Blondels Lied

Schumann, Robert

Spähend nach dem Eisengitter

Bei des Mondes hellem Schein,

Steht ein Minstrel mit der Zither

Vor dem Schlosse Dürrenstein;

Stimmt sein Spiel zu sanfter Weise

Und beginnt sein Lied dazu,

Denn ein Ahnen sagt ihm leise:

"Suche treu, so findest du!"

König Richard, Held von Osten,

Sankst du wirklich schon hinab?

Muß dein Schwert im Meere rosten,

Oder deckt dich fern ein Grab?

Suchend dich auf allen Wegen,

Wallt dein Minstrel ohne Ruh',

Denn ihm sagt ein leises Regen:

"Suche treu, so findest du!"

Gehst du lebend noch hienieden?

Stellt vielleicht ein Feind dir nach,

Um in Ketten dich zu schmieden,

Der so viele Ketten brach?

Oder liegst du schon gebunden,

Stolzer Löw', in schnöder Ruh'?--

Hoffnung ruft zu allen Stunden:

"Suche treu, so findest du!"

Hoffe, Richard, und vertraue!

Treue lenkt und leitet mich;

Und im fernen Heimatgaue

Betet Liebe still für dich.

Blondel folget deinen Bahnen,

Margot winkt dir sehnend zu,

Deinem Minstrel sagt ein Ahnen:

"Suche treu, so findest du!"

Horch! da tönt es leise, leise

Aus dem Burgverließ empor,

Eine wohlbekannte Weise

Klingt an Blondel's lauschend Ohr.

Wie ein Freundesruf, ein trauter,

Schallt sein eigen Lied ihm zu,

Und sein Ahnen sagt ihm lauter:

"Suche treu, so findest du!"

Was er sang, das singt er wieder,

Wieder tönt es ihm zurück,

Süßes Echo klingt hernieder --

Keine Täuschung! -- sichres Glück!

Den er sucht auf seinen Bahnen,

Ach sein König ruft ihm zu;

Nicht vergebens war sein Ahnen:

"Suche treu, so findest du!"

Heimwärts fliegt er mit der Kunde,

Da war Leid und Freude groß,

Fliegt zurück mit edler Runde,

Kauft den teuren König los.

Rings umstaunt vom frohen Kreise

Stürzt der Held dem Sänger zu;

Gut bewährt hat sich die Weise:

"Suche treu, so findest du!"