Blindenklage
Strauss, Richard
Wenn ich dich frage, dem das Leben blüht:
O sag' mir, sage, wie das Mohnfeld glüht!
Das rothe Mohnfeld, wie es jauchzt und lacht:
Todt ist mein Pfad und ewig meine Nacht.
Wohl manch' ein Unglück schlägt den Menschen schwer,
Wer so viel trägt, kennt keinen Jammer mehr.
Die sonnenhellen Fluren wankt er blind
Und tappt nach Spuren, die verschüttet sind.
Ich träume Sonnen, strecke weit die Hand,
Ich möchte greifen durch die dunkle Wand,
Ich möchte fassen durch der Schatten Schicht
In rothen Mohn und strahlengold'nes Licht...
Aus alten Zeiten zuckt ein Schimmer nach,
In todten Augen blieb die Sehnsucht wach,
Und wissend von der Herrlichkeit des Lichts,
So ganz enterbt geh' ich durch Nacht und Nichts.
Ob Freud', ob Leid begegnet meinen Wegen,
Todt ist mein Fluch, und todt ist auch mein Segen.