Mond, meiner Seele Liebling
Schumann, Robert
_Die Dichterin, den 17. Juli 1808 in St. Petersburg geboren, verlor frühzeitig ihren Vater und von sieben Brüdern sechs, die Letzteren in den Schlachten der Jahre 1812-14. Es blieb ihr nur die Mutter, die sie mit zärtlicher Liebe bis an ihr Ende verehrte. Aus den zahlreichen Gedichten an sie, ist das folgende ausgewählt._
Mond, meiner Seele Liebling,
Wie schaust du heut' so blass?
Ist eines deiner Kinder,
O Mond, vielleicht unpass?
Kam dein Gemahl, die Sonne,
Vielleicht dir krank nach Haus?
Und du trittst aus der Wohnung,
Weinst deinen Schmerz hier aus?
Ach, guter Mond, ein gleiches
Geschick befiel auch mich.
Drin liegt mir krank die Mutter,
Hat mich nur jetzt um sich!
So eben schloss ihr Schlummer
Das Aug' ein Weilchen zu;
Da wich, mein Herz zu stärken,
Vom Ort ich ihrer Ruh.
Trost sei mir, Mond, dein Anblick,
Ich leide nicht allein:
Du bist der Welt Mitherrscher,
Und kannst nicht stets dich freun!