Sieh dort den Berg mit seinem Wiesenhange

O. Schoeck

Erste Stimme

Sieh dort den Berg mit seinem Wiesenhange,

Die Sonne hat verzehrend ihn durchglüht,

Und Strahl auf Strahl noch immer niedersprüht;

Wie sehnt er nach der Wolke sich so bange!

Dort schwebt sie schon in ihrem luftgen Gange,

Auf deren Kuß die Blumenfreude blüht;

Wie flehend sich um ihre Neigung müht

Der Berg, daß sie sein Felsenarm umfange!

Sie kommt, sie naht, sie wird herniedersinken,

Er aber die Erquickungsreiche tief

Hinab in seinen heißen Busen trinken.

Und auferblühn in wonniger Beseelung

Wird, was an schönen Blüten in ihm schlief.

Ein treues Bild der Liebe, der Vermählung!