Mailied
O. Fried
Die Vöglein singen wonnig
weit in den Wald hinein;
die Fluren liegen sonnig
in holdem Maienschein.
Die Bächlein rauschen milde
durch blühende Gefilde,
und Lerchen jubeln drein.
O kann's was Schönres geben
als den Mai, als den Mai allein?
Was mir im Herzen traurig,
verzagt und trübe war,
was öde rings und schaurig,
das ist nun sonnenklar.
Die Blumen hold entsprießen
auf blütenreichen Wiesen,
und Immen summen drein.
O kann's was Schönres geben
als den Mai, als den Mai allein?
O unbegrenzte Fülle
von lauter Seligkeit!
O Wonne, o umhülle
mein Herz mit seinem Leid!
Laß schwinden und vergehen,
was nicht wie Frühlingswehen
dir rauscht ins Herz hinein!
O kann's was Schönres geben
als den Mai, als den Mai allein?
Ich möchte mich versenken
in dieses Meer von Lust;
ein süßes Dran-gedenken
erhebt schon froh die Brust.
Ich möchte dich umfassen
und nicht mehr von mir lassen.
O Frühling, zieh herein!
Es kann nichts Schönres geben
als den Mai, als den Mai allein!