Das Gewitter

O. Schoeck

Noch immer lag ein tiefes Schweigen

Rings auf den Höhn; doch plötzlich fuhr

Der Wind nun auf zum wilden Reigen,

Die sausende Gewitterspur.

Am Himmel eilt mit dumpfem Klange

Herauf der finstre Wolkenzug:

So nimmt der Zorn im heißen Drange

Den nächtlichen Gedankenflug.

Der Himmel donnert seinen Hader;

Auf seiner dunklen Stirne glüht

Der Blitz hervor, die Zornesader,

Die Schrecken auf die Erde sprüht.

Der Regen stürzt in lauten Güssen;

Mit Bäumen, die der Sturm zerbrach,

Erbraust der Strom zu meinen Füßen;

Doch schweigt der Donner allgemach.

Der Sturm läßt seine Flügel sinken,

Der Regen säuselt milde Ruh;

Da sah ich froh ein Hüttlein winken

Und eilte seiner Pforte zu.