeit!

CARLOTTADer Trug erliegt,

CARLOTTAdie Wahrheit siegt,

CARLOTTAsie strahlt in reiner Pracht!

CARLOTTAIch bin erwacht

CARLOTTAaus trüber Nacht,

CARLOTTAund hold die Zukunft lacht!

CARLOTTABald kehrt das Glück

CARLOTTAmir neu zurück,

CARLOTTAo welche süsse Freud!

CARLOTTAMein Herz durchbebt

CARLOTTAwie neu belebt

CARLOTTAder Liebe Seligkeit!

CARLOTTADer Trug erliegt,

CARLOTTAdie Wahrheit siegt,

CARLOTTAsie strahlt in reiner Pracht!

CARLOTTAIch bin erwacht

CARLOTTAaus trüber Nacht,

CARLOTTAund hold die Zukunft lacht!

CARLOTTAIhm will ich vertrauen,

CARLOTTAja, ihm nur allein!

CARLOTTASein Auge kann nimmer

CARLOTTAmich täuschen, ach nein!

CARLOTTADer Plan, er gelingt,

CARLOTTAgoldne Freiheit mir bringt.

CARLOTTADoch halt! Auf der Hut!

CARLOTTADann endet alles gut!

SORA, BENOZZO, MASSACCIOMit viel Geschick

SORA, BENOZZO, MASSACCIOund etwas Glück

SORA, BENOZZO, MASSACCIOsind wir vom Ziel nicht weit.

SORA, BENOZZO, MASSACCIOWas wir erstrebt,

SORA, BENOZZO, MASSACCIOgeheim gewebt,

SORA, BENOZZO, MASSACCIOist keine Kleinigkeit!

SORA, BENOZZO, MASSACCIODoch wenn sich's fügt.

SORA, BENOZZO, MASSACCIOdass wir gesiegt,

SORA, BENOZZO, MASSACCIOein reicher Lohn uns lacht!

SORA, BENOZZO, MASSACCIODrum nicht bedacht,

SORA, BENOZZO, MASSACCIOzu End' gebracht!

SORA, BENOZZO, MASSACCIOBald endet seine Macht!

SORA, BENOZZO, MASSACCIODer Gräfin zu dienen,

SORA, BENOZZO, MASSACCIOgeloben wir treu!

SORA, BENOZZO, MASSACCIOGilt ihr es zu nützen,

SORA, BENOZZO, MASSACCIOsind gern wir dabei,

SORA, BENOZZO, MASSACCIOund, dass es gelingt,

SORA, BENOZZO, MASSACCIOfolgen wir unbedingt!

SORA, BENOZZO, MASSACCIODoch halt! Auf der Hut!

SORA, BENOZZO, MASSACCIODann endet alles gut!

ZENOBIADer Galgenstrick

ZENOBIAkehrt nie zurück.

ZENOBIADas tut mir innig leid!

ZENOBIAWas mich durchbebt,

ZENOBIAda er entschwebt,

ZENOBIAist keine Kleinigkeit.

ZENOBIAMein Herz erliegt,

ZENOBIAdurchbohrt, besiegt

ZENOBIAvon dieses Räubers Macht!

ZENOBIAAch, manche Nacht

ZENOBIAhab' ich durchwacht,

ZENOBIAhab' nur an ihn gedacht!

ZENOBIAIhn bessern, bekehren nur

ZENOBIAwollt' ich allein.

ZENOBIADas Schicksal entführt ihn,

ZENOBIAes sollte nicht sein.

ZENOBIADer Schmerz in mir ringt,

ZENOBIAund das Herz pocht und springt!

ZENOBIADoch halt! Auf der Hut!

ZENOBIAWer weiss, wozu es gut!

ERMINIOBald kehrt das Glück

ERMINIOmir neu zurück,

ERMINIOo welche süsse Freud!

ERMINIOMein Herz durchbebt

ERMINIOwie neu belebt

ERMINIOder Liebe Seligkeit!

ERMINIODer Trug erliegt,

ERMINIOdie Wahrheit siegt,

ERMINIOsie strahlt in reiner Pracht!

ERMINIOIch bin erwacht

ERMINIOaus trüber Nacht,

ERMINIOund hold die Zukunft lacht!

ERMINIOJa, mir darf sie vertrauen,

ERMINIOja, mir nur allein!

ERMINIODie Hoffnung, sie tauschet

ERMINIOuns nimmer, ach nein!

ERMINIODer Plan, er gelingt,

ERMINIOgoldne Freiheit uns bringt.

ERMINIODoch halt! Auf der Hut!

ERMINIODann endet alles gut!

NASONIDas nenn' ich Glück!

NASONIEr zahlt zurück

NASONIdas Lösegeld mir heut'.

NASONIDoch es entschwebt,

NASONIwas ich erstrebt,

NASONIdie Million, mir weit!

NASONIDoch unbesiegt

NASONIkann ich vergnügt

NASONImich freuen meiner Macht.

NASONIIch hab' es doch so weit gebracht,

NASONIdass froh die Zukunft lacht!

NASONIJa, den Sohn ihr zu geben,

NASONIdas fällt mir nicht ein!

NASONISie hat kein Vermögen,

NASONIdas geht nicht! Nein, nein!

NASONIDas Wort, das mich zwingt,

NASONIdas ist null unbedingt!

NASONIDoch halt! Nur recht auf der Hut!

NASONIDann endet alles gut!

SYSTEMDialog

freudig

NASONINun mag das Standgericht zusammentreten! Dieser kostbare Brief sagt mehr als alles!

legt den Brief auf den Tisch

leise zu Benozzo und Massaccio

SORAAber wenn Gasparone nie hier war, wie kann er dann fortgehen?

leise

BENOZZO, MASSACCIOZucker und Kaffee!

Sora, die sich mit beiden zurückzieht, deutet pantomimisch an, dass sie das nicht versteht. Im selben Moment tritt Luigi, von einem

Diener gefolgt, rechts auf.

trägt ein Paket von der Grösse der Mappe, in der die Million enthalten war; in Papier gewickelt, verschnürt und versiegelt

LUIGIHier, Erminio, das Paket!

leise zu Nasoni

ERMINIOSie sollen noch kräftigere Belege für Ihre Rehabilitierung erhalten! Überreichen Sie der Gräfin dieses Paket!

gibt Nasoni das Paket

leise

NASONIWas enthält es?

leise

ERMINIOEin Hochzeitsgeschenk!

leise

NASONIFällt mir nicht ein! Meinen Sohn kriegt sie nicht!

leise

ERMINIOSie geben ihr also ihr Wort zurück?

NASONIJa! Und das gleich!

will auf Carlotta, die abseits mit Zenobia steht, zugehen, im selben Moment Auftritt des Volkes

NASONIAh, das

NASONIStandgericht!

SYSTEMNEUNTE SZENE

Die Vorigen, Sindulfo, das Standgericht

(Oberst, Leutnant, ein Hauptmann, ein Sergeant, eine Abteilung Carabinieri), Volk (Frauen, Männer)

Volk strömt von allen Seiten herbei. Die Offiziere werden von Nasoni begrüsst und gruppieren sich hinter die Tische. Die Carabinieri nehmen weiter hinten Stellung.

nicht mehr in Trauerkleidung

SINDULFOSo, Papa, da bin ich!

sieht Carlotta

SINDULFOOh, meine schöne Braut!

will auf sie zugehen

hält ihn zurück, leise

NASONIUntersteh dich! Ich dreh' dir den Kragen um, wenn du anders sprichst als ich!

zu Carlotta

NASONIGräfin! Ich habe mir die Sache überlegt. Eine Million verlieren und meinen Sohn heiraten, wär zuviel Unglück auf einmal! Ich bitte Sie, mir mein Wort zurückgeben zu wollen!

CARLOTTAOh, mit Freuden!

reicht Erminio freudig ihre Hand

verblüfft

SINDULFOSie liebt mich also nicht?

leise zu Nasoni

SINDULFOUnd gab doch Lösegeld für mich?

leise

NASONIDas habe ich im Sacke!

leise zu Nasoni, freudig

SINDULFODu?

feierlich

NASONIMeine Herren Richter! Unserem Standrecht ist die Basis entzogen, Gasparone hat Sizilien verlassen!

freudig

ALLEAh!

blickt mit den anderen Offizieren in den ihm von Nasoni gereichten Brief

OBERSTUnd was ist mit der geraubten Million geschehen?

NASONIDie Million ist f…

will "futsch" sagen

laut, ihn unterbrechend

ERMINIODank den Bemühungen des Herrn Podestà ist die Million zustande gebracht!

nimmt rasch das Paket aus Nasonis Händen

ERMINIOUnd aus seinen Händen erhält Gräfin Carlotta ihr Geld zurück!

gibt Carlotta das Paket

in höchstem Grade verblüfft, halblaut zu Erminio

NASONIWie? Das Paket enthält die Million?

ERMINIOJa!

verblüfft, halblaut zu Erminio

NASONIAber dann kann ja Sindulfo die Gräfin heiraten?!

tritt zu Carlotta

ERMINIOWenn nicht ich sie heiraten würde!

für sich

NASONIOh, oh ... düpiert! Könnt' ich jetzt aus der Haut fahren - das wäre ich meiner Gesundheit schuldig!

CARLOTTAGasparone scheint Bessrung zu zeigen:

CARLOTTAwas er stahl, ist nun wieder mein eigen!

CARLOTTAGerne will ich dem Räuber verzeihn,

CARLOTTAihm nur danke mein Glück ich allein!

SORASein gefährlichster Streich ist gelungen,

SORAund der schönste Gewinn uns errungen!

SORADrum soll alles der Freude sich weihn,

SORAin den Sang stimmet ein:

SORAHör doch die Töne, Estrella,

SORAman tanzt Tarantella!

SORABerauschende Musik

SORAbringt mir der Liebe süsses Glück.

SORAWem zuckt es nicht in den Füssen,

SORAdie Nacht zu geniessen?

SORAWer zaudert da noch lang,

SORAwenn hell das Tamburin erklang?

SORAHör doch die Töne, Estrella,

SORAman tanzt Tarantella!

SORABerauschende Musik

SORAbringt mir der Liebe süsses Glück.

SORAWem zuckt es nicht in den Füssen,

SORAdie Nacht zu geniessen?

SORAWer widersteht dir lang,

SORAZauberklang!

CARLOTTAAh, ah, ah,

CARLOTTAZauberklang!

EINIGE FRAUENWem zuckt es nicht in den Füssen,

EINIGE FRAUENdie Nacht zu geniessen?

EINIGE FRAUENWer widersteht dir lang,

EINIGE FRAUENZauberklang!

FRAUEN, MÄNNERLala, lala, lala,

FRAUEN, MÄNNERZauberklang!