Philine

Schumann, Robert

Singet nicht in Trauertönen

Von der Einsamkeit der Nacht;

Nein, sie ist, o holde Schönen,

Zur Geselligkeit gemacht.

Könnt ihr euch des Tages freuen,

Der nur Freuden unterbricht?

Er ist gut, sich zu zerstreuen;

Zu was anderm taugt er nicht.

Aber wenn in nächt'ger Stunde

Süsser Lampe Dämmrung fliesst

Und vom Mund zum nahen Munde

Scherz und Liebe sich ergiesst,

Wenn der rasche, lose Knabe,

Der sonst wild und feurig eilt,

Oft bei einer kleinen Gabe

Unter leichten Spielen weilt,

Wenn die Nachtigall Verliebten

Liebevoll ein Liedchen singt,

Das Gefangnen und Betrübten

Nur wie Ach und Wehe klingt:

Mit wie leichtem Herzensregen

Horchet ihr der Glocke nicht,

Die mit zwölf bedächtgen Schlägen

Ruh und Sicherheit verspricht.

Darum an dem langen Tage

Merke dir es, liebe Brust:

Jeder Tag hat seine Plage,

Und die Nacht hat ihre Lust.