Schneeglöckchen

Schumann

Die Sonne sah die Erde an,

Es ging ein milder Wind,

Und plötzlich stand Schneeglöckchen da,

Das fremde blasse Kind.

Und plötzlich brach mit Pomp und Braus

Der alte Winter auf,

Die Wolken eilten pfeilgeschwind

Zum dunklen Nord hinauf.

Eisscholle lief, Schneeflocke schmolz,

Die Stürme heulten drein,

Schneeglöckchen stand gesenkten Haupts

In dem Gewühl allein.

Ei komm! Du weißes Schwesterlein,

Wie lange willst du stehn?

Der Winter ruft, das Reich ist aus,

Wir müssen nach Hause gehn!

Und was nur rings auf Erden trägt

Die weiße Liverei,

Das schürze sich, das tummle sich

Zur Abfahrt schnell herbei!

Schneeglöckchen sah sich bebend an

Und dachte halb im Traum:

»Was soll um Winters Liverei

Der grüne, grüne Saum?

Wob ihn wohl um das weiße Kleid

Des Winters rauhe Hand?

Wo komm' ich her? wo geh' ich hin?

Wo ist mein Vaterland?«