Agnes von Hohenstaufen
Spontini, Gaspare
Responsief blok lib/tran/syn
Agnes von Hohenstaufen Libretto
SYSTEMErster Auftritt.
Der Kaiser, Philipp, Fürsten, der Erzbischof von Mainz, Prälaten. Irmengard, umgeben von ihren Frauen. Deutsche Ritter. Kaiserliche Marschälle. Herolde. Später der Burggraf.
ALLGEMEINER CHOREs schwebe der Adler
ALLGEMEINER CHORDes heiligen Reiches,
ALLGEMEINER CHORMit siegenden Schwingen
ALLGEMEINER CHORIn Welschlands Gefild!
ALLGEMEINER CHOREr bringe Verderben
ALLGEMEINER CHORDem Meutrergeschlechte,
ALLGEMEINER CHORUnd werde den Treuen
ALLGEMEINER CHOREin deckender Schild!
ALLGEMEINER CHORKAISER zu den Fürsten.
ALLGEMEINER CHORSo schwöret beim Klange
ALLGEMEINER CHORDer Kriegesdrommeten.
ALLGEMEINER CHORZu folgen dem Adler
ALLGEMEINER CHORDes heiligen Reichs.
ALLGEMEINER CHORZugleich.
ALLGEMEINER CHORIRMENGARD zu den Fürsten.
ALLGEMEINER CHORJa eilt zu erkämpfen
ALLGEMEINER CHORSiciliens Thron!
PHILIPPAuf, laßt uns erkämpfen
PHILIPPSiciliens Thron!
CHOR DER FÜRSTEN UND RITTERWir folgen dem Adler
CHOR DER FÜRSTEN UND RITTERDes heiligen Reiches,
CHOR DER FÜRSTEN UND RITTERZu blutigen Kämpfen
CHOR DER FÜRSTEN UND RITTERIn Welschlands Gefild.
CHOR DER FÜRSTEN UND RITTERWir bringen Verderben
CHOR DER FÜRSTEN UND RITTERDem Meutrergeschlechte,
CHOR DER FÜRSTEN UND RITTERUnd werden den Treuen
CHOR DER FÜRSTEN UND RITTEREin deckender Schild!
CHOR DER FRAUENEs schwebe der Adler
CHOR DER FRAUENDes heiligen Reiches,
CHOR DER FRAUENMit siegenden Schwingen
CHOR DER FRAUENIn Welschlands Gefild!
CHOR DER FRAUENEr bringe Verderben
CHOR DER FRAUENDem Meutrergeschlechte,
CHOR DER FRAUENUnd werde den Treuen
CHOR DER FRAUENEin deckender Schild!
KAISERDen Segen, Erzbischof, für uns're Waffen!
KAISERCHOR DER FRAUEN zu den Fürsten und Rittern.
KAISERGedenket im Kampfe
KAISERDes Rittergelübdes!
KAISERDen Frauen und Schwachen
KAISERSeid gütig und mild.
FÜRSTEN UND RITTERGedenkend im Kampfe
FÜRSTEN UND RITTERDes Rittergelübdes,
FÜRSTEN UND RITTERIst Frauen und Schwachen
FÜRSTEN UND RITTERDer Tapfere mild.
ERZBISCHOFDes Himmels Segen der gerechten Sache!
ERZBISCHOFJa, Euren Bannern wird er Sieg verleih'n,
ERZBISCHOFVergeßt Ihr nie im Kampfe Christ zu sein!
FÜRSTEN UND RITTERDie Sonne wird schauen
FÜRSTEN UND RITTERIn purpurnen Wellen,
FÜRSTEN UND RITTERIm Blut der Rebellen
FÜRSTEN UND RITTERIhr glühendes Bild.
CHOR DER FRAUENDie Sonne wird schauen
CHOR DER FRAUENDie Flucht der Rebellen
CHOR DER FRAUENVon Mauern, von Wällen,
CHOR DER FRAUENVom Ruhmesgefild!
KAISERSo sei's! -
KAISERSiciliens König, Tancred ist nicht mehr:
KAISERFür unser Erbe kämpfe jetzt das Schwert.
KAISERDie Kaiserin mit unserm Oheim Conrad
KAISERUnd einem Heer jenseits der Alpen schon,
KAISERBegehren dringend unsern schnellen Aufbruch.
KAISERZuvor jedoch erneu'n wir gegen Heinrich,
KAISERVormals der Sachsen und der Baiern Herzog,
KAISERJa gegen des Rebellen ganz Geschlecht,
KAISERHochfeierlich hiemit des Reiches Acht!
BURGGRAFEntehrt sind Wappen und Panier des Löwen.
BURGGRAFIRMENGARD für sich.
BURGGRAFWeh! arme Tochter!
BURGGRAFPHILIPP eben so.
BURGGRAFUnglücksel'ger Freund!
KAISERObgleich ein Greis, ist er, das Haupt der Welfen,
KAISERDes Bannes spottend, als Empörer jüngst
KAISERVon Albions Küste wieder heimgekehrt,
KAISERUnd wagt's, da Meut'rer sich ihm zugesellt,
KAISERIm offnen Kampf uns, seinem Herrn, zu trotzen! -
KAISERGelobt auf dieses Schwert, zu strafen den Verbrecher,
KAISERZu fechten für des Kaisers Recht!
ALLE FÜRSTEN UND RITTERWir schwören,
ALLE FÜRSTEN UND RITTERZu fechten für des Kaisers Recht!
IRMENGARD wendet sich zum Kaiser.
ALLE FÜRSTEN UND RITTERErhab'ner Herr! eh' zwischen Hohenstaufen
ALLE FÜRSTEN UND RITTERUnd Welfen dieses Hasses Glut entbrannte,
ALLE FÜRSTEN UND RITTERWard Agnes, nach dem Willen Eures Vaters,
ALLE FÜRSTEN UND RITTERDem jüngern Welfen, Heinrich, zugesagt
ALLE FÜRSTEN UND RITTERUnd feierlich verlobt! Soll nun die Acht
ALLE FÜRSTEN UND RITTERDen Bund zerreißen?
KAISERNicht die Acht zerreißt ihn,
KAISERZerrissen hat schon längst ihn unser Wille.
KAISERPHILIPP zum Kaiser.
KAISERVergeßt Ihr, daß mein theurer Waffenbruder
KAISERFür Euch in Welschland focht, die Kaiserkrone
KAISERAuf's Haupt Euch setzen half, für Eure Größe
KAISERSein Blut verspritzte vor Neapels Mauern?
KAISERVergißt du, daß er schändlich mich verließ,
KAISERDaß gegen Frankreichs König er gefochten
KAISERFür den gefang'nen Richard, unsern Feind?
IRMENGARDIhr hattet ihn verbannt. - Nun schmachtet er
IRMENGARDIn einem Kerker Frankreichs schwer verwundet.
KAISERGenug von ihm!
KAISERZu den Fürsten und Rittern.
KAISERIhr wißt, was Ihr geschworen.
FÜRSTEN UND RITTERUnd wiederholen unsern Schwur!
FÜRSTEN UND RITTERIRMENGARD zum Kaiser.
FÜRSTEN UND RITTERErbarmen! -
FÜRSTEN UND RITTERO, schont in Heinrich meiner Agnes Leben.
FÜRSTEN UND RITTERArie.
FÜRSTEN UND RITTERZu den Fürsten.
FÜRSTEN UND RITTERJa, Deutschlands Helden! ja, tragt die Fahnen
FÜRSTEN UND RITTERJenseits der Alpen steiler Wand.
FÜRSTEN UND RITTEREilt unserm Kaiser den Weg zu bahnen
FÜRSTEN UND RITTERZu Ruhm und Sieg im fremden Land.
FÜRSTEN UND RITTERFÜRSTEN UND RITTER fallen begleitend ein.
FÜRSTEN UND RITTERWir sind bereit ihm den Weg zu bahnen,
FÜRSTEN UND RITTERZu Ruhm und Sieg im fremden Land.
IRMENGARDDoch verlassen, fern, im Kerker schmachtet
IRMENGARDEin uns so theurer Fürstensohn;
IRMENGARDIhn zu befrei'n, zu retten trachtet,
IRMENGARDNaht flehend Euch mit mir dem Thron!
IRMENGARDEr werde wieder uns gegeben,
IRMENGARDErkämpfe sich den Siegerkranz,
IRMENGARDAn ihm hängt meiner Agnes Leben,
IRMENGARDHängt eines Fürstenhauses Glanz.
IRMENGARDDER BURGGRAF nachdem ihm ein eingetretener Herold die Ankunft der französischen Gesandt schaft gemeldet.
IRMENGARDSo eben nahet Frankreichs Abgesandter.
KAISEREr sei willkommen.
KAISERZu den Marschällen.
KAISERGeht, ihn zu empfangen.
SYSTEMZweiter Auftritt.
KAISERVorige. Französische Edelknaben, Troubadours. Der König von Frankreich, als sein eigener Gesandter. Französische Ritter, die ihm folgen.
KAISERCHOR der französischen Ritter, Troubadours und Edelknaben.
KAISERDen mächtigen Herrscher, die beste der Frauen,
KAISERWir grüßen sie mit Jubelgesang,
KAISERUnd die wir im glänzenden Kreise hier schauen,
KAISERDie edlen Ritter und lieblichen Frauen,
KAISERSie grüße der Laute freundlicher Klang.
KAISERKÖNIG zum Kaiser.
KAISERDes Kaisers Majestät entbeut mein Herr,
KAISERDer König Frankreichs, ehrerbiet'gen Gruß.
KAISERNehmt unsern Dank für Euern würd'gen Herrn.
KÖNIGDies Schreiben, Herr, befahl der König mir
KÖNIGZu legen in die kaiserliche Hand.
KÖNIGIndem auf seinen Wink die französischen Edelknaben die Geschenke den kaiserlichen Marschällen übergeben, welche sie dem Kaiser und Irmengard überreichen.
KÖNIGEmpfanget gnädig, was mein Herr gesandt.
IRMENGARDMit Freuden, Herr, aus solches Boten Hand.
KÖNIGDie Gnade, fühl' ich, wohnt in diesen Hallen.
IRMENGARDSo mög's in uns'rer Heimath Euch gefallen.
KÖNIGVereinen mög' uns bald ein festes Band
DEUTSCHE RITTER UND FRAUENWillkommen in unsers Kaisers Hallen!
DEUTSCHE RITTER UND FRAUENWillkommne Gäste zieht Ihr ein,
DEUTSCHE RITTER UND FRAUENUnd wie an der Seine mög's Euch gefallen
DEUTSCHE RITTER UND FRAUENAm grünen deutschen Rhein.
SYSTEMFRANZÖSISCHE RITTER, TROUBADOURS UND EDELKNABEN.
DEUTSCHE RITTER UND FRAUENDen mächtigen Herrscher, die beste der Frauen,
DEUTSCHE RITTER UND FRAUENWir grüßen sie mit Jubelgesang,
DEUTSCHE RITTER UND FRAUENUnd die wir im glänzenden Kreise hier schauen,
DEUTSCHE RITTER UND FRAUENDie edlen Ritter und lieblichen Frauen,
DEUTSCHE RITTER UND FRAUENSie grüße der Laute freundlicher Klang.
KÖNIG wendet sich zum Kaiser.
DEUTSCHE RITTER UND FRAUENJetzt richte ich in meines Königs Namen
DEUTSCHE RITTER UND FRAUENNoch ein Gesuch an Euch. - Als Frankreichs Heer
DEUTSCHE RITTER UND FRAUENDen stolzen Richard Löwenherz besiegte,
DEUTSCHE RITTER UND FRAUENWard auch in jener blut'gen Schlacht, der Sohn
DEUTSCHE RITTER UND FRAUENDes alten Löwen Frankreichs Kriegsgefang'ner,
DEUTSCHE RITTER UND FRAUENDem Tode nah, bedeckt mit Wunden nahm
DEUTSCHE RITTER UND FRAUENIhn Frankreichs König auf; im Feinde ehrte
DEUTSCHE RITTER UND FRAUENEr selt'ne Tapferkeit, und hofft, daß Ihr
DEUTSCHE RITTER UND FRAUENVerzeihung ihm und Wiederkehr gewährt.
KAISERUmsonst hofft Ihr für diesen Meutrer Gnade,
KAISERDie Reichsacht ist erklärt, es bleibt dabei.
KAISERIRMENGARD UND PHILIPP für sich.
KAISERUnglücksel'ger Heinrich!
KAISERNun, edler Herzog von Burgund, willkommen.
KAISERDie Fürsten luden wir zu einem Feste,
KAISERSeid Ihr nun der willkommenste der Gäste.
SYSTEMALLGEMEINER CHOR, DEUTSCHE FÜRSTEN UND RITTER.
KAISERDort findet Ihr bei deutschem Rebenblut
FRANZÖSISCHE RITTER UND TROUBADOURSDort finden wir bei deutschem Rebenblut
ALLEAuch deutsche Schönheit, deutschen Heldenmuth!
ALLEAlle ab.
SYSTEMDritter Auftritt.
ALLEPhilipp, der zurückgeblieben. Bald nachher Heinrich ungesehen.
PHILIPPGrausamer Bruder! - Wie? der Mutter Thränen,
PHILIPPDes Freundes Bitten blieben ungehört? -
PHILIPPJa selbst die Gnade, welche Frankreichs König,
PHILIPPFür Heinrich sich erbat, versagtest Du? -
PHILIPPAch, schwer verwundet er im Kerker schmachtet!
PHILIPPHEINRICH ungesehen zur Laute singend.
PHILIPPRomanze.
PHILIPPWem kann ich die Schmerzen der Liebe vertrauen?
PHILIPPDir Freundin von lieblichem Klang.
PHILIPPHa, welcher Stimme Ton? - Ein Troubadour.
PHILIPPHEINRICH wie vorher.
PHILIPPDenn die ich ersehne, wo soll ich sie schauen?
PHILIPPWo soll ich sie finden, die schönste der Frauen,
PHILIPPIhr klagen der Seele glühenden Drang?
PHILIPPPHILIPP noch während des Gesanges.
PHILIPPVielleicht, daß dieser Troubadour mir Kunde
PHILIPPVon Heinrich geben kann! - - -
PHILIPPIch wag's ihn anzureden.
SYSTEMVierter Auftritt.
PHILIPPPhilipp. Heinrich.
PHILIPPGott! er selbst!
HEINRICHErkenne mich!
PHILIPPDu, theurer Waffenbruder,
PHILIPPIn diesen Mauern, wo der Tod dir droht?
PHILIPPWo gegen dich heut Bann und Acht erneut?! -
PHILIPPDein Leben ist verwirkt! -
HEINRICHIch ruh' in Freundes Arm!
PHILIPPWie konntest du entflieh'n?
HEINRICHAls Troubadour,
HEINRICHWie du mich siehst, bin heimlich ich gekommen
HEINRICHIn dem Geleit des Herzogs von Burgund;
HEINRICHDoch hab' ich ihn und er mich nie gesehn.
HEINRICHDie Welfen nah'n - des Kaisers Heer in Welschland - -
HEINRICHNichts rettet ihn vor ihrer Uebermacht;
HEINRICHDrum eil' ich schnell in's Lager meines Vaters,
HEINRICHIhn anzufleh'n, daß er sich unterwerfe.
PHILIPPGroßherz'ger, edler Freund, so eile denn!
HEINRICHZuvor zu Agnes! - Ach sie wiedersehn!
PHILIPPSo weißt du nicht was Frankreichs Bote will?
PHILIPPEr wirbt um Agnes Hand für seinen Herrn.
HEINRICHWie, Er, der Kaiser, raubt mein Alles mir?
HEINRICHBeim ew'gen Gott, es darf nicht sein!
HEINRICHArie.
HEINRICHDem Leben will ich gern entsagen
HEINRICHDoch meiner Agnes nimmerdar!
HEINRICHIhr Blick soll nicht mehr für mich tagen?
HEINRICHIhr Rosenmund mir nicht mehr sagen,
HEINRICHWas schon des Jünglings Wonne war?
HEINRICHIch schau'te trunk'nen Blicks des Paradieses Freuden,
HEINRICHUnd soll sie nun auf ewig meiden?
HEINRICHKein Cherub ist's, kein Flammenschwert,
HEINRICHDas mich von Edens Schwelle wehrt. -
HEINRICHIch will den Blüthenkranz erringen,
HEINRICHDen freundlich mir das Schicksal wand! -
HEINRICHTyrann! Du sollst es nicht vollbringen,
HEINRICHDer Tod allein löst dieses Band!
PHILIPPNicht der Verzweiflung gieb dich hin, entflieh'!
HEINRICHVorher zu Agnes.
PHILIPPFlieh!
PHILIPPHEINRICH verzweifelnd.
PHILIPPGrausamer Freund!
PHILIPPDu widerstehst? - So willst du meinen Tod!
PHILIPPWohlan! mein Leben gilt's, - doch sei's! - zu Agnes!
HEINRICHDie Freundschaft siegt!
PHILIPPGedenkst du noch des Schwurs?
PHILIPPDuett.
PHILIPPAls wir, von Blut umflossen,
PHILIPPDen Bund der Waffen schlossen,
PHILIPPDa ward ich dein, du mein!
HEINRICHAls wir im Feld der Todten
HEINRICHDie Bruderhand uns boten,
HEINRICHDa galt das Herz allein.
BEIDEDies Band soll ewig binden!
BEIDESo soll der Tod uns finden
BEIDEAuf uns'rer letzten Wacht.
BEIDEUnd wenn kein Tag mehr scheinet,
BEIDESo schlafen wir vereinet
BEIDEIn eines Zeltes Nacht.
BEIDEBeide Arm in Arm ab.
BEIDEVerwandlung.
BEIDEAgnesens Gemach.
SYSTEMFünfter Auftritt.
BEIDEAgnes und ihre Begleiterinnen.
BEIDEGesang.
AGNESAls der Zephir flog vorüber,
AGNESBat ich ihn: O bringe, Lieber,
AGNESDiesen Gruß dem Süßen mein!
AGNESDoch er sprach: ich kann nicht weilen,
AGNESZu den Blumen muß ich eilen;
AGNESKann dein Bote nimmer sein.
AGNESDoch er sprach:
AGNESIch kann nicht weilen,
AGNESZu den Blumen muß ich eilen
AGNESKann dein Bote nimmer sein.
DIE BEGLEITERINNENIch kann nicht weilen,
DIE BEGLEITERINNENZu den Blumen muß ich eilen;
DIE BEGLEITERINNENKann dein Bote nimmer sein.
AGNESAls ich sah die Welle rinnen,
AGNESUnd mein Bild erblickte drinnen,
AGNESBat ich: bring's dem Süßen mein!
AGNESDoch sie sprach: Ich kann nicht weilen,
AGNESZu dem Meertanz muß ich eilen;
AGNESKann dein Bote nimmer sein.
AGNESDoch sie sprach:
AGNESIch kann nicht weilen,
AGNESZu dem Meertanz muß ich eilen;
AGNESKann dein Bote nimmer sein.
DIE BEGLEITERINNENIch kann nicht weilen,
DIE BEGLEITERINNENZu dem Meertanz muß ich eilen,
DIE BEGLEITERINNENKann dein Bote nimmer sein.
CHORJedes folgt nur seinem Triebe,
CHORJedes eilt zu seiner Liebe,
CHORWill mein / dein Bote nimmer sein.
CHORDarum muß ich / mußt du die behenden,
CHORWilligen Gedanken senden
CHORStündlich zu dem Süßen mein! / dein!
SYSTEMSechster Auftritt.
CHORVorige. Irmengard.
IRMENGARDDeine Laute hört' ich klagen.
AGNESAch sie klagt um den geliebten Freund,
AGNESDen mein Aug' vielleicht nie wiedersieht.
IRMENGARDWär' dir Trost zu bringen mir vergönnt!
IRMENGARDAber ach! es kann nur theilen
IRMENGARDDieses Leid mein treues Mutterherz!
IRMENGARDDuett.
AGNESNur bei dir find ich Erbarmen;
AGNESAndre Tröstung kenn' ich nicht.
AGNESLaß mich ruh'n in deinen Armen,
AGNESBis mein Herz verzweifelnd bricht.
IRMENGARDSchenke Gott dir theuerm Kinde
IRMENGARDSüße Hoffnung und Geduld,
IRMENGARDUnd daß nie der Muth dir schwinde,
IRMENGARDBaue auf des Himmels Huld.
AGNESMutter, ja! dem will ich trauen,
AGNESDer des Schicksals Wage hält,
AGNESUnd empor zum Himmel schauen,
AGNESWenn mir Gram den Busen schwellt.
AGNESDes Geliebten theures Leben
AGNESAch erhalte mir Geschick!
AGNESWieder sei er mir gegeben,
AGNESUnd mir strahlet neues Glück.
IRMENGARDJa, mein Kind, ihm mußt du trauen
IRMENGARDDer des Schicksals Wage hält,
IRMENGARDUnd empor zum Himmel schauen,
IRMENGARDWenn dir Gram den Busen schwellt.
IRMENGARDDeines theuern Heinrichs Leben
IRMENGARDWird erhalten das Geschick;
IRMENGARDEr wird dir zurückgegeben,
IRMENGARDUnd dir strahlet neues Glück!
SYSTEMSiebenter Auftritt.
IRMENGARDVorige. Heinrich noch als Troubadour gekleidet. Bald nachher Philipp.
HEINRICHSie sind es! - O Gott! - wie soll ich dir danken?
IRMENGARDWie, Troubadour, - Du wagst -?
HEINRICHKennt Irmengard mich nicht?
IRMENGARDGott! Heinrich hier?!
AGNESDu wärst es? - Du bist es, o Himmel! wanken
AGNESDie Sinne mir? -
AGNESHEINRICH zu Agnes.
AGNESIch bin's, Dein Heinrich lebt!
QUARTETTVerehrte Herrin! - Agnes! - o vergebt!
IRMENGARDWas uns beglückt, wie gern vergeb' ich's Dir!
AGNESDas höchste Glück, Geliebter bringst Du mir!
PHILIPPIch seh' Euch hier vereint mit Bangen,
PHILIPPDenn ach, es droht Euch trübe Nacht!
HEINRICHSo ist der Tag mir aufgegangen,
HEINRICHNach dreier Jahre trüber Nacht.
HEINRICHAGNES zu Heinrich.
HEINRICHWie oft mit Sehnsucht und mit Bangen
HEINRICHHab' ich, Geliebter, Dein gedacht.
IRMENGARDGar oft, mit Sehnsucht und mit Bangen
IRMENGARDHat des Entfernten sie gedacht.
AGNESIch weiß, daß du als Held gestritten,
AGNESDoch blutig war der Lorbeerkranz.
HEINRICHAls Traum vergeht, was ich gelitten,
HEINRICHDenn mich umstrahlt der Liebe Glanz.
IRMENGARDLang' hat das Leid mit uns gestritten,
IRMENGARDJetzt windet Freude uns den Kranz!
IRMENGARDPHILIPP für sich.
IRMENGARDVergessen ist was er gelitten,
IRMENGARDDenn ihn umstrahlt der Liebe Glanz.
HEINRICHDie Sonne ist nun aufgegangen,
HEINRICHDie uns'rer Liebe Himmel schmückt,
HEINRICHKein Sehnen mehr, kein Schmerz, kein Bangen,
HEINRICHSeit wieder Aug' in Auge blickt!
ALLEEs hat für uns / sie die Welt sich wieder
ALLEGehüllet in ihr Strahlenkleid.
ALLEO senke deinen Fittig nieder,
ALLEUnd weil'! o weile, schöne Zeit!
HEINRICHUmsonst! die Zeit des Glücks ist fern entfloh'n,
HEINRICHDie Trennungsstunde drängt!
AGNESWie, neue Trennung?
AGNESTrompetenruf, dann Geräusch von außen.
AGNESPHILIPP zu Heinrich.
AGNESSchon tönt zum Fest das Zeichen. - Flieh, man kommt!
HEINRICHIn's Lager meines Vaters! -
IRMENGARDWie! als Feind? - -
PHILIPPHörst Du? - schnell fort! - -
AGNESIch sterbe, wenn man Dich
AGNESErkennt!
HEINRICHMich schützt dies Kleid! Lebt wohl!
IRMENGARD UND PHILIPPLeb' wohl!
AGNESAuf ewig!
AGNESHeinrich eilt durch die Seitenthüre ab.
SYSTEMAchter Auftritt.
AGNESVorige, ohne Heinrich. Fürsten.
FÜRSTENWir kommen, Euch Herrin, zum Fest zu geleiten,
FÜRSTENDer Kaiser befahl es.
IRMENGARDIhr seht uns bereit.
IRMENGARDERSTER UND ZWEITER FÜRST leise und geheimnißvoll zu Irmengard.
IRMENGARDVor allen vernehmet die wichtige Kunde, -
IRMENGARDDRITTER UND VIERTER FÜRST eben so einfallend.
IRMENGARDEs nahet dem Rheine mit furchtbarem Heere
IRMENGARDSich Heinrich der Löwe.
IRMENGARDHa, schreckliche Kunde!
IRMENGARDANDERE FÜRSTEN wie die Vorigen.
IRMENGARDUm blutige Unbill am Kaiser zu rächen.
DIE ERSTENEr findet Genossen.
DIE ERSTENPHILIPP für sich.
DIE ERSTENDoch auch den Versöhner.
FÜRSTENEr schmachtet im Banne.
ANDERE FÜRSTENIn Fesseln der Sohn!
IRMENGARDUnselige Fehde!
IRMENGARDFÜRSTEN zu Agnes.
IRMENGARDNun müßt Ihr entsagen
IRMENGARDDem früher Verlobten, nichts rettet ihn mehr.
IRMENGARDAGNES für sich.
IRMENGARDNicht wird der Geliebte dem Tode entgeh'n!
IRMENGARDIRMENGARD UND PHILIPP für sich.
IRMENGARDO, wenn man ihn fände, wärs um ihn gescheh'n.
FÜRSTENEs löset die Reichsacht das ält're Versprechen.
FÜRSTENAGNES zu Irmengard.
FÜRSTENO Mutter! o Mutter! wie trag ich die Pein?
FÜRSTENAch wäre doch Agnes das Opfer allein!
IRMENGARDVerbirg deine Thränen, sie mehren die Pein,
IRMENGARDDurch Vorsicht erlangen wir Rettung allein.
IRMENGARDPHILIPP zu Agnes.
IRMENGARDVerbergt Eure Thränen, sie mehren die Pein,
IRMENGARDDurch Vorsicht erlanget ihr Rettung allein!
IRMENGARDFÜRSTEN UND RITTER zu Agnes.
IRMENGARDVerbergt Eure Thränen, seid heiter zum Schein,
IRMENGARDDenn Vorsicht erringet Euch Rettung allein.
IRMENGARDIrmengard wird von Philipp, Agnes von einem der Fürsten abgeführt. Die gegen den Schluß des Gesanges herbeigekommenen Frauen Irmengard's folgen mit den Fürsten und Rittern.
IRMENGARDVerwandlung.
IRMENGARDGlänzend erleuchteter Festsaal. In der Mitte des Hintergrundes der kaiserliche Thron auf einer Erhöhung, zu der mit reichen Teppichen belegte Stufen führen. Auf beiden Seiten Estraden für die Fürsten und Frauen.
SYSTEMNeunter Auftritt.
IRMENGARDDer Kaiser. Fürsten. Frauen. Deutsche und französische Ritter. Troubadours. Kaiserlicher Hofstaat. Masken.
ALLGEMEINER CHOREs füllt den Saal mit Tageshelle
ALLGEMEINER CHORDer Kerzen tausendfacher Schein;
ALLGEMEINER CHORDie Freude weilet auf der Schwelle
ALLGEMEINER CHORUnd winket lächelnd: kommt herein!
ALLGEMEINER CHORUnd durch die goldne Pforte ziehet
ALLGEMEINER CHORDer Gäste ungemess'ne Zahl;
ALLGEMEINER CHORUnd wie die Flur im Lenz erblühet,
ALLGEMEINER CHORSo schmücket Farbenpracht den Saal.
ALLGEMEINER CHORAuch aus der Fabel heitern Zonen
ALLGEMEINER CHORErscheinen sie zum Festestanz;
ALLGEMEINER CHORSelbst die im Reich der Träume wohnen,
ALLGEMEINER CHORSie wandeln hier im Kerzenglanz.
SYSTEMZehnter Auftritt.
ALLGEMEINER CHORIrmengard. Agnes. Der König. Philipp. Die noch nicht anwesenden Fürsten kommen während des Chors, dann das Balletpersonal, zuletzt Heinrich. Deutsche und französische Edelknaben. Kaiserliches Gefolge.
CHOR sobald der Hof erscheint.
ALLGEMEINER CHORWillkommen Sonne mit den Sternen;
ALLGEMEINER CHORO Glanzesfülle! Lichtespracht!
ALLGEMEINER CHORDu leuchtest in Hesperiens Fernen
ALLGEMEINER CHORUnd in des Nordens langer Nacht.
ALLGEMEINER CHORBallet, die Vermählung des Rheins mit der Seine, allegorisch darstellend. Sobald dasselbe endet, kömmt der Kaiser mit den übrigen zum Hofe gehörigen Personen in den Saal herab. - Heinrich tritt, schwarz verlarvt, von der linken Seite ein, mischt sich unter die übrigen Masken und hört das Folgende mit an.
ALLGEMEINER CHORKAISER zu den ihn umgebenden Fürsten und Rittern.
ALLGEMEINER CHORNoch reicher soll der Quell des Jubels fließen!
ALLGEMEINER CHORAuf Agnes zeigend.
ALLGEMEINER CHORIhr könnt hier eine Königsbraut begrüßen,
ALLGEMEINER CHORDenn Frankreichs Herrscher wirbt um ihre Hand;
ALLGEMEINER CHORWir und der Vater billigen dies Band.
ALLGEMEINER CHORGrößtentheils zugleich.
CHORDer Fürstin Heil! o freudenvolle Kunde!
CHORAGNES leise zu Irmengard.
CHORO Mutter! hörst du diesen Todesspruch?
CHORIRMENGARD ebenso zu Agnes.
CHORGetrost mein Kind, sie sollen's nicht vollenden.
CHORHEINRICH für sich.
CHORDie Stifter dieses Bundes treffe Fluch!
CHORPHILIPP für sich.
CHORWeh', armer Freund, nichts kann dein Schicksal wenden!
CHORKAISER für sich.
CHOREs scheint, als ob wir wenig Dank hier fänden.
CHORKÖNIG für sich.
CHORWas muß ich seh'n? - nur Staunen giebt sich kund.
CHORZu Agnes.
CHORWir huld'gen, Herrin, Euch mit Herz und Mund.
CHOR DER FRANZ. RITTER UND TROUBADOURSO, glücklich Frankreich, das Euch krönet
CHOR DER FRANZ. RITTER UND TROUBADOURSMit seinem gold'nen Lilienkranz!
CHOR DER FRANZ. RITTER UND TROUBADOURSDas Höchste selbst, den Thron, verschönet
CHOR DER FRANZ. RITTER UND TROUBADOURSDer Frauenmilde sanfter Glanz.
KAISERAuf, auf zum Tanz! beginnt den deutschen Reigen!
KAISERFinal.
CHORDer fremde Tanz zerrinnt, die fremden Töne schweigen;
CHORDie alte Weise klingt, die deutsche Lust erfand;
CHOREs ziehet feierlich der ächte deutsche Reigen
CHORDurch dieser Säle Raum sein farbig wogend Band.
CHORHEINRICH für sich.
CHORDer Schlag ist gefallen, der Fluch ist gesprochen,
CHORDas Leben vernichtet, die Seele gebrochen,
CHORSo reiße denn jedes noch fesselnde Band!
CHORDas ist kein ewiges Schicksal von oben:
CHOREin Schicksal, das Menschenhände gewoben,
CHORZerstören kann es des Menschen Hand!
CHORKÖNIG kömmt mit Agnes aus dem Gedränge auf den Vorgrund.
CHORWollt Ihr sogar Gehör mir versagen?
CHORRaubt Ihr die schmeichelnde Hoffnung mir?
AGNESAch, bestürmt mich nicht länger mit Klagen,
AGNESUnd erlasset die Antwort mir.
AGNESIRMENGARD, PHILIPP UND EINIGE FÜRSTEN beobachten mißtrauisch Heinrichs auffallendes Benehmen.
AGNESSeltsam ist jener Maske Betragen,
AGNESFremd scheint des Hofes Sitte ihr.
CHORDer Spender dieser Lust, der mächt'ge Kaiser lebe!
CHOREs blüh' im ew'gen Glanz das hohe Herrscherhaus!
CHORDer königliche Baum der Hohenstaufen strebe
CHORIn's leichte Aetherreich, in's Sternenfeld hinaus!
CHORKÖNIG immer dringender zu Agnes.
CHORDer Jahre Flüchtigkeit würd' ich beklagen,
CHORUnd grausam wollt Minuten Ihr versagen,
CHORJa, selbst den Augenblick? -
AGNESIhr spottet, Herr, was könnt' ich Euch versagen,
AGNESDas würdig wäre, Leid darum zu tragen?
AGNESO, kommt zum Fest zurück!
HEINRICHHa, soll er das vor meinen Augen wagen?
HEINRICHBeim Himmel! nein! ich will's nicht länger tragen,
HEINRICHNicht einen Augenblick!
IRMENGARD UND PHILIPPNäher scheint sich die Maske zu wagen,
IRMENGARD UND PHILIPPDrohender Haltung lauscht sie dort.
FÜRSTENNäher scheint sich die Maske zu wagen,
FÜRSTENEifrig erlauschend jedes Wort.
FÜRSTENHEINRICH zwischen Agnes und den König tretend, zu letzterem.
FÜRSTENEin Wort mit Euch.
KÖNIGKein Wort mit Euch!
HEINRICHIhr müßt mich hören!
KÖNIGWie, Verwegner?
HEINRICHIhr geht zu weit, mißbraucht des Königs Recht!
KÖNIGHa, frecher Mund! - Wer seid Ihr? sprecht!
HEINRICHKein Wüstling von der Seine Strand.
KÖNIGIhr wagt zu schmäh'n mein Volk, mein Land?
HEINRICHSchimpf Euch und ihm!
KÖNIGSchwer sollte meine Hand
KÖNIGDich züchtigen an and'rem Ort!
HEINRICHMich zücht'gen? - Blut für dieses Wort!
Er dringt mit gezogenem Schwert auf den König ein, auch dieser zieht das Seinige, sich zu vertheidigen. Philipp, deutsche und französische Ritter treten dazwischen. Allgemeine Bewegung.
ALLEHalt ein! Halt ein!
STIMMEN DER FRANZÖSISCHEN RITTERWißt, der Gesandte - -
STIMMEN DER FRANZÖSISCHEN RITTERKÖNIG einfallend.
STIMMEN DER FRANZÖSISCHEN RITTERSchweigt!
STIMMEN DER FRANZÖSISCHEN RITTERCHOR den Kaiser gewahrend.
STIMMEN DER FRANZÖSISCHEN RITTERDer Kaiser! Freie Bahn!
KAISERDie Schwerter weg!
KAISERPHILIPP zu Heinrich.
KAISERWer bist Du, der es wagt? - Entlarve dich!
KAISERHa, Heinrich! Gott!
IRMENGARDWeh, Heinrich ist's!
CHORWie, Heinrich ist's!
DEUTSCHE RITTER UND FRAUENBarmherz'ger Gott!
DEUTSCHE RITTER UND FRAUENKAISER mit dem Chor.
DEUTSCHE RITTER UND FRAUENDes Welfen Sohn?
KÖNIGPhilipp Augusts Gefangener?
KÖNIGKAISER zu Heinrich.
KÖNIGDu hier! - - Verbannt! - Geächtet! - Frankreichs Haft
KÖNIGEntsprungen! - Mörder jetzt! - - -
KÖNIGEilfter Auftritt.
KÖNIGVorige. Der Burggraf, hinter ihm Theobald in der Kleidung eines kaiserlichen Kriegers, gefesselt und von zwei Trabanten begleitet.
KÖNIGBURGGRAF ein Schreiben emporhaltend.
KÖNIGUnd Hochverräther!
KÖNIGDies Blatt vom Löwen an den Sohn fand man
KÖNIGBei diesem -
KÖNIGÜberreicht das Schreiben dem Kaiser, indem er Theobald bezeichnet.
HEINRICHTheobald, mein treuer Diener!
HEINRICHKAISER nachdem er das Schreiben gelesen.
HEINRICHWie, der Löwe Meister schon des Rheins,
HEINRICHUnd uns're Vorhut greift er tollkühn an?
THEOBALDDes Vaters That, sie blieb ihm fremd, ich schwör's!
HEINRICHDu mordest Deinen Sohn, o Vater!
KAISERFürsten!
KAISERJetzt gilt's zu halten Euren Schwur! - Trabanten,
KAISERErgreifet ihn, dem Schwert ist er verfallen!
FÜRSTENNein, nicht das Schwert, die Fürsten werden sprechen,
FÜRSTENEr ist ein Fürst! Ihn richtet unser Recht!
KAISERNicht Euer Recht, zu groß ist sein Verbrechen!
HEINRICHUnschuldig bin ich! hier mein Haupt als Pfand!
KAISERVerfallen ist dein Haupt!
ALLEO Gnade, Herr!
KAISERWer's wagt für ihn zu sprechen,
KAISERErzürnet unsre Macht!
KAISERSolch Majestätsverbrechen
KAISERKann nur vollgültig rächen
KAISERDes Todes ew'ge Nacht!
KAISERKÖNIG zum Kaiser.
KAISERNicht folge dem Verbrechen
KAISERSo schnell die Todesnacht!
KAISERErst muß ich an ihm rächen
KAISERSein schmähliches Verbrechen,
KAISERDann folge Bann und Acht.
KAISERIRMENGARD zu Agnes.
KAISEREr darf so schwer nicht rächen
KAISERWas heißes Blut vollbracht.
KAISERNichts soll den Glauben schwächen!
KAISERWenn alle Stützen brechen
KAISERHält uns der Fürsten Macht.
AGNESWer darf noch thöricht sprechen,
AGNESDaß dort ein Engel wacht?
AGNESDu willst, o Herz! nicht brechen?
AGNESErstirb in Thränenbächen:
AGNESRingsum ist Grabesnacht!
AGNESPHILIPP zu Heinrich.
AGNESDein Weh ist mein Verbrechen;
AGNESIch stieß Dich in die Nacht;
AGNESDoch höre mein Versprechen:
AGNESDen Kerker werd' ich brechen
AGNESUnd wenn die Hölle wacht!
HEINRICHNicht wird den Muth mir brechen
HEINRICHDes Kerkers finst'rer Schacht;
HEINRICHDoch daß in Thränenbächen
HEINRICHIhr Auge nun wird brechen,
HEINRICHIst mehr als Todesnacht!
BURGGRAFWer's wagt für ihn zu sprechen,
BURGGRAFErzürnt des Kaisers Macht.
BURGGRAFSolch Majestätsverbrechen
BURGGRAFKann nur vollgültig rächen
BURGGRAFDes Todes ew'ge Nacht!
CHORKein Fürst wird das ertragen,
CHORWas seinen Rechten droht;
CHORDarf er zu richten wagen,
CHORDie Fürsten nicht mehr fragen,
CHORSo ist's der Freiheit Tod!
CHORWie walten Schmerz und Zagen,
CHORWo Freude jüngst gebot,
CHORDen Tag beschließen Klagen
CHORUnd neues Leid zu tragen
CHORWeckt sie / uns das Morgenroth.
CHOREnde des ersten Aufzugs.
SYSTEMZweiter Aufzug.
CHORKerkerhalle mit einer Mittelthüre. Vorn zur Rechten des Zuschauers, in ziemlicher Höhe über einem steinernen Sitze, ein mit Gittern versehes Fenster, welches auf den tief unten fließenden Rhein geht. Daneben ein geheimer Ausgang, durch ein Standbild verborgen. Zur Linken mehrere verschlossene Kerkerthüren. Etwas mehr nach der Mitte hin, über der Versenkung, eine eiserne Fallthüre.
SYSTEMErster Auftritt.
CHORHEINRICH allein.
CHORArie.
CHORDer Strom wälzt ruhig seine dunklen Wogen,
CHORAls wäre nichts gescheh'n;
CHORDie Sterne glänzen an des Himmels Bogen,
CHORAls ob sie nichts geseh'n.
CHORKann menschlich Weh' nicht ihre Ruh' gefährden?
CHORKein Mitleid ist im Himmel und auf Erden!
Steht auf und verläßt das Fenster.
CHORVerseufzen wird sie nun Tag und Nacht,
CHORVerweinen des liebenden Auges Licht.
CHORIch kann sie nicht trösten: wo ist die Macht,
CHORDie eherner Mauer Schranken bricht?
CHORO Erde, öffne dich! -
CHORVerschling', begrabe mich!
CHORMan hört unter der Fallthüre ein heftiges Getöse, und gleich nachher das Schloß derselben erbrechen.
CHORWas geht hier vor? - Ein Ueberfall!
CHOREin feiger Mord! - Wo fliehen? - Nein! - Unschuld
CHORUnd Fürstenwort gebieten mir zu bleiben.
SYSTEMZweiter Auftritt.
CHORHeinrich. Theobald.
CHORTheobald
CHORHebt mit großer Anstrengung die Fallthüre auf und drängt sich heraus.
HEINRICHDu Theobald! -
THEOBALDBeweinenswerther Herr!
THEOBALDIch hörte Eure Stimme; mit den Fesseln
THEOBALDSprengt' ich der Fallthür Schloß!
HEINRICHVerloren Beide!
HEINRICHVater! das hast du gethan!
HEINRICHEntfernter Trompetenschall und Trommelwirbel.
HEINRICHSTIMMEN von Außen.
HEINRICHOeffnet, öffnet!
HEINRICHKERKERWACHE ungesehen.
HEINRICHWer da?
HEINRICHBURGGRAF außerhalb.
HEINRICHWaibling!
HEINRICHHa, das ist des Todes Ruf! -
HEINRICHNimmer seh' ich Agnes wieder!
HEINRICHTHEOBALD händeringend umherspähend, stürzt er plötzlich auf das Fenster zu und erblickt den unten vorüberfließenden Rhein.
HEINRICHDer Rhein! - Ich wag's! - hinab! zu Eurem Vater!
HEINRICHIch rette Euch! - dem Himmel meine Seele!
HEINRICHSchütz' Du ihn, Gott! - Laß ihn sein Ziel erreichen!
SYSTEMDritter Auftritt.
HEINRICHHeinrich. Der Burggraf, ein Offizier. Wache.
BURGGRAFHaltet Wacht.
HEINRICHSeid Ihr meines Schicksals Boten?
HEINRICHBURGGRAF überreicht ihm einen schriftlichen Befehl des Kaisers.
HEINRICHWählen dürft Ihr Euer Loos?
HEINRICHHEINRICH die Schrift überblickend.
HEINRICHWie? Verbannung? - und auf ewig,
HEINRICHWenn ich ihrer Hand entsage?
BURGGRAFOder Tod.
HEINRICHFluch dem Tyrannen!
Zerreißt die Schrift und wirft sie auf die Erde.
HEINRICHDas ist meine Wahl!
BURGGRAFSo sterbet!
BURGGRAFEr zerbricht einen kleinen weißen Stab über Heinrich.
BURGGRAFGeht, verkündet dies dem Kaiser.
BURGGRAFDer Offizier ab.
BURGGRAFBURGGRAF zu Heinrich.
BURGGRAFFolget mir.
HEINRICHWohin?
BURGGRAFZum Tode.
HEINRICHAgnes! - ich schaut' in deinem Blick des
HEINRICHParadieses Freuden!
HEINRICHAgnes! - nein, du darfst nicht weinen,
HEINRICHDaß so finstres Loos mich traf;
HEINRICHDenn ein Tag wird uns vereinen
HEINRICHNach des Grabes kurzem Schlaf. -
HEINRICHLeb wohl, Geliebte! - fort, zum Tode fort!
WACHEVerrath! Bewaffnete! -
BURGGRAFDie Fürsten sind's! - -
BURGGRAFZum Tode, fort, durch den geheimen Ausgang!
BURGGRAFNachdem Heinrich entfernt ist und er die Thüre geschlossen.
BURGGRAFHa, wüthet nur, mein Auftrag ist vollbracht!
SYSTEMVierter Auftritt.
BURGGRAFDer Burggraf. Chor der Fürsten und Ritter.
FÜRSTEN UND RITTERAuf! sprenget, erbrechet Riegel und Pforten!
FÜRSTEN UND RITTERNichts widerstehe gerechter Wuth!
FÜRSTEN UND RITTERGebrochen ist Eid und Bund der Treue,
FÜRSTEN UND RITTERMan trachtet frevelnd nach Fürstenblut.
FÜRSTEN UND RITTERNichts frommte Mahnung, nichts Bitten und Flehen!
FÜRSTEN UND RITTERSo übe Gewalt denn ihr Richteramt!
FÜRSTEN UND RITTERWo ist er? - suchet! er darf nicht fallen;
FÜRSTEN UND RITTERGebrochen ist Eid und Bund der Treue
FÜRSTEN UND RITTERWo Fürsten ein Wüthrich zum Beile verdammt!
BURGGRAFO Fürsten! wohin reißt Euch die Wuth?
FÜRSTEN UND RITTERWo hält der Tyrann sein Opfer verborgen?
FÜRSTEN UND RITTERSprecht, traf den Gefang'nen das blutige Loos?
BURGGRAFMich fraget nicht.
FÜRSTEN UND RITTEREr muß noch leben! wir müssen ihn finden,
FÜRSTEN UND RITTERUnd läg' er versenkt in der Erde Schooß.
BURGGRAFNicht steh' ich Euch Rede.
FÜRSTENSprich, blutiger Scherge, bei deinem Leben
FÜRSTENWo ist der Fürst? gieb ihn in unsre Macht.
BURGGRAFIhr braucht Gewalt? - So wißt, er ist nicht mehr.
FÜRSTEN UND RITTERNicht mehr?
FÜRSTEN UND RITTERBURGGRAF auf den zerbrochenen Stab deutend.
FÜRSTEN UND RITTERDies war des Kaisers Spruch: er ist vollbracht.
FÜRSTEN UND RITTERO, That der Hölle! Rache für den Mord!
SYSTEMFünfter Auftritt.
FÜRSTEN UND RITTERVorige. Der Kaiser. Philipp. Trabanten Diener mit Fackeln.
FÜRSTEN UND RITTERKAISER UND PHILIPP hereinstürmend.
FÜRSTEN UND RITTERHalt ein! halt ein!
KAISERDer Aufruhr schweige!
KAISERZu den Fürsten.
KAISERWie? -
KAISERIhr hier? - So schützet Ihr des Kaisers Recht? -
KAISERSo schirmet Ihr das Reich wie Ihr geschworen? -
KAISEREin Bund verwegener Empörer Ihr?
FÜRSTENEmpörer nicht, gekränkte Fürsten nur,
FÜRSTENDie hindern wollten eine Schauderthat!
FÜRSTENDoch weh, zu spät!
KAISERZu spät?
KAISERZum Burggrafen
KAISERWo ist der Frevler?
FÜRSTENIm Grabe suchet ihn.
FÜRSTENKAISER für sich.
FÜRSTENEs ist gescheh'n!
PHILIPPIm Grab! - unmöglich!
PHILIPPFÜRSTEN auf den zerbrochenen Stab zeigend.
PHILIPPHier, des Todes Zeichen!
KAISERWir ließen ihm die Wahl!
BURGGRAFEr wählte Tod.
PHILIPPO Gott! - mein theurer Freund! - mein Waffenbruder!
FÜRSTEN UND RITTERUnsel'ge That, die laut um Rache schreit!
FÜRSTEN UND RITTERWaffengeklirr von Außen.
KAISERWie, Waffenklang? - Wer stürmt so frech herbei?
SYSTEMSechster Auftritt.
KAISERVorige. Der König, mehrere Französische Ritter. Heinrich.
KÖNIGIch fand den Frevler auf dem Todeswege,
KÖNIGUnd bring' ihn Euch zurück, denn er ist mein!
FÜRSTENWie, Heinrich lebt!
PHILIPPEr lebt! er lebt!
KAISERHa, Fluch! - er lebt!
BURGGRAFWelch Mißgeschick!
HEINRICHBemächtigt hat der Fremdling
HEINRICHSich meiner freventlich, das Reichsgesetz verletzt.
HEINRICHKAISER zum König.
HEINRICHIhr wagtet Herzog - -?
KÖNIGJa, er darf nicht sterben,
KÖNIGFür mich und meine Rache muß er leben.
KÖNIGEr hat den König und das Volk der Franken
KÖNIGGeschmäht, beschimpft, und Rache darf ich fordern
KÖNIGIm off'nen Kampf mit ihm.
KAISERDes Frevlers Tod
KAISERWird Eure Kränkung blutig an ihm rächen.
KÖNIGKein Henkerbeil kann Frankreich würdig rächen.
KÖNIGDas Schwert nur kann's im ritterlichen Kampf!
KÖNIGDen fordr' ich laut in meines Königs Namen.
KÖNIGHier ist des Kampfes Pfand.
Er wirft seinen Handschuh hin und wendet sich dann an den Kaiser.
KÖNIGVergönnt ihm Herr
KÖNIGEs aufzuheben.
FÜRSTENAllzukühn, bei Gott! -
KÖNIGJedwedem Tadler werd' ich Rede steh'n.
KÖNIGPHILIPP den Handschuh aufhebend.
In keinem Fall soll Euch der Gegner fehlen.
KÖNIGHEINRICH zum Kaiser.
KÖNIGHerr, eine Stunde Leben für die Rache!
FÜRSTENAuch Deutschlands Fürsten treten in die Schranken.
KAISERWohlan!
KAISERFür sich
KAISERich täusche sie, mir bleibt mein Opfer.
KAISERLaut.
KAISERDer Kampf sei zugestanden, und es ende
KAISERMit diesem ernsten Strauß das Ritterfest,
KAISERZu dem auf morgen, Herzog, ich Euch lade.
KAISERZu Philipp.
KAISERDir sei so lang der Schuldige vertraut,
KAISERDu haftest mir für ihn mit Ehr' und Leben.
KAISERLeise zu ihm.
KAISERDein ist er nun, laß' ihn nicht wieder sehen.
KAISERPHILIPP für sich.
KAISERWie, hab' ich recht gehört? ich soll ihn retten?
KAISERKAISER heimlich zum Burggrafen.
KAISEREr wird entflieh'n; - Du greifst ihn und in Trifels -
KAISERBURGGRAF UND FÜRSTEN erster zum Kaiser, letztere leise zu einander.
KAISERIn Trifels -!
KAISERFinde er den Tod.
FÜRSTENDen Tod!
BURGGRAFSo sei's.
BURGGRAFKÖNIG zu seinen Rittern.
BURGGRAFSeid wach! laßt ihn nicht außer Acht!
BURGGRAFKAISER zum König.
BURGGRAFKommt, Herzog, den Vertrag jetzt abzuschließen.
BURGGRAFZu den Fürsten.
BURGGRAFIhr aber sollt heut nach dem Kampf erfahren
BURGGRAFWas Euer Recht vor unserm Throne gilt;
BURGGRAFDann gleich mit unsers Heeres Kern nach Welschland!
BURGGRAFSicilien ruft uns und die Kaiserin!
BURGGRAFZu Philipp.
BURGGRAFDu wirfst Dich mit der Vorhut auf den Löwen,
BURGGRAFEin Streich von Dir vernichtet seine Horden.
BURGGRAFMit dem König, dem Burggrafen, den französischen Rittern und dem übrigen Gefolge ab.
PHILIPPO Mißgeschick! das mich dazu erwählt!
SYSTEMSiebenter Auftritt.
PHILIPPPhilipp. Heinrich. Chor der Fürsten und deutschen Ritter.
PHILIPPMEHRERE FÜRSTEN zu Heinrich.
PHILIPPSo ist dem Wüthrich denn dein Tod gewiß! - -
PHILIPPANDERE FÜRSTEN ebenso.
PHILIPPWas Du beginnst, Du fällst in seine Schlingen! -
NOCH ANDEREDenn stirbst Du nicht durch Henkers blut'ge Hand,
NOCH ANDEREErwartet dich ein Kampf auf Tod und Leben.
NOCH ANDEREUnd bleibst Du Sieger, trifft Dich Meuchelmord.
HEINRICHWie, Meuchelmord? - Wer darf den Frevel wagen?
ALLEDer Kaiser selbst. Wir alle hörten es.
ALLEJa, Trifels, Tod, dies war die blut'ge Losung!
ALLED'rum flieh', dein Leben rette!
HEINRICHNimmerdar
HEINRICHVerletz' ich Ritterehr'!
ALLE UEBRIGENMit unsrem Blut
ALLE UEBRIGENVertheid'gen Alle wir dich in den Schranken!
HEINRICHUnd meine Agnes? -
CHORStirbt in Klostermauern.
HEINRICHIn Klostermauern? -
HEINRICHZum Kampf, Burgunder-Herzog! - Rache! - Tod! -
PHILIPPZu deinem Vater! - Hind're Rache, - Tod!
CHORHa, Fürstenfreiheit! - blut'ge Rache! - Tod!
CHORAlle stürmen ab.
CHORVerwandlung.
CHORDie Kirche eines Frauenklosters. In der halben Tiefe der Bühne befindet sich oben in der ganzen Breite derselben der Chor und die Orgel. Unter jenen hindurch erblickt man den Hochaltar. Zur Rechten ein Gitter von vergoldeten Eisenstäben.
SYSTEMAchter Auftritt.
CHORAgnes. Der Erzbischof. Chor der Nonnen.
CHORHymnus.
CHOR DER NONNENEn! clarescit oriens
CHOR DER NONNENLuce matutina;
CHOR DER NONNENNox effugit innocens
CHOR DER NONNENGratia divina.
CHOR DER NONNENLucis ad dulcedinem
CHOR DER NONNENSurgit creatura,
CHOR DER NONNENRegem ineffabilem
CHOR DER NONNENSalva laudatura.
CHOR DER NONNENArie.
AGNESNein, König droben,
AGNESNicht kann dich loben
AGNESMein blutend Herz.
AGNESWie auch die Seele mag kämpfen und ringen,
AGNESGelähmt sind des Gebetes Schwingen;
AGNESEs steigt nicht himmelwärts.
AGNESNein, König droben,
AGNESNicht kann dich loben
AGNESMein blutend Herz. -
AGNESDies Herz ist gebrochen,
AGNESDie Thräne versiegt;
AGNESAch, mit dem Geliebten
AGNESDas Leben erliegt!
ERZBISCHOFVerzweifelt nicht!
ERZBISCHOFSeht, wie der Morgen durch das
ERZBISCHOFDunkel bricht;
ERZBISCHOFDer ausgießt dieses Lichtes Wellen,
ERZBISCHOFKann Euer Schicksal auch erhellen.
AGNESWas frommt das Licht?
AGNESEr schaut es nicht.
AGNESO, Vater im Himmel! Dein ist die Macht:
AGNESEntreiß' ihn des Kerkers Nacht!
AGNESDann will ich loben Dein heiliges Licht;
AGNESJetzt kann ich's nicht!
CHOR DER NONNENCuram a mortalibus,
CHOR DER NONNENArceas mordentem,
CHOR DER NONNENManum tuam flentibus
CHOR DER NONNENPorrige potentem!
ERZBISCHOFVertrauet dem Ewigen! Sein ist die Macht:
ERZBISCHOFSein Wink befreiet aus Kerkers Nacht.
ERZBISCHOFIhm fest vertrau'n ist heil'ge Pflicht!
ERZBISCHOFVerzweifelt nicht.
SYSTEMNeunter Auftritt.
ERZBISCHOFVorige, ohne den Chor der Nonnen, Irmengard.
ERZBISCHOFAGNES zu Irmengard.
ERZBISCHOFLaß fest und fester Dich umschlingen!
ERZBISCHOFIch lebe nur in Deinem Arm!
IRMENGARDGeliebtes Kind! dahin ist jede Hoffnung!
IRMENGARDIch warf mich zu des Kaisers Füßen nieder,
IRMENGARDUm Gnade flehend für das theure Haupt.
IRMENGARDDoch zornig wies er mich aus seiner Nähe,
IRMENGARDSo bleibt mir nichts, als deinen Gram zu theilen!
AGNESAch! mir bleibt nichts, als kummervoll zu sterben!
SYSTEMZehnter Auftritt.
AGNESVorige. Heinrich.
AGNESHEINRICH auf Agnes zueilend.
AGNESNoch einmal seh' ich Dich!
IRMENGARDO Himmel Du bist / Heinrich frei!
IRMENGARDGepriesen sei des Allbarmherz'gen Gnade.
IRMENGARDTerzett.
IRMENGARDHEINRICH zu Agnes.
IRMENGARDJa, statt des Kerkers Grauen
Dein Himmelsauge lacht,
IRMENGARDIch kann Dich wieder schauen,
IRMENGARDDenn treue Freundschaft wacht.
AGNESO flieh! die Schergen nahen;
AGNESSie neiden Dir das Licht.
AGNESEntflieh! sie wollen Dich fahen, - -
AGNESNein, - weile, - ich lasse Dich nicht,
IRMENGARDO himmlische Macht der Stunden!
IRMENGARDJetzt lächelt, was jüngst uns gedroht;
IRMENGARDWas wir im Glück nicht gefunden,
IRMENGARDDas bietet uns plötzlich die Noth!
HEINRICHVergessen ist und verschwunden,
HEINRICHWas finster uns bedroht;
HEINRICHDich hab' ich liebend gefunden,
HEINRICHWas acht' ich Schergen und Tod!
AGNESFlieh', wenn Gefahren dir drohen,
AGNESSo bricht in Angst mein Herz;
AGNESIch sterb' auch, bist du entflohen,
AGNESDoch dann in milderem Schmerz!
HEINRICHLass' uns vereinigt sterben,
HEINRICHStill ist des Grabes Port;
HEINRICHUnd schön're Blüth' erwerben
HEINRICHWird uns're Liebe dort.
HEINRICHIRMENGARD für sich.
HEINRICHO Gott, nicht lass' sie sterben!
HEINRICHSprich aus das Lebenswort;
HEINRICHMag ich im Sturm verderben,
HEINRICHSei du ihr Schutz und Hort!
HEINRICHHeinrich, auf das Heftigste bewegt, will abeilen.
HEINRICHIRMENGARD plötzlich wie inspirirt, hält ihn zurück.
HEINRICHHalt!
HEINRICHFür sich.
HEINRICHEin Gedanke, den der Himmel sendet! -
HEINRICHZu Heinrich.
HEINRICHIhr bleibt!
HEINRICHZu Agnes.
HEINRICHKein Schmerzensopfer sollst du bringen!
HEINRICHSie geht zu dem Erzbischof und spricht leise mit ihm.
HEINRICHWas sagte sie? - Was wird sie unternehmen?
IRMENGARDEs sei gewagt, ich will es üben
IRMENGARDDas heil'ge Recht, das mir der Schöpfer gab!
IRMENGARDDie Klugheit muß der Mutterliebe weichen.
IRMENGARDIhr sollt im Sakrament die Hand Euch reichen;
IRMENGARDDoch müßt Ihr dann der Trennung Loos ertragen,
IRMENGARDBis sich der Himmel aufgeklärt.
HEINRICHO, Seligkeit des Himmels sinkt herab!
HEINRICHDer Erzbischof führt Agnes und Heinrich in die Seitenkapelle, wo er während des folgenden Gebets Irmengards sie am Altare vereinigt.
HEINRICHQuartett.
HEINRICHIRMENGARD betet während der Trauung.
HEINRICHLass' deine Gnadenquelle fließen,
HEINRICHAllmächtiger, auf der Lieben Haupt,
HEINRICHDie jetzt den Bund der Treue schließen,
HEINRICHErfülle, was ich fromm geglaubt!
HEINRICHAGNES UND HEINRICH welche von dem Erzbischof zurück in der Mutter Arme geführt werden.
HEINRICHDes Himmels Segen sinkt auf uns herab!
ERZBISCHOFDes Himmels Segen sinkt auf Euch herab!
HEINRICHDank, Mutter, Dank!
HEINRICHDie Seligkeit des Himmels füllt mein Herz!
IRMENGARDGott sei mit Euch! beruhigt ist mein Herz!
ERZBISCHOFGott sei mit Euch! Er flöß Euch Muth in's Herz!
HEINRICHLebe wohl! und Deines Schwurs gedenke!
HEINRICHEwig, ewig bist Du mein!
HEINRICHWie der Herr auch unser Schicksal lenke.
HEINRICHEwig, ewig bleib ich dein!
IRMENGARDWie der Herr auch Euer Schicksal lenke,
IRMENGARDMög er Frieden Euch verleih'n!
IRMENGARDEilfter Auftritt.
IRMENGARDVorige. Philipp.
IRMENGARDPHILIPP auf Heinrich zueilend.
IRMENGARDDu säumst zu lang', - ein schweres Wetter tobt,
IRMENGARDDes Rheines Fluth, vom wilden Strom gepeitscht,
IRMENGARDSperrt Dir den Weg in's Lager Deines Vaters.
IRMENGARDNicht hältst Du mehr des Löwen Heer zurück;
IRMENGARDDas Volk in Angst strömt diesen Hallen zu.
IRMENGARDAGNES UND IRMENGARD zu Heinrich.
IRMENGARDHinweg! hinweg!
HEINRICHLeb' wohl, mein süßes Weib!
PHILIPPSein Weib? - was hör ich! - -
IRMENGARDJa, ich hab's gewagt!
PHILIPPVermess'ne That, die zum Verderben führt!
PHILIPPEntflieht!
PHILIPPAGNES UND IRMENGARD zu Heinrich.
PHILIPPLeb wohl!
HEINRICHLebt wohl!
ERZBISCHOFO eilet!
PHILIPPFort!
SYSTEMZwölfter Auftritt.
PHILIPPVorige. Der König mit einem Theil der französischen Ritter. Volk, welches von außen bis an das Gitter vordringt.
PHILIPPKÖNIG zu Philipp und Heinrich.
PHILIPPWohin? - Ihr bleibt!
PHILIPPFinal.
PHILIPPSo seid Ihr Bürge mit Ehre und Leben!
PHILIPPCHOR DES VOLKS kniend.
PHILIPPEntflammte Wetter
PHILIPPVerbreiten Tod!
PHILIPPSei, Gott, uns Retter
PHILIPPIn Drang und Noth!
PHILIPPEs kämpft mit Fluthen
PHILIPPDer Nacht-Orkan!
PHILIPPEs strahlt in Gluthen
PHILIPPDer Blitze Bahn!
PHILIPPCHOR DER NONNEN hinter den Gittern des Chores.
PHILIPPRex misericordiae,
PHILIPPClemens vel irate!
PHILIPPSalva nos a fulgure!
PHILIPPClemens nobis, Domine,
PHILIPPSis in tempestate!
PHILIPPSo bin ich Bürge. Was suchet Ihr, Herr?
KÖNIGDen Feind, den Gefangnen, den frei Ihr gegeben,
KÖNIGDen ich hier finde zu neuer Beschimpfung,
KÖNIGBei meines Königs erkorner Braut!
PHILIPPIhr sollet beim Kampfe den Gegner nicht missen!
HEINRICHFürwahr nicht. - Ihr sehnt
HEINRICHEuch nicht heißer nach Rache,
HEINRICHAls brennend mich dürstet nach Eurem Blut!
AGNESEin Kampf! o Himmel!
IRMENGARDO, Fülle der Leiden!
IRMENGARDKÖNIG zu Philipp.
IRMENGARDIch traue dem Wort nicht; schon hab't Ihr's gebrochen.
PHILIPPGebrochen? - Ich halte noch blutig Euch Wort.
KÖNIGJetzt will ich Rache. - Auf! folgt mir zum Kampfe!
PHILIPPErwartet die Stunde.
HEINRICHSie kommt Euch zu früh.
KÖNIGErgreift ihn, Ritter, und schleift ihn von hinnen!
PHILIPPWer wagt es, zu nahen?
HEINRICHWer trotzet dem Tode?
KÖNIGErgreift ihn, befehl' ich!
PHILIPPSo findet Ihr Tod!
PHILIPPAlle ziehen die Schwerter. Unterdessen ist Volk beiderlei Geschlechts vom Gitter aus in die Kirche gedrungen.
PHILIPPDER ERZBISCHOF vortretend.
PHILIPPSoll Kampf entweihen diese heil'ge Stätte?
IRMENGARDMit Blut sie beflecken? -
AGNESUnd weh! um mich!
PHILIPPZum Kampf! zum Kampf!
PHILIPPDER KÖNIG zu seinen Rittern.
PHILIPPZum Kampfe! zum Kampfe!
PHILIPPFür Euren Herrn!
PHILIPPEs war die Ehre
PHILIPPStets Frankreichs Stern!
PHILIPPDie Ehre verletzet
PHILIPPIhr Uebermuth:
PHILIPPAuf! daß sie's büßen
PHILIPPMit ihrem Blut!
PHILIPPIhr freches Beginnen
PHILIPPUns All' entehrt;
PHILIPPDarum entscheide
PHILIPPIm Kampf das Schwert.
PHILIPPWenn sie nur hören
PHILIPPDie blinde Wuth,
PHILIPPSo mag es büßen
PHILIPPIhr wildes Blut!
AGNESUm mich entweihet
AGNESDas Haus des Herrn!
AGNESUm mich, - o Jammer!
AGNESWie stürb' ich so gern!
AGNESJa, könnt' ich löschen
AGNESDes Zornes Gluth,
AGNESDer Zwietracht Flammen
AGNESMit meinem Blut!
IRMENGARDO Frevelthat!
IRMENGARDBejammernswerth!
IRMENGARDIm Heiligthume
IRMENGARDGezückt das Schwert!
IRMENGARDErstickt, bezähmet
IRMENGARDDie blinde Wuth,
IRMENGARDDen Himmel reizet
IRMENGARDDer frevele Muth!
CHOREntflammte Wetter
CHORVerbreiten Tod!
CHORSei Gott uns Retter,
CHORIm Drang der Noth!
CHOREs kämpft mit Fluthen
CHORDer Nachtorkan!
CHOREs strahlt in Gluthen
CHORDer Blitze Bahn!
CHOR DER NONNENRex misericordiae,
CHOR DER NONNENClemens vel irate!
CHOR DER NONNENClemens nobis, Domine,
CHOR DER NONNENSis in tempestate!
CHOR DER NONNENIm Augenblick, wo beide Partheien den Kampf beginnen wollen, tritt der Erzbischof, welcher sich von einem der herbeigeeilten Kappeläne das Kreuz hat geben lassen, zwischen sie, dasselbe emporhebend.
ERZBISCHOFSchaut den Richter in der Höh'!
ERZBISCHOFFried' in Gottes Namen!
IRMENGARDGnade Gott! - Erbarmen!
IRMENGARDGnade Gott! uns Armen!
CHOR DER NONNENOmnibus, o Domine,
CHOR DER NONNENDona pacem! Amen!
ALLEScheu't den Richter in der Höh'!
ALLEFried' in Gottes Namen!
ALLEEnde des zweiten Aufzugs.
SYSTEMDritter Aufzug.
ALLEVorhof des Frauenklosters. Zur Linken der Eingang in dasselbe. Zur Rechten eine breite Pforte, welche auf die Straße führt. In der Mitte, durch die mit einem eisernen Gitterwerk geschlossenen Bogen, die Aussicht auf den Rhein, der die Klostermauern umspült.
SYSTEMErster Auftritt.
ALLEDeutsche und französische Ritter. Troubadours und Frauen aus Irmengards Gefolge treten durch die große Pforte ein. - Agnes, von zwei Klosterschwestern begleitet, kömmt ihnen aus dem Eingange links entgegen.
CHORDu, Frankreichs königliche Verlobte,
CHORFolg' uns zu Hymens geschmücktem Altar!
CHORWonne verbreiten wird dein Erscheinen
CHORUeber des Volkes frohlockende Schaar!
CHORLiebreich empfangen vom mächtigen Kaiser,
CHORSieh' seine Huld sich heute erneu'n,
CHORUnd eines Königs zärtliche Liebe
CHORJetzt deine Pfade mit Rosen bestreu'n!
AGNESHab't Mitleid, laßt in diesen Mauern
AGNESDas Leben einsam mich vertrauern.
CHORDu, Frankreichs königliche Verlobte,
CHORFolg' uns zu Hymens geschmücktem Altar!
CHORWonne verbreiten wird dein Erscheinen
CHORUeber des Volkes frohlockende Schaar.
AGNESWas zwingt Ihr mich?
AGNESFür sich.
AGNESUnd noch kömmt Heinrich nicht!
SYSTEMZweiter Auftritt.
AGNESVorige. Irmengard.
AGNESAGNES die ihre Mutter eintreten sieht.
AGNESO theure Mutter, komm' zu Hülfe mir!
AGNESIRMENGARD zum Chor.
AGNESDes Kaisers Wille soll sofort gescheh'n;
AGNESDoch geht voran, wir folgen Euch zum Feste.
AGNESSie ist verwirrt, betäubt, und tief erschüttert;
AGNESDie Mutter nur kann ihre Schritte leiten.
CHORLiebreich empfangen vom mächtigen Kaiser,
CHORSieh seine Huld sich heute erneu'n,
CHORUnd eines Königs zärtliche Liebe
CHORJetzt Deine Pfade mit Rosen bestreu'n!
CHORAb.
SYSTEMDritter Auftritt.
CHORAgnes. Irmengard. Heinrich.
HEINRICHGeliebte, komm! denn Alles ist bereit
HEINRICHZur Flucht; ich habe ein Asyl für Dich!
AGNESFür mich allein? - und Du?
HEINRICHMich ruft die Ehre!
HEINRICHZum Kampf!
IRMENGARDDu willst, mein Sohn -?
AGNESDu könntest, Heinrich -?
HEINRICHIch will und kann, was Ehre mir gebeut
HEINRICHTerzett.
AGNESNoch glänzt der erste Morgen unsers Bundes
AGNESUnd schon verlassen willst Du mich?
HEINRICHDer Kampf
HEINRICHSoll zeigen, daß ich Deiner würdig bin.
AGNESDu kannst Dich nicht dem Arm der Lieb' entreißen,
AGNESUm in den Arm des Todes Dich zu stürzen.
HEINRICHSoll ich auf ewig mich entehren?
AGNESSoll in Verzweiflung ich vergeh'n?
AGNESDenn wenn Du fällst, - o hab' Erbarmen! -
AGNESBin ich des blut'gen Siegers Preis.
HEINRICHLaß nicht die Furcht Dein Auge trüben,
HEINRICHIch kehre siegreich Dir zurück.
IRMENGARDIhr Beide müßt entflieh'n; denn schon beginnt
IRMENGARDDas Schreckensfest, das mit dem Kampfe endet.
IRMENGARDDer Bischof hat Befehl gleich nach dem Kampfe
IRMENGARDDich Agnes, dem Gesandten anzutrauen.
HEINRICHO herbe Qual!
IRMENGARDIst Heinrich Sieger, soll
IRMENGARDSchon morgen Philipp Dich nach Frankreich führen.
AGNESWir sind verloren!
HEINRICHFasse Dich!
IRMENGARDNoch kennt
IRMENGARDDer Kaiser nicht den Frevel in der Kirche,
IRMENGARDDenn der Gesandte schweigt, weil sein die Schuld;
IRMENGARDDrum zögert nicht, es harret eine Barke
IRMENGARDMit treuen Dienern Eurer in der Bucht.
HEINRICHMich ruft die Ehre!
IRMENGARDAch!
IRMENGARDSoll in Verzweiflung sie vergeh'n? -
IRMENGARDDenn wo Du fällst, - o hab' Erbarmen! -
IRMENGARDIst sie des blut'gen Siegers Preis!
AGNESDu kannst Dich nicht dem Arm der Lieb' entreißen,
AGNESUm in den Arm des Todes Dich zu stürzen!
HEINRICHLass' nicht die Furcht Dein Auge trüben,
HEINRICHIch kehre siegreich Dir zurück!
HEINRICHJa, meines Vaters Heldenschaaren
HEINRICHVertrau' fortan ich Dein Geschick!
HEINRICHIhr tapf'rer Arm wird Dich bewahren,
HEINRICHDann kehr' zum Kampfe ich zurück!
IRMENGARDZu Deines Vaters Heldenschaaren
IRMENGARDGeleit uns / Euch gnädig das Geschick,
IRMENGARDIhr tapfrer Arm wird uns / Euch bewahren,
IRMENGARDDoch kehre nicht zum Kampf zurück!
IRMENGARDEuch folgt der treuen Mutter Segen,
IRMENGARDDie hier verweilt in Angst und Schmerz!
HEINRICHDer Rettung eilen wir entgegen,
HEINRICHAus Deinem Arm an's Vaterherz!
HEINRICHSTIMMEN DER FRANZÖSISCHEN RITTER von außen.
HEINRICHHerbei zum Kampf, Du feiger Welfe!
IRMENGARDHörst Du der Franken wildes Schmäh'n?
IRMENGARDSie rufen Dich zum blut'gen Feste!
HEINRICHBald werden sie bereit mich seh'n,
HEINRICHDie blut'ge Schuld mit Blut zu rächen.
IRMENGARDO, wolle nicht den Kampf besteh'n!
AGNESErhöre Deiner Gattin Fleh'n!
HEINRICHDer stolze Feind muß untergeh'n.
HEINRICHZu Irmengard.
HEINRICHLebt wohl! - bald ist's um ihn gescheh'n!
HEINRICHVerwandlung.
HEINRICHFestlich geschmückter freier Platz außerhalb den Thoren von Mainz. Ganz vorn zur Rechten, der für den Kaiser errichtete Thron. Daneben hohe mit Bannern und Fahnen verzierte Tribunen für die Fürsten und Ritter von mächtigen Bäumen beschattet. Zur Linken ein für die Pfalzgräfin erhöhter Sitz und Tribunen für die Edelfrauen wie jene von der rechten Seite für die Fürsten. Im Hintergrunde die Schranken, welche die bereits versammelte Volksmenge von dem Kampfplatze trennt. Noch tiefer die Beste auf einem Berge, von der ein praktikabler Weg herabführt.
SYSTEMVierter Auftritt.
HEINRICHDer Kaiser, der König von Frankreich, Philipp. Die deutschen Fürsten und Ritter, französische Ritter, Troubadours, Kampfrichter, Herolde, Trabanten, Volk. Später Irmengard mit ihren Frauen.
ALLGEMEINER CHORIn gold'ner Pracht der Himmel glänzet;
ALLGEMEINER CHORDer heit're Frühling schmückt und kränzet
ALLGEMEINER CHORMit duft'gen Blüthen Hain und Flur,
ALLGEMEINER CHORGesang erfüllte Lüfte wehen,
ALLGEMEINER CHOREin Fest der Freude zu begehen
ALLGEMEINER CHORScheint heut' die blühende Natur.
ALLGEMEINER CHORDoch mit dem Glanz des Frühlings streitet
ALLGEMEINER CHORDas ernste Fest das sich bereitet,
ALLGEMEINER CHOREin Fest des Muthes und der Kraft.
ALLGEMEINER CHORDenn heiß nach Siegesruhm verlanget,
ALLGEMEINER CHORDie hier in stolzen Waffen pranget,
ALLGEMEINER CHORDie Blüthe deutscher / fränk'scher Ritterschaft.
KAISERRecitativ.
KAISERIhr Krieger meines Reichs! so wird denn morgen
KAISERDer deutsche Adler seine Flügel schwingen,
KAISERUnd unser Banner in den Lüften weh'n!
KAISERJa, morgen spiegelt sich der Sonne Bild
KAISERAuf uns'rer Eisenbrust, auf Schwert und Schild!
KAISERIndeß wir fern wird wohl mein mächt'ger Freund,
KAISERDer König Frankreichs, die Rebellen zügeln.
KÖNIGDer König wird, ich schwör's, die Meut'rer strafen.
IRMENGARDVergebt, o Herr! daß Agnes noch Ergebung
IRMENGARDVon Gott erfleht am Fuße des Altars.
KAISERStets widerstrebend unserm höchsten Willen.
KAISERZu Philipp.
KAISERDen Erzbischof, die Braut, und ohne Säumen.
KAISERIRMENGARD leise zu Philipp, indem er an ihr vorübergeht.
KAISERSchon sind die Theuern fern.
PHILIPPMein bleibt der Kampf.
PHILIPPEilt ab.
KAISERIndeß beginne Tanz und kühnes Waffenspiel,
KAISEREs sei ein Vorbild uns'rer blut'gen Kämpfe,
KAISERWomit voll Zorn, jetzt Welschland wir bedroh'n.
KAISERBallet.
KAISERKampfspiele und Tanz der Ritter und Edelfräuleins.
KAISERKAISER nachdem der Tanz geendet.
KAISERSo sei denn jetzt der jüngst entstandne Hader
KAISERDer edlen Fürsten von Burgund und Braunschweig,
KAISERNach Sitt' und Recht, im ernsten Kampf geschlichtet.
KAISERWo ist der Gegner? - offen ist die Bahn!
KÖNIGUnd wo ist der, der trotzig für ihn bürgte?
SYSTEMFünfter Auftritt.
KÖNIGVorige. Philipp.
KÖNIGPHILIPP kehrt mit einigen deutschen Rittern zurück.
KÖNIGHier, stolzer Herzog, hier ist euer Pfand;
KÖNIGIch hob' es auf, und mein ist dieser Kampf.
KÖNIGIch habe nichts mit Euch.
PHILIPPDoch ich mit Euch.
KAISERHinweg, Vermeß'ner! - fort, bei meinem Zorn!
KAISERWo bleibt der Frevler, den ich Dir vertraut?
PHILIPPIhr wißt es ja.
PHILIPPKAISER für sich.
PHILIPPEs ist gescheh'n! - er starb!
PHILIPPVon Eurer Huld erfleh' ich: laßt zuvor
PHILIPPMich mit dem Herzog kämpfen.
KAISERNimmermehr.
KÖNIGVergönnt es ihm, erhabner Herr; mich zwingt
KÖNIGDie Ehre Frankreichs, dies von Euch zu fordern.
KAISERStrafbarer Bruder! Nun wohlan, es sei!
KAISERALLGEMEINER CHOR leise zu einander.
KAISERDas Unglück hat, wie uns geahnet,
KAISERZum Feste sich den Weg gebahnet,
KAISERUnd mischt sich in den Freudentanz.
KAISERWas hell begann wird finster enden;
KAISERWohin sich auch die Blicke wenden,
KAISERErloschen ist des Festes Glanz.
KAMPFRICHTERSo, - jetzt sind Wind und Sonne gleich getheilt;
KAMPFRICHTERNun schwört, daß Ihr nicht Zauber waffen führet.
KÖNIGWir schwören!
KAMPFRICHTERDaß Ihr keine finstre Macht
KAMPFRICHTERUm Beistand angerufen habt.
KÖNIGWir schwören!
KAMPFRICHTERSo streitet denn, wie's frommen Rittern ziemt,
KAMPFRICHTERUnd dem Gerechten gebe Gott den Sieg!
KAMPFRICHTERIRMENGARD zum Kaiser.
KAMPFRICHTERO, laßt dem Schreckensanblick uns entflieh'n!
KAMPFRICHTERMit dem Chor der Frauen.
KAMPFRICHTERHa, laßt ihn enden diesen blut'gen Kampf!
SYSTEMSechster Auftritt.
KAMPFRICHTERVorige. Agnes. Heinrich, von französischen Rittern begleitet. Später ein schwarzer Ritter. Dann der Erzbischof.
KAMPFRICHTERCHOR DER FÜRSTEN UND RITTER sobald sie Heinrich erblicken.
KAMPFRICHTEREr ist's, er kommt!
CHOR DER FRAUENDie Fürstin ist's!
STIMMEN DER FRANZÖSISCHEN RITTERWir fanden auf der Flucht dies Paar,
STIMMEN DER FRANZÖSISCHEN RITTERSchon im Begriff, sich einzuschiffen.
HEINRICHIch flieh'n? Ihr lügt!
HEINRICHNur mein ist dieser Kampf!
KÖNIGHa, endlich Feiger!
KÖNIGKAISER für sich.
KÖNIGTeuflischer Verrath!
AGNESO Mutter hilf!
IRMENGARDWeh! hier mein armes Kind!
RITTERWohl mir! noch ist es Zeit!
RITTERDIE FRANZÖSISCHEN RITTER zu einander.
RITTERHabt Acht auf unsern königlichen Herrn!
RITTERIhm droht Gefahr! - die Faust an's Schwert!
RITTERDer Welfe siegt! - die Franken sind ergrimmt!
RITTERMit Vorsicht schaut umher, uns droht Verrath!
RITTERKÖNIG. dessen Schwert im Kampfe zerspringt.
RITTEREin Schwert! ein Schwert!
HEINRICHDu stirbst!
HEINRICHDIE FRANZÖSISCHEN RITTER zu Heinrich.
HEINRICHZurück!
HEINRICHDer König ist's!
ALLEWie? - Frankreichs König?!
KAISERWie? - darf ich's glauben? - In dem Abgesandten
KAISERSeh' ich den König selbst? -
KÖNIGIch bin's.
KÖNIGVergebt! - Ich wollte ungekannt,
KÖNIGDer Fürstin Liebe mir gewinnen.
HEINRICHDen Retter meines Lebens wollt' ich morden? -
KÖNIGJa, undankbarer, ehrvergess'ner Fürst!
HEINRICHVergebung, hoher Herr, ich sah Euch nie,
HEINRICHUnd wußte nicht, daß Ihr der König seid!
HEINRICHKAISER zum König.
HEINRICHWie gleich ich aus, was Euch geschehn?
HEINRICHAGNES zum König flehend.
HEINRICHVergebet ihm, o sprecht ein Wort der Gnade!
HEINRICHEr fehlte unbewußt, bereut die That.
HEINRICHVergebet mir! o sprecht ein Wort der Gnade!
HEINRICHIch fehlte unbewußt, bereu' die That!
KAISERWie? - sollt er ihm die Frevelthat vergeben? -
KAISERDoch nein, sie fordert des Verräthers Blut!
KAISERKÖNIG für sich.
KAISERUnd wäre Schwäche nicht solch' eine Gnade? -
KAISERDoch soll mit ihm auch Agnes untergehn? -
IRMENGARDEs ist um ihn geschehn, wenn nicht die Gnade
IRMENGARDDes Königs ihm erläßt die schwere Schuld!
IRMENGARDDER KAISER zu Agnes.
IRMENGARDHinweg mit Dir!
AGNESSo wißt, - ich bin - -
KAISERHinweg, die schmachvoll sich entehrt! -
HEINRICHEntehrt?!
ALLEWeh' ihr! entehrt!
AGNESWeh' mir!
AGNESKÖNIG zum Kaiser.
AGNESIhr seid zu streng!
PHILIPPWeh' ihr!
PHILIPPFür sich.
PHILIPPGrausamer Bruder!
IRMENGARDWer sagt entehrt? - nicht schweig' ich länger; -
IRMENGARDDie Ehre will's. - Sie ist vermählt.
ALLEVermählt?!
HEINRICHMit mir im Angesicht des Herrn!
KAISERHa, neuer Trug mich zu berücken!
ERZBISCHOFMit Heinrich, den ihr Herz gewählt,
ERZBISCHOFVereinte sie des Himmels Segen.
KAISERVermess'ner Priester! zitt're vor des Kaisers Zorn!
ERZBISCHOFDer Gottgeweihte steht in Gottes Hand!
IRMENGARDNur ein Tyrann kann glauben,
IRMENGARDEs sei so leicht, ein Kind der Mutter rauben;
IRMENGARDSie lasse stürzen in ein frühes Grab
IRMENGARDDas einz'ge Kind, das ihr der Himmel gab!
IRMENGARDKAISER auf Agnes zeigend.
IRMENGARDHinweg mit ihr! In Klostermauern
IRMENGARDSoll sie des Lebens Rest vertrauern.
ALLEWelch Schreckenswort!
KAISERAuf, reißt sie fort!
KAISERKÖNIG zum Kaiser.
KAISERHemmt Euern Zorn!
IRMENGARDO Tytannei!
IRMENGARDZum Kaiser.
IRMENGARDIhr mordet hier das Kind dem Vater
IRMENGARDDer fern für Euch sein Leben wagt.
IRMENGARDDIE FÜRSTEN zum Kaiser.
IRMENGARDIn Welschland für Siciliens Thron.
IRMENGARDHa, Fürsten, könnt Ihr das erdulden?
IRMENGARDFluch ist es, Mutter dann zu sein!
IRMENGARDAgnes umschlingend.
IRMENGARDDoch wag' es Einer, sie ist mein!
KAISERUnd bleibt es auch; wie ihr Verschulden
KAISERTheilt auch ihr Loos.
KÖNIGHa, blinde Wuth!
FÜRSTENWir dulden's nicht. Es fließe Blut.
FÜRSTENKAISER zu den Fürsten.
FÜRSTENIhr Meut'rer zittert! Euch zum Hohn
FÜRSTENEmpfange Heinrich den verdienten Lohn.
FÜRSTENEr sterbe! - fort!
FÜRSTENDie Trabanten schreiten vor, um Heinrich zu ergreifen, und ihm sein Schwert zu entreißen. Der schwarze Ritter faßt zornig an das seine. Agnes sinkt bewußtlos in ihrer Frauen Arme.
ALLEWelch' blut'ger Hohn!
ALLEFÜRSTEN zum Kaiser.
ALLEIhr habt Euch selbst den Stab gebrochen.
KAISERDas Todeswort habt Ihr gesprochen!
KÖNIGSo werden Eide hier gebrochen?
IRMENGARDWelch' schwarzer Tag ist angebrochen!
PHILIPPWelch frevelnd Wort ward ausgesprochen!
FÜRSTENHa, widerruft den Blutbefehl!
KAISERTrabanten auf! -
KAISERFÜRSTEN UND DEUTSCHE RITTER die Schwerter gegen die Trabanten ziehend, die auf sie eindringen wollen.
KAISERBlut dann für Blut!
DIE UEBRIGEN MIT DEN FRAUENHemmt Eure Wuth!
DIE UEBRIGEN MIT DEN FRAUENHEINRICH zu den Fürsten, von denen mehrere gegen den Kaiser vordringen, indem er mit gezogenem Schwert vor ihn tritt, um ihn zu schützen.
DIE UEBRIGEN MIT DEN FRAUENErst soll, wer ihn berührt, mein Biut verspritzen!
DIE UEBRIGEN MIT DEN FRAUENFÜRSTEN UND DEUTSCHE RITTER zu Heinrich.
DIE UEBRIGEN MIT DEN FRAUENWie? - der Dich morden will, den willst Du schützen?
PHILIPPTreu bleibt er, wo man heil'ge Eide bricht!
PHILIPPKAISER das Schwert ziehend.
PHILIPPRebellen! weicht zurück! - - -
PHILIPPHEINRICH zu den Fürsten.
PHILIPPJa, freudig geb' ich hin mein Haupt, daß Ihr
PHILIPPDem Kaiser nicht die Fürstentreue brecht.
PHILIPPMit tiefster Wehmuth den Blick gen Himmel gerichtet.
PHILIPPO theurer Vater! - O geliebte Gattin! -
PHILIPPLebt ewig wohl!
PHILIPPSchreitet entschlossen auf die Trabanten zu, um sich ihnen zu übergeben.
PHILIPPJetzt fort zum Tode!
RITTERNein, nicht zum Tode; bleib!
AGNESGott! - - -
HEINRICHMein Vater!
KAISERVerruchte Frevler!
ALLEHa, der Löwe!
HEINRICH DER LÖWESeht hier den Schreckensboten, der im Lager
HEINRICH DER LÖWEVerkündete mir Euren Blutbefehl,
HEINRICH DER LÖWEDem nach mein Sohn dem Henkerbeil verfallen!
HEINRICHGerettet hat Dich / mich Gott!
HEINRICH DER LÖWEUnd zweifelt Ihr, daß in der Brust des Löwen
HEINRICH DER LÖWEDas Vaterherz sich regte? daß wie Sturmwind
HEINRICH DER LÖWEMit seiner Heldenschaar er kühn herbeiflog? -
HEINRICH DER LÖWEIndeß Ihr hier bei'm blut'gen Feste weilt,
HEINRICH DER LÖWEHat Mainz die Thore meinem Heer geöffnet!
HEINRICH DER LÖWEIhr seid in meiner Macht!
KAISERHa, stirb Verruchter!
SYSTEMSiebenter Auftritt.
KAISERVorige. Burggraf.
BURGGRAFEntflieht, erhab'ner Herr, o rettet Euch!
BURGGRAFEs hat Verrath die Welfen eingelassen!
HEINRICH DER LÖWEJa, seht des Löwen Schaar!
KAISERMaaßloser Frevel!
KAISERMein Thron! mein Thron!
KAISERFÜRSTEN UND DEUTSCHE RITTER zu einander.
KAISERHa, endlich unterliegt er!
KAISERGebeugt ist der Tyrann, der alle Rechte
KAISERMit Füßen tritt, die Unschuld unterdrückt, -
KAISERJetzt straft der Himmel ihn!
KAISERFRAUEN UND FRANZÖSISCHE RITTER unter sich.
KAISEREs unterliegt der Kaiser!
KAISERGebeugt ist seine Macht, der tapf're Löwe
KAISERHat ihn besiegt. - Die Unschuld tritt an's Licht! -
KAISERDer Himmel schütze sie! -
KAISERMein Heer .... in Welschland .... fern .... rings Feinde nur ....
KAISERVerrathen ich! .... verlassen und gefangen! ....
KAISEREntthront! .... entthront! .... ein Hohenstauf' entthront! ....
HEINRICH DER LÖWENein, voll Bertrauen, Herr, legt hier der Sieger,
HEINRICH DER LÖWEEuch huldigend, sein Schwert zu Euren Füßen!
HEINRICH DER LÖWEDen edlen Sohn nur wollt' ich mir erringen;
HEINRICH DER LÖWEMein ist er wieder: nehmt ihn jetzt zurück. -
HEINRICH DER LÖWEIhr zieht nach Welschland hin zu neuem Streit,
HEINRICH DER LÖWEAuch unser Arm sei Euch fortan geweiht.
HEINRICHDer edle König nur ist mein Gebieter.
HEINRICHIch floh' aus Eurer Haft, den blut'gen Streit
HEINRICHDes Vaters mit dem Kaiser zu verhindern.
HEINRICHEs ist geglückt. - Gefang'ner bin ich wieder
HEINRICHUnd folge Euch zu büßen mein Vergeh'n.
ALLGEMEINER CHORO, Edelmuth! - O, welch ein Sohn!
KÖNIGAn meine Brust! - längst hab' ich Euch vergeben!
KÖNIGAuch Euer Kaiser spricht Euch frei, und gern
KÖNIGGenehmigt er den Bund mit Eurer Agnes.
KÖNIGEuch und dem Vater öffnet er die Arme!
KÖNIGFÜRSTEN UND DEUTSCHE RITTER zu einander auf den Kaiser zeigend.
KÖNIGSeht, unversöhnlich ist sein wilder Haß!
KÖNIGALLE UEBRIGEN zum Kaiser.
KÖNIGUebt Gnade, Herr! das macht dem Himmel gleich!
KAISERSo sei denn Fried' und Freundschaft zwischen uns!
KAISERJa, was der Himmel schon verbunden,
KAISERVerbinde nun auch uns're Huld!
ALLEHeil! dem erhab'nen Kaiser Heil!
ALLEKAISER zu den Fürsten.
ALLEWie Ihr bereuet werd' ich sehen
ALLEIn Welschlands blut'gem Streit.
FÜRSTENLaßt heute noch die Fahnen wehen
FÜRSTENWir sind bereit!
FÜRSTENSCHLUß-CHOR.
FÜRSTENErhebet die Fahnen,
FÜRSTENBald rufen die Klänge
FÜRSTENDer Kriegesdromete
FÜRSTENZum blutigen Tanz!
FÜRSTENErhebet die Fahnen!
FÜRSTENErgreifet die Waffen!
FÜRSTENEs blühet im Süden
FÜRSTENDer Siegerkranz!
FÜRSTENEnde der Oper.