Stirb, Lieb' und Freud'!

Robert Schumann

Zu Augsburg steht ein hohes Haus,

Nah bei dem alten Dom,

Da tritt an hellem

Morgen aus

Ein Mägdelein gar fromm;

Gesang erschallt,

Zum Dome wallt

Die liebe Gestalt.

Dort vor Mariä

heilig' Bild

Sie betend niederkniet,

Der Himmel hat ihr Herz erfüllt,

Und alle Weltlust flieht:

"O Jungfrau

rein!

Laß mich allein

Dein eigen seyn!"

Alsbald der Glocke dumpfer

Klang

Die Betenden erweckt,

Das Mägdlein wallt die Hall' entlang,

Es weiß nicht, was es trägt;

Auf dem Haupte

ganz

Von Himmelsglanz

Einen Liljenkranz.

Mit Staunen sehen

all' die Leut'

Dieß Kränzlein licht im Haar,

Das Mägdlein aber wallt nicht weit,

Tritt vor den Hochaltar:

"Zur Nonne weiht

"Mich arme Maid!

"Stirb, Lieb' und Freud'!"

[Gott, gib, daß dieses Mägdelein

Ihr Kränzlein friedlich trag']

Es ist die Allerliebste

mein,

Bleibt's bis zum jüngsten Tag.

Sie weiß es nicht,

Mein Herz zerbricht,

Stirb, Lieb' und Licht!