Mondschein
R. Hanf
Das ist eine wunderliche Nacht;
der Mondschein in den gothischen Bogen des Dohmes erscheint
und verschwindet wie Geister –
an der Laterne des Thurmes klettert ein Nachtwandler herum,
mit einem Säuglinge im Arme, es ist der Klökner;
sein Weib schaut aus der Luke, händeringend,
aber stumm wie das Grab, daß der schlafende Wanderer,
der sicher, wie der sorglose Mensch, die gefährlichsten Stellen zurüklegt,
nicht beim Rufe seines Namens erwachend
und schwindelnd mit dem Knaben in das tiefe Grab hinunterstürze. –
Gegenüber in der Vorstadt bricht ein Dieb in einen Pallast;
aber es ist mein Revier nicht, und ich bin zum Stummsein verdammt;
so mag er einbrechen! –
Ganz in der Ferne ist leise kaum vemehmbare Musik,
wie wenn Mücken summen,
oder Koch zur Nacht auf der Mundharmonika phantasirt;
und oben am Horizont auf dem Eisspiegel der Wiese drehen sich leicht
und luftig Schlittschuhläufer,
und tanzen den Baseler Todtentanz zu der Trauermusik. –