An Anna I

Schumann, Robert

Lange harrt' ich, aber endlich breiten

Auseinander sich des Fensters Flügel,

Und an seinem weissen Kreuze stehest du,

Berg und Thal ein stiller Friedensengel.

Vöglein ziehen nah' an dir vorüber,

Täublein sitzen auf dem nahen Dache,

Kommt der Mond, und kommen alle Sterne,

Blicken all' dir keck in's blaue Auge.

Steh' ich einsam, in der Ferne,

Habe keine Flügel hinzufliegen,

Habe keine Strahlen hinzusenden,

Steh' ich einsam, in der Ferne!

Gehst du, sprech' ich mit verhaltnen Tränen:

Ruhet süss, ihr lieben, lieben Augen!

Ruhet süss, ihr weissen, weissen Lilien!

Ruhet süss, ihr lieben, lieben Hände!

Sprechen's nach die Stern am Himmel,

Sprechen's nach des Tales Blumen,

Weh! O weh! Du hast es nicht vernommen!