Am Erlaf-See

R. Spring

Mir ist so wohl, so weh

Am stillen Erlafsee.

Heilig Schweigen

In Fichtenzweigen.

Regungslos

Der dunkle Schooß;

Nur der Wolken Schatten flieh'n

Überm glatten Spiegel hin.

Feenbild, was willst du mir,

So umschwebst du mich auch hier?

Weiche aus dem Land der Hirten.

Hier gedeihen keine Myrthen;

Schilfgras nur und Tannenwucht

Kränzen diese stille Bucht.

Frische Winde

Kräuseln linde

Das Gewässer;

Und der Sonne

Güldne Krone

Flimmert blässer.

Ach, weine nicht, du süßes Bild!

Der Wellendrang ist bald gestillt,

Und glatter See, und Lüfte lau,

Erheitern dich, du Wunderfrau.

Des Sees Rand

Umschlingt ein Band,

Aus lichtem Grün gewunden:

[Es ist der Fluß,

der] treiben muß

Die Sägemühlen unten.

Unwillig krümmt er sich am Steg

Von seiner schönen Mutter weg,

Und fließt zu fernen Gründen.

Wirst, Liebe! auch mit holder Hand,

Des Sängers ernstes Felsenland,

Mit Blüthenroth umwinden?