Die Flüchtlinge

Schumann

I

Der Hagel klirrt nieder,

Es leuchten die Wogen,

Die Blitze rings sprühen,

Der Schaum kommt geflogen -

Fort! Fort!

Der Donner laut kracht,

Die Wälder all' stöhnen,

Der Sturmwind rings braust

Die Glocken ertönen -

Fort! Fort!

Die Erd' gleich dem Meere

Wankt trümmerbedeckt,

Thier und Mensch sind entfloh'n

Von dem Sturm erschreckt --

Fort! Fort!

II

"Der Steur'mann erbleicht,

Nur ein Segel hat's Boot,

Wer zu folgen jetzt wagte,

Wär' ein kühner Pilot!"

(Rief er.)

(Und sie rief:) "Greif zum Ruder,

Stoß' kühn vom Gestad!"

Und Hagel und Kugeln

Bestreu'n den Pfad

Über's Meer.

Die Leuchtfeuer glüh'n

Von Klippen und Thurm:

Das Geschütz stumm blitzt,

Erstickt von dem Sturm

Von seewärts her.

III

"Und siehst du, und hörst du?

Und banget dein Sinn?

Und jagen wir frei nicht

Über's Meer dahin,

Ich und du?"

Ein Schiffsmantel deckt

Die Liebenden beide;

Ihr Herz schlägt vereint

In stolzer Freude,

Sie flüstern sich zu.

(Wie wankende Berge

Das Meer, sturmumwettert,

Wird gewälzt und gehoben,

Zerklüftet, zerschmettert

Sonder Ruh.)

IV

In dem Schloßhof, neben

Der Pförtnerin, gleich

Geschlagenem Bluthund,

Steht der Bräutigam, bleich

Vor Scham.

Ein todkündend Gespenst,

Steht auf oberstem Thurm

Ein Greis, und vor seiner

Stimme der Sturm

Scheint zahm.

Auf die Letzte und Schönste

Seines Stammes zur Stunde

Einen Fluch er ruft

Wie aus Vaters Munde

Nie kam!