Gasparone
Millöcker, Carl
CARLOTTA, verwitwete Gräfin Santa Croce - Sopran
BABOLENO NASONI, Podestà (Bürgermeister) von Syrakus - Bariton (Bass)
SINDULFO, sein Sohn - Tenor
CONTE ERMINIO - Tenor (Bariton)
LUIGI, dessen Freund - Bariton
BENOZZO, Wirt - Tenor
SORA, dessen Frau - Sopran
ZENOBIA, Gouvernante Carlottas - Alt
MARIETTA, Kammerzofe Carlottas - Sopran (Mezzosopran)
MASSACCIO, Benozzos Onkel, Schmuggler - Bariton
Ein OBERST - Sprechrolle
Ein LEUTNANT - Sprechrolle
Schmuggler, Zollwächter, Volk (Frauen, Mädchen, Männer), Gendarmen,
Ballgäste (Damen und Herren von Syrakus, Offiziere), zwei Diener,
ein Fahnenträger, zwei Trompeter, eine Abteilung Carabinieri,
ein Gerichtsdiener, ein Hauptmann, ein Sergeant.
Ort: In und bei Syrakus auf Sizilien
Zeit: 1821
SYSTEMIntroduktion
SYSTEMERSTER AKT
Freier Platz eines am Meeresufer gelegenen Ortes nächst Syrakus. Links auf dem Prospekt eine Bucht des zerklüfteten, hier und da von einem Flecken unterbrochenen Meeresufers. In blauer Ferne der leicht rauchende Ätna. Das Meeresufer rückwärts praktikabel. Vorn rechts Benozzos Kneipe mit Balkon, welcher, unten eine Laube bildend, das Erdgeschoss überragt. Vor der Kneipe einige einfache Tische und Stühle. Ganz vorn links der praktikable Eingang zum Keller. Wenn der Vorhang aufgeht, ist es vorn möglichst dunkel. Der Ätna glänzt im lichten Morgenrot. Das Ufer ist von demselben leicht gefärbt.
SYSTEMERSTE SZENE
Eine Stimme (hinter der Szene), Massaccio, Chor der Schmuggler, dann Benozzo
Die Bühne ist leer.
rechts hinter der Szene in weiter Entfernung
EINE STIMMEWihu! Wihu!
eilt von links auf die Bühne, gefolgt von einigen Schmugglern, ruft ins Meer hinaus
MASSACCIOWihu! Wihu!
hinter der Szene, aber schon näher
EINE STIMMEWihu! Wihu!
MASSACCIOHört nur, hört!
MASSACCIODen wohlbekannten Ton!
CHOR DER SCHMUGGLERDie Freunde sind's!
CHOR DER SCHMUGGLERSie nahen schon!
MASSACCIOZu bergen gilt's
MASSACCIOihre Ladung reich!
CHOR DER SCHMUGGLERDoch wo ist Benozzo?
MASSACCIODen weck' ich gleich!
eilt zum Fenster des Wirtshauses
MASSACCIOBenozzo, ohne Säumen!
MASSACCIOGenug hast du geruht!
MASSACCIOJetzt ist nicht Zeit zu träumen!
aus dem Hause, gähnend
BENOZZOAh! Ah! Schon gut!
MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERSie sind schon da!
MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERSie kommen schon heran!
MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERDem Ufer ganz nah,
MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERdort legen sie an!
der indes wieder ans Ufer geeilt war, ungeduldig wieder zu Benozzos Fenster zurückkehrend
MASSACCIOSchon wird es hell und heller,
MASSACCIOdrum heisst es: auf der Hut!
MASSACCIOBenozzo, öffne uns den Keller!
auf dem Balkon; er trägt nichts als ein Leinenbeinkleid, grobe Schuhe über den blossen Füssen, ein offenes gestreiftes Hemd, einen schlichten Wollgürtel und eine Zipfelmütze, weiss und rot gestreift; er hat krauses Haar, Ohrringe, ein Amulett um den blossen Hals, einen spärlichen Vollbart, stark bronzierten Teint; gähnend
BENOZZOAh! Ah! Schon gut!
MASSACCIOMit Kisten schwer beladen
MASSACCIOkommt von Afrikas Strand
MASSACCIOUnser Schiff ohne Schaden
MASSACCIOmit unsern Freunden ans Land.
MASSACCIOVorsicht nun! Auf der Hut!
BENOZZOJa, ja! Schon gut!
verschwindet und kommt nach einer kleinen Pause mit dem Schlüssel zum Keller, den er öffnet. Indes ist rückwärts die "Tartane" gelandet, der eine Anzahl Schmuggler entsteigen, die sich mit den auf der Bühne befindlichen vereinigen.
MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERHier, wo die Schergen
MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERuns bewachen,
MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERgilt's zu bergen
MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERschnell die Sachen.
MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERSind wir am Land, Verrat uns droht,
MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERdrum ist hier Vorsicht stets Gebot.
MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERFreiheit wohnt nur auf dem Meer!
MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERWenn Feinde dort hinter uns her,
MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERha, bald vorbei war
MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERdie Gefahr!
MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERWir flohn mit der Beute
MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERins Weite.
MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERDoch hier, wo Schergen
MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERuns bewachen,
MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERgilt's zu bergen
MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERschnell die Sachen.
MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERWeil am Land Verrat uns droht,
MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERist Vorsicht hier Gebot!
hat den Keller aufgesperrt, tritt nun zu den Schmugglern, die ihn begrüssen
BENOZZOFort! Nicht länger gesäumt,
BENOZZOweg damit! Aufgeräumt!
BENOZZODass kein Aug' es erspäht,
BENOZZOdass uns niemand verrät!
BENOZZOAh! Nun behend
BENOZZOrührt die Händ'!
BENOZZOAngepackt! Aufgesackt!
BENOZZOAbgefahrn!
BENOZZOMit den War'n
BENOZZOfort, nur fort!
BENOZZOAlles dort
BENOZZOins Versteck,
BENOZZOdass entdeck'
BENOZZOkein Verräter das Gut,
BENOZZOwo es sicher dann ruht!
BENOZZOVorwärts. Freunde, nur Mut!
BENOZZOHurtig schnell
BENOZZOauf der Stell,
BENOZZOimmer flink
BENOZZOauf den Wink!
BENOZZOSchafft es hin!
BENOZZOViel Gewinn
BENOZZOes euch bringt,
BENOZZOwenn's gelingt!
BENOZZOHabet acht!
BENOZZOAufs Signal seid bedacht!
BENOZZODroht Gefahr,
BENOZZOmacht euch rasch unsichtbar!
CHOR DER SCHMUGGLERHurtig schnell
CHOR DER SCHMUGGLERgleich zur Stell!
CHOR DER SCHMUGGLERDroht Gefahr,
CHOR DER SCHMUGGLERmacht euch rasch unsichtbar!
MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERDoch wenn wir auf dem Meer,
MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERnicht Gefahren mehr drohen;
MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERwenn Feinde hinterher,
MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERsind in Eil' wir entflohen!
MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERJa, sind wir dort an Bord,
MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERsegeln wir eilig fort!
BENOZZOMässigt euch,
BENOZZOsolang ihr noch am Strand,
BENOZZOdenn Verrat droht am Land!
BENOZZOHurtig schnell
BENOZZOauf der Stell'
BENOZZOimmer flink
BENOZZOauf den Wink!
BENOZZOSchafft es hin!
BENOZZOViel Gewinn
BENOZZOes euch bringt,
BENOZZOwenn's gelingt!
BENOZZOHabet acht!
BENOZZOAufs Signal seid bedacht!
BENOZZOAllzumal droht Gefahr,
BENOZZOso macht euch rasch unsichtbar!
CHOR DER SCHMUGGLERHurtig schnell,
CHOR DER SCHMUGGLERimmer flink,
CHOR DER SCHMUGGLERschafft es fort
CHOR DER SCHMUGGLERauf den Wink
CHOR DER SCHMUGGLERund habt acht!
CHOR DER SCHMUGGLERAllzumal droht Gefahr,
CHOR DER SCHMUGGLERso macht euch rasch unsichtbar!
Die Waren sind fortgeschafft.
BENOZZOHurra! Gelungen ist's,
BENOZZOdas Werk, es ist geglückt!
BENOZZONun vorwärts, schnell!
BENOZZOZurück zur Stell!
BENOZZOHurtig! Vorwärts!
BENOZZOSchneller! Flink!
Die zweite Hälfte der Schmuggler besteigt schnell das Boot, welches sich entfernt, während die übrigen Schmuggler, am Strande stehend, ihnen Lebewohl winken und dann rückwärts verschwinden. Massaccio und Benozzo schliessen währenddessen den Keller.
teilweise im Boot
MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLER:
MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERVor den Schergen
MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERmuss man's bergen,
MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERhabt acht!
MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERWeil am Land Verrat uns droht,
MASSACCIO, CHOR DER SCHMUGGLERist hier Vorsicht Gebot!
SYSTEMZWEITE SZENE
Massaccio. Benozzo, dann Erminio, Luigi
SYSTEMDialog
Es wird heller.
MASSACCIOWenn die Zollwächter uns erwischten, träf die Schuld dich, verdammter Langschläfer!
BENOZZODie Zollwächter sind für heute nacht unschädlich gemacht!
heiter
BENOZZOIch habe sie samt dem Herrn Podestà wieder auf die Spur Gasparones gehetzt!
Erminio erscheint, von Luigi gefolgt. Sie schleichen sich unter Benozzos Balkon und horchen. Beide sind in grosse Mäntel gehüllt und tragen weiche grosse Hüte.
MASSACCIOBist doch ein Teufelskerl! Sprengt der Spitzbube
schlägt Benozzo auf die Schulter
MASSACCIOnicht das Gerücht aus, dass Gasparone. der furchtbare Bandit der Romagna, sich hierher nach Sizilien geflüchtet habe!
heiter
BENOZZONur, um uns freies Feld zu schaffen …,fürs Schmuggeln! Hahaha!
MASSACCIONie ging unser Geschäft besser, als seit du den Leuten weismachtest, Gasparone hause in den Schluchten des Ätna!
ruhig, in seinen Mantel gehüllt, an einer Seite des Balkons lehnend, Luigi neben ihm
ERMINIO....während er doch drüben die Abruzzen unsicher macht!
anfangs bestürzt, greifen nach den Dolchmessern und wollen sich auf die beiden stürzen
BENOZZO, MASSACCIOSpione!
Erminio hält ihnen eine Pistole vor, gleiches tut Luigi. Beide avancieren. Benozzo und Massaccio erschrecken, weichen zurück. Erminio nimmt Massaccio aufs Korn, während Luigi nach Benozzo zielt.
ERMINIOWerft die Messer fort!
Benozzo und Massaccio wollen noch einen Versuch machen, sich der lästigen Lauscher zu entledigen.
ERMINIOGehorcht, Schufte, oder
Massaccio und Benozzo gehorchen. Luigi und Erminio nehmen sie in die Mitte.
ERMINIOAlso, ihr Halunken missbraucht Gasparones Namen zu euren Operationen?
BENOZZOAls Schmuggler, Exzellenza!
MASSACCIOAls ehrliche Schmuggler ... von etwas Zucker und Kaffee!
BENOZZONur, um die Behörden von unserem Treiben abzulenken
ERMINIOIhr wisst, was euch bevorsteht, wenn ich euch anzeige?
LUIGIDie Galeere!
knien nieder
BENOZZO, MASSACCIOGnade, Exzellenza, Gnade!
ERMINIOSo hört! Ich kann entschlossene Männer, wie ihr seid, brauchen. Wollt ihr mir blindlings gehorchen?
demütig
BENOZZO, MASSACCIOJa!
ERMINIOSteht auf! Ich verspreche euch dagegen tiefstes Schweigen, werde euch für eure Dienste gut belohnen! Die Fabel von Gasparones Aufenthalt hier passt mir!
BENOZZOSollten Exzellenza in freien Stunden etwa selbst ...
macht die Gebärde des Stehlens und Zustechens
heiter
ERMINIONein, mein Junge. Was ich stehlen will, ist ein Frauenherz!
BENOZZODas ist zollfrei!
ERMINIOUnd was ihr für mich rauben sollt, ist ein Drache!
BENOZZO, MASSACCIOEin Drache?
ERMINIOJa, eine alte, prüde Duenna, welche die Dame meines Herzens argwöhnisch bewacht, so dass es mir bis jetzt unmöglich war, mich ihr zu nähern.
BENOZZOCapisco! Exzellenza wollen, dass wir auf Rechnung Gasparones die Alte unschädlich machen sollen?
ERMINIOAuf kurze Zeit nur!
Glockengeläute
MASSACCIODie Morgenglocke!
LUIGIGehen wir!
ERMINIOGut!
zu Massaccio
ERMINIODu, Alter, folgst mir, ich will dich instruieren
will ab
ERMINIOHalt! Sooft ich euer bedarf, diene euch als Erkennungszeichen die Losung ... die Losung
BENOZZOSagen wir... Zucker und Kaffee!
ERMINIOGut! Zucker und Kaffee!
BENOZZO, MASSACCIOEinverstanden!
ERMINIOAlso: blind gehorchen!
MASSACCIOTiefstes Schweigen!
BENOZZOGut bezahlen!
ERMINIOLosung?
BENOZZO, MASSACCIO, ERMINJO, LUIGIZucker und Kaffee!
Erminio, Luigi, Massaccio verschwinden.
BENOZZOEine seltsame Begegnung! Gleichviel, der Mann gefällt mir!
Man hört Geräusche von links.
geht nach hinten; gesprochen
BENOZZOAh, die Zollwächter und Gendarmen, die der Podestà auf der Suche nach Gasparone die ganze Nacht
BENOZZOherumgehetzt hat!
geht an die Tür des Wirtshauses
BENOZZOSora! Sora! Mach auf, wir bekommen Gäste!
zum Publikum
BENOZZODenn einen Räuber suchen, der gar nicht da ist ... macht durstig!
ab ins Haus
SYSTEMDRITTE SZENE
Chor der Zollwächter, dann Nasoni, später Sora; Volk (Frauen, Männer)
treten auf
CHOR DER ZOLLWÄCHTERErscheinen wir als Rächer
CHOR DER ZOLLWÄCHTERmit lautem Trarara,
CHOR DER ZOLLWÄCHTERso wissen die Verbrecher
CHOR DER ZOLLWÄCHTERvon weitem, dass wir da!
CHOR DER ZOLLWÄCHTERWir bliesen auf Trompeten
CHOR DER ZOLLWÄCHTERauch heute Trarara!
CHOR DER ZOLLWÄCHTERDa ging der Fang uns flöten,
CHOR DER ZOLLWÄCHTERder unser schon beinah!
CHOR DER ZOLLWÄCHTERTrara! Trara!
CHOR DER ZOLLWÄCHTERDen Gasparone fangen,
CHOR DER ZOLLWÄCHTERist Kleinigkeit ja nur!
CHOR DER ZOLLWÄCHTERTrara! Trara!
CHOR DER ZOLLWÄCHTERIst's heut' auch nicht gegangen,
CHOR DER ZOLLWÄCHTERwir sind doch auf der Spur!
CHOR DER ZOLLWÄCHTERWir kennen keine Schonung,
CHOR DER ZOLLWÄCHTERwir geben keine Ruh,
CHOR DER ZOLLWÄCHTERerringen die Belohnung
CHOR DER ZOLLWÄCHTERund Ehren noch dazu!
CHOR DER ZOLLWÄCHTERTrara! Trara!
SYSTEMRezitativ
tritt auf; er trägt Zivilkleider jener Zeit, dazu einen Säbel, Pistolen und eine Tromba - Gewehr mit trompetenartiger Mündung -; in den Kreis tretend mit Aplomb
NASONIIhr tapfern Kameraden,
NASONIGenossen in Gefahren,
NASONImacht euch nichts draus,
NASONIwenn heut' wir
NASONInicht ganz glücklich waren!
NASONIErwischen wir den Bösewicht,
NASONIwird er gehängt, doch früher nicht!
CHOR DER ZOLLWÄCHTERHeil dem tapfern Podestà!
CHOR DER ZOLLWÄCHTERTrarara! Trarara!
CHOR DER ZOLLWÄCHTERDem Podestà, dem Podestà!
NASONI1.
NASONIDer verdammte Gasparone
NASONItreibt es mir denn doch zu bunt:
NASONItäglich hinter dem Patrone,
NASONIdabei geht man ja zugrund!
NASONIWas ich heute Nacht gelitten,
NASONImacht mich jetzt noch desperat!
NASONIÜber Lavablöcke schritten
NASONIwir auf unwegsamstem Pfad!
NASONIRingsherum in allen Ecken
NASONIsoll der Gasparone stecken:
NASONIunterm Tische, in dem Bett,
NASONIselbst im kleinsten Kabinett;
NASONIin den Klöstern, in den Kellern,
NASONIin der Küche unter Tellern,
NASONIob der Raum so eng und klein,
NASONIdass kein Teufel kommt hinein:
NASONIwo es dunkel oder licht,
NASONIwittert man den Bösewicht!
NASONIIhn, den alle Häscher suchen,
NASONIihn, dem alle Lippen fluchen,
NASONIihn, den alle Wälder kennen,
NASONIihn, den Räuber Bruder nennen,
NASONIihn, von dem man schaudernd spricht:
NASONIihn, ihn, ihn,
NASONIihn erwisch' ich nicht,
NASONIo verflixte G'schicht!
NASONIIch erwisch' ihn nicht,
NASONIo verflixte G'schicht!
NASONI2.
NASONIBin schon völlig wie zerschlagen,
NASONImeine Beine fühl' ich kaum!
NASONIHier im Kopfe, da im Magen:
NASONIüberall ein leerer Raum!
NASONISchon zu lang werd' ich geduldig
NASONIimmer hin und her gesprengt,
NASONIbin's nun der Gesundheit schuldig,
NASONIdass der Kerl wird bald gehängt!
NASONISagt mir einer guten Morgen,
NASONIbin ich auch bereits in Sorgen,
NASONIob's nicht Gasparone ist,
NASONIder mich so vertraulich grüsst.
NASONIWenn Champagnerkorken knallen,
NASONIglaub' ich mich schon überfallen;
NASONIsticht mich irgendein Insekt,
NASONIglaub' ich, dass sein Dolch schon steckt,
NASONIschrei': halt auf den Bösewicht,
NASONIder auf Schandtat nur erpicht.
NASONIIhn, den alle Häscher suchen,
NASONIihn, dem alle Lippen fluchen,
NASONIihn, den alle Wälder kennen,
NASONIihn, den Räuber Bruder nennen,
NASONIihn, von dem man schaudernd spricht:
NASONIihn, ihn, ihn,
NASONIihn erwisch' ich nicht,
NASONIo verflixte G'schicht!
NASONIIch erwisch' ihn nicht,
NASONIo verflixte G'schicht!
SYSTEMDialog
legt Säbel, Pistolen und Tromba missmutig beiseite, setzt sich rechts
NASONIAh, mir brechen fast die Beine ab vor Müdigkeit! Setzen, setzen! Das bin ich meiner Gesundheit schuldig!
dehnt sich behaglich
NASONIAh!
kommt aus dem Wirtshaus
SORAEine Erfrischung gefällig. Exzellenza?
mürrisch
NASONIEin Glas Wein!
Sora näher betrachtend
NASONIBist ja ein schmuckes Ding! Ich habe dich doch schon irgendwo gesehen?!
SORAIch heisse Sora, Exzellenza; war bis vor kurzem im Dienst der Gräfin Santa Croce!
NASONIMeiner künftigen Schwiegertochter, richtig!
SORAEben will ich ihr entgegengehen. Sie hat versprochen, mich zu besuchen, meine neue
SORAWirtschaft anzusehen ... Ich bin seit acht Tagen verheiratet!
NASONIRichtig! Mit diesem Halunken von Benozzo!
SYSTEMVIERTE SZENE
Die Vorigen, Benozzo
kommt aus dem Wirtshaus
BENOZZOHaben Exzellenza mich gerufen?
NASONIWeisst du, dass ich Lust hätte, dich durchprügeln zu lassen?
unterwürfig
BENOZZOMich ... Exzellenza?
NASONIDu Lügenmaul hast uns abermals um eine ganze Nacht betrogen!
BENOZZOAlso Exzellenza haben Gasparone nicht gefunden?
stark
NASONINein!
einlenkend, leiser
NASONIDas heisst ... eine Spur von ihm schon!
BENOZZOAlso doch!
leise
NASONIDies Billett.
beiseite
BENOZZOUnser Schiffsschreiber hat's geschrieben!
NASONIDies Billett, das mir, an einen Stein gebunden, vor die Füsse fiel!
liest
NASONI"Wo der Podestà Nasoni erscheint, zieht sich Gasparone zurück. Der kleine Räuber weicht dem grösseren!"
heiter, mit dem Finger drohend
BENOZZOExzellenza, der kennt Sie!
leise
BENOZZOEr wird gehört haben, dass unser Podestà gern ein Auge zudrückt, wenn man ein Pflaster drauflegt.
macht die Gebärde des Geldzählens
leise
NASONIAh bah! Wenn ich nur täglich ein Auge zumache, so trägt das mehr ein, als wenn ich alle beide eine Woche lang offen habe. Das bin ich meiner Gesundheit schuldig!
laut
NASONIEs ist nun schon das dritte Mal, Benozzo, dass du mich, die Gendarmen und Zollwächter umsonst auf Gasparones Spur gehetzt hast! Warum begleitest du uns nie?
BENOZZOEi, wenn ich gerade meinen mutigen Tag habe, mit Freuden!
NASONIMutigen Tag?
Sora ist in den Hintergrund abgegangen.
sanft
BENOZZOMein Vater, Exzellenza, war Hirte und Witwer. Er päppelte das Kind mit Schafsmilch auf, und diese Milch gab meinem Charakter jene Milde, welche mich zum Liebling von ganz Syrakus machte.
spöttisch
NASONIEingebildeter Tropf!
achselzuckend
BENOZZOGeschmacksache! Eines Abends geriet unser Büffelstier mit einer seiner Odalisken in Streit, ich wollte sie trennen, der Stier gabelte mich auf, rannte davon und... stürzte mit mir in einen Abgrund!
misstrauisch
NASONIIst das auch alles wahr?
BENOZZODer Abgrund existiert noch!
NASONINun dann!
BENOZZOEin Eremit nahm sich meiner an, flösste mir das Herzblut des schwer verwundeten Stiers ein und rettete mir so das Leben!
misstrauisch
NASONIIst das ebenfalls wahr?
BENOZZOSo wahr Sie - ein ehrlicher Mann sind!
NASONIAlso hast du Kerl Büffelblut in den Adern?
BENOZZOUnd Schafsmilch! Deshalb habe ich Tage,
wild
BENOZZOwo ich mutig bin wie ein Büffel und welche,
sanft
BENOZZOwo ich sanft bin wie ein Lämmchen!
NASONI:Mir scheint, mit diesem Lämmchen, diesem Büffel willst du mir einen Bären aufbinden?!
BENOZZOGewiss nicht! So wahr Sie ein ehrlicher Mann...
NASONIHaha! Das hast du schon einmal gesagt!
BENOZZOGestern zum Beispiel, als Sie auszogen gegen Gasparone, war ich ein ... Lämmchen. Heute aber bin ich der Büffel!
brummt wild
BENOZZOMuh! Wenn's heute gefällig ist, heute ziehe ich mit!
überlegend
NASONIHeute? Hm! Heute schon wieder? Ach, wenn's nicht wegen der tausend Zechinen Belohnung wäre, die ich so notwendig brauche! Also einverstanden! Wir ziehen abends wieder aus: ich, du, die Gendarmen und die Zollwache!
BENOZZOJa, namentlich die brave, ortskundige Zollwache!
für sich
BENOZZOWir haben noch eine ganze Schiffsladung draussen! ...
plötzlich kleinlaut
BENOZZOAber ... wenn sich Gasparone an mir rächt ... mich über den Haufen schiesst?
NASONIOho! Keine Schafsmilch! Büffelblut! Büffelmut! Wenn Gasparone dich tötet, das schwöre ich, hängt er zehn Minuten später am nächsten Baum!
BENOZZOZehn Minuten früher wäre mir lieber!
Man hört, ziemlich entfernt, kurz nacheinanderfolgende Pistolenschüsse; Bewegung. Alles springt auf und greift zu den Waffen.
NASONIWas ist das?
zeigt links
BENOZZOSchüsse im Pinienwäldchen!
NASONIGasparone etwa?
für sich
BENOZZOGasparone? Sollte dahinter nicht eher "Zucker und Kaffee" stecken?
ersteigt einen hohen Stein
NASONIDa kommt Sora ... sie winkt, sie deutet, sie ruft!
allgemeine Stille
SYSTEMFÜNFTE SZENE
Die Vorigen, Sora, dann Carlotta
ruft hinter der Szene
SORARettet die Gräfin Santa Croce!
gesprochen
NASONIDie Gräfin Santa Croce? Meine künftige Schwiegertochter in Gefahr? Entsetzlich!
für sich
NASONIOhne ihre Million wäre ich ein ruinierter Mann!
FRAUEN, MÄNNER, ZOLLWÄCHTER
BENOZZO, NASONI, CHORDa ist sie! Sprich, was ist geschehn?
auftretend, sinkt erschöpft in Benozzos Arme, der sie nach vorn geleitet; alle folgen
SORAGeduld!
BENOZZOWie soll ich das verstehn?
BENOZZOSo sag!
CHORWas ist mit ihr?
sich angstvoll umschauend
SORADer Schreck!
NASONIWas fehlet dir?
stockend und atemlos
SORAMir fehlt der Atem noch!
SORAIch bin ganz ausser mir!
NASONIJa, ja, das sehen wir!
BENOZZOSo sprich, erzähle doch!
SORAIm dichten Walde hier
SORAein Hilferuf ... ganz nah!
SORADie Angst, ich kann nicht mehr!
NASONIUnd weisst du, was geschah?
SORAGewiss!
SORADie Gräfin, sie ward angefallen!
NASONIWie? Die Gräfin Santa Croce?
SORASchon ist sie
SORAin des Räubers Krallen!
NASONI, CHORSchnell hin zu ihr,
NASONI, CHORzu retten sie!
sich gegen den Hintergrund wendend
in leichter Erregung, doch lächelnd, plötzlich entgegen
CARLOTTAIch bin schon da!
SORA, BENOZZO, NASONI, CHORSie ist da!
SORA, BENOZZO, NASONI, CHORWas geschah?
bietet Carlotta einen Stuhl an, den sie verweigert
NASONIWas haben wir gehört?
NASONIIst's möglich,
NASONIdass Sie in Gefahr geschwebt?
lächelnd
CARLOTTA's war nicht der Rede wert!
NASONIO teilen Sie uns mit,
NASONIwas Sie erlebt!
mit heiterer Laune
CARLOTTA1.
CARLOTTAEin höchst romantisch Abenteuer,
CARLOTTAnicht weit von hier, im Pinienwald!
CARLOTTAZwar, die Gefahr schien ungeheuer,
CARLOTTAdoch ging's zum Glück vorüber bald.
CARLOTTAMein muntres Pferd war der Begleitung
CARLOTTAvorausgeeilt auf schmalem Pfad;
CARLOTTAich überliess mich seiner Leitung
CARLOTTAund träumte von der Zukunft grad.
CARLOTTADa plötzlich wurd' aus meinen Träumen
CARLOTTAich aufgeschreckt recht schauerlich:
CARLOTTAzwei Räuber stürzten aus den Bäumen,
CARLOTTAder packt' mein Pferd, der andre mich!
CARLOTTADa fühlte ich,
CARLOTTAmein Mut entwich,
CARLOTTAerbleichend dacht' ich innerlich:
CARLOTTARecht gefährlich ist der Aufenthalt
CARLOTTAso allein im dunklen Pinienwald!
CARLOTTAJa, gefährlich ist der Aufenthalt
CARLOTTAso allein im dunklen Pinienwald!
SORA, BENOZZO, NASONI, CHORJa, gefährlich,
SORA, BENOZZO, NASONI, CHORist's im dunklen Pinienwald!
CARLOTTA2.
CARLOTTAIm Innern fühlt' ich mich erbeben!
CARLOTTAKein Wunder, wenn so plötzlich man
CARLOTTAden Raubgesellen preisgegeben,
CARLOTTAan Widerstand nicht denken kann!
CARLOTTASchon war vom Rosse ich gesunken,
CARLOTTAda knallt ein Schuss, ein zweiter dann,
CARLOTTAich blick' empor ... und freudetrunken
CARLOTTAsah einen Helfer kühn ich nahn!
CARLOTTADie feigen Räuber fiohn ins Weite.
CARLOTTAMein Retter hob mit sichrer Hand
CARLOTTAmich in den Sattel, trat zur Seite,
CARLOTTAverbeugt sich artig und verschwand!
CARLOTTAWas ich galant,
CARLOTTAdiskret auch fand,
CARLOTTAweil er die Situation verstand!
CARLOTTADenn gefährlich ist der Aufenthalt
CARLOTTAso zu zwein im dunklen Pinienwald!
CARLOTTAJa, gefährlich ist der Aufenthalt
CARLOTTAso zu zwein im dunklen Pinienwald!
SORA, BENOZZO, NASONI, CHORJa, gefährlich
SORA, BENOZZO, NASONI, CHORist's im dunklen Pinienwald!
NASONIUnd jener Retter?
CARLOTTAWar
NASONIMein Sohn! Das dacht' ich mir!
leicht verlegen
CARLOTTAO nein! Es war ein andrer Kavalier,
CARLOTTAsehr artig scheint er immer gegen Damen.
NASONISie kennen ihn?
CARLOTTANicht seinen Namen,
CARLOTTAdoch bin ich früher schon begegnet ihm.
parodistisch
NASONIGleichviel!
NASONIDie Heldentat war gross, sublim!
NASONIWo ist der edle Mann,
NASONIdass ich ihm danken kann?
NASONIDer teuren Schwiegertochter Leben
NASONIerhielt er mir!
blickt in den Hintergrund, mit leichtem Schrei, da sie Erminio erblickt
CARLOTTAHa! Da kommt er eben!
NASONIMein Sohn!
NASONIKommt endlich er hierher?
CARLOTTANein, nicht Ihr Sohn!
CARLOTTAMein Retter! Er!
SYSTEMSECHSTE SZENE
Die Vorigen, Erminio
NASONIWer?
CARLOTTAEr!
NASONIDer?
BENOZZODer?
SORADer?
CARLOTTAJa, er!
SORA, BENOZZO, NASONIWie, der wär Er?
war anfangs im Hintergrund geblieben, tritt jetzt vor
ERMINIOVergebung, wenn ich stör'!
zu Carlotta
ERMINIOMich zog's hierher,
ERMINIOzu sehn, wie Ihr Befinden wär!
CARLOTTANach dem Malheur?
CARLOTTAIch danke sehr!
für sich
NASONIDieser Er
NASONIkommt hierher?
NASONIMeinem Sohn zum Malheur!
NASONIWas ist sein Begehr?
NASONIMir ist verdächtig
NASONIgar mancherlei!
NASONIErfahren möcht' ich,
NASONIwer er wohl sei!
NASONIAls Unbekannter,
NASONIals Ungenannter
NASONIkommt er hierher,
NASONIder Herr von Er! Er!
für sich
CARLOTTAScheint auch verdächtig
CARLOTTAnoch mancherlei,
CARLOTTAerfahren möcht' ich
CARLOTTAdoch, wer er sei!
CARLOTTAEin Ungekannter,
CARLOTTAein Ungenannter
CARLOTTAblieb er bisher,
CARLOTTAdoch hübsch ist er!
für sich
ERMINIOJa, wetten möcht' ich
ERMINIObei meiner Treu,
ERMINIOdass ich allen verdächtig
ERMINIOhier sei,
ERMINIOund trotzdem kam ich hierher!
für sich
NASONIMir ist verdächtig
NASONIgar mancherlei!
NASONIErfahren möcht' ich,
NASONIwer das wohl sei!
NASONIAls Ungekannter,
NASONIals Ungenannter
NASONIkommt er hierher,
NASONIder Herr von Er!
für sich
BENOZZOMir ist verdächtig
BENOZZOgar mancherlei!
BENOZZOErfahren möcht' ich,
BENOZZOwer das wohl sei!
BENOZZOAls Ungekannter,
BENOZZOals Ungenannter
BENOZZOkommt er,
BENOZZOder Herr von Er!
für sich
SORAEin Ungekannter
SORAblieb er bisher,
SORAdoch hübsch ist er!
für sich
ERMINIOJa, wetten möcht' ich,
ERMINIOmeiner Treu,
ERMINIOdass ich verdächtig
ERMINIOhier sei!
für sich
BENOZZO, NASONIMir ist verdächtig
BENOZZO, NASONImancherlei,
BENOZZO, NASONIund wissen möcht' ich,
BENOZZO, NASONIwer er sei!
für sich
CARLOTTA, SORAScheint auch verdächtig
CARLOTTA, SORAer bisher,
CARLOTTA, SORAdoch hübsch ist er!
CARLOTTA, SORAWissen möchte ich,
CARLOTTA, SORAwer er wohl wär!
für sich
BENOZZO, NASONIGanz unbekannt
BENOZZO, NASONIkommt er hierher,
BENOZZO, NASONIder Herr von Er!
BENOZZO, NASONIHier ist verdächtig
BENOZZO, NASONIgar mancherlei!
BENOZZO, NASONIErfahren möcht' ich,
BENOZZO, NASONIwer wohl der Er da sei,
BENOZZO, NASONIdenn verdächtig ist er,
BENOZZO, NASONIdieser Er!
für sich
ERMINIOSchwören möcht' ich,
ERMINIOdass verdächtig
ERMINIOich hier,
ERMINIOmeiner Ehr!
untereinander
FRAUENEin Ungenannter
FRAUENblieb er bisher,
FRAUENdoch ist er hübsch,
FRAUENder Herr von Er!
untereinander
MÄNNER, ZOLLWÄCHTEREin Ungenannter
MÄNNER, ZOLLWÄCHTERblieb er bisher.
MÄNNER, ZOLLWÄCHTERWas will er hier,
MÄNNER, ZOLLWÄCHTERder Herr von Er!
Erminio tritt einige Schritte näher.
ihm entgegen
NASONIMein Herr! Sie nennen sich?
ERMINIONoch nicht!
für sich
NASONIDas klingt etwas verdächtig.
laut
NASONIdoch meine ich, Sie kennen mich!
ERMINIONoch nicht!
für sich
NASONIDas klingt noch mehr verdächtig,
NASONIund dabei lächelt er
NASONIganz niederträchtig!
laut und heftig
NASONIMein Herr,
NASONIwenn Sie's nicht wissen schon.
NASONInun so erfahren Sie:
NASONIich habe einen Sohn!
verbeugt sich lächelnd
ERMINIOSie sind beneidenswert!
mit Grimasse
NASONINun, wie man's nimmt...
heftiger
NASONIMein Sohn ist Bräutigam der Dame!
zeigt auf Carlotta
mit Verbeugung, lächelnd
ERMINIOBedaure! Ist das schon bestimmt?
NASONIGewiss! Drum frag' ich, wie Ihr Name?
CARLOTTANur nicht so heftig!
in Wut
NASONIJa, zur Stunde
NASONImuss ich das wissen, weil's nicht klar,
NASONIob mit dem Räuber Sie im Bunde,
NASONIvielleicht der Räuber selbst sogar!
ERMINIOHahaha! Hahaha!
Nasoni beruhigend
CARLOTTAWas fällt Ihnen ein?
ERMINIOHahaha! Hahaha!
CARLOTTAWas fällt Ihnen ein?
SORA, BENOZZO, FRAUEN, MÄNNER, ZOLLWÄCHTERWie? Der soll Gasparone sein.
SORA, BENOZZO, FRAUEN, MÄNNER, ZOLLWÄCHTERein Räuber sein?
SYSTEMRomanze
mit Innigkeit gegen Carlotta, mit leiser Ironie gegen Nasoni
ERMINIO1.
ERMINIOOh, dass ich doch der Räuber wäre,
ERMINIOich strebte nicht nach Eurem Gold!
ERMINIOErringen wollt', bei meiner Ehre,
ERMINIOich mir weit süssern Minnesold!
ERMINIOEin Lösegeld ich dann begehrte,
ERMINIOdas aufzubringen nimmermehr,
ERMINIOdas von unschätzbar hohem Werte.
ERMINIOOh, dass ich doch der Räuber wär!
ERMINIO2.
ERMINIOJa, wenn mir solch ein Fang gelungen,
ERMINIOwär meine Macht zu End fürwahr!
ERMINIOGefangen würd ich sein, bezwungen
ERMINIOin Ihren Fesseln ganz und gar!
ERMINIODoch nein, ich muss ja einem andern
ERMINIOnun dieses Kleinod geben hin,
ERMINIOmuss meine Strasse weiter wandern,
ERMINIOweil leider ich kein Räuber bin!
hat bei den letzten Worten Carlottas Hand geküsst, verbeugt sich nun leicht und verschwindet im Hintergrund, wie er gekommen, während alle andern verblüfft dastehen. Carlotta blickt ihm mit Teilnahme nach.
SYSTEMSIEBENTE SZENE
Die Vorigen, ohne Erminio
SYSTEMDialog
SORAEin reizender Mensch!
CARLOTTAEin liebenswürdiger Mann!
setzt sich rechts
verächtlich
NASONIJa, ja, recht nett! Etwas rätselhaft, aber recht nett!
zu Carlotta
SORAWie sieht er denn aus, der schreckliche Gasparone?
heiter
CARLOTTAIhn näher anzusehn, hatte ich nicht die Zeit! Auf dem Wege von Santa Croce hierher passierten wir den Pinienwald. Plötzlich schrie Zenobia ...
springt auf
CARLOTTAHimmel! Wo ist Zenobia?
ruft
CARLOTTAZenobia!
Stille
CARLOTTAMein Gott! Zenobia fehlt!
NASONIZenobla?
CARLOTTAMeine Duenna! Der grässliche Bandit hat sie geraubt!
zu Nasoni
CARLOTTAPapa, ich beschwöre Sie, bieten Sie alles auf, die Arme zu befreien!
stark und mit Zuversicht
NASONIZu den Waffen, Sizilianer! Zeigt, dass euch Frauenehre etwas wert ist! Entreisst Zenobia dem blutdürstigen Bluthund! Ich selbst … ich bleibe bei der Gräfin. Das bin ich meiner Gesundheit schuldig!
rufen, die Waffen schwingend
ZOLLWÄCHTER, GENDARMENZenobia! Trara!
Die Truppen marschieren ab. Die Frauen und Männer folgen ihnen. Auch Benozzo schliesst sich an, nachdem er die besorgte Sora umarmt hat. Nasoni gibt ihm seinen eigenen langen Säbel. Sora geht ins Haus zurück.
SYSTEMACHTE SZENE
Nasoni, Carlotta, dann Benozzo, Zenobia, ein Sergeant, vier Gendarmen, später Massaccio
SYSTEMDialog
mit Pathos
NASONITeure Carlotta! Bei dem Gedanken, dass Sie jetzt in den Händen des unerbittlichen Gasparone sein könnten, schaudert mir!
CARLOTTAEi! Im äussersten Falle hätte ich von meiner Waffe Gebrauch gemacht!
hält ihm ein elegantes Taschenterzerol entgegen
erschrickt
NASONIOh! Ich sage es meinem Sohne ja täglich: Carlotta besitzt alle Frauentugenden. Sogar schiessen kann sie!
CARLOTTASie tun wohl daran, padre mio! Sindulfo selbst scheint diese Vorzüge nicht zu bemerken!
NASONIWie unrecht tun Sie Sindulfo!
wütend zwischen den Zähnen
NASONIWo der verdammte Windbeutel nur wieder steckt!
laut
NASONISindulfo betet Sie an, vergöttert Sie!
CARLOTTAWirklich?
NASONIEs gibt auf ganz Sizilien keinen solideren Jüngling!
für sich
NASONIDer Lump hat mir mein ganzes Vermögen verjuxt!
CARLOTTAIch muss es glauben, weil Sie es sagen.
NASONIIch, Ihr uneigennütziger, Ihr einziger Freund!
warm, ihm die Hände reichend
CARLOTTANiemals, Nasoni, werde ich vergessen, wie warm Sie sich meiner annahmen, als ich Witwe wurde.
spielt den Gerührten
NASONIOh, Ihr Gemahl war ein braver Mann. - Leider starb er ohne Testament. Sein Nachlass, das alte Schloss Santa Croce und eine Million Lire in guten Papieren, ward Ihnen von der Familie bestritten!
CARLOTTADer Prozess verschlang alle meine Ersparnisse. Was haben Sie alles aufgeboten, dass ich ihn gewinne ... vergebens!
NASONIJa!
betonend
NASONIDer Fall steht schlecht, sehr schlecht! Aber wie dem auch sei, meine Schwiegertochter müssen Sie doch werden!
CARLOTTAMein Gott, ich arme Witwe sollte...
NASONIWas frage ich danach! Ich schätze, liebe Sie und...
herzlich
CARLOTTANun, bei Gott, ich heirate nicht, um Sindulfos Frau, sondern um Ihre Schwiegertochter zu werden!
mit schlecht verhehlter Freude
NASONIAlso eingeschlagen. Ihr Wort?!
feierlich
CARLOTTAMein Wort!
gibt ihm die Hand
für sich
NASONIEndlich!
affektiert gerührt
NASONITeure Tochter!
CARLOTTABester Vater!
Umarmung. Stimmen hinter der Szene.
hinter der Szene
BENOZZOWir haben sie! Wir haben sie!
CARLOTTAWas ist das?
zurückeilend
NASONIBenozzo schleppt ein älteres, geräumiges Frauenzimmer daher!
freudig
CARLOTTAZenobia!
eilt Zenobia entgegen, die von Benozzo und dem Sergeanten halb ohnmächtig hereingeschleppt wird. Vier Gendarmen folgen ihnen, bleiben rückwärts.
BENOZZOWir haben sie! Wir haben sie!
Nasoni stellt einen Stuhl, auf den man Zenobia niederlässt.
besorgt
CARLOTTASchnell, Benozzo, richte ein Ruhebett, hole einen Arzt!
BENOZZOGleich, gleich!
zu Massaccio, der unbemerkt auftrat und sich in Benozzos Haus schleichen will, leise
BENOZZONun?
leise
MASSACCIOWir haben unsere Aufgabe erfüllt und enterten die Alte! Pamosa, unser Steuermann, spielte den Gasparone. Haha!
beide ab ins Haus
SYSTEMNEUNTE SZENE
Nasoni, Carlotta, Zenobia; ein Sergeant, vier Gendarmen
bisher mit Carlotta und Zenobia beschäftigt
NASONIBrave Burschen! Mit Gefahr ihres Lebens entrissen sie dem grässlichen Räuber sein Opfer!
macht eine verneinende Gebärde, schwach
ZENOBIANein!
bietet Zenobla ein halbvolles Glas Wein vom nächsten Tische, an dem diese nippt
CARLOTTAFassung, Fassung, Zenobia!
zu Nasoni
CARLOTTADie Ärmste muss furchtbar gelitten haben!
macht eine verneinende Gebärde, schwach
ZENOBIANein!
NASONISchleppten Sie die Unholde? Blieben für Ihr Flehen taub?
CARLOTTAGrässlich!
für sich
NASONIUnbegreiflich!
ZENOBIAErbarmungslos rissen sie mich bis zur Höhle ihres Hauptmanns mit sich fort! Ein Stossgebet zum Himmel stärkte mich. Ich war auf alles gefasst ... da hob Gasparone meinen Schleier und sagte, im reinsten Romagna-Dialekt, nichts als: Ui je!
CARLOTTA, NASONIWas sagte er?
ZENOBIAUi je! Und dann ... entliess er mich.
NASONIGegen ein Lösegeld?
tonlos
ZENOBIANein. Er gab mir noch einen Dukaten mit auf den Weg.
zeigt ihn
Nasoni steckt ihn ein.
erfreut
CARLOTTAEdelmütiger Mann!
NASONIEin Räuber, der noch was draufzahlt? Unglaublich!
ZENOBIAWo ist er?
NASONIWer?
ZENOBTADer Dukaten!
zeigt auf seine Westentasche
NASONIHier!
ZENOBIAAch, geben Sie ihn mir! Hier ist ein anderer!
betrachtet den Dukaten, den er wieder aus der Tasche gezogen hat
NASONIEr sollte mir als Corpus delicti dienen.
nimmt ihn
ZENOBIAMir dient er als Andenken!
küsst die Münze
ZENOBIAAls Andenken an ihn!
zu Nasoni
CARLOTTASie phantasiert! Ich will sie zur Ruhe bringen!
NASONISergeant! Wartet auf mich! Ihr sollt mich auf dem Heimweg bedecken, damit mich dieser Teufel Gasparone nicht etwa selbst fängt!
Auf sein Zeichen zieht sich der Sergeant mit den Gendarmen zurück.
sich mit Zenobia nach dem Hause wendend, zu Nasoni
CARLOTTANun denn, so gehn auch wir hinein,
CARLOTTAIhr Sohn bleibt gar zu lang mir aus!
freudig
NASONISie sehnen sich nach ihm?
CARLOTTAO nein! O nein!
CARLOTTAIch sag' es Ihnen grad heraus:
lächelnd und fein
CARLOTTAHalt der Sohn sich fern von mir
CARLOTTAüber- die Gebühr,
CARLOTTAbleibt der Vater doch galant
CARLOTTAimmer mir zur Hand!
CARLOTTAEr nimmt seine Stelle ein,
CARLOTTAich bin nicht allein,
CARLOTTAunterhalte wohlgemut
CARLOTTAmich mit ihm recht gut!
CARLOTTAAber, wenn auch nicht verstimmt,
CARLOTTAmuss ich doch gestehn:
CARLOTTAmein Herr Bräutigam benimmt
CARLOTTAsich durchaus nicht schön,
CARLOTTAnicht schön, nicht schön!
plötzlich, sehr zungenfertig, dazwischen
ZENOBIAJa! So sind die jungen Leute
ZENOBIAvon heute!
ZENOBIAWenn nicht die alten Herren
ZENOBIAnoch wären,
ZENOBIAständ' um uns Frauenzimmer
ZENOBIAes schlimmer!
ZENOBIADie sind viel amüsanter,
ZENOBIAcharmanter,
ZENOBIAund werden dabei schwerlich
ZENOBIAgefährlich!
CARLOTTA, ZENOBIASo sind die jungen Leute
CARLOTTA, ZENOBIAvon heute!
CARLOTTA, ZENOBIAWenn nicht die alten Herren
CARLOTTA, ZENOBIAnoch wären,
CARLOTTA, ZENOBIAständ' um uns Frauenzimmer
CARLOTTA, ZENOBIAes schlimmer!
CARLOTTA, ZENOBIADie sind viel amüsanter,
CARLOTTA, ZENOBIAcharmanter,
CARLOTTA, ZENOBIAund werden dabei schwerlich
CARLOTTA, ZENOBIAgefährlich!
CARLOTTA, ZENOBIADa braucht man zu fürchten nie!
CARLOTTA, ZENOBIAAlles bleibt Galanterie.
NASONISo sind die jungen Leute
NASONIvon heute!
NASONIWenn nicht wir alten Herren
NASONInoch wären,
NASONIständ' um die Frauenzimmer
NASONIes schlimmer!
NASONIWir sind viel amüsanter,
NASONIcharmanter,
NASONIund werden dabei schwerlich
NASONIgefährlich!
NASONIDa braucht man zu fürchten nie!
NASONIAlles bleibt Galanterie.
CARLOTTAIhre Treu ist erprobt,
CARLOTTAdenn sie haben ausgetobt.
CARLOTTAJa, solch ältrer Kavalier,
CARLOTTAja, recht gern räum' ich's ein,
CARLOTTAkann charmant auch sein!
ZENOBIAIhre Treu ist erprobt,
ZENOBIAdenn sie haben ausgetobt.
ZENOBIAJunge wär'n wohl lieber mir,
ZENOBIAdoch solch ältrer Kavalier,
ZENOBIAja, recht gern räum' ich's ein,
ZENOBIAkann charmant auch sein!
NASONIUnsre Treu ist erprobt,
NASONIdenn wir haben ausgetobt.
NASONIJugend wär wohl lieber mir,
NASONIdoch solch ältrer Kavalier,
NASONIja, recht gern räumt man's ein,
NASONIkann charmant auch sein!
Carlotta geht mit Zenobia ins Haus. Nasoni begleitet Carlotta mit affektierter Zärtlichkeit bis zur Tür von Benozzos Kneipe.
SYSTEMZEHNTE SZENE
Nasoni (allein), dann Sindulfo
SYSTEMDialog
NASONIAh!
wischt sich den Schweiss ab
NASONIWenn diese Heirat nicht bald zustande kommt, werde ich verrückt! Einen solchen Gauner zum Sohne zu haben, ihn täglich als Muster eines jungen Mannes hinstellen zu müssen, statt ihn durchhauen zu können: das halte ein Schwede aus, ein Norweger, ein Lappe! Für einen Sizilianer ist das zu viel, zu viel! Ich platze, ich explodiere! Oh, wäre ich der Ätna, dass ich Feuer speien könnte ... das wär ich meiner Gesundheit schuldig!
lässt sich in einen Stuhl fallen
hinter der Szene
SINDULFOPapa! Papa! Carissimo padre!
fährt auf
NASONIDa ist er! Ah!
ein langer, magerer, abgelebter junger Mann, karikierter Stutzer im Kostüme jener Zeit, heiter und gleichgültig
SINDULFOO Papa, da bist du ja! Buon giorno!
will Nasoni umarmen
wehrt ihn ab
NASONIVa via!
erstaunt
SINDULFOWas hast du, würdiger Urheber meines Lebens?
NASONIIch hätte auch was Gescheiteres tun können, als dein Leben ... urzuheben! - Wo kommst du her?
heiter
SINDULFOVom Souper, Papa!
NASONIVom Souper? Um halb zehn Uhr vormittags? Woher?
vertraulich
SINDULFOIch sage nichts als Lucia!
NASONIDu bist der grösste Taugenichts von Sizilien! Kostest mich mein ganzes Vermögen! Wer die Höhe der Summe kennt, kann die Tiefe meines Schmerzes ermessen!
setzt sich
SINDULFODio mio! Schon wieder eine Strafpredigt
NASONIDir zuliebe habe ich alles angebracht, alles, bis auf dich!
SINDULFOPapa, ich muss bitten
NASONITaci! Es ist also deine Pflicht, durch eine gute Partie mich und dich wieder zu rangieren!
SINDULFOGute Partie? Und da verlobst du mich mit der armen Gräfin Santa Croce!
packt Sindulfo und reisst ihn an die äusserste Linke
NASONIPscht! Nicht so laut! Carlotta ist drinnen bei Sora!
leiser
NASONIBück dich!
Es geschieht.
NASONIGräfin Carlotta ist nicht arm!
SINDULFOMein Himmel! Der Prozess ... halb verloren!
leise
NASONINein, nicht halb verloren, sondern ganz gewonnen!
freudig
SINDULFOWie? Gewonn...
freudig
NASONIPscht! Das Obertribunal in Neapel hat zugunsten der Gräfin entschieden, ich habe seit drei Tagen das Urteil in der Tasche.
zieht das Dokument hervor
will danach greifen
SINDULFOOh!
hindert ihn daran
NASONIOho! Noch hat Carlotta keine Ahnung davon! Doch habe ich ihr Wort: sie wird dein Weib, ob arm, ob Millionärin!
SINDULFOMillionärin! Hm! Die Frau fängt auf einmal an, interessant zu werden.
NASONINicht wahr? Schau, Sindulfo, du musst mehr den Cavaliere servente spielen, immer zur Hand sein ... Nicht so, wie vorhin, wo Carlotta, von Räubern angefallen, ein anderer rettete!
SINDULFOIch hörte im Hafen davon, eilte deshalb hierher, um ihren Retter zur Rede zu stellen.
NASONIDu kennst ihn?
SINDULFOEin Piemontese, sogenannter Conte Erminio. Sein Aufenthalt hier ist ganz Syrakus ein Rätsel.
fuchtelt mit seinem Spazierstöckchen in der Luft herum
SINDULFOIch werde ihm die Lust vertreiben, meine Braut zu retten!
entzückt
NASONIEndlich einmal eine ritterliche Regung! So gefällst du mir, carissimo figliuolo!
SINDULFODas kostet ihn die Ohren!
NASONIUnd die Nase, meinetwegen auch die Nase! Nur eine Tat, etwas Ritterliches! Ich eile jetzt zur Stadt, kehre bald zurück. Also sei artig, galant, liebenswürdig! Sie hat "Ja" gesagt. Schmiede die Gräfin, solange sie warm ist!
SINDULFOSollst sehen, Papa, wie ich mich zu meinem Vorteil verändere.
NASONIDu kannst dich überhaupt nur zu deinem Vorteil verändern!
SINDULFOO Papa!
NASONAlso, eine Tat, etwas Ritterliches! Was tut man nicht alles für eine Million! Stich diesen Conte Erminio aus bei Carlotta ... hau ihm was weg, schiess ihm was 'nein! Und dann heirate! Heirate! Das bist du meiner Gesundheit schuldig!
schnell links ab
SYSTEMELFTE SZENE
Sindulfo (allein), dann Sora, später Benozzo
SINDULFOEine Million Lire! Sindulfo, zeige, dass du ein Weltmann, dass du diesem Conte Erminio überlegen bist!
klopft auf den Tisch
SINDULFOHeda, Wirtshaus!
kommt aus dem Haus
SORABefehlen?
SINDULFOMeine Braut ...?
SORADie Gräfin ruht ein wenig.
SINDULFOAlso heisst's warten.
gähnt
SINDULFOWie langweilig!
setzt sich
SINDULFOBring Wein, Sora, vom besten!
SORAZu dienen!
ab
SINDULFODieser Erminio muss mir Rede stehen. Ob auf Säbel oder auf Pistolen gleichviel!
zündet sich eine Zigarre an
kommt mit Wein
SORAHier, Signore, echter Syrakuser!
trinkt, schnalzt mit der Zunge
SINDULFOFamos!
zieht Sora etwas an sich
SINDULFOWeisst du, Kleine, dass du ein ganz appetitliches Weibchen bist?
SORADeshalb fand ich auch einen braven Mann, Signore!
SINDULFOAch ja, diesen Tagdieb von Benozzo!
Benozzo erscheint auf dem Balkon, kehrt diesen mit einem Reisbesen, horcht auf, als
er seinen Namen nennen hört.
SORADer hübscheste Junge von Syrakus!
SINDULFOAber ein heilloser Schmuggler!
SORANicht, dass ich wüsste!
SINDULFOPapperlapapp! Ich kaufte durch ihn vorigen Monat tausend geschmuggelte Zigarren!
BENOZZODie Sie heute noch schuldig sind!
gleichgültig, klemmt sein Monokel ins Auge
SINDULFOAh, du bist auch da?
BENOZZOJa, ich bin auch da!
kehrt wütend aus
SINDULFOGeniere dich nicht! Du siehst, ich mache deiner Frau die Cour!
BENOZZOLassen Sie mich lieber Geld sehen!
SINDULFOFür die Frau?
BENOZZONein, für die Zigarren!
sieht, dass Sindulfo zu Sora zärtlicher wird, heftig
BENOZZOKeine Handgreiflichkeiten, wenn ich bitten darf!
SORAAber Signore!
SINDULFORuhig, da oben!
BENOZZONein, nicht ruhig da oben, sondern ruhig da unten, und wenn Sie nicht augenblicklich ...
droht mit dem Besen; zu Sora
BENOZZOMarsch, ins Haus mit dir!
SINDULFONein, sie bleibt!
BENOZZOSie geht! Herein da, Sora!
SINDULFOIch glaube gar, der Bursche untersteht sich, sich mit mir zu messen! Das hiesse, ein edles Pferd zu einem Esel spannen!
BENOZZOWie kommen Sie dazu, mich ein Pferd zu nennen?
SINDULFOHaha! Die Eifersucht macht ihn witzig! Höre nicht auf ihn, Sora!
umfasst Sora
BENOZZOMaledetto! Der Büffel in mir wird wütend!
wirft den Besen nach Sindulfo und eilt durchs Haus nach unten
lässt sich nicht abhalten, Sora mit Zärtlichkeiten zu verfolgen
SINDULFODer Büffel trägt Hörner, ergo
nimmt den Besen auf und wehrt Sindulfo damit ab
SORAEi, Signore, jetzt ist's genug!
auftretend
BENOZZOOb Sie jetzt gleich aufhören werden, meine Frau zu verfolgen, oder ...
nimmt den Besen, den Sora weggeworfen hat und dringt auf Sindulfo ein. Sora, von Sindulfo verfolgt, welchen wieder Benozzo verfolgt, fliegt dem mit Luigi von rechts auftretenden Erminio in die Arme.
SYSTEMZWÖLFTE SZENE
Die Vorigen, Erminio, Luigi
heiter
ERMINIOGefangen!
umarmt und küsst Sora
für sich
SINDULFOConte Erminio? Eben recht!
sieht das, fährt auf Erminio los
BENOZZOWas war das?
heiter
ERMINIOIch küsse jede hübsche Frau, die mir in die Arme eilt!
küsst Sora wieder
SORAAh!
erkennt Erminio, plötzlich freundlich
BENOZZOAh! Exzellenza!
zu Benozzo
SINDULFOWie? Und das lässt du dir gefallen?
zu Sindulfo
BENOZZOWas geht's denn Sie an, wenn Exzellenza
meint Erminio
BENOZZOmeine Frau küsst?
zu Erminio
BENOZZOBitte! Wollen sich Exzellenza nur bedienen!
zu Sindulfo
BENOZZOJetzt just, jetzt just!
zu Erminio
BENOZZOBitte!
präsentiert mit dem Besen
SINDULFOIch liess' mir's doch nicht gefallen!
stolz zu Sindulfo
ERMINIODarf ich fragen, mein Herr, mit welchem Rechte Sie sich da einmischen?
stolz
SINDULFOIch... Herr?!
lässt seinen Stock durch die Luft schwirren
ERMINIOJa, Sie ... Herr!
trifft Sindulfo, der schreiend zurückfährt
für sich
SINDULFOUnangenehmer Patron!
SINDULFOWerde mich nicht mit ihm schlagen!
laut
SINDULFOHabe nicht das Vergnügen, Sie zu kennen!
ERMINIOMeinerseits!
grüsst
SINDULFOIhr Diener!
zu Sora, laut
SINDULFOSora!
SORASignore?
zum Teil bedeutsam nach Erminio hinsprechend
SINDULFOMelde meiner reizenden Braut, der Gräfin Santa Croce ... du verstehst?
stärker
SINDULFOmeiner Braut, dass ich einen Wagen besorgen und mit Bedeckungsmannschaft zurückkehren werde
dazwischenredend, für sich
ERMINIOZurückkehren? Wie ärgerlich!
ohne abzusetzen
SINDULFO... um gewissen Leuten die leichte Mühe zu ersparen, sie abermals retten zu müssen, wenn Räuber sie anfallen!
Sora geht ins Haus.
SINDULFORäuber?! Gott, wie romantisch! Hahaha!
für sich
ERMINIONa warte! Das vergelt' ich dir!
leise
ERMINIOLuigi!
bespricht sich vertraulich mit Luigi
will abgehen
SINDULFOAddio!
verstellt ihm den Weg
BENOZZOUnd mein Guthaben?
SINDULFOWas bin ich schuldig?
BENOZZOWas Sie alles schuldig sind, weiss ich nicht! Ich bekomme sechs Baiocci für den Wein und zwölf Scudi für die Zigarren.
SINDULFOGut, gut! Aufschreiben!
will ab
BENOZZOAufgeschrieben wird bei mir nicht!
SINDULFODesto besser!
schnell ab
steht verblüfft da
BENOZZOAh! Das ist stark!
leise
LUIGIBenozzo! 's gilt einen Streich gegen den da
zeigt nach der Seite, wo Sindulfo abging
LUIGIFolge mir!
BENOZZOAh, ich verstehe! Zucker und Kaffee! Mit Wonne!
Luigi und Benozzo folgen Sindulfo.
SYSTEMDREIZEHNTE SZENE
Erminio, Sora
ERMINIOJetzt ans Werk!
ruft
ERMINIOSora!
SORASignore?
ERMINIODu beherbergst momentan die Gräfin Santa Croce?
SORAWelcher ich bis zu meiner Verheiratung als Kammermädchen diente. Ja, Exzellenz!
ERMINIOIch habe der Gräfin - in ihrem Interesse - einen Rat zu geben.
will ihr Geld geben
ERMINIOHier nimm und verschaffe mir eine Unterredung mit ihr!
SORAWo sich's um der Gräfin Interesse handelt, Signore, lasse ich mich nicht bezahlen! Ich will Sie melden.
geht ab
SYSTEMVIERZEHNTE SZENE
Erminio (allein)
ERMINIOO Liebe, Liebe! Zu welchen Torheiten kannst du selbst Männer von Charakter und Ehre verleiten!
heiter zum Publikum
ERMINIOIch, Conte Erminio Saluzzo, dreissig Jahre alt, ledig, Gutsbesitzer, reich ... mache mit Luigi, meinem Freund, eine geologische Exkursion hierher. Auf einem Spazierritt begegne ich Carlotta, verliebe mich sterblich in sie, höre, dass sie in den Händen dieses dunklen Ehrenmannes Nasoni ist, dessen Sohn sie heiraten soll! Ich schliesse Einverständnisse mit Schmugglern, missbrauche die allgemeine Gasparone-Furcht, arrangiere einen fingierten Überfall; die Schmuggler vergreifen sich, nehmen, statt der Alten nur, auch die Gräfin gefangen! Ich muss Carlotta befreien und ernte einen Dank, den ich gar nicht verdiene ... wie beschämend für mich! Doch gleichviel! Ich muss sie diesem Nasoni entreissen, koste es, was es wolle! Ah, da kommt die Gräfin! Gott Amor, steh mir bei!
SYSTEMFÜNFZEHNTE SZENE
Erminio, Carlotta
kommt aus dem Wirtshaus; mit Wärme zu Erminio
CARLOTTAWie freu' ich mich, dass Sie noch hier!
CARLOTTAZu danken herzlich nach Gebühr
CARLOTTAwar möglich mir bis jetzt noch nicht.
CARLOTTAHier meine Hand
CARLOTTAals Unterpfand!
CARLOTTAIch fühle innig Dankespflicht!
CARLOTTAJa! Wohin Sie auch die Schritte lenken,
CARLOTTAo glauben Sie,
CARLOTTAstets werd' ich Ihrer Tat gedenken;
CARLOTTAvergessen nie,
CARLOTTAwie Sie als Held mit starker Hand
CARLOTTAschnell die Gefahr von mir gewandt!
freudig; sanft unterbrechend
ERMINIOZuviel!
ERMINIODoch bitt' ich, fahren Sie nur fort,
ERMINIOdenn süss klingt mir solch innig Wort!
CARLOTTAGern möcht' ich Ihnen mehr noch sagen,
CARLOTTAdoch bin ich eigentlich zu End!
entzückt
ERMINIODass solchen Dank davonzutragen
ERMINIOaufs neu' Gelegenheit ich fänd!
ERMINIOJa! Wohin Sie auch die Schritte lenken,
ERMINIOstets werde ich
ERMINIOSie schirmen vor des Feindes Ränken!
ERMINIOGanz sicherlich!
ERMINIOUnd wo Gefahr zu drohen scheint,
ERMINIOwacht über Sie ein treuer Freund!
entzückt
CARLOTTAZuviel!
CARLOTTADoch bitt' ich, fahren Sie nur fort,
CARLOTTAdenn süss klingt solch ein Freundeswort!
ERMINIOEs wacht ein Freund,
ERMINIOvertraun Sie meinem Wort!
traurig
ERMINIOSie sind ja Braut, in wenig Tagen
ERMINIOein andrer Sie die Seine nennt!
losbrechend
ERMINIOOh, dass ich Sie durchs Leben tragen,
ERMINIOdass ich Sie schützen, führen könnt'!
ein wenig zurückhaltend, doch ohne Kälte
CARLOTTADies Recht kann nur dem Gatten passen,
CARLOTTAer wird es sich nicht nehmen lassen.
finster
ERMINIOIhr Gatte? Nun, er ist's noch nicht.
schwankend
CARLOTTADoch wird er's sein!
mit Nachdruck
ERMINIOGewiss!
immer schwankender
CARLOTTAWarum denn nicht?
ERMINIOWarum?
CARLOTTAWarum?
nach kurzem, innerem Kampfe
ERMINIONoch darf ich's nicht erklären.
ERMINIODoch möchten Sie des Freundes Warnung hören!
ernst
ERMINIOHüten Sie sich vor dem Räuberpaar,
ERMINIOdas schmeichelnd die Freundeshand Ihnen bot!
ERMINIOIm Walde war kleiner die Gefahr,
ERMINIOals hier von diesen beiden droht!
ERMINIOMerken Sie sich:
ERMINIOEin Freund bin ich,
ERMINIOkeinem andern traun,
ERMINIOauf mich allein nur baun!
ERMINIOUnd was auch geschah,
ERMINIOich bin ja da,
ERMINIObleibe nah!
CARLOTTAMerken will ich,
CARLOTTAdass sicherlich
CARLOTTAich auf ihn darf baun,
CARLOTTAauf seinen Schutz vertraun.
CARLOTTAUnd was auch geschah,
CARLOTTAer ist ja da,
CARLOTTAbleibt mir nah,
CARLOTTAmir nah!
ERMINIOMerken Sie sich:
ERMINIOEin Freund bin ich,
ERMINIOkeinem andern traun,
ERMINIOauf mich allein nur baun!
ERMINIOWas auch geschah,
ERMINIOich bleibe da,
ERMINIObleibe da!
für sich
CARLOTTAWie sonderbar!
CARLOTTAMir droht Gefahr
CARLOTTAvon jenen beiden,
CARLOTTAdie Freunde mir?
CARLOTTASollt' er sie neiden?
CARLOTTAWas birgt sich hier?
CARLOTTASie meinten's schlecht?
CARLOTTAVerstand ich recht?
ERMINIOHüten Sie sich vor dem Räuberpaar,
ERMINIOdas schmeichelnd die Freundeshand Ihnen bot!
ERMINIOIm Walde war kleiner die Gefahr,
ERMINIOals hier von diesen beiden droht!
CARLOTTAMerken will ich,
CARLOTTAdass sicherlich
CARLOTTAich auf ihn darf baun,
CARLOTTAauf seinen Schutz vertraun.
CARLOTTAUnd was auch geschah,
CARLOTTAer bleibt mir nah,
CARLOTTAer ist da!
CARLOTTASetzt sein Leben dafür freudig ein,
CARLOTTAdarf er mein Retter sein!
ERMINIOMerken Sie sich:
ERMINIOEin Freund bin ich,
ERMINIOkeinem traun,
ERMINIOauf mich nur baun!
ERMINIOUnd was auch geschah,
ERMINIOich bleibe nah,
ERMINIOich bin da!
ERMINIOSetz' mein Leben dafür freudig ein,
ERMINIOdarf ich Ihr Retter sein!
Mit schnellem Entschluss verabschiedet sich Erminio und eilt davon. Carlotta bleibt sinnend zurück.
SYSTEMSECHZEHNTE SZENE
Carlotta (allein), dann Zenobia, Sora, später Nasoni. Erminio, Luigi, zuletzt Benozzo, Massaccio, Volk (Frauen, Männer), Musikanten
SYSTEMDialog
CARLOTTAWas soll ich von alledem denken? Der Ton seiner Stimme klang so ehrlich, so männlich, so glaubwürdig ... Aber nein, nein! Ich kann, ich darf nicht zurück! Nasoni, der mir Beweise uneigennütziger Freundschaft gegeben, ist ein Ehrenmann, und ich will ihm beweisen, dass ich würdig bin, den Namen Santa Croce zu tragen. Ach, und doch, wenn ich denke: dieser Sindulfo und er!! - Nein, nein! - Es darf nicht sein!
leidenschaftlich, Erminio Kusshände nachwerfend
CARLOTTAAddio! Addio denn! Und nun schweig, mein Herz!
hat sich sinnend in einen Sessel gesetzt, ohne anfänglich durch das im Hintergrunde hörbar werdende Geräusch gestört zu werden
auf dem Balkon
ZENOBIAHört von fern das Geschrei!
ZENOBIAVieles Volk strömt herbei!
kommt aus dem Haus
SORAHört doch, wie die Glocken schallen,
SORAFreudenschüsse widerhallen!
ZENOBIAJubel zeiget jeder Blick!
SORADas verkündet Glück!
SORAJa, das verkündet Glück!
aus ihren Träumen erwachend
CARLOTTAGlück - für wen?
SORAFür wen? Für Sie nur ganz allein!
CARLOTTAFür mich?. Ach nein!
Volk sammelt sich im Hintergrund. Musikanten ziehen auf.
im Auftreten
VOLKHierher! Kommet hier herein!
VOLKRufet laut das Tamburin,
VOLKtönet lustig die Schalmei,
VOLKströmt von nah und fern
VOLKgleich alt und jung herbei!
VOLKJubelruf und Vivat-Schrein
VOLKklingt in die Musik hinein!
VOLKAlles mag sich nun der Freude weihn!
VOLKJubelruf, Vivat-Schrein
VOLKklingt in die Musik hinein!
VOLKAlles mag sich
VOLKder Lust und Freude weihn!
VOLKHemmt euren Lauf,
VOLKstellt hier euch auf!
VOLKHaltet Ruh,
VOLKschweigt und höret zu!
tritt auf, Schweigen gebietend
NASONIGenug! Wir sind am Ziel!
NASONIMan lärme nicht zuviel!
leise, unter sich
VOLKHaltet Ruh,
VOLKhöret zu!
Erminio und Luigi treten unbemerkt auf.
für sich
CARLOTTASollt' der Prozess entschieden sein?
CARLOTTADarf ich mich froher Hoffnung weihn?
CARLOTTA, SORA, ZENOBIA, ERMINIO, LUIGIEntscheidung ist jetzt nah,
CARLOTTA, SORA, ZENOBIA, ERMINIO, LUIGIder Augenblick ist da!
CARLOTTA, SORA, ZENOBIA, ERMINIO, LUIGIDas Wort hat jetzt der Podestà.
entfaltet eine Papierrolle
NASONI1.
NASONISo höret, was mein Mund euch jetzt verkündet!
NASONIIhr seht in mir den Dolmetsch der Gerechtigkeit!
NASONIWie vor dem Sonnenstrahl der Nebel schwindet,
NASONIward aller Trug durch Richterspruch zerstreut.
NASONIWer daran zweifelt, kommt sofort ins Loch!
NASONIAch, denn in Sizilien gibt es Richter noch!
NASONI, VOLKDenn in Sizilien gibt es Richter noch!
NASONI2.
NASONIDas alte Schloss mitsamt dem Barvermögen
NASONIder Gräfin Santa Croce nun gehört!
NASONIDie Richter mussten lang sich's überlegen.
NASONIIch selbst hab' längst als Herrin sie verehrt,
NASONIweil ich das Richt'ge sozusagen roch.
NASONIAch, denn in Sizilien gibt es Richter noch!
NASONI, SORA, ZENOBIA, ERMINIO, LUIGI, VOLKDenn in Sizilien gibt es Richter noch!
NASONI, SORA, ZENOBIA, ERMINIO, LUIGI, VOLKHeil der Contessa! Preis und Heil,
NASONI, SORA, ZENOBIA, ERMINIO, LUIGI, VOLKdas solches Glück ihr ward zuteil!
zu Carlotta tretend
NASONIIch gratulier'
NASONIals erster hier!
NASONIVon Herzen froh,
NASONIdass dieses nun
NASONIgefügt sich so
NASONIrecht opportun!
NASONIJetzt fordr' ich auch des Freundes Lohn:
NASONIdie schöne Hand für meinen Sohn!
NASONISie schweigen?
betroffen, für sich
CARLOTTAMich ergreifet Zagen!
CARLOTTAWas soll ich tun?
sie beobachtend, für sich
ERMINIOWas wird sie sagen?
NASONIHab' ich erfüllt die Freundespflicht?
verlegen
CARLOTTAGewiss!
drängend
NASONIZaudern Sie drum nicht!
untereinander
VOLKWas wird sie tun?
VOLKWas sagt sie nun?
VOLKNicht Freude zeiget ihr Gesicht!
leise zu Carlotta
ERMINIOHüten Sie sich vor dem Räuberpaar,
ERMINIOdas schmeichelnd die Freundeshand Ihnen bot!
ERMINIOIm Walde war kleiner die Gefahr,
ERMINIOals hier von diesen beiden droht!
unentschlossen, für sich
CARLOTTAWas höre ich? Was soll ich tun?
für sich
ERMINIO, NASONISie zaudert noch!
untereinander
SORA, ZENOBIA, VOLKWas sagt sie nun?
zögernd
CARLOTTANun denn
NASONIDer Augenblick
NASONIentscheidet mein Geschick
NASONIund meines Sohnes Glück!
für sich
NASONIDer Kerl ist niemals da!
sich aufraffend
CARLOTTANun denn, nun denn, ich sage Ja!
CARLOTTAWill Ihnen Tochter sein.
losplatzend
NASONITriumph! Sie willigt ein!
SORA, ZENOBIA, VOLKSie willigt ein, sie willigt ein!
umherlaufend
NASONISindulfo! Sohn! Wo mag er sein?
schmerzlich zu Carlotta
ERMINIOOh, mögen Sie es nie bereun!
schnell mit Luigi ab
NASONISie willigt ein, sie willigt ein,
NASONIsie will mir Tochter sein!
NASONIDie Stunde zu verschonen,
NASONIlasst nun Musik ertönen,
NASONIder Freude mag sich alles nun weihn!
SORA, ZENOBIA, VOLKUm die Stunde zu verschönen,
SORA, ZENOBIA, VOLKlasst Musik nun ertönen,
SORA, ZENOBIA, VOLKalles mag sich nun
SORA, ZENOBIA, VOLKder Lust und der Freude nur weihn!
SORA, ZENOBIA, VOLKEs lebe hoch das Paar!
SORA, ZENOBIA, VOLKWir bringen Wünsche dar
SORA, ZENOBIA, VOLKund wollen uns mit Ihnen freun!
gewaltsam
CARLOTTAJa, fort mit allem Leid,
CARLOTTAes herrsche Heiterkeit!
CARLOTTAZu frohem Sang seid nun bereit,
CARLOTTAseid nun bereit!
VOLKZu frohem Sang seid nun bereit!
hervortretend
SORA1.
SORAAnzoletto sang "Komm, mia bella!
SORAunterm Fenster der holden Estrella.
SORA"Komm hinaus in den duftenden Hain,
SORAmöcht' dir sagen ein Wörtchen allein!'
SORADoch nicht will ihn Estrella verstehen.
SORAsie bleibt taub, mag er bitten und flehen,
SORAbis von fern Tamburinschlag erklingt
SORAund der Liebende singt:
SORAHör doch die Töne, Estrella,
SORAman tanzt Tarantella!
SORABerauschende Musik
SORAbringt mir der Liebe süsses Glück.
SORAWem zuckt es nicht in den Füssen,
SORAdie Nacht zu geniessen?
SORAWer zaudert da noch lang,
SORAwenn hell das Tamburin erklang?
SORAHör doch die Töne, Estrella,
SORAman tanzt Tarantella!
SORABerauschende Musik
SORAbringt mir der Liebe süsses Glück.
SORAWem zuckt es nicht in den Füssen,
SORAdie Nacht zu geniessen?
SORAWer widersteht dir lang,
SORAZauberklang!
CARLOTTAAh! Ah! Ah! O Zauberklang!
VOLKLa, la, la
VOLKWem zuckt es nicht in den Füssen,
VOLKdie Nacht zu geniessen?
VOLKWer widersteht dir lang,
VOLKZauberklang!
SORA2.
SORALange eh Anzoletto geendet,
SORAhat sie trotzig das Köpfchen gewendet,
SORAdoch bald wendet sie's wieder zurück,
SORAgar zu lockend erschallt die Musik!
SORANein, Estrella kann einsam nicht bleiben,
SORAbei dem Ton war's zu End' mit dem Sträuben,
SORAund bald hält sie im Reigen so warm
SORAAnzoletto im Arm!
SORANun tanzt die schöne Estrella
SORAmit ihm Tarantella.
SORABerauschende Musik
SORAbracht' ihm der Liebe süsses Glück.
SORAWem zuckt es nicht in den Füssen,
SORAdie Nacht zu geniessen?
SORAWer zaudert da noch lang,
SORAwenn hell das Tamburin erklang?
SORANun tanzt die schöne Estrella
SORAmit ihm Tarantella.
SORABerauschende Musik
SORAbracht' ihm der Liebe süsses Glück.
SORAWem zuckt es nicht in den Füssen,
SORAdie Nacht zu geniessen?
SORAWer widersteht dir lang,
SORAZauberklang!
CARLOTTAAh! Ah! Ah! O Zauberklang!
VOLKLa, la, la
VOLKWem zuckt es nicht in den Füssen,
VOLKdie Nacht zu geniessen?
VOLKWer widersteht dir lang,
VOLKZauberklang!
hinter der Szene
BENOZZOWeh! O weh!
sich nach dem Hintergrund drängend
ZENOBIA, NASONI, VOLKWas soll das sein?
SORABenozzo ist's!
ZENOBIAWas fällt ihm ein?
tritt auf
BENOZZOWeh! O weh!
NASONIWas hast du, sprich!
NASONISahst meinen Sohn du?
BENOZZOSicherlich!
BENOZZOWir gingen ja zusammen fort.
NASONIUnd woher kommst du jetzt allein?
NASONIIst er nicht hier?
BENOZZONein, er ist dort,
BENOZZOdenn Gasparone lud ihn ein!
SORA, CARLOTTA, ZENOBIA, NASONI, VOLKDer Gasparone?
SORA, CARLOTTA, ZENOBIA, NASONI, VOLKWas soll das sein?
BENOZZOAch, ich bin gelaufen!
BENOZZOLasst mich nur verschnaufen!
BENOZZODann erzähl' sogleich
BENOZZOich die Sache euch!
NASONIWas ist's mit meinem Sohne,
NASONIund was mit Gasparone?
NASONIO sprich, o sprich,
NASONIich bitte dich!
BENOZZOSogleich, sogleich
BENOZZOerzähl' ich's euch!
zu Massaccio, der mit ihm aufgetreten war
BENOZZONichts als "Zucker und Kaffee".
zu allen
BENOZZOWo der Wald sich zieht herunter
BENOZZObis nahe an das Meer,
BENOZZOschritt Signor Sindulfo munter,
BENOZZOund ich ging hinterher!
BENOZZODie Zeit uns zu verkürzen,
BENOZZOich ein lustig Liedchen summ'!
mit geschlossenem Munde
BENOZZOMm-Mm-Mm-Mm
BENOZZOAber plötzlich bleib' ich stecken,
BENOZZOHerr Sindulfo schaut sich um:
BENOZZO"Warum schweigst du voller Schrecken
BENOZZOund siehst mich an so dumm?
BENOZZOSo singe doch nur weiter!",
BENOZZOsagt Herr Sindulfo heiter,
BENOZZO"dein lustig Liedchen summ!"
mit geschlossenem Munde
BENOZZOMm-Mm-Mm-Mm
BENOZZODoch währt es nicht lange,
BENOZZOwird ihm auch recht bange,
BENOZZOdenn es regt sich
BENOZZOplötzlich dort im Busch,
BENOZZOes bewegt sich
BENOZZOdrinnen husch, husch, husch!
BENOZZODas ist sehr verdächtig,
BENOZZOund wetten drauf möcht' ich,
BENOZZOdass hinterm Baum dort einer steht!
BENOZZOHör'n und Seh'n uns vergeht!
BENOZZORichtig! Bald
BENOZZOaus dem Wald
BENOZZOstürzen plötzlich sieben Mann
BENOZZOund ein "Halt!"
BENOZZOdonnernd schallt!
BENOZZOZu zittern ich begann,
BENOZZOdoch war ich voll Entschlossenheit
BENOZZOsogleich zur Flucht bereit!
BENOZZOAuch Ihr Sohn
BENOZZOrennt davon
BENOZZOund ich lief hinterdrein.
BENOZZODoch mit Spott
BENOZZOund mit Hohn
BENOZZOholt man uns wieder ein!
BENOZZONoch eh ich "Wer da?" konnte sagen,
BENOZZOpacken zwei mich schon beim Kragen
BENOZZOUnterdess' mit dicken Stricken
BENOZZOwird auf eines Maultiers Rücken
BENOZZOHerr Sindulfo festgeschnürt
BENOZZOund ins Dickicht fortgeführt!
BENOZZOMir gab man diesen Brief,
BENOZZOund einer von den Räubern rief:
BENOZZO"Du magst frei nun von hinnen gehen.
BENOZZOschnell, laufe 'jetzt nach Haus!
BENOZZOEilig melde, was geschehen.
BENOZZOrichte viele Gruse aus!
BENOZZODie Zeit dir zu verkürzen,
BENOZZOdein lustig Liedchen summ!"
BENOZZOMm-Mm-Mm-Mm
BENOZZOHui, wie ich da ausriss
BENOZZOund lief und lief und lief bis
BENOZZOder Atem wollte mir vergehn!
BENOZZODas Weitre wird da drinnen stehn!
gibt Nasoni einen Brief
öffnet den Brief und liest
NASONI"Bruder Nasoni!" - Impertinenter Kerl! -
liest weiter
NASONI"Ich habe deinen Sohn entführt. Willst du ihn wiederhaben, so kostet das zehntausend Zechinen Lösegeld." - Zehntausend Zechinen! Misericordia!
wischt sich den Schweiss ab, liest weiter
NASONI"Ein unbewaffneter Fussgänger bringe die Summe heute nach Sonnenuntergang zum Steinbruch, 'Das Ohr
NASONIdes Dionysos' genannt. Mit kollegialem Gruss, Antonio Gasparone, Podestà einer Banditen-Gemeinde."
SYSTEMCARLOTTA, SORA, ZENOBIA. BENOZZO. MASSACCIO, VOLK
NASONIO Frechheit des Banditen,
NASONIdas fordert Blut!
NASONIWie sollen wir uns hüten
NASONIvor seiner Wut?
NASONIWo nehme zehntausend
NASONIZechinen ich her?
NASONIIch kann sie so leicht
NASONInicht stehlen wie er!
NASONIMein Sohn als Pfand bei ihm versetzt!
NASONIWer löst ihn aus? Wie helf' ich jetzt?
mit plötzlichem Entschluss
CARLOTTADas Geld geb' ich, bin ich doch reich!
NASONIWas höre ich, ist's wahr?
CARLOTTASogleich
CARLOTTAsei das verlangte Lösegeld
CARLOTTAdem Räuber zugestellt!
NASONIZehntausend Zechinen sind es bloss!
unmutig
ZENOBIAUnd mich gab ganz umsonst er los!
CARLOTTAWer aber wagt es,
CARLOTTAdas Geld ihm zu bringen?
BENOZZOIch will es tun,
BENOZZOmir wird's gelingen!
BENOZZOIch folg' der Pflicht
BENOZZOund zage nicht!
CARLOTTA, SORA, ZENOBIA, NASONI, MASSACCIO, VOLKEr folgt der Pflicht
CARLOTTA, SORA, ZENOBIA, NASONI, MASSACCIO, VOLKund zaget nicht!
CARLOTTA, SORA, ZENOBIA, NASONI, MASSACCIO, VOLKEr zaget nicht!
BENOZZOVoll Courage, ohne Beben
BENOZZObring' kühn ich ihm sein Geld.
BENOZZOWill ein Beispiel dadurch geben,
BENOZZOwie sich benimmt ein Held!
BENOZZOIch bin nicht mehr das Lämmchen,
BENOZZOich fühle Heldenmut!
BENOZZOUnd schäumend, siedend, zischend
BENOZZOrollt in mir das Büffelblut!
SYSTEMCARLOTTA, SORA, ZENOBIA, BENOZZO, NASONI, MASSACCIO
BENOZZOWohlan! Wohlan!
BENOZZOZum Ruhme führt die Bahn!
CARLOTTA, SORA, ZENOBIA, NASONI, MASSACCIO, VOLKNur Courage! Ohne Beben
CARLOTTA, SORA, ZENOBIA, NASONI, MASSACCIO, VOLKbring ihm das Lösegeld!
BENOZZONur Courage! Ohne Beben
BENOZZObring' jetzt ich ihm sein Geld!
SYSTEMCARLOTTA, SORA, ZENOBIA, BENOZZO, NASONI, MASSACCIO
BENOZZOWohlan! Wohlan!
BENOZZOZum Ruhme führt die Bahn!
CARLOTTA, SORA, ZENOBTA, NASONI, MASSACCIO, VOLKJa, ein Beispiel sollst du geben,
CARLOTTA, SORA, ZENOBTA, NASONI, MASSACCIO, VOLKwie sich benimmt ein Held!
CARLOTTA, SORA, ZENOBTA, NASONI, MASSACCIO, VOLKNui Courage! Ohne Beben,
CARLOTTA, SORA, ZENOBTA, NASONI, MASSACCIO, VOLKsei ein Held,
CARLOTTA, SORA, ZENOBTA, NASONI, MASSACCIO, VOLKbring ihm das Lösegeld
CARLOTTA, SORA, ZENOBTA, NASONI, MASSACCIO, VOLKund zeige dich als kühner Held!
CARLOTTA, SORA, ZENOBTA, NASONI, MASSACCIO, VOLKEr will sich ermannen,
CARLOTTA, SORA, ZENOBTA, NASONI, MASSACCIO, VOLKzieht fröhlich von dannen,
CARLOTTA, SORA, ZENOBTA, NASONI, MASSACCIO, VOLKdringt mit bemerkenswertem Mut
CARLOTTA, SORA, ZENOBTA, NASONI, MASSACCIO, VOLKins Hauptquartier der Räuberbrut!
CARLOTTA, SORA, ZENOBTA, NASONI, MASSACCIO, VOLKWenn's wirklich gelinget,
CARLOTTA, SORA, ZENOBTA, NASONI, MASSACCIO, VOLKwenn heim er ihn bringet,
CARLOTTA, SORA, ZENOBTA, NASONI, MASSACCIO, VOLKder in der Räuber Krallen schon,
CARLOTTA, SORA, ZENOBTA, NASONI, MASSACCIO, VOLKkehrt wieder heim der teure Sohn,
CARLOTTA, SORA, ZENOBTA, NASONI, MASSACCIO, VOLKdann wird ihm reicher Lohn!
BENOZZOJa, ein Beispiel soll ich geben,
BENOZZOwie sich benimmt ein Held!
BENOZZONur Courage! Ohne Beben,
BENOZZOals ein Held,
BENOZZObring ich das Lösegeld
BENOZZOund zeige mich als kühner Held!
BENOZZOIch will mich ermannen,
BENOZZOzieh' fröhlich von dannen,
BENOZZOdring' mit bemerkenswertem Mut
BENOZZOins Hauptquartier der Räuberbrut!
BENOZZOWenn's wirklich gelinget,
BENOZZOwenn heim ich ihn bringe,
BENOZZOder in der Räuber Krallen schon,
BENOZZOdann wird mir reicher Lohn!
SYSTEMZWEITER AKT
Altertümlicher Salon im Schloss Santa Croce, im Hochparterre. Rings um den Salon herum ein schwerer geschnitzter und getäfelter Holzsockel. Altes Möblement. Links vorn ein Tafelklavier mit der schmalen Seite gegen das Publikum gestellt. Ein Diwan, Fauteuils, Blumentisch maskieren das Instrument etwas. Rechts ein breites hohes Fenster, das nach dem Garten sieht. Dahinter ein Kamin. Links eine Tür, zu Carlottas Gemächern führend. Rückwärts zwei hohe Türen, die, wenn sie geöffnet sind, Ausblick in einen reichmöbliertem Saal gewähren. Zwischen diesen Türen befindet sich eine solide, ins Mauerwerk gefügte eiserne Cassa, im Holzgetäfel des Sockels versteckt. Der Druck auf einen Knopf demaskiert deren Schlüsselloch. Ist sie geöffnet, sieht man hinter der schweren Eisentür mehrere Regale, auf denen einige alte Familienbücher, Pergamentrollen und einige alte Goldgeschirre stehen.
SYSTEMERSTE SZENE
Marietta, dann Sora; Chor (hinter der Szene)
hinter der Szene
CHORHör doch die Töne, Estrella.
CHORman tanzt Tarantella!
CHORBerauschende Musik
CHORbringt uns der Liebe süsses Glück.
CHORWem zuckt es nicht in den Füssen.
CHORdie Nacht zu geniessen?
CHORWer zaudert da noch lang,
CHORwenn hell das Tamburin erklang?
CHORWer widersteht dir, Zauberklang
SYSTEMDialog
von links, im Kostüm eines Kammermädchens jener Zeit
MARIETTADio mio! Wenn die braven Leute nur einmal aufhören würden mit ihrer Serenata! Gratulieren zur Verlobung ist schön und gut, aber meine arme Gräfin hat Kopfweh und ...
geht ans Fenster, öffnet es, nickt und winkt mit dem Taschentuch
MARIETTAJa! Wir glauben's euch! Wir glauben's euch!
Der Gesang wird schwächer.
MARIETTAAh, sie entfernen sich, sie winken! Addio! Addio!
Der Gesang verhallt. Marietta schliesst das Fenster, trällert das Motiv mit, ordnet einiges im Zimmer, zieht die noch überzogenen Möbel ab.
von links auftretend
SORADie Gräfin ruht etwas, Marietta! Wenn der Herr Podestà kommt, soll er warten. Falls aber
leise
SORAder Conte Erminio käme, soll man's ihr melden!
schlau
MARIETTAHm! Hm! Mit dem Sindulfo verlobt sie sich, und den Erminio ladet sie dazu ein! Na, beim Auskehren wird sich's ja finden!
SORAMir ist ebenfalls unbegreiflich, dass unsere Gräfin diesen Sindulfo von der traurigen Gestalt nimmt; aber der alte Nasoni lässt ihr keine Ruhe; will durchaus, dass die Verlobungsfeier schon heute stattfindet.
spöttisch
MARIETTAHaha! Begreiflich! Seit die schönen runden Millionen drinnen in dem Schranke dort liegen, da hinter jener Tür,
zeigt nach derselben
MARIETTAhat's der Alte gar eilig!
SORADie Gräfin fühlt sich durch ihr Wort an Sindulfo gebunden! Aber, ich lasse mir's nicht nehmen, der Erminio wär ihr lieber!
MARIETTANa, beim Auskehren wird sich's ja finden!
Beide plaudern, übers Klavier gelehnt, weiter.
SYSTEMZWEITE SZENE
Die Vorigen, Zenobia
übellaunig eintretend
ZENOBIAWie, Marietta? Weisst du nichts Besseres zu tun heute, wo wir gegen hundert Gäste erwarten, als da zu tratschen und zu quatschen?
empört
SORATratschen, Signorina?
empört
MARIETTAQuatschen, Signorina?
herrisch
ZENOBIASchweigt!
zu Sora
ZENOBIAWas machst du hier, Sora?
SORAMich hat die Gräfin rufen lassen, nur ihr zuliebe bleibe ich, denn ich bin in grässlicher Unruhe!
setzt sich auf ein überzogenes Fauteuil
ZENOBIAWarum?
SORAEi, wegen meines Benozzo! Mehr als vierundzwanzig Stunden sind verstrichen, seit er mit dem Lösegeld an Gasparone abging, und er ist noch nicht zurückgekehrt!
zu Zenobia
MARIETTABitte!
ZENOBIAWas?
MARIETTADer Überzug!
steht auf
ZENOBIAAch so!
weinerlich
SORAAch, was mag der entsetzliche Räuber mit meinem guten Benozzo angefangen haben?
setzt sich wie früher auf ein überzogenes Fauteuil
ZENOBIAWeine nicht, einfältiges Ding, wegen eines Mannes!
unwillig über Zenobia, zu Sora
MARIETTASignorina hat recht!
münzt ihre Rede auf Zenobia
MARIETTAEs gibt Leute, die gar keinen Mann haben und auch leben!
scharf
ZENOBIAMeinst du damit mich?
knickst
MARIETTANein, Signorina, mich!
ZENOBIAIch sah deutlich, wie du auf mich zeigtest!
lebhaft
MARIETTAJa, wenn Sie es selbst gesehen haben, wird es wohl so sein!
ZENOBIAGenug, genug! Keinen Widerspruch, kecker Schnabel!
scharf
MARIETTABitte!
ZENOBIAWas?
MARIETTADer Überzug!
steht wütend auf
ZENOBIAAch so! Hinaus! Hinaus einmal! Und eins sage ich dir: mässige deine lose Zunge! Wenn nicht, gehst du aus dem Hause - oder ich!
MARIETTANa, beim Auskehren wird sich's ja finden!
geht mit Sora links ab
SYSTEMDRITTE SZENE
Zenobia (allein)
ZENOBIAAh! Haushalt besorgen, wenn das Innere blutet; Küche bestellen, wenn das Herz hungert; Keller inspizieren, wenn die Seele durstet... welch eine Tortur! O gemeine Prosa des Lebens, wie ekelst du mich an, seit ich in
ZENOBIARäuberhänden war!
sinnend
ZENOBIAUnd doch ... und doch ist er nicht ohne, ah, dieser Gasparone!
ZENOBIA1.
ZENOBIADer Blick von diesem Ungeheuer
ZENOBIAschien grausam wohl, jedoch voll Feuer.
ZENOBIAEr stand vor mir, so gross, so stramm,
ZENOBIAein Wolf vor einem zarten Lamm!
ZENOBIADie Hände zitternd hoch erhoben
ZENOBIAfleht' ich ihn an, den schönen Mann!
ZENOBIAEr schaut von unten mich bis oben
ZENOBIAdurchdringend an und lächelt dann.
ZENOBIADa fühlt' ich alle Fassung weichen;
ZENOBIAohnmächtig sank ich um, doch er
ZENOBIAliess sinken mich, tat nichts dergleichen!
ZENOBIAEs gibt ja keine Männer mehr!
ZENOBIAKeine Männer mehr, keine Männer mehr!
ZENOBIANein, nein, die gibt's nicht mehr!
ZENOBIA2.
ZENOBIAGanz hilflos lag ich auf dem Sande,
ZENOBIAdicht neben mir ein Teil der Bande,
ZENOBIAdie andern weiter im Gebüsch.
ZENOBIAEs war romantisch, malerisch!
ZENOBIABedenk' ich, was mir konnt' geschehen,
ZENOBIAerstarret mir noch jetzt das Blut!
ZENOBIAVor Angst und Schreck wollt' ich vergehen,
ZENOBIAdahin der Jungfrau Stolz und Mut!
ZENOBIADie wilde Schar auf öder Heide:
ZENOBIAder Augenblick war kritisch sehr,
ZENOBIAdoch tat mir keiner was zuleide!
ZENOBIAEs gibt ja keine Männer mehr!
ZENOBIAKeine Männer mehr, keine Männer mehr!
ZENOBIANein, nein, die gibt's nicht mehr!
setzt sich träumerisch auf den Diwan
SYSTEMVIERTE SZENE
Zenobia, Nasoni
SYSTEMDialog
stürmt von rückwärts herein
NASONINichts, nichts! Keine Spur von Benozzo und immer noch kein Sindulfo! Mit wem soll sich Carlotta verloben, wenn sie keinen Sindulfo hat?
die aus ihren Träumen unwillig aufschreckte
ZENOBIAWarum auch das Verlobungsfest schon auf heute ansetzen, ohne Ihres Sohnes Rückkunft abzuwarten?!
NASONIVielleicht verlangt dieser Gasparone mehr Lösegeld?
höhnisch
ZENOBIANun, hat die Gräfin für den Bräutigam zehntausend Zechinen gezahlt, wird sie schon noch was drauflegen!
scharf
NASONIDen Bräutigam? Was wollen Sie damit sagen, Signorina?
ZENOBIADass Ihr Sohn so viel Lösegeld gar nicht wert ist.
scharf
NASONIWenn Sindulfo ein überreifes Frauenzimmer wäre wie Sie, gäb Gasparone ihn vielleicht ohne Lösegeld frei!
wütend
ZENOBIAÜberreif?
scharf
NASONISagen wir: alt!
wütend
ZENOBIAAlt? ... Herr Podestà, man ist nur so alt, wie man aussieht!
giftig
NASONFür so alt hätte ich Sie gar nicht gehalten!
stampft mit dem Fusse
ZENOBIAOh!
mit vor Wut erstickter Stimme
ZENOBIAWas kostet es hierzulande, wenn man einen Podestà "Flegel" nennt?
frech
NASONIZwei bis drei Monate Einzelhaft!
ZENOBIADann ...
bemeistert sich
ZENOBIAdann will ich Sie lieber nicht ,,Flegel" nennen!
geht ab
sieht Carlotta in Begleitung Erminios von links kommen
NASONIDa kommt die Gräfin; und wieder dieser Conte Erminio mit ihr! Oh, vergiften könnte ich diesen Menschen, vergiften! Das wär' ich meiner Gesundheit schuldig.
grüsst Carlotta
SYSTEMFÜNFTE SZENE
Nasoni, Carlotta, Erminio
CARLOTTAWillkommen, padre mio! Nun... und Sindulfo?
NASONIIst noch immer nicht da! Sie sehen mich in heller Verzweiflung darüber!
ironisch
ERMINIO:Also eine Verlobung ohne Bräutigam!
fein
ERMINIO:Darf ich als Ersatz vielleicht indes mich anbieten?
zwischen beide tretend
NASONINein, nein, danke!
für sich
NASONIErdolchen könnt' ich diesen Menschen, erdolchen!
laut
NASONIGeduld, teure Carlotta! Ich habe eine ganze Postenkette ausgestellt, die uns meines Sohnes Rückkehr durch Schüsse anzeigt. Er wird bald hier sein!
heiter
CARLOTTANun denn, vertreiben wir uns die Zeit indes, so gut es geht! Musizieren
CARLOTTAwir!
tritt zum Klavier
eifrig
NASONIJa, ja, musizieren wir!
blättert in Noten
CARLOTTADa ist das Duett, welches Sie mir letzthin brachten 'Der einsame Schäfer!"
NASONISie wollten es mit Sindulfo singen?!
CARLOTTADer leider nicht da ist!
ERMINIODarf vielleicht ich mich als Partner anbieten?
CARLOTTABitte!
für sich
NASONIErwürgen könnt' ich diesen Menschen, erwürgen
laut zu Errninio
NASONISingen Sie denn überhaupt?
ERMINIOBis ins hohe A. Singt Sindulfo?
NASONIBis ins hohe B, mein Herr! Bis ins hohe B, C, D, E. F, G, H, J, K, L, bis ins Z!
ERMINIOSchade, dass er nicht da ist! Ich hätte ihn gebeten, mir sein ABC vorzusingen!
CARLOTTANun, behelfen wir uns ohne ihn!
zu Erminio
CARLOTTAAlso, wir beide singen, und
zu Nasoni
CARLOTTASie begleiten!
verblüfft
NASONIBegleiten?
CARLOTTANun ja!
hämisch
ERMINIOBegleiten und umblättern!
für sich, wütend
NASONIDurchblättern könnt' ich diesen Menschen, durchblättern!
CARLOTTAAlso?
NASONIJa, ja, meinetwegen
für sich
NASONIOh, ich berste vor Wut!
setzt sich ans Klavier, spielt einige Akkorde, dann die einfach gesetzte Einleitung eines Duetts. Im Augenblick, wo Erminio den ersten Ton singt, unterbricht Nasoni sein Spiel.
NASONIWar das nicht ein Schuss?
CARLOTTAGott bewahre, spielen Sie nur!
ERMINIOIch habe nichts gehört!
brummig
NASONIIch würde schwören, dass das ein Schuss war!
CARLOTTA, ERMINIONein, nein! Weiter, weiter!
spielt wieder die Einleitung. Im Augenblick, wo Erminio den ersten Ton singt, springt Nasoni auf, setzt sich auf die Klaviatur und schreit
NASONIDiesmal war's einer!
CARLOTTA, ERMINIONein, nein!
CARLOTTANur fort! Ich weiss nicht, was Sie haben! Spielen Sie, spielen Sie, spielen Sie nur!
NASONIAber' ich ...
im selben Augenblick, als er sich wieder setzt und spielen will, ertönen Schüsse, näher als die früheren. Er springt auf.
NASONIDiesmal ist' richtig! Kein Zweifel, man hat geschossen, er ist's! Es ist Sindulfo!
höhnisch zu Erminio
NASONIJetzt wird er singen! Er! Und nicht Sie!
eilt zum Fenster, öffnet es und blickt gespannt hinaus
SYSTEMSECHSTE SZENE
Erminio, Carlotta, dann Nasoni
Carlotta will Nasoni folgen, Erminio vertritt ihr den Weg.
ERMINIOEin Wort, Gräfin! Lassen Sie mich den Moment benützen, Sie nochmals zu warnen!
CARLOTTABitte, nichts Mehr davon! Sie kennen meinen Entschluss. Ich kann nicht zurück!
ERMINIOMit diesen Worten kennzeichnen Sie selbst Ihre Lage. Sie stehen im Begriff, eine Verbindung zu schliessen, gegen welche sich Ihr Herz sträubt, und...
unterbricht ihn
CARLOTTA...Ich bitte, quälen Sie mich nicht! Ich muss ...
beherrscht sich
CARLOTTAIch will ... und gebe niemand das Recht, meinem Vorsatz entgegenzutreten!
Vivatrufe hinter der Szene
kommt zurück vom Fenster
NASONIEviva! Eviva! Oh, oh, ich kann mich vor Freude nicht fassen! Schüsse! Freudenrufe! Staub auf der Landstrasse! Er ist's, er ist's! Oh!
küsst und umarmt Carlotta leidenschaftlich
NASONIIch muss Sie umarmen, Carlotta, küssen ... bin das meiner Gesundheit schuldig!
CARLOTTAIch teile Ihre Freude, Papa.
NASONIOh, ich kann meine Ungeduld nicht mehr bemeistern! Ihm entgegen, entgegen!
will ab
SYSTEMSIEBENTE SZENE
Die Vorigen, Marietta, dann Sora, Benozzo
stösst mit Nasoni unter der Tür zusammen
MARIETTAEr kommt! Er kommt! Da ist er!
weicht zurück
NASONISindulfo?
MARIETTAGeschehen ist ihm nichts, nichts!
NASONISindulfo?
will ab
stürzt Nasoni entgegen
SORADa ist er, da ist er! Und unbeschädigt!
NASONISindulfo?
eilt zurück und zerrt Benozzo herein
SORANein, Benozzo! So komm doch, mein Männchen!
folgt ziemlich kleinlaut seinem Weibe
BENOZZODa bin ich, da bin ich schon, mein Weibchen!
ungeduldig
NASONINun also, was ist's? Wo ist mein Sohn Sindulfo?
grüsst die Anwesenden
BENOZZOErgebenster Diener, meine Herrschaften!
NASONIWo mein Sohn ist, will ich wissen!
grüsst die Anwesenden, ohne sich um Nasoni zu kümmern
BENOZZOMein teures Weib! Wie froh bin ich, dich nach so grässlicher Gefahr wieder umarmen zu können!
umarmt Sora
zärtlich
SORAMein Männchen!
trennt beide
NASONIMacht diese Zärtlichkeiten zu Hause ab! Wo mein Sohn ist, will ich wissen!
schüttelt Marietta die Hand, ohne sich um Nasoni zu kümmern
BENOZZODie gute Marietta! Wie teilnahmsvoll sie mich anblickt!
MARIETTAUnd Gasparone hat Euch nichts angehabt, Benozzo?
trennt beide, wütend
NASONIWo ist Sindulfo? Unmensch!
zu Marietta
BENOZZONein, gar nichts!
NASONIMaledetto! Jetzt reisst mir die Geduld!
packt Benozzo am Kragen und schüttelt ihn
NASONIWo ist Sindulfo?
BENOZZOWo soll er denn sein? Beim Gasparone!
schreien leicht auf
CARLOTTA, SORA, MARIETTA, NASONIAh!
leise zu Erminio
BENOZZOZucker und Kaffee!
NASONIEntsetzlich! Dieser Bluthund war mit dem Lösegeld nicht zufrieden. Verlangt er mehr?
BENOZZODas weiss ich nicht.
NASONIMensch! Ich lasse dich peitschen, wenn du nicht sprichst! Du hast gestern das Lösegeld übernommen?
BENOZZOJa!
NASONIBist du damit zum "Ohr des Dionysos" geeilt?
BENOZZOJa! - Das heisst, ich bin nur bis zum Läppchen gekommen.
NASONIWie?
BENOZZOBis zum Ohrläppchen! Je weiter ich gegangen bin, desto weniger hat mein Büffelblut getobt. Und wie ich ganz nahe war, beim Ohr, da hat's ganz aufgehört zu toben: das Büffelblut.
mit Pantomime
BENOZZOUnd die Schafsmilch ist nach oben gestiegen. 's reine Obers!
NASONIFeiger Halunke!
teilnahmsvoll
CARLOTTAMein armer Nasoni!
für sich
ERMINIOBraver Benozzo!
niedergeschmettert
NASONIHa! Elender Wicht! Wehe dir, wenn meinem Sindulfo nur ein Haar gekrümmt wird!
setzt sich verzweifelt
leise zu Benozzo
ERMINIOWo ist Sindulfo?
leise, schnell zu Erminio
BENOZZOIn unseren Keller eingesperrt, bei Zucker und Kaffee!
mit raschem Entschluss
NASONIWo ist das Lösegeld? Her mit den zehntausend Zechinen!
BENOZZODie hab' ich nicht mehr.
ALLEOh!
NASONISchuft, infamer! Was hast du mit dem Gelde gemacht?
BENOZZOIch hab's meinem Onkel Massaccio gegeben und ihm aufgetragen, es Gasparone zu bringen.
NASONIAh! Das schlägt dem Fass den Boden aus! Zehntausend Zechinen ... Massaccio, dem grössten Halunken von Syrakus!
BENOZZOHerr Podestà, Sie vergessen sich! Mein Onkel ist ein ehrlicher Mann, für den ich bürge!
NASONIUnd wer bürgt für dich?
BENOZZOMein Onkel!
rennt ausser sich auf und ab
NASONIGrässlich, grässlich! Was tun? Was tun?
CARLOTTABeruhigen Sie sich, teurer Freund! Wozu habe ich das viele Geld dort in der Kasse?
zeigt danach, zu Marietta
CARLOTTAMarietta, bring mir die Kassenschlüssel!
MARIETTAZu Befehl!
geht links ab
NASONIO Carlotta, teuerste Tochter, wie soll ich Ihnen danken?
herzlich
CARLOTTAVerdanke ich nicht Ihren Bemühungen mein ganzes Vermögen?
NASONIWenn auch, aber...
CARLOTTAWenn es notwendig ist, senden wir noch heute dieselbe Summe an Gasparone.
mit zwei kleinen Schlüsseln an einer Stahlkette zurückkehrend
MARIETTAHier die Schlüssel, Frau Gräfin!
nimmt die Schlüssel
CARLOTTADanke. Es wird sich doch ein mutiger Mann finden, der den Weg zu Gasparone nicht scheut!
steckt die Schlüssel zu sich
heldenmässig vortretend
BENOZZODieser mutige Mann bin ich! Jetzt fühle ich mich wieder Büffel! Wehe Gasparone! Wehe!
schickt Benozzo beiseite
NASONIMach, dass du weiterkommst, Tölpel ... mit deinem Büffelblut! Geh in einen Schafstall, dorthin gehörst du!
Musik
SYSTEMACHTE SZENE
Die Vorigen, dann Ballgäste, Zenobia
CARLOTTADas Orchester! Wir wollen unsere Gäste nicht umsonst geladen haben!
zu Nasoni
CARLOTTAHeiter, heiter, Papa! Sindulfo wird uns zurückgegeben, dessen bin ich gewiss!
wendet sich nach rückwärts, wo sie sich mit Benozzo und Sora beschäftigt; Marietta öffnet beide Türen und geht hinter denselben nach rechts und links, als lade sie die Gesellschaft ein, einzutreten.
leise zu Nasoni
ERMINIOUnd so viel Edelsinn rührt Sie nicht, macht Sie nicht schamrot?
frech
NASONISchamrot?
leise zu Nasoni
ERMINIOSie bestehen auf einer Verbindung, zu der Sie der Gräfin Ja-Wort durch Lug und Trug gewonnen?
fährt zusammen, fasst sich aber schnell
NASONIJa, mein Herr! Ich bestehe darauf!
wendet sich nach rückwärts
für sich
ERMINIODann bleibt nichts anderes übrig, als dass ich den grossen Coup ausführe!
CARLOTTAAh, meine Gäste!
Eintritt der Damen und Herren, die beim Eintreten Carlotta ehrfurchtsvoll begrüssen. Die Baligäste in französischer Kleidung jener Epoche. Unter ihnen einige Offiziere der Armee und der Marine. Nasoni begrüsst ebenfalls.
BALLGÄSTEDurch dieses Schlosses weite Hallen,
BALLGÄSTEdas lang in Nacht und Schweigen lag,
BALLGÄSTElasst nun die heitren Klänge schallen;
BALLGÄSTEes brach herein der junge Tag!
CARLOTTADer Freude wollen wir uns weihn!
tragisch
NASONISindulfo ist noch immer fern!
CARLOTTAIn kurzem wird auf jeden Fall er wieder bei uns sein. Indes eröffnen wir den Ball.
ERMINIOIch tret' an seine Stelle gern und hoff', er wird mir dankbar sein!
für sich
NASONIVergiften könnt' ich diesen Herrn!
halblaut zu Erminio, der mit Carlotta plaudert
NASONIMein Herr, Sie sind im Wege mir!
verbindlich
ERMINIOGern mach' ich Platz! Sie bleiben hier, ich geh' zum Tanz!
reicht der Gräfin den Arm
wütend
NASONIZum Teufel!
für sich
NASONIMir wird schwach!
sich zurückwendend, zu Nasoni
ERMINIOWenn Ihr Herr Sohn kommt,
ERMINIOschicken Sie ihn nach!
geht mit Carlotta zu den mittleren Türen, die in den Saal führen
folgend
BALLGÄSTEDurch dieses Schlosses weite Hallen,
BALLGÄSTEdas lang in Nacht und Schweigen lag,
BALLGÄSTElasst heitre Sänge jetzt erschallen;
BALLGÄSTEes brach herein der junge Tag!
im Hintergrunde sich wendend, indem sie einige Paare an sich vorübergehen lässt, ehe sie im den Saal folgt
CARLOTTAWohlan, zum Ball! Ich bitte sehr!
bleibt wütend vorn stehen
NASONIKommt er mir nochmals in die Quer',
NASONIdann wehe ihm!
folgt Carlotta und Erminio
im Abgehen
BALLGÄSTEZum frohen Reihn!
BALLGÄSTEEs herrsche heitre Lust allein!
auf der entgegengesetzten Seite von Nasoni vorn allein, wartet vergeblich, dass einer der defilierenden Herren ihr den Arm reicht
ZENOBIANa, na, na, na, na, na,
ZENOBIAha! Es gibt ja keine Männer mehr!
ZENOBIAKeine Männer mehr, keine Männer mehr!
ZENOBIANein, nein, die gibt's nicht mehr!
folgt den übrigen
SYSTEMNEUNTE SZENE
Benozzo (allein), dann Sora
SYSTEMDialog
hüllt sich in einen weiten Mantel
BENOZZOIch will Sora aufsuchen und ihr mitteilen, dass ich die Nacht auswärts verbringe. Wir haben wieder eine Ladung geschmuggelter Ware zu bergen. Sora hat keine Ahnung davon, dass wir schwärzen - was soll ich ihr also weismachen? 's ist ein ahnungsloses Gemüt, mein Weibchen! Haha! Es glaubt noch heute, dass es Gasparone war, der ihm neulich im Hohlwege begegnete, es küsste! Und doch war ich's, der in rabenschwarzer Nacht mit geschwärztem Gesicht geschwärzte Waren paschte! Hm! Was soll ich ihr sagen, mein Ausbleiben heute Nacht zu entschuldigen?
kommt aus dem Saal; für sich
SORADie Gräfin verlangt einen Fächer …
will rechts ab, sieht Benozzo
SORABenozzo, du hier, und im Mantel? Willst du schon nach Hause?
nimmt den Mantel ab, er trägt Pistolen im Gürtel; für sich
BENOZZOHm! Am besten ist, ich spiel' den Eifersüchtigen, mache ihr eine kleine Szene.
SORAOb du nach Hause gehst, frage ich!
spielt den Übelgelaunten
BENOZZOIch kann gehen, wohin ich will, bin dir keine Rechenschaft schuldig!
erstaunt
SORAWas?
BENOZZODu bindest mir auch nicht alles auf die Nase!
SORA:Was ist denn das für ein Ton? Wo lernst du auf einmal solche Unarten?
BENOZZODie kann ich alle auswendig!
SORASeh' mir einer den Flegel an! Ist grob mit mir, statt der Vorsehung zu danken, dass sie mich zu seiner Frau machte!
BENOZZODie Vorsehung gibt uns die Mädchen. Zu Frauen machen wir sie!
verächtlich
SORAPah!
BENOZZOPah! Pah! Was soll dieses Pah heissen?
SORADieses Pah heisst
schnalzt mit den Fingern
SORAsoviel als, du machst dir nichts aus mir!
BENOZZODas merke ich schon lange!
SORAWie?
BENOZZODu bist eine Kokette!
SORAIch?
BENOZZOJa! Gegen Nachbar Pamfilio artig, zuvorkommend
SORAIch?
BENOZZOVom Conte Erminio hast du dich küssen lassen
SORAMit deiner Erlaubnis!
BENOZZAEin braves Weib soll sich selbst mit seines Mannes Erlaubnis nicht küssen lassen!
stärker
BENOZZAUnd Gasparone?
SORAGasparone?
BENOZZOHast du vergessen, dass er dich neulich im Hohlwege attackierte?
SORAIn allen Ehren!
BENOZZO... dich küsste?
SORAIn allen Ehren!
BENOZZOWas tat er sonst noch? Sprich! Sprich!
SORA's ist gar nicht schön, mit solchen Fragen
SORAauf mich zu dringen ein!
BENOZZODem Gatten muss man alles sagen,
BENOZZOdein Richter will ich sein!
SORAEs ist nichts Böses ja geschehn!
BENOZZONichts Böses? Nun, wir wollen sehn!
SORADu wirst schon sehn!
BENOZZOWir wollen sehn!
SORAStockfinster war die Nacht,
SORAkein Mond, kein Sternlein wacht!
SORAIn solchem Dunkel kann
SORAnicht deutlich sehen man!
BENOZZODas fängt ja ziemlich dunkel an!
BENOZZOJedoch, lass sehn, was dann?
SORAStockfinster war die Nacht,
SORAkein Mond, kein Sternlein wacht!
SORAIn solchem Dunkel kann
SORAnicht deutlich sehen man!
BENOZZODoch ich sehe leider klar,
BENOZZOwie die Affaire war!
SORANun, wohlan! Sag an!
BENOZZOErst nahm er zärtlich deine Hand,
unterbrechend
SORAO nein, o nein! So war es nicht!
BENOZZO... er drückte sie so recht galant,
SORAO nein, o nein! Das tat er nicht!
BENOZZOer hielt sie fest dann ziemlich lang!
SORAO nein, o nein! Das ist nicht wahr!
spöttisch
BENOZZOUnd dir, und dir war gar nicht bang!
SORAO nein, du weisst nicht, wie es war!
SORAHa, stockfinster war die Nacht,
SORAkein Mond, kein Sternlein wacht!
SORAin solchem Dunkel kann
SORAnicht deutlich sehen man!
BENOZZOUnd dann?
stockend
SORAUnd dann nichts weiter mehr!
fest
BENOZZONun, einen Kuss verlangte er?!
BENOZZOUnd du?
einfallend
SORAIch wies ihn fest zurück!
BENOZZODa stahl ihn dir der Galgenstrick!
BENOZZOUnd du, du hast's geduldet?
weinerlich
SORAIch habe nichts verschuldet!
SORAEr stahl ihn trotz dem Widerstand,
SORAweil er im Stehlen sehr gewandt!
weinend
SORAHuhuhuhu!
SORAEs war ja finstre Nacht!
sie kopierend
BENOZZOKein Mond, kein Sternlein wacht!
zornig
BENOZZOIch kenne sie, die Melodie!
BENOZZOUnd mir ist alles offenbar,
mit Nachdruck
BENOZZOdenn wisse,
BENOZZOdass ich selbst der Räuber war!
SORAWie, du?
BENOZZOJa, ich! Ja, ich!
erstaunt
SORAWarum nicht gar?
BENOZZOJa, ja, 's ist wahr!
SORAHa, nun wird mir sonnenklar,
SORAwas bisher noch dunkel war
SORAbei dieser Finsternis!
SORAIst auch Übles nicht geschehn,
SORAkonnt' es leicht doch schlimmer gehn,
SORAdas ist nur zu gewiss!
SORAObzwar die Nacht stockfinster war,
SORAseh' ich doch jetzt ganz klar!
BENOZZOHa, nun sieht sie sonnenklar,
BENOZZOwas bisher noch dunkel war
BENOZZObei dieser Finsternis!
BENOZZOIst auch Übles nicht geschehn,
BENOZZOkonnt' es leicht doch schlimmer gehn,
BENOZZOdas ist nur zu gewiss!
BENOZZOObzwar die Nacht stockfinster wai,
BENOZZOseh' ich doch jetzt ganz klar!
SORANun siehst du, wie du dich blamiert,
SORAwohin die Eifersucht dich führt!
BENOZZOUnd kannst du denn noch wagen.
BENOZZOdie Augen aufzuschlagen?
SORAOh! An mir ist's jetzt, zu fragen!
SORADu wirst sogleich mir sagen,
SORAwas du in schwarzer Nacht
SORAdort eigentlich gemacht?
verdutzt
BENOZZOWieso?
SORAGestehe, sprich, was triebst du, wie?
für sich
BENOZZOAm besten ist's, ich mach's wie sie!
laut
BENOZZOStockfinster war die Nacht,
BENOZZOkein Mond, kein Sternlein wacht!
BENOZZOIn solchem Dunkel kann
BENOZZOnicht deutlich sehen man!
ärgerlich
SORAFang selbst dir deine Lieder an!
SORAWas tatst du dort, sag an!
BENOZZOStockfinster war die Nacht,
BENOZZOkein Mond, kein Sternlein wacht!
BENOZZOIn solchem Dunkel kann
BENOZZOnicht deutlich sehen man!
heftig
SORADoch mir ist's leider klar,
SORAwie die Affaire war!
BENOZZONun, sag an, sag an!
SORADu hattest dort ein Stelldichein,
BENOZZOO nein, o nein, so war es nicht!
SORA…du ludest dir ein Liebchen ein!
BENOZZOO nein, o nein, so war es nicht!
SORAGesteh. gesteh! Sonst werd ich wild!
BENOZZOIch hab' ja gar nichts zu gestehn!
SOFIADu warst im Mantel dicht verhüllt!
BENOZZODas konntest du ja gar nicht sehn,
BENOZZOdenn: stockfinster war die Nacht,
BENOZZOkein Mond, kein Sternlein wacht!
BENOZZOIn solchem Dunkel kann
BENOZZOnicht deutlich sehen man!
SORALass jetzt die Possen, Element!
SORASonst sind auf ewig wir getrennt!
SORAGib Antwort meinen Fragen!
BENOZZONun gut, so lass dir sagen:
BENOZZOwas ist denn Schlimmes dran am End'?
leiser
BENOZZOIch führte mit Massaccio dort
BENOZZOganz heimlich Schmugglerwaren fort!
laut, sehr überrascht
SORAEin Schwärzer! Du?
hält ihr den Mund zu
BENOZZONur still!
leise und erfreut
SORAIst's wahr?
SORAIch hielt für treulos dich,
SORAich will's gestehn!
BENOZZOWas fällt dir ein?
BENOZZODen Schwärzer hast
BENOZZOdu allzu schwarz gesehn!
BENOZZOMich lockt ganz anderer Gewinn;
BENOZZOauch heute muss ich wieder hin!
SORAWas kümmert mich die Schmuggelei!
BENOZZOSie bringt mir Gold!
SORAWenn du mir nur als Gatte treu,
BENOZZOMehr als ich sollt'!
SOFIA... magst weiter schmuggeln du!
SOFIADass dabei nichts störe deine Ruh,
SOFIAwünsch' ich recht schwarze Nacht dazu!
BENOZZOHahahaha!
SORAStockfinster sei die Nacht,
SORAkein Mond, kein Sternlein wacht!
SORADenn in solchem Dunkel kann
SORAnicht deutlich sehen man!
SORADass eure Schmuggelei
SORAsicher vor Spähern sei,
SORAwünsch' ich dir gute,
SORAdas heisst eine kohlschwarze Nacht!
BENOZZOSie wünscht mir schwarze Nacht,
BENOZZOkohlrabenschwarze Nacht,
BENOZZOdamit in dem Dunkel dann
BENOZZOniemand mich sehen kann!
BENOZZOWahrlich, das brave Weib
BENOZZOkümmert nicht, was ich treib'!
BENOZZOSie wünscht mir gute,
BENOZZOdas heisst eine kohlschwarze Nacht!
Es wird nach und nach dunkel. Benozzo und Sora gehen rückwärts rechts ab.
SYSTEMZEHNTE SZENE
Marietta (allein), dann Carlotta
SYSTEMDialog
Im selben Augenblick, wo Sora und Benozzo abgehen, tritt Marietta von links rückwärts auf.
MARIETTAEi, ei, ei! Da drüben im Ballsaal scheint etwas vorgefallen zu sein! Der interessante Conte Erminio ist plötzlich verschwunden! Die Gräfin, bis dahin heiter und tanzlustig, ist verstimmt, echauffiert, will sich etwas zurückziehen, hat sich ein Glas Limonade bestellt! Das ist immer ein Zeichen übler Laune bei ihr!
will links abgehen; es donnert
tritt von links hinten auf
CARLOTTAMarietta!
MARIETTAFrau Gräfin?
CARLOTTARasch ein Tuch! Mich fröstelt!
MARIETTAGleich!
für sich
MARIETTAVorhin war ihr warm, jetzt fröstelt sie's wieder!
eilt links ab
geht aufgeregt ans Fenster, stösst es auf, gleichzeitig hört man Donner
CARLOTTAEs jagt ein Gewitter übers aufgeregte Meer daher, das passt so recht zu meiner Stimmung!
mit einem Tuch und einer Platte, auf welcher ein Glas Wasser steht und ein Kaffeelöffel liegt
MARIETTAHier, Frau Gräfin! Limonade zum Abkühlen und
leicht spöttisch
MARIETTAein Tuch zum Wärmen!
stellt die Platte auf einen Tisch; gibt Carlotta das Tuch um, in das sich diese rasch hüllt
trinkt
CARLOTTAIch muss einen Moment ruhen! Lass mich allein!
setzt sich
MARIETTAZu Befehl!
fährt bei einem starken Blitz, dem ein heftiger Donner folgt, sich bekreuzigend, zurück
MARIETTAAlle guten Geister! War das ein Blitz!
verstopft sich die Ohren
MARIETTAPuh, und der Donner!
ärgerlich
CARLOTTAJa, ja, schon gut! Mach endlich, dass du fortkommst!
MARIETTAMein Gott, ich gehe ja schon, ich gehe ja schon! Man wird sich doch noch fürchten dürfen!
geht kopfschüttelnd nach hinten ab
MARIETTAHat die Frau heute eine Gewitterlaune! Ich gehe, damit's nicht einschlägt!
Es wird ziemlich dunkel, flammende Blitze erhellen zeitweise durchs rechte Fenster den Salon; der Donner grollt fort.
SYSTEMELFTE SZENE
Carlotta (allein), dann Erminio
CARLOTTAAh!
geht nervös-erregt auf und ab
CARLOTTADieser Zustand ist unerträglich! Dieser Kampf zwischen Pflicht, Ehre und - warum soll ich's nicht aussprechen? - Liebe. Ja, Liebe! Dieser Kampf reibt mich auf!
setzt sich links in einen Lehnstuhl, stützt melancholisch den Kopf auf die rechte Hand
CARLOTTASchreckliches Los! Meine erste Ehe mit einem alternden Manne freudlos, und die zweite mit…
sinnt nach
sehr fernes Gewitter und Wetterleuchten
kehrt langsam vom Fenster zurück und lässt sich sinnend auf dem Diwan nieder
CARLOTTADunkel breitet sich über das Meer
CARLOTTAder Donner rollt,
CARLOTTABlitze zucken, die Luft ist schwer .
CARLOTTAein Wetter grollt.
springt, nachdem er sich, umgesehen, leicht und ohne Geräusch durchs Fenster. Er ist in einen Mantel gehüllt; für sich
ERMINIOFast erbeb' ich, ob auch gelingt.
ERMINIOwas ich erdacht,
ERMINIOdoch vertraun will ich unbedingt
ERMINIOder Liebe Macht!
für sich
CARLOTTABin ich allein,
CARLOTTAallein mit meinen Gedanken,
CARLOTTAbeginnt mein Mut zu wanken,
CARLOTTAich denke sein!
vergräbt ihr Gesicht in den Händen
für sich
ERMINIOAns Werk denn ohne Schwanken,
ERMINIOes muss ja sein!
spricht
ERMINIODoch Vorsicht!
ERMINIOErst den Rückzug gesichert!
versperrt beide rückwärtige Türen; beim Sperren der zweiten auf der rechten Seite entsteht ein heftiges Geräusch.
fährt auf
CARLOTTAMarietta, bist du da?
steht auf; ein Blitzstrahl erleuchtet das Zimmer und zeigt ihr Erminio; erschrocken
CARLOTTAO Gott, ein Mann ist hier!
einen Schritt näher tretend
ERMINIOIch bitte, keinen Laut!
ihn erkennend, etwas beruhigter
CARLOTTASie sind es? Sie bei mir?
CARLOTTAWie kommen Sie herein?
unbefangen
ERMINIODurchs Fenster stieg ich ein!
betroffen
CARLOTTAFür einen Ehrenmann
CARLOTTArecht seltsam immerhin!
leicht
ERMINIOFür einen Ehrenmann?
ERMINIOWer weiss, ob ich das bin.
beleidigt
CARLOTTAGenug mit diesem Ton!
CARLOTTASie gehen, oder ich!
geht entschlossen zur Tür
ohne sich zu rühren
ERMINIODas sah voraus ich schon.
ERMINIOUmsonst bemühn Sie sieh,
ERMINIOverschlossen ist die Tür.
da Carlotta eine Bewegung macht, nach der anderen Seite zu gehen
ERMINIODie andre auch!
CARLOTTAWeh mir!
CARLOTTAVerlassen Sie das Haus,
CARLOTTAsonst ruf' urn Hilfe ich!
ergreift die Glocke
ERMINIOAuch das sah ich voraus.
lässt den Mantel fallen, hält in jeder Hand eine Pistole und zielt mit der rechten auf Carlotta
ERMINIOSie würden zwingen mich,
ERMINIOrecht ungalant zu sein,
ERMINIOwenn Sie zu rufen wagen.
Da Carlotta die Kraft versagt, unterstützt er sie und geleitet sie zum Diwan.
sucht sich zu fassen
CARLOTTASie dringen heimlich ein,
CARLOTTAbei Nacht, bewaffnet gar!
CARLOTTADas ist …
ERMINIO... ich muss es sagen,
ERMINIOverdächtig offenbar!
fest
CARLOTTAUnd gegen alle Sitte!
CARLOTTAWarum bedrohn Sie mich?
ERMINIODen Schlüssel nur erbitte
ERMINIOzu jenem Schranke ich!
deutet auf dem Wandschrank
CARLOTTADer Scherz geht etwas weit!
ERMINIOKein Scherz! Mir tät es leid,
macht einen Schritt näher
ERMINIOwenn ich gezwungen wäre
entsetzt
CARLOTTAGewalt?
ERMINIONicht Ihrer Ehre
ERMINIOsoll Gefahr hier drohn,
ERMINIOnein, nur der Million!
verwirrt
CARLOTTAEin Räuber wären Sie?
CARLOTTAIst's Wahrheit, was ich seh'?
leicht
ERMINIOMein Gott, was wollen Sie,
ERMINIOs ist einmal mein Metier!
lustig
ERMINIONur Gold will ich holen,
ERMINIOnichts andres mich zieht,
ERMINIOein wirklicher Räuber,
ERMINIOein echter Bandit!
ERMINIOIch kann Sie versichern,
ERMINIObei mir trügt der Schein,
ERMINIOmein Äussres ist nobel,
ERMINIOmein Innres gemein!
ERMINIOWohl weiss Ihre Reize
ERMINIOzu würd'gen ich sehr,
ERMINIOallein die Millionen,
ERMINIOdie reizen noch mehr!
für sich
CARLOTTANur Gold will er holen,
CARLOTTAnichts andres ihn zieht,
CARLOTTAals wirklicher Räuber,
CARLOTTAals echter Bandit!
ERMINIONur Gold will ich holen.
ERMINIOnichts andres mich zieht,
ERMINIOals wirklicher Räuber,
ERMINIOals echter Bandit!
ERMINIOWas man in der Tasche
ERMINIOnicht forttragen kann,
ERMINIOdas bleibt mir stets heilig,
ERMINIOdas rühr' ich nicht an!
ERMINIOEs gibt ein altes Lied,
ERMINIOda singt der Bandit:
ERMINIOWird erfüllt mein Verlangen,
ERMINIObleib' ich sanft,
ERMINIOnicht braucht Ihr zu bangen!
ERMINIOJa, wenn man zahlt,
ERMINIObin ich galant,
ERMINIOja, wenn man zahlt,
ERMINIObin ich charmant!
ERMINIONur gegen bar,
ERMINIOkling, kling, kling, kling,
ERMINIOgeh' ich euch frei,
ERMINIOha, ha, ha, ha!
ERMINIONur gegen bar,
ERMINIOkling, kling, kling, kling,
ERMINIOsonst droht Gefahr!
für sich
CARLOTTAWär es wahr?
CARLOTTAWas ich empfand,
CARLOTTAbin zu deuten
CARLOTTAich kaum imstand!
CARLOTTANur gegen bar
CARLOTTAgibt er mich frei?
CARLOTTAO San Giovanni, mich bewahr
CARLOTTAvor der Gefahr!
ERMINIONur gegen bar!
ERMINIOBeenden wir die Sache!
ERMINIOZu lang hab' ich Sie derangiert.
immer leidenschaftlicher
CARLOTTAUnd wenn ich Lärm nun mache?
CARLOTTASie werden arretiert,
CARLOTTAgefesselt, fortgeführt,
CARLOTTAverurteilt vom Gerichte!
leicht
ERMINIOUnd aufgehängt sodann!
ERMINIOSo endet die Geschichte
ERMINIOwahrscheinlich
ERMINIOrecht peinlich,
ERMINIOdie doch so schön begann!
ERMINIODrum muss ich mich beeilen.
ERMINIOdarf nicht so lang hier weilen,
ERMINIObis man mich hier gefunden!
dringend
ERMINIODen Schlüssel!
Carlotta reicht ihm schweigend den Schlüssel.
ihn nehmend
ERMINIOSehr verbunden!
während Erminio den Schrank öffnet und behutsam das Portefeuille herausnimmt und den Inhalt überprüft
für sich
CARLOTTAAch, was muss ich entdecken?
CARLOTTA's ist nicht Angst nur und Schrecken,
CARLOTTAwas mein Herz jetzt durchglüht!
CARLOTTANein, er ist kein Bandit,
CARLOTTAnimmer kann ich es glauben,
CARLOTTAdass er kam, um zu rauben!
CARLOTTAWer löst dies Rätsel nur?
CARLOTTAWer hilft mir auf die Spur?
ERMINIODas schöne Kapital,
ERMINIOdas hier verschlossen ruht,
ERMINIOsoll Ihnen Zinsen tragen,
ERMINIOich leg' es an sehr gut!
sich artig verabschiedend
ERMINIOSie werden gütig mir verzeihn!
ERMINIOBeklagenswert ist mein Geschick:
ERMINIOdas Schönste lasse ich zurück,
ERMINIOnahm schnöden Mammon nur allein!
ironisch dankend
CARLOTTAGalanter kann man nicht mehr sein!
ERMINIOHa! Wird erfüllt mein Verlangen,
ERMINIObleib' ich sanft,
ERMINIOnicht braucht Ihr zu bangen!
ERMINIOJa, wenn man zahlt,
ERMINIObin ich galant,
ERMINIOja, wenn man zahlt,
ERMINIOdann bin ich charmant!
für sich
CARLOTTAOb Schrecken auch dies Herz durchzieht,
zu Erminio
CARLOTTAandres Gefühl nicht in mir glüht!
CARLOTTANehmt, was Ihr wollt,
CARLOTTAnehmt all mein Gold,
CARLOTTAdoch nun eilet schnell fort!
CARLOTTAEntflieht!
schwingt sich aufs Fenster, während ihm Carlotta angstvoll nachstarrt
ERMINIORuhen Sie sanft, reizende Frau!
ERMINIOBitte sich nicht zu bemühn!
ERMINIOIch kenn' den Weg sehr genau!
halb ohnmächtig in den Sessel sinkend nächst dem Fenster
CARLOTTAMeine Kraft ist dahin!
springt aus dem Fenster
ERMINIOAdieu! Adieu!
SYSTEMZWÖLFTE SZENE
Carlotta (allein).
Marietta, Zenobia (hinter der Szene)
SYSTEMDialog
Carlotta liegt halb in Ohnmacht.
hinter der linken Tür
MARIETTAFrau Gräfin! Frau Gräfin! Das Souper ist bereit!
hinter der rechten Tür
ZENOBIAFrau Gräfin! Frau Gräfin! Die Gesellschaft wartet!
Beide klopfen; kurze Pause
hinter den Türen
BEIDEFrau Gräfin!
hinter der Szene
ZENOBIAWas ist das? Sie antwortet nicht?!
hinter der Szene
MARIETTAVorhin fühlte sie sich nicht wohl!
hinter der Szene
BEIDEHilfe! Hilfe!
SYSTEMDREIZEHNTE SZENE
Carlotta, Zenobia. Marietta, dann Nasoni, Ballgäste, später Männer; Sora, zwei Diener
Zwei Diener brechen die rückwärtigen Türen auf. Marietta eilt auf die Gräfin zu, nimmt sich ihrer hilfreich an.
blickt im Salon umher
ZENOBIAMein Himmel, die Gräfin in Ohnmacht? Das Fenster offen ... die Kasse erbrochen ... beraubt!
MARIETTA, ZENOBIAHerein! Herein!
MARIETTA, ZENOBIANur alles herein!
MARIETTA, ZENOBIAKommt sehn, kommt sehn,
MARIETTA, ZENOBIAwelch Unheil geschehn!
BALLGÄSTEWas ist geschehn?
BALLGÄSTEWas gibt's zu sehn?
ZENOBIAEin Raub, ein Einbruch.
ZENOBIAes ist klar!
hereinlaufend
NASONIEin Raub. ein Einbruch.
NASONIist es wahr?
ZENOBIAKein Zweifel! Seht nur her.
ZENOBIAdie Cassa offen. leer!
BALLGÄSTEDie Cassa offen, leer!
BALLGÄSTEWas braucht's Beweise mehr?
NASONIDie Million!
NASONIWer hätt's geglaubt,
NASONIwär heute schon
NASONIentführt, geraubt?
NASONIWer war's, wer drang hier ein'?
NASONIWo finden wir die Spur'?
MARIETTADie Gräfin war allein,
MARIETTAkann Auskunft geben nur!
Carlotta, die sich, von Marietta betreut, unterdessen erholt hat, erhebt sich.
zu Carlotta
NASONISprecht, wer mit Frevlerhand
NASONIhier eingegriffen, wer'?
verlegen, stockend
CARLOTTAEr ist mir unbekannt.
CARLOTTAfragt mich nicht weiter mehr.
NASONIKein Zweifel mehr,
NASONIdas war Er!
BALLGÄSTEWer? Er?
NASONIIch sage gar nichts mehr
NASONIals das war Er!
NASONISo lasset uns den suchen,
NASONIwir holen ihn noch ein,
NASONIden Schuft, dem wir fluchen!
NASONIBestraft soll er sein!
BALLGÄSTESchleppt ihn her, wer's auch sei!
BALLGÄSTEKeinen einz'gen lasset frei!
hinter der Szene
MÄNNERWir haben ihn, wir haben ihn,
MÄNNERer soll uns nicht entfliehn!
MÄNNERNein, solch ein Wicht,
MÄNNERdarf länger nicht
MÄNNERverhöhnen das Gericht!
NASONISie haben ihn schon.
NASONISie bringen ihn ein!
NASONIDas muss Gasparone sein!
SYSTEMVIERZEHNTE SZENE
Die Vorigen. Benozzo
NASONIAns Licht! Damit sich zeig'.
NASONIwer es gewesen sei!
Benozzo, in Mantel und breitkrempigem Hut, wird von den Männern hereingebracht.
BALLGÄSTEBenozzo ist's!
leise zu Benozzo
SORAWo warst du, sprich?
leise zu Sora
BENOZZOSie störten mich
BENOZZOin schönster Schmuggelei!
BALLGÄSTEBenozzo ist's!
BALLGÄSTEWo kommt er her?
NASONISo sprich, gestehe nun.
NASONIwas draussen du gemacht!
NASONIWas hattest du zu tun
NASONIbewaffnet in der Nacht?
leise zu Benozzo
SORAJetzt lüge schnell etwas!
leise zu Sora
BENOZZONichts leichter als das!
laut
BENOZZO1.
BENOZZONach schimpflicher Blamage,
BENOZZOvon der ihr habt gehört,
BENOZZOwar wieder die Courage
BENOZZOzurücke mir gekehrt!
BENOZZOSobald das Büffeiblut
BENOZZOdie Oberhand gewann,
BENOZZOkam wieder mir der Mut,
BENOZZOdie Schafsmilch, sie gerann!
BENOZZOIch muss ihn ganz allein
BENOZZOund ohne Lösegeld
BENOZZOdurch tapfre Faust befrein!
BENOZZOSo macht's der echte Held!
BENOZZOWeh dir, du Bösewicht!
NASONIUnd hast du ihn?
gleichmütig
BENOZZONoch nicht! Noch nicht!
BENOZZODoch tat ich meine Pflicht!
BENOZZONoch nicht! Noch nicht!
BENOZZODoch tat ich meine Pflicht!
SORA, MARIETTA, ZENOBIA, BALLGÄSTENoch nicht! Noch nicht!
SORA, MARIETTA, ZENOBIA, BALLGÄSTEDoch tat er seine Pflicht!
BENOZZO2.
BENOZZODa schlich's heran verdächtig,
BENOZZOim Dunkel die Gestalt!
BENOZZOAch, dacht' ich, das geht prächtig.
BENOZZOna wart, dich hab' ich bald!
BENOZZOSchon hob ich mein Gewehr,
BENOZZOda fiel zum Glück mir ein,
BENOZZOdass es viel besser wä r,
BENOZZOman fängt ihn lebend ein!
BENOZZOGanz leise nah' ich mich,
BENOZZOwill so ihn packen grad,
BENOZZOda packen diese mich,
BENOZZOund meine Heldentat
BENOZZOman grausam unterbricht!
NASONIUnd hast du ihn?
BENOZZONoch nicht! Noch nicht!
BENOZZODoch tat ich meine Pflicht!
BENOZZONoch nicht! Noch nicht!
BENOZZODoch tat ich meine Pflicht!
SYSTEMSORA. MARIETTA, ZENOBIA, BALLGÄSTE
BENOZZONoch nicht! Noch nicht!
BENOZZODoch tat er seine Pflicht!
NASONIKerl, was schwatzest du da für Zeug!
BENOZZOAls sie lärmten, floh er weiter!
wendet sich von Benozzo ab
NASONIVorwärts denn, das ist gescheiter,
NASONIjagt ihm nach! Hinaus sogleich!
Männer ab
NASONIDie ganze Bevölk'rung sperret mir ein,
NASONIda wird doch der Rechte drunter sein!
hinter der Szene
MÄNNERWir haben ihn, wir haben ihn,
MÄNNEREr soll uns nicht entfliehn!
MÄNNERNein, dieser Wicht,
MÄNNERdarf länger nicht
MÄNNERverhöhnen das Gericht!
SYSTEMFÜNFZEHNTE SZENE
Die Vorigen, Massaccio
Diesmal schleppen die Männer den in einen Mantel gehüllten Massaccio herein.
triumphierend
NASONIHa! Diesmal ist's der Echte!
dem man Hut und Mantel abnahm
MASSACCIONein, ich bin nicht der Rechte!
MASSACCIODoch war bei den Banditen
MASSACCIOich mit dem Lösegeld,
MASSACCIOund bald wird Herr Sindulfo
MASSACCIOuns franco zugestellt.
MASSACCIODas schwor der Bösewicht.
Männer ab
NASONIUnd hast du ihn?
MASSACCIONoch nicht! Noch nicht!
MASSACCIODoch tat ich meine Pflicht!
MASSACCIONoch nicht! Noch nicht!
MASSACCIODoch tat ich meine Pflicht!
SORA, MARIETTA, ZENOBIA, BALLGÄSTENoch nicht! Noch nicht!
SORA, MARIETTA, ZENOBIA, BALLGÄSTEDoch tat er seine Pflicht!
NASONIHin ist das Lösegeld,
verzweifelt
NASONIhin ist auch die Million,
NASONIund ich hab' gar nichts mehr.
NASONIhab' nicht mal meinen Sohn!
hinter der Szene
MÄNNERDa bringen wir noch einen,
MÄNNERwir haben jetzt den Dritten!
SYSTEMSECHZEHNTE SZENE
Die Vorigen, Sindulfo
Die Männer führen Sindulfo, ebenfalls in Hut und Mantel, herein.
NASONIDa bringen sie noch einen!
NASONIAh, da muss ich doch bitten!
zu Sindulfo, der mit dem breiten Hut bedeckt, von einigen festgehalten wird, gravitätisch
NASONIDu nächtlicher Tourist,
NASONIgestehe, wer du bist!
NASONIRäuber kann sich jeder nennen,
NASONIdas muss man beweisen können!
NASONIKannst du's, sei willkommen mir,
NASONIbist du ehrlich, fort von hier!
BALLGÄSTEBist du Gasparone, sprich?
BALLGÄSTEBist du's nicht, so packe dich!
dem man Hut und Mantel abnimmt
SINDULFOAber Papa!
SINDULFOIch bin es ja!
NASONIMein Sohn Sindulfo wieder da?!
BALLGÄSTEDer Räuber war sein Sohn. haha!
NASONIMein Sohn ist wieder da!
SINDULFOPapa!
NASONIDen ich so lang nicht sah!
SINDULFOPapa!
NASONIIch fand ihn. Heureka!
NASONIEr ist mir endlich nah!
SINDULFOIch bin da!
für sich
CARLOTTAMein Bräutigam ist da
SINDULFOPapa!
für sich
CARLOTTAund die Entscheidung nah!
SINDULFOPapa!
für sich
CARLOTTAWas hier indes geschah
CARLOTTAscheint mir ein Traum beinah!
SINDULFOIch bin da!
SINDULFOPapa!
SORA, MARIETTA, ZENOBIA, BENOZZO, MASSACCIOEin rührend Bild steht da,
SORA, MARIETTA, ZENOBIA, BENOZZO, MASSACCIOwie man noch keines sah!
NASONIEr ist da, mir wieder nah!
BALLGÄSTEEr ist da!
SORA, MARIETTA, ZENOBIA, BENOZZO, MASSACCIODer Sohn mit dem Papa,
SORA, MARIETTA, ZENOBIA, BENOZZO, MASSACCIOsie sind sich wieder nah!
SORA, MARIETTA, ZENOBIA, BENOZZO, MASSACCIOEr ist da!
BALLGÄSTEEr ist da!
BALLGÄSTESindulfo ist es ja!
NASONI:Er ist da! Er ist da!
SINDULFOPapa! Ich bin da!
BALLGÄSTEUnglaublich ist's beinah!
BALLGÄSTEWeil er nun endlich da,
BALLGÄSTEerfährt man, was geschah!
BALLGÄSTEEr ist da! Er ist da!
CARLOTTAWeil er nun endlich da,
CARLOTTAerfährt man, was geschah!
CARLOTTAMein Bräutigam ist da!
CARLOTTAEr ist da!
SORA, MARIETTA, ZENOBIA, BENOZZO, MASSACCIOWeil er nun endlich da,
SORA, MARIETTA, ZENOBIA, BENOZZO, MASSACCIOerfährt man, was geschah!
SORA, MARIETTA, ZENOBIA, BENOZZO, MASSACCIOEr ist da!
NASONIEr ist nun wieder da!
NASONIEr ist da!
SINDULFOIch bin nun wieder da!
SINDULFOPapa, ich bin da!
nachdem er Sindulfo von allen Seiten untersucht hat, freudig
NASONIEr ist ganz unverletzt!
NASONIDoch gib uns Auskunft jetzt,
NASONIwo warst du? Rede, sprich!
SINDULFODie Räuber schleppten mich
SINDULFOin ein stockfinstres Kellerloch,
SINDULFOwo's nach Kaffee und Zucker roch!
NASONIWie? Zucker und Kaffee?
SORAAha, ich versteh'!
leise zu Sora
BENOZZO's war unser Atelier!
NASONIAber sag nur, wo und wer?
SINDULFODas zu sagen, ist sehr schwer,
SINDULFOweil die Augen mir verbunden!
SINDULFOEinsam sass ich manche Stunden,
SINDULFOdachte dabei gelegentlich
nach Carlotta schmachtend
SINDULFOan meine Braut, so heiss ersehnt,
SINDULFOund mir ward gar so wunderlich!
ungeduldig
NASONIWeiter! Weiter!
SINDULFOPlötzlich tönt
SINDULFOeine Stimme durch die Nacht,
SINDULFOdie bekannt mir schien:
SINDULFO"Lasst den Tölpel fliehn,
SINDULFOalles ist schon abgemacht!
SINDULFONur Gold wollt' ich haben,
SINDULFOnichts andres mich zieht,
SINDULFOals wirklicher Räuber,
SINDULFOals echter Bandit!"
entsetzt, für sich
CARLOTTASo war's Gasparone,
CARLOTTAes war der Bandit,
CARLOTTAfür den bange Sorge
CARLOTTAdas Herz mir durchzieht!
ohne Carlotta
ALLEWohlan, ihm nach!
ALLENur fort, ihm nach!
ALLEIhn einzuholen, eilet nach!
ALLEDann wehe dir, Gasparone!
ALLENur fort, ihm nach
ALLEund rächt die Schmach!
für sich
CARLOTTAWeh! Ach, kein Zweifel waltet nunmehr,
CARLOTTAder Bandit, der Räuber war er!
CARLOTTAWas muss ich entdecken,
CARLOTTAkaum berg' ich meinen Schrecken,
CARLOTTAdoch muss ich schweigen,
CARLOTTAnur Gleichmut zeigen!
CARLOTTAMir selbst es sagen,
CARLOTTAdarf kaum ich wagen.
CARLOTTAIch kann's nicht glauben.
CARLOTTANur Gold zu rauben
CARLOTTAwar sein Begehr
CARLOTTAnimmermehr, nein, nein!
ohne Carlotta
ALLESolcher Frechheit kann doch allein
ALLEGasparone fähig nur sein!
ALLEDoch wiederzuholen.
ALLEwas kühn er hier gestohlen,
ALLEihm ohne Zagen
ALLEes abzujagen,
ALLEdas muss gelingen
ALLEvor allen Dingen!
ALLEDas Gold zu rauben.
ALLE's ist kaum zu glauben.
ALLEdass solch Malheur
ALLEdenkbar wär!
für sich
CARLOTTADoch muss ich schweigen,
CARLOTTAnur Gleichmut zeigen!
CARLOTTAMir selbst zu sagen,
CARLOTTAdarf kaum ich wagen.
CARLOTTAIch kann's nicht glauben:
CARLOTTAnur Gold zu rauben
CARLOTTAwar sein Begehr
CARLOTTAnimmermehr!
NASONIJetzt auf!
NASONIDem Räuber nachgejagt!
will zu Carlotta
SINDULFONoch nicht!
SINDULFOErst rufet mich die Pflicht!
SINDULFOGern hätt' ich der Gräfin
SINDULFOein Wort gesagt!
hält ihn zurück
NASONINoch nicht!
NASONIErst rufet uns die Pflicht!
SINDULFONun bin ich frei,
SINDULFOund sie wird mein!
beiseite
NASONIZu früh, zu früh, o weh, o weh!
will abermals hin
SINDULFOLass endlich die Verlobung sein!
NASONIZu spät, zu spät, o jemine!
SORA, MARIETTA, ZENOBIA, BENOZZO, MASSACCIONun eilet ihm nach!
SORA, MARIETTA, ZENOBIA, BENOZZO, MASSACCIONein, es ist kein Zweifel mehr,
SORA, MARIETTA, ZENOBIA, BENOZZO, MASSACCIOdass der Räuber er!
CARLOTTANein, es ist kein Zweifel mehr.
CARLOTTAdass der Räuber er!
BALLGÄSTEEs waltet kein Zweifel,
BALLGÄSTEder Räuber war er!
leise zu Sindulfo
NASONISie hat ja keine Millionen mehr!
laut
NASONIDie Gräfin braucht jetzt Ruhe sehr!
NASONIIhr andern, auf jetzt, unverzagt!
NASONIDem frechen Räuber nachgejagt!
NASONIIhn, den alle Häscher suchen,
NASONIihn, dem alle Lippen fluchen,
NASONIihn, den alle Wälder kennen,
NASONIihn, den Räuber Bruder nennen.
NASONIihn, von dem man schaudernd spricht.
NASONIihn erwisch' ich doch,
NASONIihn, ihn, ihn,
NASONIhöchstwahrscheinlich noch,
NASONIihn erwisch' ich doch
NASONIhöchstwahrscheinlich noch!
SYSTEMSORA, MARIETTA, ZENOBIA, BENOZZO, MASSACCIO, BALLGÄSTE
NASONIIhn erwischt er doch
NASONIhöchstwahrscheinlich noch!
SYSTEMSORA, MARIETTA, ZENOBIA, BENOZZO, SINDULFO, NASONI, MASSACCIO, BALLGÄSTE
NASONIIhm nach, ihm nach!
NASONISolcher Frechheit kann doch allein
NASONIGasparone fähig nur sein!
NASONIDoch wiederzuholen,
NASONIwas kühn er hier gestohlen,
NASONIihm ohne Zagen
NASONIes abzujagen,
NASONIdas muss gelingen
NASONIvor allen Dingen!
NASONIDas Gold zu rauben,
NASONIs ist kaum zu glauben,
NASONIdass solch Malheur
NASONIdenkbar wär!
NASONIKein Zweifel mehr,
NASONIer kam hierher!
NASONIEr war uns nah!
NASONIDas war kein anderer als ei!
NASONIEr ist noch da,
NASONIganz nah!
CARLOTTAWeh mir!
CARLOTTAHa, was muss ich entdecken!
CARLOTTAMir selbst es sagen,
CARLOTTAdarf kaum ich wagen.
CARLOTTAIch kann's nicht glauben:
CARLOTTAnur Gold zu rauben,
CARLOTTAwar sein Begehr
CARLOTTAnimmermehr!
CARLOTTADoch war er da!
CARLOTTAEr war mir nah,
CARLOTTAwar da!
Alle wenden sich zum Gehen. Nasoni zieht Sindulfo mit sich. Carlotta wird von Zenobia und Sora gestützt.
SYSTEMDRITTER AKT
Freier Platz in Syrakus, auf einem gegen das Meer abfallenden Hochplateau gelegen. Links vorn das Rathaus mit prächtigem Eingang. Vor demselben eine mächtige Palme, unter der später das Standgericht im Freien abgehalten wird: vorläufig stehen ein langer Tisch und mehrere Stühle unter derselben. Rechts Häuser; der Prospekt bildet eine Stadtvedute: hinter einer nach abwärts steigenden Strasse sieht man das Meer. Nach rückwärts ist die Bühne mittels einer steinernen Balustrade abgeschlossen, durch die ein Eingang besteht, der mittels Treppe nach abwärts führt.
SYSTEMERSTE SZENE
Sora, Benozzo, Massaccio, Volk (Frauen, Mädchen, Männer), ein Leutnant, ein Fahnenträger, zwei Trompeter, eine Abteilung Carabinieri
Frauen, Mädchen und Männer, unter ihnen Sora, Benozzo und Massaccio blicken und deuten erwartungsvoll auf die aufmarschierenden Carabinieri.
aufmarschierend
CHOR DER CARABINIERIDie Carabiniers marschieren ein
CHOR DER CARABINIERIund stelin die Ordnung her!
CHOR DER CARABINIERIDie Carabiniers marschieren ein,
CHOR DER CARABINIERIdrum fürchtet euch nicht mehr!
CHOR DER CARABINIERIWir nehmen hier
CHOR DER CARABINIERIbei euch Quartier,
CHOR DER CARABINIERIum eure Beschützer zu sein.
CHOR DER CARABINIERIAuch Appetit
CHOR DER CARABINIERIbringt jeder mit,
CHOR DER CARABINIERIlasst sehn, was habt ihr für Wein!
CHOR DER CARABINIERIRespekt vor der bewaffneten Macht!
CHOR DER CARABINIERIIhr Fraun und Mädchen, habet wohl acht,
CHOR DER CARABINIERIdie Carabiniers marschieren ein,
CHOR DER CARABINIERIum Sieger hier zu sein!
Nachdem die Carabinieri in der Mitte der Bühne Stellung genommen, pflanzt man die Fahne schräg in die Palme, wo sie ein Mann befestigt.
Er liest aus einer gedruckten Rolle
LEUTNANT"Für Stadt und Bezirk Syrakus wird bis zur Habhaftwerdung des Räubers Antonio Gasparone und seiner Genossen hiermit das Standrecht publiziert. Im Namen des Königs: das königliche Obergericht!"
Die Rolle wird an die Palme geheftet. Der Leutnant geht in das Haus des Podestà. Die Carabinieri marschieren ebenso ab, wie sie gekommen sind.
FRAUEN, MÄDCHEN, CARABINIERIDie Carabiniers marschieren ein
FRAUEN, MÄDCHEN, CARABINIERIund stelin die Ordnung her!
FRAUEN, MÄDCHEN, CARABINIERIDie Carabiniers marschieren ein,
FRAUEN, MÄDCHEN, CARABINIERIdrum fürchtet euch nicht mehr!
FRAUEN, MÄDCHENSie nehmen hier
FRAUEN, MÄDCHENbei uns Quartier,
FRAUEN, MÄDCHENum unsre Beschützer zu sein!
CARABINIERIWir nehmen hier
CARABINIERIbei euch Quartier.
CARABINIERIum eure Beschützer zu sein!
FRAUEN, MÄDCHEN, CARABINIERIAuch Appetit bringt jeder mit.
FRAUEN, MÄDCHEN, CARABINIERIlässt gern sich schmecken den Wein!
FRAUEN, MÄDCHEN, CARABINIERIRespekt vor der bewaffneten Macht!
FRAUEN, MÄDCHEN, CARABINIERIIhr Fraun und Mädchen, habet wohl acht,
FRAUEN, MÄDCHEN, CARABINIERIdie Carabiniers marschieren ein,
FRAUEN, MÄDCHEN, CARABINIERIum Sieger hier zu sein!
Die Carabinieri mit Fahnenträger und Trompetern sind abmarschiert. Das Volk zerstreut sich.
SYSTEMZWEITE SZENE
Benozzo, Massaccio, Sora
SYSTEMDiaIog
vorn, sich verlegen den Kopf kraulend, halblaut
BENOZZONun, Onkel Massaccio. was sagst du dazu! Das Standrecht?!
halblaut
MASSACCIOPah, was kümmert's mich? Sind wir vielleicht Räuber?
BENOZZODas nicht, aber Schmuggler!
MASSACCIOSo lange das Standrecht dauert, werden wir eben nicht schmuggeln!
BENOZZORecht geschieht uns! Wozu haben wir den Gasparone an die Wand gemalt! Wüsst' ich nur, wer den Raub an der Gräfin in seinem Namen ausgeführt hat?!
MASSACCIOEin kecker Streich! Doch was kümmert's uns? Fort, nach Hause!
BENOZZOIch muss den Conte Erminio noch aufsuchen. Er befahl es.
zu Massaccio halblaut
BENOZZOZucker und Kaffee!
SORAUnd ich soll der Gräfin dies Billet des Podestà bringen.
zeigt ein Billet
MASSACCIOAlso dann auf heute abend! Verratet euch nicht, das Standgericht versteht keinen Spass!
BENOZZOUnd erschiesst die Missetäter. Wenn sie sich erwischen lassen!
weinerlich
SORAAch Gott. wenn nur meinem Benozzo kein Leid geschieht!
klammert sich an ihn
MASSACCIOUnsinn!
Sora weint.
MASSACCIOFlenn nicht, einfältiges Ding!
BENOZZOGeh. geh, mein Schatz!
karikiert
SORAAch, Benozzo!
umarmt ihn
karikiert
BENOZZOAch, Sora!
umarmt sie
drängend
MASSACCIOVorwärts! Vorwärts!
BENOZZOJa, geh, mein Schätzchen, geh!
weinend
SORAAch, wenn ihm nur nichts geschieht!
geht weinend, von Massaccio gezogen, links ab
SYSTEMDRITTE SZENE
Benozzo (allein)
BENOZZOWie sie mich liebt, die gute Sora! Wie besorgt sie ist, dass mir etwas geschehen könnte! Oh, oh!
wirft ihr Kusshânde nach
BENOZZOIn der Lotterie "Ehe" hat mir Gott einen Treffer beschert mit dieser Frau! Ich hab' es vor der Heirat auch an Gebeten nicht fehlen lassen. Heisst's in Sizilien doch: "Gehst du in den Krieg, so bete einmal; gehst du zur See, bete zweimal; gehst du in den Ehestand, bete dreimal!" Ich habe sechsmal gebetet! Doppelt hält besser! Deshalb macht mich meine Soretta auch so glücklich, und wir führen eine Ehe, die sich für Geld sehen lassen kann.
vertraulich zum Publikum
BENOZZODenn in Sizilien haben sich die Weiber den Ehestand zurechtgelegt in einer Weise, welche mir nicht passen würde. Mir nicht!
BENOZZOEr soll dein Herr sein!
BENOZZOWie stolz das klingt!
BENOZZOGeltung hat's leider nur sehr bedingt;
BENOZZOdenn man beseh'
BENOZZOsich in der Näh'
BENOZZOsolche Eh' in Sizilien!
BENOZZOHier steht der Eh'mann
BENOZZOstets vor der Tür.
BENOZZODer Cicisbeo sitzt drin bei ihr
BENOZZOganz ungeniert!
BENOZZOUnd das passiert
BENOZZOin den besten Familien!
BENOZZOLang blieb sie im Bette.
BENOZZOspät macht sie Toilette,
BENOZZOendlich sitzt sie im Glanz,
BENOZZOspielt mit dem Rosenkranz:
BENOZZOdraussen am Herd
BENOZZOsteht und schwitzt der Mann,
BENOZZOkocht ihr Schokolade!
BENOZZOSie, mit dem Abbate,
BENOZZOplaudert vom Seelenheil
BENOZZOoder vom Gegenteil:
BENOZZOWirtschaft, die geht sie nichts an!
BENOZZOHorch, aus dem Gemache
BENOZZOsüsser Stimmenklang.
BENOZZOholder Zwiegesang!
BENOZZOUnd der Mann hält draussen Wache,
BENOZZOlauscht auf den Tenor,
BENOZZOspitzt das Ohr.
BENOZZOEr muss Braten wenden.
BENOZZObei der Wäsche stehn,
BENOZZOnach der Suppe sehn,
BENOZZOhat zu tun an hundert Enden,
BENOZZOweil ihr Freund zumeist
BENOZZObei ihm speist!
BENOZZO"Geh, Mann!" ruft sie,
BENOZZO"zum Abend kauf ein!
BENOZZOSchau nach,
BENOZZOwarum die Kinder so schrein!
BENOZZODu störst uns hier,
BENOZZOwir machen Musik!"
BENOZZOUnd er zieht sich zurück ...
BENOZZOIndes bleibt mit dem Freund sie allein,
BENOZZOschenkt von des Gatten Weinen ihm ein,
BENOZZOer dankt und trinkt
BENOZZOmit schmachtendem Blick,
BENOZZOer seufzt, sie seufzt zurück!
BENOZZOOh, armer Ehemann,
BENOZZOwie bist du übel dran!
BENOZZONein, da dank' ich schön,
BENOZZOmuss ich gestehn!
BENOZZOEr soll dein Herr sein!
BENOZZOWie stolz das klingt!
BENOZZOGeltung hat's leider nur sehr bedingt;
BENOZZOdenn man beseh'
BENOZZOsich in der Näh'
BENOZZOsolche Eh' in Sizilien!
BENOZZOHier steht der Eh'mann
BENOZZOstets vor der Tür!
BENOZZODer Cicisbeo sitzt drin bei ihr
BENOZZOganz ungeniert!
BENOZZOUnd das passiert
BENOZZOin den besten Familien!
Benozzo geht rechts ab.
SYSTEMVIERTE SZENE
Nasoni, Leutnant, Gerichtsdiener
SYSTEMDialog
tritt mit Papieren in der Hand aus dem Bürgermeisteramt, verabschiedet sich von dem Leutnant
NASONIMelden Sie dem Herrn Oberst meinen Respekt. Das Verhör sei für zwölf Uhr anberaumt!
zum Gerichtsdiener
NASONIHier meine Dispositionen!
Der Gerichtsdiener grüsst und geht ab.
salutiert
LEUTNANTGuten Morgen, Herr Podestà!
geht ab
NASONIGanz Ergebenster, padrone, amilissimo servo!
begleitet ihn devot, kehrt in grosser Aufregung zurück, allein
NASONIOh! Oh! Dieser Gasparone bringt mich noch ums Leben! Das Obergericht
zeigt ein Aktenstück
NASONIverlangt partout, dass ich Gasparone erwischen soll! Es droht mir mit Absetzung, wenn ich der Gräfin Santa Croce nicht wieder zu ihrer Million verhelfe! Man wirft mir vor, dass ich den Banditen zu neuen Taten ermutigt hätte, weil ich ihm das Lösegeld für meinen Sohn gesendet habe! Du lieber Gott, ich hätte das Lösegeld ja so gern unterschlagen, wenn's nur gegangen wäre! Zehntausend Zechinen zusammenbringen! Ach, wär ich nicht Podestà, ich möchte Gasparone sein!
setzt sich
SYSTEMFÜNFTE SZENE
Nasoni. Sindulfo, dann Erminio, Benozzo
affektiert schwermütig; er hat einen Trauerflor am Hute, ein Trauerband um den linken Arm und ist schwarz gekleidet
SINDULFOGuten Morgen, Papa!
mürrisch
NASONIHol dich der ...
Rest unverständlich
NASONIWas soll das heissen? Du trauerst?
mit Seufzen
SINDULFOJa!
NASONIUm wen?
mit Seufzen
SINDULFOUm sie!
NASONIUm die Million?
SINDULFONein, - um Carlotta!
erstaunt
NASONIUm Carlotta?
SINDULFOIch trauere, weil du mir jetzt auf einmal verbietest, sie zu heiraten!
NASONICarlotta hat kein Geld mehr!
zeigt auf den Anschlag an der Palme
SINDULFOWenn's aber Gasparone wieder herausgibt?
NASONIWas man einmal gestohlen, gibt man nicht mehr heraus! Das versteh' ich besser!
SINDULFOAber du hast die Mutter doch auch ohne Geld geheiratet! Warum?
Ausrede suchend
NASONIIch …
karikiert weich
NASONIich wollte dich zum Sohne haben!
gerührt
SINDULFOPapa!
gerührt
NASONISindulfo!
Umarmung
bittend
SINDULFOAlso ich darf die Gräfin heiraten?
NASONINur, wenn sie die Million zurückkriegt!
streichelt Nasoni schmeichelnd das Kinn
SINDULFO:Schau, Papa, Carlotta hat durch Erlass des Lösegeldes bewiesen, wie teuer ich ihr bin, wie sie mich liebt!
NASONIPrr! Lieben ... dich ... dich? Lieben -
packt ihn am Kinn, zeigt dem Publikum Sindulfos Gesicht
NASONImit der Larve? Der Figur?
zum Publikum
NASONIEinen Kerl. der nur aus zwei langen Beinen besteht! Lieben? Hahaha! So
NASONIlachen, das war ich meiner Gesundheit schuldig!
setzt sich
unwillig
SINDULFONun sag. was du willst, ich bin mündig, liebe Carlotta. habe ihr Wort
SINDULFOund heirate!
will abgehen
springt auf, läuft Sindulfo nach
NASONIUnmensch! Bedenke unsere Lage! Halb Syrakus hat Geld von mir zu fordern!
SINDULFOUnd die andere Hälfte von mir! Haben wir einander nichts vorzuwerfen.
geht schnell ab
Erminio und Benozzo treten von rückwärts über die Treppe auf und beobachten Nasoni.
NASONIOh! Oh! Das ist zum Verzweifeln! Ein ungeratener Sohn - ruiniert - die Million beim Teufel - das Standrecht - Gasparone - das Obergericht -
schlägt wütend auf den Tisch
NASONIHimmelkreuztausendbombenelement!
wirft sich wütend auf den Stuhl
leise zu Erminio
BENOZZOWenn die Not am grössten, ist der Podestà am bösesten! Jetzt, Exzellenza, wär der richtige Moment!
leise
ERMINIODu hast recht, lass uns allein!
leise
BENOZZODen Brief werde ich zur rechten Zeit bringen
sehr leise
BENOZZOZucker und Kaffee!
geht ab durch die Treppe
SYSTEMSECHSTE SZENE
Nasoni, Erminio
steht verzweifelt da
NASONIIch sehe einen Abgrund vor mir! Tritt nicht ein Glücksfall ein, bin ich verloren!
der langsam zu Nasoni trat, legt ihm die Hand auf die Schulter
ERMINIOVielleicht doch nicht!
blickt finster auf, barsch
NASONIHa! Sie? Ich habe mit Ihnen nichts zu schaffen! Was wollen Sie?
ERMINIOEinen Moment mit Ihnen plaudern, guter ehrlicher Mann!
schroff, aufstehend
NASONIIch bin kein guter ehrlicher Mann! Ich bin der Podestà Nasoni und werde Sie rufen lassen, wenn ich Sie zum Verhör brauche!
ERMINIOUnd wenn ich Ihnen Rettung brächte?
höhnisch
NASONISie mir? Rettung? Sie, ein Unbekannter?! Ein dubioser Conte!
ERMINIOIch sehe, es ist an der Zeit, dass ich mich Ihnen gegenüber legitimiere. Hier, meine Papiere ... von Ihrer Regierung beglaubigt!
blättert in zwei Dokumenten, die ihm Erminio reicht, erstaunt
NASONIConte Erminio Saluzzo?
höflicher
NASONIEin Verwandter des Ministers vielleicht?
einfach
ERMINIOSein Sohn!
gibt artig das Papier zurück
NASONISomit einer der angesehensten Kavaliere Piemontes
mit artigem Grusse bestätigend
ERMINIO... und leidenschaftlicher Geologe! Die Erforschung des Ätna führte mich nach Syrakus!
sichtlich artiger
NASONIUnd der Herr Graf wollten mir hilfreich beispringen?
ERMINIOWenn Sie mir rückhaltlos vertrauen, ja! Zuvörderst heisst's, Ihren stark beschädigten Ruf als Podestà zu rehabilitieren!
kratzt sich verlegen am Kopfe, sagt zaudernd und mit humoristischer Offenheit
NASONIHm! Das wird schwer gehen, denn .., ich bin schlechter als mein Ruf!
humoristisch bestätigend
ERMINIOMan zieht Vergleiche zwischen Ihnen und Gasparone, die zugunsten des Räubers ausfallen
heiter triumphierend
NASONI... hat aber keine Beweise!
ERMINIORichtig! Sie können sogar in Amt und Würden bleiben, vielleicht avancieren, aber
NASONIAber?
ERMINIOSie müssten ein ehrlicher Mann werden!
mit Grimasse
NASONIEin ehrlicher Mann?
herzlicher
ERMINIOVersuchen Sie's einmal!
reicht ihm die Hand
ERMINIOUnd versprechen Sie mir …
will einschlagen, tut es aber nicht, unterbricht Erminio
NASONIVersuchen will ich's! Versprechen nicht!
ERMINIOJa, in die Affäre des Millionendiebstahls glaube ich Licht bringen zu können!
eifrig
NASONIUnd etwa gar die Million wieder verschaffen?
heiter
ERMINIOOho! Sie gehen zu weit! Die Million ist für Sie unwiderruflich verloren!
enttäuscht
NASONIWorin besteht dann das Licht?
ERMINIOMan wird erfahren, wer das Geld genommen!
NASONIMir ganz gleich, wenn ich's nicht war!
droht mit dem Finger
ERMINIOIst das der Gedanke eines
betonend
ERMINIOehrlichen Mannes?
NASONIIch will ja nur versuchen, einer zu werden!
blickt hinter die Szene
ERMINIOAh, die Gräfin!
NASONISie kommt zum Verhöre!
ERMINIOIhre Aussage ist von Wichtigkeit. - Wenn Sie meiner bedürfen, Herr Podestà. so befehlen Sie! Ich bin in der Nähe.
will nach links abgehen
NASONIGut, gut!
hält ihn zurück
NASONISie glauben also wirklich, dass die Million hin ist?
ERMINIOFutsch! Total futsch!
geht links ab
NASONIFutsch!
stampft mit dem Fuss
NASONIMaledetto!
SYSTEMSIEBENTE SZENE
Nasoni. Carlotta. Zenobia, Sora, dann Erminio
mit Zenobia und Sora. auftretend; freundlich
CARLOTTASo, da bin ich, mein lieber Papa! Buon giorno!
barsch
NASONIGuten Tag!
für sich
NASONIJetzt, wo die Frau kein Geld hat, ist sie mir total gleichgültig!
laut, barsch
NASONIGuten Tag!
CARLOTTAWelch wichtige Amtsmiene! Ah ich ...
wichtig
CARLOTTA...das Standrecht?... Das Verhör?... Nicht so, Papa?
barsch
NASONINennen Sie mich nicht Papa, Madame! Hier bin ich Podestà, Sie sind Partei, werden gleich Zeugenschaft ablegen wegen des Millionendiebstahls! Ich will Sie instruieren!
barsch
NASONISetzen Sie sieh!
CARLOTTAMein Himmel! Wie verändert Sie sind!
grob
NASONISetzen sollen Sie sich!
Carlotta setzt sich.
ZENOBIASoll ich mich auch setzen, Herr Podestà?
NASONIJa, und bleiben Sie sitzen, Sie sind daran gewöhnt!
setzt sich
ZENOBIAWas kostet es hierzulande, wenn man einen Podestà …, Fle..
NASONIWas?
ZENOBIA... phlegmatisch anhört?
NASONIAch so!
SORADarf ich mich auch setzen?
wütend
NASONIJa!
Sora setzt sich hin.
NASONIWenn Sie präzise Antworten geben, kriegen wir die Million wieder!
CARLOTTADiese Hoffnung habe ich aufgegeben!
für sich
NASONISo, schön! Die auch!
laut
NASONIPapperlapp! Mit solchen nichtssagenden Antworten kommt man der Justizmacht?!....
erstaunt
CARLOTTADieser Ton! Was haben Sie nur?
NASONIWas ich habe? Nichts habe ich, gar nichts!
für sich
NASONISie leider auch nichts!
hinter der Palme verborgen
ERMINIOPst! Pst!
horcht auf
NASONIWas?
hinter der Palme
ERMINIOPst! Pst!
zu Zenobia
NASONIIch verbitte mir solche Vertraulichkeiten!
ZENOBIAWieso?
flüstert Nasoni zu
ERMINIOIch bin es ja! Fahren Sie fort! Nur streng! Streng!
nickt Erminio verständnisvoll zu
NASONIHm!
zu Carlotta
NASONIZuvörderst rate ich den Zeuginnen, die reinste Wahrheit zu sagen, da sich
schielt hinter die Palme
NASONIein Mann von hoher Stellung freiwillig gemeldet hat, Licht in die Affäre zu bringen!
erstaunt
CARLOTTAEin Mann von hoher Stellung?
aufstehend
ZENOBIADer mehr weiss als wir? Den möchte ich kennenlernen!
NASONIBleiben Sie sitzen!
Zenobia setzt sich.
aufstehend
SORADoch nicht etwa Benozzo?
NASONINein! Setz dich!
zu Carlotta
NASONISie wollen den Mann kennenlernen? Bitte!
zeigt auf Erminio, der vortritt
grüsst
ERMINIOMeine Damen!
im höchsten Grade erschreckt und erstaunt
CARLOTTA:Ah!
für sich
CARLOTTA:Er? - Er hier?
bleiben sitzen, gleichgültig
SORA, ZENOBIADer Conte!
NASONIWas gibt's da zu stau ...
will ,,staunen" sagen
unterbricht ihn
CARLOTTAWie. Herr Podestà, das ... das ist Ihr Zeuge?
NASONIJa.
überlegen und artig
ERMINIOGewiss, Frau Gräfin!
NASONIUnd das ein Zeuge, der vom Diebstahl manches zu wissen scheint!
nervös, gegen Absicht fast ironisch
CARLOTTADas stimmt!
NASONIEin Mann von bekanntem Namen
nervös, gegen Absicht fast ironisch
CARLOTTAJa, ja, sehr bekannt!
NASONI... grossem Vermögen!
ironisch
CARLOTTAMillionär etwa?
NASONIJa, Gräfin: Millionär! Das kann nicht jeder von sich sagen!
CARLOTTANein, gewiss nicht!
geht auf und ab, zerdrückt nervös ihr Taschentuch, für sich
CARLOTTANicht jeder kann eine Million stehlen. - Und er. er hat die Vermessenheit, hier zu erscheinen!
leise zu Nasoni
ERMINIOZuvörderst fragen Sie wohl nach des Räubers Signalement?
eifrig, leise
NASONIGewiss, gewiss, Herr Graf!
für sich
ERMINIOMir pocht das Herz! Wird Carlotta die Prüfung bestehen?
zu Carlotta
NASONIWie sieht der Räuber aus?
steht auf, elegisch
ZENOBIAMännlich, kräftig, strahlend, schön!
setzt sich
NASONIJa, ja, schon gut!
steht auf
SORAIch hab' ihn auch gesehen!
NASONIWie sieht er aus?
singt
SORAStockfinster war die Nacht
unterbricht
NASONIWie hast du ihn dann sehen können? Setz dich!
Sora setzt sich.
NASONIUnd Sie, Gräfin, was sagen Sie? Wie sieht der Räuber aus?
fixiert Erminio
CARLOTTAIch sage ... ich sage, dass er ein Ungeheuer ist!
ERMINIOEin ... Ungeheuer?
NASONIWie?
ZENOBIAAber ein bildschönes Ungeheuer!
CAR LOTTAAbscheulich!
ERMINIOAbscheulich? O Gräfin!
erstaunt zu Erminio
NASONIBitte, bitte, bitte! Lassen Sie die Zeugin sprechen! Warum soll ein Räuber nicht abscheulich sein?
ERMINIOPardon!
NASONIAugen?
steht auf
ZENOBIABraun, karfunkelnd!
setzt sich
steht auf
SORABlau!
setzt sich
bestimmt
CARLOTTAGrün!
ERMINIOGrün?
NASONINun ja, warum soll ein Räuber keine grünen Augen haben?
fährt fort
NASONIHaare?
steht auf
ZENOBIASchwarz!
setzt sich
steht auf
SORABlond!
setzt sich
bestimmt
CARLOTTARot!
ERMINIOWas sagen Sie?
CARLOTTAIch sage, dass er rote Haare hat und bleibe dabei!
leise zu Erminio
CARLOTTAJetzt aber bitte ich: gehen Sie! Fliehen Sie!
freudig, leise
ERMINIOEdle Frau! Sie geben ein falsches Signalement, um mich zu retten?
leise
CARLOTTAJa! Aber gehen Sie, meine Kraft ist zu Ende!
laut zu Nasoni, sich aufraffend
CARLOTTAWo ist Sindulfo?
indem sie Erminio scharf fixiert
CARLOTTAIch wünsche, Papa, dass unsere Heirat so bald wie möglich stattfinde!
für sich
NASONIKönnt' mir einfallen!
laut, forciert, artig
NASONIJawohl, jawohl, gewiss! Auch Sindulfo brennt vor Verlangen und …
sich aufraffend
CARLOTTAEr ist ein ehrenhafter Charakter, unfähig jeder schimpflichen Komödie!
ERMINIOBraver Sindulfo!
wütend, leise zu Erminio
CARLOTTAWerden Sie endlich fliehen?!
Geräusch hinter der Szene, rückwärts aus der Tiefe schallend
SYSTEMACHTE SZENE
Die Vorigen, Benozzo, Massaccio, später Luigi
hinter der Szene
BENOZZO, MASSACCIOHerr Podestà! Herr Podestà!
NASONIWas gibt es denn schon wieder da?
SORA, ZENOBIA, NASONIHört doch, hört, was dort geschah!
Alle drei gehen nach rückwärts, sehen über die Balustrade hinab.
SORABenozzo ist's!
ZENOBIAMassaccio auch!
SORAEr winkt!
NASONIWir wollen hören, was er bringt!
NASONISOfiA. ZENOBIA, NASONI
NASONIWir wollen hören, was er bringt!
Zenobia, Nasoni bleiben im Hintergrunde, blicken Sora nach, die den Ankommenden entgegen eilt.
sich entschlossen Carlotta nähernd, die indes im Vordergrunde blieb, spricht mit gedämpfter Stimme
ERMINIOUnd Sie halten mich wirklich für Gasparone?
abgewendet; spricht
CARLOTTA:Fliehen Sie!
ERMINIOSie begreifen nicht, dass ich den Räuber nur spielte, um Sie zu retten?
CARLOTTAWie?
ERMINIONasoni wird Ihnen noch heute Ihr Wort zurückgeben, da er die Million verloren glaubt, die ich Ihnen sicher und treu bewahrte!
CARLOTTAIst's möglich? Sie riskierten, als Dieb verhaftet zu werden, - wagten Gefängnis. Verurteilung, - weil
ERMINIOWeil ich - Sie liebe!
ergreift Carlottas Hände; beide blicken sich zärtlich an. In dem Augenblick erscheinen rückwärts atemlos Benozzo und Massaccio und kommen mit Nasoni, Sora und Zenobia in den Vordergrund.
BENOZZO, MASSACCIODa sind wir!
SORA, ZENOBIADa sind sie!
NASONIWas habt ihr? Redet! Sprecht!
ERMINIOWas ist geschehn?
CARLOTTAWas ist geschehn?
SORA, ZENOBIAWas ist geschehn?
zu Nasoni
BENOZZOIch habe einen Brief an Euch zu übergeben!
NASONISchon wieder? Von wem?
NASONISo lass doch sehn!
BENOZZOVon wem - das ist es eben!
MASSACCIOVon wem - das ist es eben!
BENOZZOEin höchst verdächtiger Gesell
BENOZZOstand plötzlich vor mir
BENOZZOund sprach: "Zum Podestà geh schnell
BENOZZOmit diesem Papier!"
MASSACCIOMir gab den Beutel er und sagt:
MASSACCIO"Nimm das noch dazu!"
MASSACCIOUnd eh ich noch "von wem" gefragt,
MASSACCIOverschwand er im Nu!
SYSTEMCARLOTTA, SORA, ZENOBIA. ERMINIO, NASONI
MASSACCIOSehr seltsam, muss ich sagen!
MASSACCIOWas hat sich zugetragen,
MASSACCIOwas wird da drinnen stehn?
öffnet den Brief
NASONIGleich werden wir es sehn!
liest; gesprochen
NASONI"An das Standgericht! Müde
NASONIder Verfolgung des genialen Podestà Nasoni
NASONIräume ich Sizilien und kehre in meine ge-
NASONIliebten Abruzzen zurück. Antonio Gasparone.
NASONINachschrift: Die zehntausend Zechinen für
NASONISindulfo folgen anbei!"
freudig nach dem Beutel greifend, den Massaccio hält
NASONIZehntausend Zechinen für meinen Sohn?
steckt den Beutel ein
NASONIDie bin ich meiner Gesundheit schuldig!
unter sich
ERMINIO, BENOZZO, MASSACCIOEr steckt sie ein; er hat sie schon!
NASONIDoch Auskunft erwart' mit Ungeduld ich:
NASONIwie steht es denn mit der Million?
bestimmt
BENOZZODie nimmt er mit!
schmerzlich, für sich
NASONIO Infamie!
NASONIDann hat sie nichts! Adieu, Partie!
entfernt sich ostentativ von Carlotta
ihn betrachtend, zu Carlotta
ERMINIOWie ich es gedacht hab',
ERMINIOwird's in Erfüllung gehn!
für sich, mit Bedauern
ZENOBIADer Räuber geht, reist ab.
ZENOBIAIch werd' ihn nimmer wiedersehn!
ZENOBIADer Räuber geht, reist ab.
ZENOBIAIch werd' ihn nimmer sehn, ha!
CARLOTTA, SORA, ERMINIO, BENOZZODer Räuber geht, reist ab.
CARLOTTA, SORA, ERMINIO, BENOZZOSie wird ihn nimmer sehn, ha!
NASONI, MASSACCIODer Räuber geht, reist ab.
NASONI, MASSACCIOMan wird ihn nicht mehr sehn, ha!
beglückt zu Erminio
CARLOTTABald kehrt das Glück
CARLOTTAmir neu zurück,
CARLOTTAo welche süsse Freud!
CARLOTTAMein Herz durchbebt
CARLOTTAwie neu belebt
CARLOTTAder Liebe Seligkeit!
CARLOTTADer Trug erliegt,
CARLOTTAdie Wahrheit siegt,
CARLOTTAsie strahlt in reiner Pracht!
CARLOTTAIch bin erwacht
CARLOTTAaus trüber Nacht,
CARLOTTAund hold die Zukunft lacht!
CARLOTTABald kehrt das Glück
CARLOTTAmir neu zurück,
CARLOTTAo welche süsse Freud!
CARLOTTAMein Herz durchbebt
CARLOTTAwie neu belebt
CARLOTTAder Liebe Seligkeit!
CARLOTTADer Trug erliegt,
CARLOTTAdie Wahrheit siegt,
CARLOTTAsie strahlt in reiner Pracht!
CARLOTTAIch bin erwacht
CARLOTTAaus trüber Nacht,
CARLOTTAund hold die Zukunft lacht!
CARLOTTAIhm will ich vertrauen,
CARLOTTAja, ihm nur allein!
CARLOTTASein Auge kann nimmer
CARLOTTAmich täuschen, ach nein!
CARLOTTADer Plan, er gelingt,
CARLOTTAgoldne Freiheit mir bringt.
CARLOTTADoch halt! Auf der Hut!
CARLOTTADann endet alles gut!
SORA, BENOZZO, MASSACCIOMit viel Geschick
SORA, BENOZZO, MASSACCIOund etwas Glück
SORA, BENOZZO, MASSACCIOsind wir vom Ziel nicht weit.
SORA, BENOZZO, MASSACCIOWas wir erstrebt,
SORA, BENOZZO, MASSACCIOgeheim gewebt,
SORA, BENOZZO, MASSACCIOist keine Kleinigkeit!
SORA, BENOZZO, MASSACCIODoch wenn sich's fügt.
SORA, BENOZZO, MASSACCIOdass wir gesiegt,
SORA, BENOZZO, MASSACCIOein reicher Lohn uns lacht!
SORA, BENOZZO, MASSACCIODrum nicht bedacht,
SORA, BENOZZO, MASSACCIOzu End' gebracht!
SORA, BENOZZO, MASSACCIOBald endet seine Macht!
SORA, BENOZZO, MASSACCIODer Gräfin zu dienen,
SORA, BENOZZO, MASSACCIOgeloben wir treu!
SORA, BENOZZO, MASSACCIOGilt ihr es zu nützen,
SORA, BENOZZO, MASSACCIOsind gern wir dabei,
SORA, BENOZZO, MASSACCIOund, dass es gelingt,
SORA, BENOZZO, MASSACCIOfolgen wir unbedingt!
SORA, BENOZZO, MASSACCIODoch halt! Auf der Hut!
SORA, BENOZZO, MASSACCIODann endet alles gut!
ZENOBIADer Galgenstrick
ZENOBIAkehrt nie zurück.
ZENOBIADas tut mir innig leid!
ZENOBIAWas mich durchbebt,
ZENOBIAda er entschwebt,
ZENOBIAist keine Kleinigkeit.
ZENOBIAMein Herz erliegt,
ZENOBIAdurchbohrt, besiegt
ZENOBIAvon dieses Räubers Macht!
ZENOBIAAch, manche Nacht
ZENOBIAhab' ich durchwacht,
ZENOBIAhab' nur an ihn gedacht!
ZENOBIAIhn bessern, bekehren nur
ZENOBIAwollt' ich allein.
ZENOBIADas Schicksal entführt ihn,
ZENOBIAes sollte nicht sein.
ZENOBIADer Schmerz in mir ringt,
ZENOBIAund das Herz pocht und springt!
ZENOBIADoch halt! Auf der Hut!
ZENOBIAWer weiss, wozu es gut!
ERMINIOBald kehrt das Glück
ERMINIOmir neu zurück,
ERMINIOo welche süsse Freud!
ERMINIOMein Herz durchbebt
ERMINIOwie neu belebt
ERMINIOder Liebe Seligkeit!
ERMINIODer Trug erliegt,
ERMINIOdie Wahrheit siegt,
ERMINIOsie strahlt in reiner Pracht!
ERMINIOIch bin erwacht
ERMINIOaus trüber Nacht,
ERMINIOund hold die Zukunft lacht!
ERMINIOJa, mir darf sie vertrauen,
ERMINIOja, mir nur allein!
ERMINIODie Hoffnung, sie tauschet
ERMINIOuns nimmer, ach nein!
ERMINIODer Plan, er gelingt,
ERMINIOgoldne Freiheit uns bringt.
ERMINIODoch halt! Auf der Hut!
ERMINIODann endet alles gut!
NASONIDas nenn' ich Glück!
NASONIEr zahlt zurück
NASONIdas Lösegeld mir heut'.
NASONIDoch es entschwebt,
NASONIwas ich erstrebt,
NASONIdie Million, mir weit!
NASONIDoch unbesiegt
NASONIkann ich vergnügt
NASONImich freuen meiner Macht.
NASONIIch hab' es doch so weit gebracht,
NASONIdass froh die Zukunft lacht!
NASONIJa, den Sohn ihr zu geben,
NASONIdas fällt mir nicht ein!
NASONISie hat kein Vermögen,
NASONIdas geht nicht! Nein, nein!
NASONIDas Wort, das mich zwingt,
NASONIdas ist null unbedingt!
NASONIDoch halt! Nur recht auf der Hut!
NASONIDann endet alles gut!
SYSTEMDialog
freudig
NASONINun mag das Standgericht zusammentreten! Dieser kostbare Brief sagt mehr als alles!
legt den Brief auf den Tisch
leise zu Benozzo und Massaccio
SORAAber wenn Gasparone nie hier war, wie kann er dann fortgehen?
leise
BENOZZO, MASSACCIOZucker und Kaffee!
Sora, die sich mit beiden zurückzieht, deutet pantomimisch an, dass sie das nicht versteht. Im selben Moment tritt Luigi, von einem
Diener gefolgt, rechts auf.
trägt ein Paket von der Grösse der Mappe, in der die Million enthalten war; in Papier gewickelt, verschnürt und versiegelt
LUIGIHier, Erminio, das Paket!
leise zu Nasoni
ERMINIOSie sollen noch kräftigere Belege für Ihre Rehabilitierung erhalten! Überreichen Sie der Gräfin dieses Paket!
gibt Nasoni das Paket
leise
NASONIWas enthält es?
leise
ERMINIOEin Hochzeitsgeschenk!
leise
NASONIFällt mir nicht ein! Meinen Sohn kriegt sie nicht!
leise
ERMINIOSie geben ihr also ihr Wort zurück?
NASONIJa! Und das gleich!
will auf Carlotta, die abseits mit Zenobia steht, zugehen, im selben Moment Auftritt des Volkes
NASONIAh, das
NASONIStandgericht!
SYSTEMNEUNTE SZENE
Die Vorigen, Sindulfo, das Standgericht
(Oberst, Leutnant, ein Hauptmann, ein Sergeant, eine Abteilung Carabinieri), Volk (Frauen, Männer)
Volk strömt von allen Seiten herbei. Die Offiziere werden von Nasoni begrüsst und gruppieren sich hinter die Tische. Die Carabinieri nehmen weiter hinten Stellung.
nicht mehr in Trauerkleidung
SINDULFOSo, Papa, da bin ich!
sieht Carlotta
SINDULFOOh, meine schöne Braut!
will auf sie zugehen
hält ihn zurück, leise
NASONIUntersteh dich! Ich dreh' dir den Kragen um, wenn du anders sprichst als ich!
zu Carlotta
NASONIGräfin! Ich habe mir die Sache überlegt. Eine Million verlieren und meinen Sohn heiraten, wär zuviel Unglück auf einmal! Ich bitte Sie, mir mein Wort zurückgeben zu wollen!
CARLOTTAOh, mit Freuden!
reicht Erminio freudig ihre Hand
verblüfft
SINDULFOSie liebt mich also nicht?
leise zu Nasoni
SINDULFOUnd gab doch Lösegeld für mich?
leise
NASONIDas habe ich im Sacke!
leise zu Nasoni, freudig
SINDULFODu?
feierlich
NASONIMeine Herren Richter! Unserem Standrecht ist die Basis entzogen, Gasparone hat Sizilien verlassen!
freudig
ALLEAh!
blickt mit den anderen Offizieren in den ihm von Nasoni gereichten Brief
OBERSTUnd was ist mit der geraubten Million geschehen?
NASONIDie Million ist f…
will "futsch" sagen
laut, ihn unterbrechend
ERMINIODank den Bemühungen des Herrn Podestà ist die Million zustande gebracht!
nimmt rasch das Paket aus Nasonis Händen
ERMINIOUnd aus seinen Händen erhält Gräfin Carlotta ihr Geld zurück!
gibt Carlotta das Paket
in höchstem Grade verblüfft, halblaut zu Erminio
NASONIWie? Das Paket enthält die Million?
ERMINIOJa!
verblüfft, halblaut zu Erminio
NASONIAber dann kann ja Sindulfo die Gräfin heiraten?!
tritt zu Carlotta
ERMINIOWenn nicht ich sie heiraten würde!
für sich
NASONIOh, oh ... düpiert! Könnt' ich jetzt aus der Haut fahren - das wäre ich meiner Gesundheit schuldig!
CARLOTTAGasparone scheint Bessrung zu zeigen:
CARLOTTAwas er stahl, ist nun wieder mein eigen!
CARLOTTAGerne will ich dem Räuber verzeihn,
CARLOTTAihm nur danke mein Glück ich allein!
SORASein gefährlichster Streich ist gelungen,
SORAund der schönste Gewinn uns errungen!
SORADrum soll alles der Freude sich weihn,
SORAin den Sang stimmet ein:
SORAHör doch die Töne, Estrella,
SORAman tanzt Tarantella!
SORABerauschende Musik
SORAbringt mir der Liebe süsses Glück.
SORAWem zuckt es nicht in den Füssen,
SORAdie Nacht zu geniessen?
SORAWer zaudert da noch lang,
SORAwenn hell das Tamburin erklang?
SORAHör doch die Töne, Estrella,
SORAman tanzt Tarantella!
SORABerauschende Musik
SORAbringt mir der Liebe süsses Glück.
SORAWem zuckt es nicht in den Füssen,
SORAdie Nacht zu geniessen?
SORAWer widersteht dir lang,
SORAZauberklang!
CARLOTTAAh, ah, ah,
CARLOTTAZauberklang!
EINIGE FRAUENWem zuckt es nicht in den Füssen,
EINIGE FRAUENdie Nacht zu geniessen?
EINIGE FRAUENWer widersteht dir lang,
EINIGE FRAUENZauberklang!
FRAUEN, MÄNNERLala, lala, lala,
FRAUEN, MÄNNERZauberklang!