Frühlingsmorgen

O. Klauwell

Küßt das Licht den jungen Morgen,

Fällt der Thau auf Blüt' und Blatt,

Hei, wie wandert sich's da lustig

Durch die die grüne Waldesstatt!

Tönt so hell der Quelle Rauschen,

Lacht das Grün so zauberisch,

Pocht das Herz in trunkner Wonne,

Klingt das Liedel jung und frisch!

Küßt das Licht den jungen Morgen,

Fällt der Thau auf Blüt' und Blatt,

Traun, da mag ich's nimmer glauben,

Daß das Leben Schmerzen hat.

Lacht mir so die weite Erde

In des Lenzes Blumenflor,

Kommt mir Herzeleid und Trübsinn

Wie ein böses Märchen vor.

Tausend Blüten seh' ich sprossen,

Und da denk' ich so dabei,

Ob die Blume meines Glückes

Denn nicht auch zu finden sei.

Die auch muß so frei erblühen

Unter Sturm und Sonnenschein,

Darf kein mattes Topfgewächse,

Keine Treibhauspflanze sein.

Was doch so die Menschenseele

Wunderliche Träume hat,

Küßt das Licht den jungen Morgen,

Fällt der Thau auf Blüt' und Blatt!