Lenznacht

P. Pfitzner

Der leise zitternde Abendwind

Streicht hin über Klee und Mohn;

Du kommst, wenn die Schatten gesunken sind,

Und die Lichter des Tages entflohn,

Wenn nachtblau, wie Dein Aug' über mir

Die dämmernde Lenznacht webt,

Wenn um Halme und Gräser der Haide hier

Nachtfalter und Glühwurm schwebt.

Die Sonne sank -- durch Gestrüpp und Dorn

Der Fuß des Harrenden streicht,

Über Wald und Feld das Silberhorn

Des Mondes am Himmel steigt.

Wie die Nacht so still und die Welt so weit,

Ein Rauschen ferne verhallt;

Nur der Habicht schreit in der Einsamkeit,

Und tief erschauert der Wald.

Und wieder ein Rauschen! Dein Fuß war's nicht;

Was täuschte des Lauschenden Ohr?

Ein Hirsch trat drüben im Mondenlicht

Aus Waldesschatten hervor.

Wie die Nacht so still; doch mit stürmendem Schlag

Ruft das Herz nach Dir, die Du mein;

O komm, Du wandelst die Nacht zum Tag,

Und löse des Harrenden Pein!