Trinklied
O. Lessmann
Itzt hört ein neues Liedlein an,
Gar eine frumme Weise,
Und wenn's nicht stehn und gehen kann,
So dreht es sich im Kreise.
Voll loser Lieb' und festem Haß
Klopft mir das Herz im Leibe
Wie junger Wein im alten Faß,
Dem ich die Bände treibe
Um und um
Frumm und krumm,
Sitzt du gut, so bleibe!
Und wollet ihr mich recht verstehn,
Hab' ich seit Menschendenken
Noch Keinen gehn und kommen sehn
So gerne wie den Schenken.
Denn wenn er geht, so holt er was
Wie eine Wien' im Fluge,
Und wenn er kommt, so bringt er das,
Was plätschert in dem Kruge
Um und um
Frumm und krumm,
Bleibt nur hübsch im Zuge!
Den Filzhut werf' ich in die Luft,
Kann auch die Schuh' entbehren,
Wie Schmetterling vom Blumenduft
Will ich von dem mich nähren.
Schau' ich ihn an, schaut er mich an:
Duzbruder, wie magst heißen?
Und wenn ich dich nicht schneiden kann,
So kann ich doch dich beißen
Um und um
Frumm und krumin,
Rothen oder Weißen.
Und fragt ihr mich um Lieb' und Haß,
So bin ich balde schlüssig,
Ich bin nun mal verliebt ins Nah
Was feucht ist und was flüssig.
Wer mich im Trocknen sitzen läßt,
Verdurstet und verklommen,
Potz Pestilenz und nochmal Pest!
Es soll ihm schlecht bekommen
Um und um
Frumm und krumm,
Bächlein, komm geschwommen!