Sehnsucht
Robert Schumann
Ich blick' in mein Herz und ich blick' in die Welt,
Bis vom Auge die brennende
Thräne mir fällt
Wohl leuchtet die Ferne mit goldenem
Licht,
Doch hält mich der Nord -- ich erreiche sie nicht --
O die Schranken so eng, und die Welt so weit,
Und so flüchtig die Zeit!
Ich weiß ein Land, wo aus
sonnigem Grün
Um versunkene Tempel die Trauben glühn
Wo die purpurne Woge das Ufer beschäumt,
Und
von kommenden Sängern der Lorbeer träumt;
Fern lockt es und winkt dem verlangenden Sinn,
Und ich kann nicht hin.
Und
hätt' ich Flügel, durch's Blau der Luft
Wie wollt' ich baden im Sonnenduft!
Doch umsonst! Und Stunde auf Stunde entflieht --
Vertraure die Jugend -- begrabe das Lied --
O die Schranken so eng, und die Welt so weit,
Und so flüchtig die Zeit!