Zigeunerleben

Schumann, Robert

Im Schatten des Waldes, im Buchengezweig

Da regt sich's und raschelt und flüstert zugleich;

Es flackern die Flammen, es gaukelt der Schein

Um bunte Gestalten, um Laub und Gestein.

Das ist der Zigeuner bewegliche Schar,

Mit blitzendem Aug' und mit wallendem Haar,

Gesäugt an des Niles geheiligter Flut,

Gebräunt von Hispaniens südlicher Glut.

Ums lodernde Feuer in schwellendem Grün

Da lagern die Männer verwildert und kühn,

Da kauern die Weiber und rüsten das Mahl,

Und füllen geschäftig den alten Pokal.

Und Sagen und Lieder ertönen im Rund,

Wie Spaniens Gärten so blühend und bunt,

Und magische Sprüche für Not und Gefahr

Verkündet die Alte der horchenden Schar.

Schwarzäugige Mädchen beginnen den Tanz;

Da sprühen die Fackeln im rötlichen Glanz,

Heiß lockt die Gitarre, die Cymbel klingt,

Wie wilder und wilder der Reigen sich schlingt.

Dann ruhn sie ermüdet von nächtlichen Reihn;

Es rauschen die Buchen in Schlummer sie ein,

Und die aus der glücklichen Heimat verbannt,

Sie schauen im Traume das glückliche Land.

Doch wie nun im Osten der Morgen erwacht,

Verlöschen die schönen Gebilde der Nacht;

Es scharret das Maultier bei Tagesbeginn,

Fort ziehn die Gestalten, wer sagt dir wohin?