Die Nachtigall
N. Gade
Vom fernen Süd' komm' ich auf Frühlingsschwingen
Um mit dem Sommer Freude dir zu bringen.
Zur Abendzeit, wenn Blumendüfte wallen
Im Buchenhain lass ich mein Lied erschallen.
Du fromme Seele, drückt dich schwere Sorge,
Am Abend komm, und meinem Sange horche.
Ich kenne Liebeslust und Liebesschmerzen,
Ich schaffe Trost dem gramgebeugten Herzen.
Ich bin nicht schön, doch meine Lieder könnten
Mit reichem Trost dein schmerzlich Seufzen wenden.
O möchten bei des armen Vögleins Singen
Im Buchenhain in's Aug' dir Thränen dringen.
Verschliess, o Mensch, dein Ohr nicht meinen Sängen!
O wenn sie rührend dir zu Herzen drängen.
Kannst du an ihnen dich mit Lust erlaben,
Wirst Liebe stets in deiner Brust du haben.