Mein Herz ist wie ein Saitenspiel

O. Schoeck

Mein Herz ist wie ein Saitenspiel,

Sie haben gar vieles gemeinsam;

Sie haben der freundlichen Gönner viel,

Und dennoch sind beide einsam.

Was beide Schlimmes auch erlebt,

Es hat sie nicht verbittert,

Und wenn sie hie und da gebebt,

Ist's, weil sie vor Wohllaut gezittert,

Es haben sich um schnöden Lohn

Die beiden nie verdungen,

Doch beiden ist im Leben schon

Manch' eine Saite gesprungen.

Viel minder heimisch im Königssaal

Als unter des Dorfes Linde,

Ist beider Wohllaut auch manchmal

Ganz spurlos verklungen im Winde.

Und Alles, was das Herz erträgt,

Die Harfe muß es klagen,

Und nach dem Takt, den jenes schlägt,

Wird dieses stets geschlagen.