Frühlingslied
P. von Decker
Der Frühling kommt ins Land herein,
Er fliegt auf Schwalbenschwingen,
Und vor ihm her und hinterdrein
Die Vögel alle singen,
Und schweigend wohl, doch froh genug,
Umflattert ihn mit leisem Flug
Und Zug auf Zug
Ein Heer von Schmetterlingen.
Da wirds dem Wald so jugendlich,
Er faßt ein neu Gemüthe;
Die ältsten Berge stecken sich
Nun Reiser auf die Hüte;
Ja wo nur auch ein schmaler Spalt
Gesprengt den Felsen grau und kalt,
Da alsobald
Hängt eine frische Blüte.
Die schaut mit heitrem Angesicht
Weit über alle Thale
Entgegen da dem Morgenlicht
Und nach dem Abendstrale;
Und wenns mit kühlem Thaue graut,
Und wenn die Nacht hernieder thaut,
So beut vertraut
Und füllt auch sie die Schale.
Und Erd' und Himmel blickt verschönt
Aus ihrem Kelche wieder,
Derweil im Walde drunten tönt
Ein maienfroh Gefieder.
Und lächelnd schwebt in blauer Luft
Der Frühling hoch ob Berg und Schluft,
Und träufelt Duft
Aus vollen Locken nieder.