In der Nacht

P. Schick

In der Nacht vorm Christ fängt's an zu schnei'n,

die Welt liegt still, als schliefe sie ein.

Der Engel tritt an den Waldessaum

und trägt einen brennenden Weihnachtsbaum.

Äpfel und Nüsse sind daran

und auch ein Herz aus Marzipan.

Und der Lichtlein leuchten wohl hundert und mehr

und streuen ihren Schimmer weit umher.

Der Engel lugt ins schlafende Land

und steigt hinab, den Baum in der Hand,

und unten geht er von Haus zu Haus,

weht keins der himmlischen Lichter aus.

In alle Fenster sieht er hinein,

ob da auch schlafende Kinder sein,

da geht ein Lächeln durch ihren Traum,

und sie träumen alle vom Weihnachtsbaum.

Große Kinder und alte Leut

sagen dann wohl stillerfreut:

"Morgen Abend um diese Zeit",

Und sehn zum Fenster hinaus, wie's schneit.

Ganz leise fallen die Flocken und dicht,

ist alles so still und weiß und licht,

nur ganz Kluge, Helläugige seh'n

vom Engel noch leichte Spuren geh'n.

Als ob ein zierliches Rehlein lief,

ganz obenhin, sank gar nicht tief.

Blieb aber, riech nur, in der Luft

so ein seltsamer süßer Duft.

Und liegt überm Land und weit hinein

so ein stiller, himmlischer Schein

wie auf der schlafenden Kinder Gesicht

der Widerschein vom Weihnachtslicht.