Die nächtliche Heerschau
Robert Schumann
Nachts um die zwölfte Stunde
Verläßt der Tambour sein Grab,
Macht mit der Trommel die Runde,
Geht wirbelnd auf und ab.
Mit seinen entfleischten Armen
Rührt er die Schlägel zugleich;
Schlägt manchen guten Wirbel,
Reveille
und Zapfenstreich.
Die Trommel klinget seltsam,
Hat gar einen starken Ton,
Die alten todten Soldaten
Erwachen im Grabe davon.
Und die im tiefen Norden
Erstarrt in Schnee und Eis,
Und die in Welschland liegen,
Wo ihnen die Erde zu heiß;
Und die der Nilschlamm decket
Und der arabische
Sand,
Sie steigen aus ihren
Gräbern
Und nehmen's Gewehr zur Hand.
Und um die zwölfte Stunde
Verläßt der Trompeter sein Grab
Und schmettert in die Trompete
Und reitet auf und ab.
Da kommen auf luftigen Pferden
Die todten Reiter herbei,
Die blutigen alten Schwadronen,
In Waffen mancherlei.
Es grinsen die weißen Schädel
Wohl unter dem Helm hervor.
Es halten die Knochenhände
Die langen Schwerter empor.
Und um die zwölfte Stunde
Verläßt der Feldherr sein Grab,
Kommt langsam hergeritten
Umgeben von seinem Stab.
Er trägt ein einfach
Hütchen,
Er trägt ein einfach Kleid,
Und einen kleinen Degen
Trägt er an seiner Seit.
Der Mond mit gelbem Lichte
Erhellt den weiten Plan,
Der Mann im kleinen Hütchen
Sieht sich die Truppen an.
Die Reihen präsentiren
Und schultern das Gewehr,
Dann zieht mit klingendem Spiele
Vorüber
das ganze Heer.
Die Marschälle
und Generale
Schließen um ihn einen
Kreis,
Der Feldherr sagt dem Nächsten
Ins Ohr ein Wörtchen
leis';
Das Wort geht in die Runde,
Klingt wieder fern und nah!
»Frankreich« ist
die Parole,
Die Losung: »Helena
«.
Das
ist die große Parade
Im Elisäischen Feld,
Die um die zwölfte Stunde
Der todte Kaiser hält.