Sonett II

O. Schoeck

So eitel künstlich haben sie verwoben

Die Kunst, die selber sie nicht gläubig achten,

Daß sie die Sünd' in diese Unschuld brachten:

Wer unterscheidet, was noch stammt von oben?

Und wer mag würdig jene Reinen loben,

Die in der Zeit hochmüt'gem Trieb und Trachten

Die heil'ge Flamme treu in sich bewachten,

Aus ihr die alte Schönheit neu erhoben!

O Herr! gib Demut denen, die da irren,

Daß, wenn ihr' Künste all zu Schanden werden,

Sie töricht nicht den Gott in sich verfluchen!

Begeisterung, was falsch ist, zu entwirren,

Und Freudigkeit, wo's öde wird auf Erden,

Verleihe denen, die dich redlich suchen!