Liebhabers Ständchen
Schumann
Er
Wachst Du noch, Liebchen? Gruß und Kuß!
Dein Liebster naht im Regenguß.
Ihm lähmet Liebe Hand und Fuß;
Er möchte so gern zu seinem Schatz.
Sie
Wenn's draußen noch so stürmisch ist,
Ich kenne junger Burschen List.
Geh hin, woher du kommen bist.
Ich lasse dich nicht ein.
Er
O lass mich ein die eine Nacht,
Die Liebe ist's, die glücklich macht!
Horch, wie die Wetterfahnen wehn!
Sieh, wie die Sternlein untergehn!
Laß mich nicht hier im Regen stehn,
Mach auf, mach auf dein Kämmerlein!
Sie
Der Sturm nicht, der in Nächten droht,
Bringt irrem Wandrer größre Not,
Als einem Mädchen jung und rot
Der Männer süße Schmeichelei'n.
Er
Wehrest du, Liebchen, mir solche Huld,
So tötet mich die Ungeduld,
Und meines frühen Todes Schuld
Trifft dich allein, ja dich allein.
Sie
Das Vöglein auch, das singt und fliegt,
Von Vogelstellers List besiegt,
Zuletzt in böse Schlingen fällt,
Ruft: o traue nicht dem Schein!
Er
O lass mich ein die eine Nacht . . .
Sie
Nein, nein, nein, ich öffne nicht . . .