Im Walde hinter Falkenhagen

O. Tiehsen

Ich wandre über Berg und Thal

Und über grüne Haiden,

Und mit mir wandert meine Qual,

Will nimmer von mir scheiden;

Und schifft' ich auch durch's weite Meer,

Sie käm' auch dort wohl hinterher.

Wohl blühn viel Blumen auf der Flur,

Die hab' ich nicht gesehen,

Denn Eine Blume seh' ich nur

Auf allen Wegen stehen.

Nach ihr hab' ich mich oft gebückt

Und doch sie nimmer abgepflückt.

Die Bienen sumsen durch das Gras

Und hängen an den Blüthen;

Das macht mein Auge trüb' und naß,

Ich kann mir's nicht verbieten.

Ihr süßen Lippen, roth und weich,

Wohl hing ich nimmer so an euch!

Gar lieblich singen nah' und fern

Die Vögel auf den Zweigen;

Wohl säng' ich mit den Vögeln gern,

Doch muß ich traurig schweigen,

Denn Liebeslust und Liebespein

Die bleiben jedes gern allein.

Am Himmel seh' ich flügelschnell

Die Wolken weiter ziehen,

Die Welle rieselt leicht und hell,

Muß immer nahn und fliehen;

Doch haschen, wenn's vom Winde ruht,

Sich Wolk' und Wolke, Fluth und Fluth.

Ich wandre hin, ich wandre her

Bey Sturm und heitern Tagen,

Und doch erschau' ich's nimmermehr

Und kann es nicht erjagen.

O Liebessehnen, Liebesqual,

Wann ruht der Wanderer einmal?