Es kamen grüne Vögelein

O. Tiehsen

Es kamen grüne Vögelein

Geflogen her vom Himmel,

Und setzten sich im Sonnenschein

In fröhlichem Gewimmel

All an des Baumes Äste,

Und saßen da so feste,

Als ob sie angewachsen sein.

Sie schaukelten in Lüften lau

Auf ihren schwanken Zweigen,

Sie aßen Licht und tranken Thau,

Und wollten auch nicht schweigen.

Sie sangen leise, leise

Auf ihre stille Weise

Von Sonnenschein und Himmelblau.

Wenn Wetternacht auf Wolken saß,

So schwirrten sie erschrocken;

Sie wurden von dem Regen naß,

Und wurden wieder trocken;

Die Tropfen rannen nieder

Vom grünenden Gefieder,

Und desto grüner wurde das.

Da kam am Tag der scharfe Stral,

Ihr grünes Kleid zu sengen,

Und nächtlich kam der Frost einmal

Mit Reif es zu besprengen.

Die armen Vöglein froren,

Ihr Frohsinn war verloren,

Ihr grünes Kleid ward bunt und fahl.

Da trat ein starker Mann zum Baum,

Und hub ihn an zu schütteln,

Vom obern bis zum untern Raum

Mit Schauer zu durchrütteln;

Die bunten Vöglein girrten,

Und auseinander schwirrten;

Wohin sie kamen, weiß man kaum.