Weine nicht
R. Radecke
Weine nicht! es ist vergebens!
Jede Freude dieses Lebens
Ist ein bald verschwundner Traum.
Mühe dich, es zu vergessen,
Daß du einst ein Glück besessen!
Blüthenlos verwelkt dein Baum.
Aber Hoffnung leiht dir Flügel,
Sprengt der dunkeln Zukunft Riegel,
Zeigt dir eine beßre Welt,
Giebt uns Muth in Schreckenstagen,
Hilft uns unser Leiden tragen,
Bis der Vorhang niederfällt.
Hoffnung, deine Regenbogen,
Die oft täuschend mich umzogen,
Bleiben wahrlich wunderschön;
Ohne deinen sanften Schimmer
Kann der Menschenglaube nimmer
Ewige Vergeltung sehn.
Wenn in einer ernsten Stunde
Manche aufgerißne Wunde
Unser Herz mit Sorgen füllt,
Nimmst du sanft dem bangen Herzen
Seinen Kummer, seine Schmerzen,
Und dann ist der Gram gestillt.
Wenn ich ausgelitten habe,
Stehst du an dem offnen Grabe
Wie ein Engel Gottes schön;
Senkst dich in die Brust der Meinen,
Und sie hören auf zu weinen,
Weil sie mich dann wiedersehn.