Das bescheidene Wünschlein

O. Schoeck

Damals, ganz zuerst am Anfang,

wenn ich hätte sagen sollen,

was, im Fall ich wünschen dürfte,

ich mir würde wünschen wollen,

wär ich vor zu großem Reichtum

in Verlegenheit geraten,

schwankend zwischen Bilderbüchern,

Farbenschachtel, Bleisoldaten.

Später wurde mein Gelüste

kühner, deutlicher und kürzer:

Einen stolzen Namen wollt ich,

sei's als Held und Weltumstürzer,

sei's als ruhmbekränzter Feldherr

in dem Paradies der Künste,

wo die Wunderbäume blühen

und der schönen Frauen Günste.

Heute, wenn die müde Hoffnung

wieder sich zum Wunsch bequemte,

wünscht ich nur ein kindisch Wünschlein,

dessen der Verstand sich schämte:

möchte wissen, wie die Glocke,

die mich in den Schlaf gewöhnte,

damals, ganz zuerst am Anfang,

möchte wissen, wie sie tönte.