Gottes Tod
Hindemith, Paul
Seid still, ihr Vögelein
In dem dunkeln Wald!
Ihr Bienen, tragt jetzt nicht mehr ein
Und schweiget euren Schall!
Die Welt soll stille stehen,
Denn Gott ist entschlafen:
Man hört den leisen Atem deutlich gehen.
Gott ist des Sinnes müd,
Ganz in die Welt getaucht,
Worin er verglüht,
seinen Atem aushaucht
Und das große Auge schließt:
Gott will auch leben und sterben,
Drum er sich ein uns gießt.
Wir empfangen dich, du Fluß,
Mit unsrer offnen Brust,
Wir schwimmen arm breit in dir liebem Guß,
Goldstrom der Lust,
Worin wir müssen sein
Und in deinem Tod sterben,
Ertrinken als in Wein!
Nun gib uns deine Hand,
Ziehe uns zu dir,
Sei als wir,
Uns zum süßen Tand,
O du der Wesen Zier,
Du Todes Preis und Wesens Thron
Und aller Seelen Sonne und Lebenslohn!