Dichters Genesung

Schumann, Robert

Und wieder hatt' ich der Schönsten gedacht,

Die nur in Träumen bisher ich gesehen;

Es trieb mich hinaus in die lichte Nacht,

Durch stille Gründe mußt ich gehen.

Da auf einmal

Glänzte das Tal,

Schaurig als wär es ein Geistersaal.

Da rauschten zusammen zur Tanzmelodei

Der Strom und die Winde mit Klingen und Zischen,

Da weht' es im flüchtigen Zuge herbei

Aus Felsen und Tale, aus Wellen und Büschen,

Und im Mondesglanz

Ein weißer Kranz,

Tanzten die Elfen den Reigentanz.

Und mitten im Kreis ein luftiges Weib,

Die Königin war es, ich hörte sie singen:

„Laß ab von dem schweren irdischen Leib!

Laß ab von den törichten irdischen Dingen!

Nur im Mondenschein

Ist Leben allein!

Nur im Träumen zu schweben, ein ewiges Sein!

„Ich bin's, die in Träumen du oft gesehn,

Ich bin's, die als Liebchen du oft besungen,

Ich bin es, die Elfenkönigin,

Du wolltest mich schauen, es ist dir gelungen.

Nun sollst du mein

Auf ewig sein,

Komm mit, komm mit in den Elfenreihn!“

Schon zogen, schon flogen sie all um mich her,

Da wehte der Morgen, da bin ich genesen.

Fahr wohl nun, du Elfenkönigin,

Jetzt will ein andres Lieb ich mir erlesen;

Ohn Trug und Schein

Und von Herzen rein

Wird wohl auch für mich eins zu finden sein!