Salome

Strauss, Richard

HERODES (Tenor)

HERODIAS (Mezzosopran)

SALOME (Sopran)

JOCHANAAN (Bariton)

NARRABOTH (Tenor)

EIN PAGE DER HERODIAS (Alt)

ERSTER JUDE (Tenor)

ZWEITER JUDE (Tenor)

DRITTER JUDE (Tenor)

VIERTER JUDE (Tenor)

FÜNFTER JUDE (Bass)

ERSTER NAZARENER (Bass)

ZWEITER NAZARENER (Tenor)

ERSTER SOLDAT (Bass)

ZWEITER SOLDAT (Bass)

EIN KAPPADOZIER (Bass)

EIN SKLAVE (Sopran)

DIE WERKE VON RICHARD STRAUSS GENIESSEN BIS AUF WEITERES DEN SCHUTZ DES COPYRIGHTS© 1916 Adolph Fürstner, Berlin

DIE NACHFOLGENDE WIEDERGABE DES LIBRETTOS GESCHIEHT MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG© 1987 Fürstner Musikverlag GmbH, Mainz

für die Gebiete Deutschland, Danzig, Italien, Portugal und die Nachfolgestaaten der UdSSR ausser Estland, Lettland und Litauen

DIE NACHFOLGENDE WIEDERGABE DES LIBRETTOS GESCHIEHT MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNGfor all other countries: © 1943 Boosey & Hawkes Music Publishers Ltd.

SYSTEMEINZIGER AKT

Eine grosse Terrasse im Palast des Herodes, die an den Bankettsaal stösst. Einige Soldaten lehnen sich über die Brüstung. Rechts eine mächtige Treppe, links im Hintergrund eine alte Zisterne mit einer Einfassung aus grüner Bronze. Der Mond scheint sehr hell

NARRABOTHWie schön ist die Prinzessin Salome heute Nacht!

PAGESieh' die Mondscheibe, wie sie seltsam aussieht.

PAGEWie eine Frau, die aufsteigt aus dem Grab.

NARRABOTHSie ist sehr seltsam. Wie eine kleine Prinzessin,

NARRABOTHderen Füsse weisse Tauben sind.

NARRABOTHMan könnte meinen, sie tanzt.

PAGEWie eine Frau, die tot ist.

PAGESie gleitet langsam dahin.

ERSTER SOLDATWas für ein Aufruhr!

ERSTER SOLDATWas sind das für wilde Tiere,

ERSTER SOLDATdie da heulen?

ZWEITER SOLDATDie Juden. Sie sind immer so.

ZWEITER SOLDATSie streiten über ihre Religion.

ERSTER SOLDATIch finde es lächerlich,

ERSTER SOLDATüber solche Dinge zu streiten.

NARRABOTHWie schön ist die Prinzessin Salome heute Abend!

PAGEDu siehst sie immer an.

PAGEDu siehst sie zuviel an.

PAGEEs ist gefährlich,

PAGEMenschen auf diese Art anzusehn.

PAGESchreckliches kann geschehn.

NARRABOTHSie ist sehr schön heute Abend.

ERSTER SOLDATDer Tetrarch sieht finster drein.

ZWEITER SOLDATJa, er sieht finster drein.

ERSTER SOLDATAuf wen blickt er?

ZWEITER SOLDATIch weiss nicht.

NARRABOTHWie blass die Prinzessin ist.

NARRABOTHSie ist wie der Schatten

NARRABOTHeine weissen Rose

NARRABOTHin einem silbernen Spiegel.

PAGEDu musst sie nicht ansehn.

PAGEDu siehst sie zuviel an.

PAGESchreckliches kann geschehn.

JOCHANAANNach mir wird Einer kommen,

JOCHANAANder ist stärker als ich.

JOCHANAANIch bin nicht wert, ihm zu lösen

JOCHANAANden Riemen an seinen Schuhn.

JOCHANAANWenn er kommt,

JOCHANAANwerden die verödeten

JOCHANAANStätten frohlocken.

JOCHANAANWenn er kommt,

JOCHANAANwerden die Augen der Blinden

JOCHANAANden Tag sehn.

JOCHANAANWenn er kommt,

JOCHANAANdie Ohren der Tauben geöffnet.

ZWEITER SOLDATHeiss' ihn schweigen!

ERSTER SOLDATEr ist ein heil'ger Mann.

ZWEITER SOLDATEr sagt immer lächerliche Dinge.

ERSTER SOLDATEr ist sehr sanft.

ERSTER SOLDATJeden Tag,

ERSTER SOLDATden ich ihm zu essen gebe,

ERSTER SOLDATdankt er mir.

EIN KAPPADOZIERWer ist es?

ERSTER SOLDATEin Prophet.

EIN KAPPADOZIERWie ist sein Name?

ERSTER SOLDATJokanaan.

EIN KAPPADOZIERWoher kommt er?

ERSTER SOLDATAus der Wüste.

ERSTER SOLDATEine Schar von Jüngern war dort

ERSTER SOLDATimmer um ihn.

EIN KAPPADOZIERWovon redet er?

ERSTER SOLDATUnmöglich ist's, zu verstehn,

ERSTER SOLDATwas er sagt.

EIN KAPPADOZIERKann man ihn sehn?

ERSTER SOLDATNein, der Tetrarch hat es verboten.

NARRABOTHDie Prinzessin erhebt sich!

NARRABOTHSie verlässt die Tafel.

NARRABOTHSie ist sehr erregt.

NARRABOTHSie kommt hierher.

PAGESieh sie nicht an!

Ja, sie kommt auf uns zu.

PAGEIch bitte dich, sieh sie nicht an!

NARRABOTHSie ist wie eine verirrte Taube.

Salome tritt erregt ein

SALOMEIch will nicht bleiben.

SALOMEIch kann nicht bleiben.

SALOMEWarum sieht mich der Tetrarch

SALOMEfortwährend so an

SALOMEmit seinen Maulwurfsaugen

SALOMEunter den zuckenden Lidern?

SALOMEEs ist seltsam, dass der Mann

SALOMEmeiner Mutter mich so ansieht.

SALOMEWie süss ist hier de Luft!

SALOMEHier kann ich atmen.

SALOMEDa drinnen sitzen Juden

SALOMEaus Jerusalem,

SALOMEdie einander über ihre

SALOMEnärrischen Gebräuche

SALOMEin Stücke reissen.

SALOMESchweigsame, list'ge Ägypter

SALOMEund brutale, ungeschlachte Römer

SALOMEmit ihrer plumpen Sprache.

SALOMEO, wie ich diese Römer hasse!

zu Narraboth

PAGESchreckliches wird geschehn.

PAGEWarum siehst du sie so an?

SALOMEWie gut ist's, in den Mond zu sehn!

SALOMEEr ist wie eine silberne Blume,

SALOMEkühl und keusch.

SALOMEJa, wie die Schönheit einer Jungfrau,

SALOMEdie rein geblieben ist.

JOCHANAANSiehe, der Herr ist gekommen,

JOCHANAANdes Menschen Sohn ist nahe.

SALOMEWer war das, der hier gerufen hat?

ZWEITER SOLDATDer Prophet, Prinzessin.

SALOMEAch, der Prophet! Der,

SALOMEvor dem der Tetrarch Angst hat?

ZWEITER SOLDATWir wissen davon nichts, Prinzessin.

ZWEITER SOLDATEs war der Prophet Jokanaan,

ZWEITER SOLDATder hier rief.

zu Salome

NARRABOTHBeliebt es Euch,

NARRABOTHdass ich Eure Sänfte holen lasse,

NARRABOTHPrinzessin?

NARRABOTHDie Nacht ist schön im Garten.

SALOMEEr sagt schreckliche Dinge

SALOMEüber meine Mutter, nicht wahr?

ZWEITER SOLDATWir verstehen nie, was er sagt,

ZWEITER SOLDATPrinzessin.

SALOMEJa,

SALOMEer sagt schreckliche Dinge über sie.

EIN SKLAVEPrinzessin,

EIN SKLAVEder Tetrarch ersucht Euch,

EIN SKLAVEwieder zum Fest hinein zu gehn.

SALOMEIch will nicht hinein gehn.

zu Narraboth

SALOMEIst dieser Prophet ein alter Mann?

NARRABOTHPrinzessin,

NARRABOTHes wäre besser hinein zu gehn.

NARRABOTHGestattet dass ich Euch führe.

SALOMEIst dieser Prophet ein alter Mann?

ERSTER SOLDATNein, Prinzessin, er ist ganz jung.

JOCHANAANJauchze nicht, du Land Palästina,

JOCHANAANweil der Stab dessen,

JOCHANAANder dich schlug,

JOCHANAANgebrochen ist.

JOCHANAANDenn aus dem Samen der Schlange

JOCHANAANwird ein Basilisk kommen,

JOCHANAANund seine Brut wird die Vögel

JOCHANAANverschlinge.

SALOMEWelch seltsame Stimme!

SALOMEIch möchte mit ihm sprechen.

ZWEITER SOLDATPrinzessin,

ZWEITER SOLDATder Tetrarch duldet nicht,

ZWEITER SOLDATdass irgend wer mit ihm spricht.

ZWEITER SOLDATEr hat selbst

ZWEITER SOLDATdem Hohenpriester verboten,

ZWEITER SOLDATmit ihm zu sprechen.

SALOMEIch wünsche mit ihm zu sprechen.

ZWEITER SOLDATEs ist unmöglich, Prinzessin.

SALOMEIch will mit ihm sprechen.

SALOMEBringt diesen Propheten heraus!

ZWEITER SOLDATWir dürfen nicht, Prinzessin.

SALOMEWie schwarz es da drunten ist!

SALOMEEs muss schrecklich sein,

SALOMEin so einer schwarzen Höhle

SALOMEzu leben!

SALOMEEs ist wie eine Gruft.

zu den Soldaten

SALOMEHabt ihr nicht gehört?

SALOMEBringt den Propheten heraus!

SALOMEIch möchte ihn sehn!

ERSTER SOLDATPrinzessin, wir dürfen nicht tun,

ERSTER SOLDATwas ihr von uns begehrt.

SALOMEAh!

PAGEO, was wird geschehn?

PAGEIch weiss,

PAGEes wird Schreckliches geschehn.

zu Narraboth

SALOMEDu wirst das für mich tun,

SALOMENarraboth, nicht wahr?

SALOMEIch war dir immer gewogen.

SALOMEDu wirst das für mich tun.

SALOMEIch möchte ihn blos sehn,

SALOMEdiesen seltsamen Propheten.

SALOMEDie Leute haben soviel

SALOMEvon ihm gesprochen.

SALOMEIch glaube,

SALOMEder Tetrarch hat Angst vor ihm.

NARRABOTHDer Tetrarch

NARRABOTHhat es ausdrücklich verboten,

NARRABOTHdass irgend wer den Deckel

NARRABOTHzu diesem Brunnen aufhebt.

SALOMEDu wirst das für mich tun,

SALOMENarraboth, und morgen,

SALOMEwenn ich in einer Sänfte

SALOMEan dem Torweg,

SALOMEwo die Götzenbilder stehn,

SALOMEvorbeikomme,

SALOMEwerde ich eine kleine Blume

SALOMEfür dich fallen lassen,

SALOMEein kleines grünes Blümchen.

NARRABOTHPrinzessin,

NARRABOTHich kann nicht, ich kann nicht.

lachend

SALOMEDu wirst das für mich tun,

NARRABOTHDu weisst,

NARRABOTHdass du das für mich tun wirst.

NARRABOTHUnd morgen früh werde ich

NARRABOTHunter denn Muss'linschleiern

NARRABOTHdir einen Blick zuwerfen, Narraboth,

NARRABOTHich werde dich ansehn, kann sein,

NARRABOTHIch werde dir zulächeln.

NARRABOTHSieh mich an, Narraboth,

NARRABOTHsieh mich an.

NARRABOTHAh! Wie gut du weisst,

NARRABOTHdass du tun wirst,

NARRABOTHum was ich dich bitte!

NARRABOTHWie du es weisst!

NARRABOTHIch weiss, du wirst das tun.

NARRABOTHLasst den Propheten herauskommen.

NARRABOTHDie Prinzessin Salome

NARRABOTHwünscht ihn zu sehn.

SALOMEAh!

JOCHANAANWo ist er, dessen Sündenbecher

JOCHANAANjetzt voll ist?

JOCHANAANWo ist er, der eines Tages

JOCHANAANim Angesicht alles Volkes

JOCHANAANin einem Silbermantel sterben wird?

JOCHANAANHeisst ihn herkommen,

JOCHANAANauf dass er die Stimme Dessen höre,

JOCHANAANder in den Wüsten

JOCHANAANund in den Häusern

JOCHANAANder Könige gekündet hat.

SALOMEVon wem spricht er?

NARRABOTHNiemand kann es sagen, Prinzessin.

JOCHANAANWo ist sie,

JOCHANAANdie sich hingab

JOCHANAANder Lust ihrer Augen,

JOCHANAANdie gestanden hat vor buntgemalten

JOCHANAANMännerbildern und Gesandte

JOCHANAANins Land der Chaldäer

JOCHANAANschickte?

SALOMEEs spricht von meiner Mutter.

NARRABOTHNein, nein, Prinzessin.

SALOMEJa, er spricht von meiner Mutter.

JOCHANAANWo ist sie,

JOCHANAANdie den Hauptleuten Assyriens

JOCHANAANsich gab?

JOCHANAANWo ist sie,

JOCHANAANdie sich den jungen Männern

JOCHANAANder Ägypter gegeben hat,

JOCHANAANdie in feinen Leinen

JOCHANAANund Hyacinthgesteinen prangen,

JOCHANAANderen Schilde von Gold sind

JOCHANAANund die Leiber wie Riesen?

JOCHANAANGeht, heisst sie aufstehen

JOCHANAANvom Bett ihrer Greuel,

JOCHANAANvom Bett ihrer Blutschande;

JOCHANAANauf dass sie die Worte

JOCHANAANDessen vernehme,

JOCHANAANder dem Herrn die Wege bereitet,

JOCHANAANund ihre Missetaten bereue.

JOCHANAANUnd wenn sie gleich nicht bereut,

JOCHANAANheisst sie herkommen,

JOCHANAANdenn die Geissel

JOCHANAANdes Herrn ist in seiner Hand.

SALOMEEr ist schrecklich.

SALOMEEr ist wirklich schrecklich.

NARRABOTHBleibt nicht hier, Prinzessin,

NARRABOTHich bitte Euch!

SALOMESeine Augen sind von allem

SALOMEdas Schrecklichste.

SALOMESie sind wie die schwarzen Höhlen,

SALOMEwo die Drachen hausen!

SALOMESie sind wie schwarze Seen,

SALOMEaus denen irres Mondlicht flackert.

SALOMEGlaubt ihr, dass er noch einmal

SALOMEsprechen wird?

NARRABOTHBleibt nicht hier, Prinzessin,

NARRABOTHich bitte Euch,

NARRABOTHbleibt nicht hier.

SALOMEWie abgezehrt er ist!

SALOMEEr ist wie ein Bildnis aus Elfenbein.

SALOMEGewiss ist er keusch wie der Mond.

SALOMESein Fleisch muss sehr kühl sein,

SALOMEkühl wie Elfenbein.

SALOMEIch möchte ihn näher beseh'n.

NARRABOTHNein, nein, Prinzessin.

SALOMEIch muss ihn näher beseh'n.

NARRABOTHPrinzessin! Prinzessin!

JOCHANAANWer ist dies Weib, das mich ansieht?

JOCHANAANIch will ihre Augen

JOCHANAANnicht auf mir haben.

JOCHANAANWarum sieht sie mich so an

JOCHANAANmit ihren Goldaugen

JOCHANAANunter den gleissenden Lidern?

JOCHANAANIch weiss nicht, wer sie ist.

JOCHANAANIch will nicht wissen, wer sie ist.

JOCHANAANHeisst sie gehn!

JOCHANAANZu ihr will ich nicht sprechen.

SALOMEIch bin Salome, die Tochter der Herodias,

SALOMEPrinzessin von Judäa.

JOCHANAANZurück, Tochter Babylons!

JOCHANAANKomm dem Erwählten des Herrn nicht nahe!

JOCHANAANDeine Mutter hat die Erde erfülltmit

JOCHANAANdem Wein ihrer Sündenschreit zu Gott.

SALOMESprich mehr, Jochanaan,

SALOMEdeine Stimme ist wie Musikin meinen Ohren.

NARRABOTHPrinzessin! Prinzessin! Prinzessin!

SALOMESprich mehr, sprich mehr, Jochanaan,

SALOMEund sag' mir, was ich tun soll?

JOCHANAANTochter Sodoms, komm mir nicht nahe!

JOCHANAANVielmehr bedecke dein Gesichtmit einem Schleier,

JOCHANAANstreue Asche auf deinem Kopf,

JOCHANAANmach' dich auf in die Wüsteund suche des Menschen Sohn!

SALOMEWer ist das, des Menschen Sohn?

SALOMEIst er so schön wie du, Jochanaan?

JOCHANAANWeiche von mir! Ich höre die Flügel

JOCHANAANdes Todesengels im Palaste rauschen.

SALOMEJochanaan!

NARRABOTHPrinzessin, ich flehe, geh' hinein!

SALOMEJochanaan!

SALOMEIch bin verliebt in deinen Leib,

SALOMEJochanaan!

SALOMEDein Leib ist weiss wie die Lilien

SALOMEauf einem Felde,

SALOMEvon der Sichel nie berührt.

SALOMEDein Leib ist weiss

SALOMEwie der Schnee

SALOMEauf den Bergen Judäas.

SALOMEDie Rosen im Garten

SALOMEvon Arabiens Königin

SALOMEsind nicht so weiss wie dein Leib,

SALOMEnicht die Rosen

SALOMEim Garten der Königin,

SALOMEnicht die Füsse der Dämmerung

SALOMEauf den Blättern,

SALOMEnicht die Brüste des Mondes

SALOMEauf dem Meere.

SALOMENichts in der Welt ist so weiss wie

SALOMEdein Leib.

SALOMELass mich ihn berühren deinen Leib.

JOCHANAANZurück, Tochter Babylons!

JOCHANAANDurch das Weib kam

JOCHANAANDas Übel in die Welt.

JOCHANAANSprich nicht zu mir.

JOCHANAANIch will dich nicht anhör'n!

JOCHANAANIch höre nur

JOCHANAANauf die Stimme des Herrn,

JOCHANAANmeines Gottes.

SALOMEDein Leib ist grauenvoll.

SALOMEEr ist wie der Leib

SALOMEeines Aussätzigen.

SALOMEEr ist wie eine getünchte Wand,

SALOMEwo Nattern gekrochen sind;

SALOMEwie eine getünchte Wand,

SALOMEwo Skorpione ihr Nest gebaut.

SALOMEEr ist wie ein übertünchtes Grab

SALOMEvoll widerlicher Dinge.

SALOMEEr ist grässlich,

SALOMEdein Leib ist gr sslich.

SALOMEIn dein Haar bin ich verliebt,

JOCHANAANDein Haar ist wie Weintrauben,

JOCHANAANwie Büschel schwarzer Trauben,

JOCHANAANan den Weinstöcken Edoms.

JOCHANAANDein Haar ist wie die Cedern,

JOCHANAANdie grossen Cedern von Libanon,

JOCHANAANdie den Löwen und Räubern

JOCHANAANSchatten spenden.

JOCHANAANDie langen schwarzen Nächte,

JOCHANAANwenn der Mond sich verbirgt,

JOCHANAANwenn die Sterne bangen,

JOCHANAANsind nicht so schwarz wie dein Haar.

JOCHANAANDes Waldes Schweigen...

JOCHANAANNichts in der Welt

JOCHANAANist so schwarz wie dein Haar.

JOCHANAANLass mich es berühren, dein Haar!

JOCHANAANZurück, Tochter Sodoms!

JOCHANAANBerühre mich nicht!

JOCHANAANEntweihe nicht

JOCHANAANden Tempel des Herrn,

JOCHANAANmeines Gottes!

SALOMEDein Haar ist grässlich!

SALOMEEs starrt von Staub und Unrat.

SALOMEEs ist wie eine Dornenkroneauf

SALOMEdeinen Kopf gesetzt.

SALOMEEs ist wie ein Schlangenknoten gewickelt

SALOMEum deinen Hals.

SALOMEIch liebe dein Haar nicht.

SALOMEDeinen Mund begehre ich, Jochanaan.

SALOMEDein Mund ist wie ein Scharlachbandan

SALOMEeinem Turm von Elfenbein.

SALOMEEr ist wie ein Granatapfel von

SALOMEeinem Silbermesser zerteilt.

SALOMEDie Granatapfelblüten in den Gärten von Tyrus,

SALOMEglüh'nder als Rosen, sind nicht so rot.

SALOMEDie roten Fanfaren der Trompeten,

SALOMEdie das Nah'n von Kön'gen kündenund

SALOMEvor denen der Feind erzittert,

SALOMEsind nicht so rot wie dein roter Mund.

SALOMEDein Mund ist röter als die Füsseder Männer

SALOMEdie den Wein stampfen in der Kelter.

SALOMEEr ist röter als die Füsse der Tauben,

SALOMEdie in den Tempeln wohnen.

SALOMEDein Mund ist wie ein Korallenzweigin

SALOMEder Dämm'rung des Meers,

SALOMEwie der Purpur in den Gruben von Moab,

SALOMEder Purpur der Könige. Nichts in der Welt

SALOMEist so rot wie dein Mund.

SALOMELass mich ihn küssen, deinen Mund.

JOCHANAANNiemals, Tochter Babylons,

JOCHANAANTochter Sodoms! Niemals!

SALOMEIch will deinen Mund küssen,

SALOMEJochanaan. Ich will deinen Mund küssen.

NARRABOTHPrinzessin, Prinzessin,

NARRABOTHdie wie ein Garten von Myrrhen ist,

NARRABOTHdie die Taube aller Tauben ist,

NARRABOTHsieh diesen Mann nicht an.

NARRABOTHSprich nicht solche Worte zu ihm.

NARRABOTHIch kann es nicht ertragen.

SALOMEIch will deinen Mund küssen,

SALOMEJochanaan. Ich will deinen Mund küssen.

SALOMELass mich deinen Mund küssen, Jochanaan.

JOCHANAANWird dir nicht bange,

JOCHANAANTochter der Herodias?

SALOMELass mich deinen Mund küssen,

SALOMEJochanaan!

SALOMELass mich deinen Mund küssen,

SALOMEJochanaan!!

JOCHANAANIch will dich nicht ansehn.

JOCHANAANDu bist verflucht, Salome.

JOCHANAANDu bist verflucht. Du bist verflucht!

Herodes und Herodias

HERODESWo ist Salome?

HERODESWo ist die Prinzessin?

HERODESWarum kam sie nicht wieder

HERODESzum Bankett,

HERODESwie ich ihr befohlen hatte?

HERODESAh! Da ist sie!

HERODIASDu sollst sie nicht ansehn.

HERODIASFortwährend siehst du sie an!

HERODESWie der Mond

HERODESheute Nacht aussieht!

SYSTEMIst es nicht ein seltsames Bild?

HERODESEs sieht aus,

HERODESwie ein wahnwitziges Weib,

HERODESdas überall nach Buhlen sucht.

HERODESWie ein betrunkenes Weib

HERODESdas durch Wolken taumelt.

HERODIASNein, der Mond ist wie der Mond,

HERODIASdas ist alles.

HERODIASWir wollen hineingehn.

HERODESIch will hier bleiben.

HERODESManassah, leg Teppiche hierher!

HERODESZündet Facklen an!

HERODESIch will noch Wein mit meinen

HERODESGästen trinken!

HERODESAh! Ich bin ausgeglitten.

HERODESIch bin in Blut getreten,

HERODESdas ist ein böses Zeichen.

HERODESWarum ist hier Blut?

HERODESUnd dieser Tote?

HERODESWer ist dieser Tote hier?

HERODESWer ist dieser Tote?

HERODESIch will ihn nicht sehn.

ERSTER SOLDATEs ist unser Hauptmann, Herr.

HERODESIch erliess keinen Befehl,

HERODESdass er getötet werde.

ERSTER SOLDATEr hat sich selbst getötet, Herr.

HERODESDas scheint mir seltsam.

HERODESDer junge Syrier, er war sehr schön.

HERODESIch erinnre mich,

HERODESich sah seine schmachtenden Augen,

HERODESwenn er Salome ansah.

HERODESFort mit ihm!

HERODESEs ist kalt hier. Es weht ein Wind.

HERODESWeht nicht ein Wind?

HERODIASNein, es weht kein Wind.

HERODESIch sage Euch: es weht ein Wind,

HERODESund in der Luft hör ich etwas,

HERODESwie das Rauschen

HERODESvon mächt'gen Flügeln.

HERODESHört ihr es nicht?

HERODIASIch höre nichts.

HERODESJetzt höre ich es nicht mehr.

HERODESAber ich habe es gehört.

HERODESEs war das Wehn des Windes.

HERODESEs ist vorüber.

HERODESHorch! Hört ihr es nicht?

HERODESDas Rauschen

HERODESvon mächt'gen Flügeln.

HERODIASDu bist krank.

HERODIASWir wollen hineingehn.

HERODESIch bin nicht krank.

HERODESAber deine Tochter

HERODESist krank zu Tode.

HERODESNiemals hab' ich sie so blass gesehn.

HERODIASIch habe dir gesagt,

HERODIASdu sollst sie nicht ansehn.

HERODESSchenkt mir Wein ein!

HERODESSalome, komm, trink Wein mit mir,

HERODESeinen köstlichen Wein.

HERODESCäsar selbst hat ihn mir geschickt.

HERODESTauche deine kleinen Lippen hinein,

HERODESdeine kleinen roten Lippen,

HERODESdann will ich den Becher leeren.

SALOMEIch bin nicht durstig, Tetrarch.

zu Herodias

HERODESHörst du, wie sie mir antwortet,

HERODESdiese deine Tochter?

HERODIASSie hat recht.

HERODIASWarum starrst du sie immer an?

HERODESBringt reife Früchte!

HERODESSalome, komm, iss mit mir von

HERODESdiese Früchten.

HERODESDen Abdruck deiner kleinen

HERODESweissen Zähne

HERODESin einer Frucht seh' ich so gern.

HERODESBeiss nur ein wenig ab,

HERODESnur ein wenig von dieser Frucht,

HERODESdann will ich essen, was übrig ist.

SALOMEIch bin nicht hungrig, Tetrarch.

zu Herodias

HERODESDu siehst, wie du diese

HERODESdeine Tochter erzogen hast!

HERODIASMeine Tochter und ich stammen

HERODIASaus königlichem Blut.

HERODIASDein Vater war Kameeltreiber,

HERODIASdein Vater war ein Dieb

HERODIASund ein Räuber oben drein.

HERODESSalome, komm, setz dich zu mir.

HERODESDu sollst auf dem Thron

HERODESdeiner Mutter sitzen.

SALOMEIch bin nicht müde, Tetrarch.

HERODIASDu siehst, wie sie dich achtet.

HERODESBringt mir... was wünsche ich denn?

HERODESIch habe es vergessen.

HERODESAh! Ah! Ich erinnre mich.

JOCHANAANSieh', die Zeit ist gekommen,

JOCHANAANder Tag von dem ich sprach, ist da.

HERODIASHeiss' ihn schweigen!

HERODIASDieser Mensch beschimpft mich!

HERODESEr hat nichts gegen dich gesagt.

HERODESÜberdies ist er

HERODESein sehr grosser Prophet.

HERODIASIch glaube nicht an Propheten.

HERODIASAber du, du hast Angst vor ihm.

HERODESIch habe vor niemanden Angst.

HERODIASIch sage dir, du hast Angst vor ihm.

HERODIASWarum lieferst du ihn nicht

HERODIASden Juden aus,

HERODIASdie seit Monaten nach ihm schreien?

ERSTER JUDEWahrhaftig, Herr, es wäre besser,

ERSTER JUDEihn in unsre Hände zu geben!

HERODESGenug davon!

HERODESIch werde ihn nicht

HERODESin Eure Hände geben.

HERODESEr ist ein heil'ger Mann.

HERODESEr ist ein Mann,

HERODESder Gott geschaut hat.

ERSTER JUDEDas kann nicht sein.

ERSTER JUDESeit dem Propheten Elias

ERSTER JUDEhat niemand Gott gesehn.

ERSTER JUDEEr war der letzte,

ERSTER JUDEder Gott von Angesicht geschaut.

In unsern Tagen zeigt sich Gott nicht.

Gott verbirgt sich.

ERSTER JUDEDarum ist grosses Übel

ERSTER JUDEüber das Land gekommen,

ERSTER JUDEgrosses Übel.

ZWEITER JUDEIn Wahrheit weiss niemand,

ZWEITER JUDEob Elias in der Tat Gott gesehen hat.

ZWEITER JUDEMöglicherweise war es nur

ZWEITER JUDEder Schatten Gottes, was er sah.

DRITTER JUDEGott ist zu keiner Zeit verborgen.

Er zeigt sich zu allen Zeiten

DRITTER JUDEund an allen Orten.

DRITTER JUDEGott ist im schlimmen

DRITTER JUDEebenso wie im guten.

zu dritter Jude

VIERTER JUDEDu solltest das nicht sagen,

VIERTER JUDEes ist eine sehr gefährliche Lehre

VIERTER JUDEaus Alexandria.

FÜNFTER JUDENiemand kann sagen, wie Gott wirkt.

FÜNFTER JUDESeine Wege sind sehr dunkel.

FÜNFTER JUDEWir können nur unser Haupt

FÜNFTER JUDEunter seinen Willen beugen,

FÜNFTER JUDEdenn Gott ist sehr stark.

ERSTER JUDEDu sagst die Wahrheit.

ERSTER JUDEFürwahr, Gott ist furchtbar.

ERSTER JUDEAber was diesen Menschen angeht,

ERSTER JUDEder hat Gott nie gesehn.

ERSTER JUDESeit dem Propheten Elias

ERSTER JUDEhat niemand Gott gesehn.

ERSTER JUDEEr war der letzte, usw.

ZWEITER JUDEIn Wahrheit weiss niemand, usw.

ZWEITER JUDEGott ist furchtbar,

ZWEITER JUDEer bricht den Starken in Stücke,

ZWEITER JUDEden Starken wie den Schwachen,

ZWEITER JUDEdenn jeder gilt ihm gleich.

ZWEITER JUDEMöglicherweise, usw.

DRITTER JUDEGott ist zu keiner Zeit

DRITTER JUDEverborgen, usw.

VIERTER JUDEDu solltest das nicht sagen, usw.

VIERTER JUDESie sind nicht einmal beschnitten.

VIERTER JUDENiemand kann sagen, wie Gott wirkt,

VIERTER JUDEdenn Gott ist sehr stark.

VIERTER JUDEEr bricht den Starken

VIERTER JUDEwie den Schwachen in Stücke.

VIERTER JUDEGott ist stark.

FÜNFTER JUDENiemand kann sagen,

FÜNFTER JUDEwie Gott wirkt, usw.

FÜNFTER JUDEEs kann sein dass die Dinge,

FÜNFTER JUDEdie wie gut nennen,

FÜNFTER JUDEsehr schlimm sind,

FÜNFTER JUDEund die Dinge,

FÜNFTER JUDEdie wir schlimm nennen,

FÜNFTER JUDEsehr gut sind.

FÜNFTER JUDEWir wissen von nichts etwas.

zu Herodes

HERODIASHeiss' sie schweigen,

HERODIASsie langweilen mich.

HERODESDoch' hab ich davon sprechen hören,

HERODESJochanaan sei

HERODESin Wahrheit Euer Prophet Elias.

ERSTER JUDEDass kann nicht sein.

ERSTER JUDESeit den Tagen des Propheten Elias

ERSTER JUDEsind mehr als

ERSTER JUDEdreihundert Jahre vergangen.

ERSTER NAZARENERMir ist sicher, dass er

ERSTER NAZARENERder Prophet Elias ist.

ERSTER JUDEDas kann nicht sein, usw.

DIE ANDEREN JUDEKeineswegs,

DIE ANDEREN JUDEer ist nicht der Prophet Elias.

HERODIASHeiss' sie schweigen!

JOCHANAANSiehe, der Tag ist nahe,

JOCHANAANder Tag des Herrn,

JOCHANAANund ich höre auf den Bergen

JOCHANAANdie Schritte Dessen,

JOCHANAANder sein wird der Erlöser der Welt.

HERODESWas soll das heissen,

HERODESder Erlöser der Welt?

ERSTER NAZARENERDer Messias ist gekommen.

ERSTER JUDEDer Messias ist nicht gekommen.

ERSTER NAZARENEREr ist gekommen,

ERSTER NAZARENERund allenthalben tut er Wunder.

ERSTER NAZARENERBei einer Hochzeit in Galiläa

ERSTER NAZARENERbat er Wasser in Wein verwandelt.

ERSTER NAZARENEREr heilte zwei Aussätzige

ERSTER NAZARENERvon Kapernaum.

ZWEITER NAZARENERDurch blosses Berühren!

ERSTER NAZARENEREr hat auch Blinde geheilt.

ERSTER NAZARENERMan hat ihn auf einem Berge

ERSTER NAZARENERim Gespräch mit Engeln gesehn!

HERODIASOho! Ich glaube nicht an Wunder,

HERODIASich habe ihrer zu viele gesehn!

ERSTER NAZARENERDie Tochter des Jarus

ERSTER NAZARENERhat er von den Toten erweckt.

HERODESWie, er erweckt die Toten?

HERODESERSTER und ZWEITER NAZARENER

HERODESJawohl. Er erweckt die Toten.

HERODESIch verbiete ihm, das zu tun.

HERODESEs wäre schrecklich,

HERODESwenn die Toten wiederkämen!

HERODESWo ist der Mann zur Zeit?

ERSTER NAZARENERHerr, er ist überall,

ERSTER NAZARENERaber es ist schwer, ihn zu finden.

HERODESDer Mann muss gefunden werden.

ZWEITER NAZARENEREr heisst, in Samaria weile er jetzt.

ERSTER NAZARENERVor ein paar Tagen verliess

ERSTER NAZARENERer Samaria,

ERSTER NAZARENERich glaube, im Augenblick ist er

ERSTER NAZARENERin der Nähe von Jerusalem.

HERODESSo hört:

HERODESich verbiete ihm

HERODESdie Toten zu erwecken!

HERODESEs müsste schrecklich sein,

HERODESwenn die Toten wiederkämen!

JOCHANAANO, über dieses geile Weib,

JOCHANAANdie Tochter Babylons,

JOCHANAANso spricht der Herr, unser Gott!

HERODIASBefiehl ihm, er soll schweigen.

JOCHANAANEine Menge Menschen wird

JOCHANAANsich gegen sie sammeln,

JOCHANAANund sie werden Steine nehmen

JOCHANAANund sie steinigen!

HERODIASWahrhaftig,

HERODIASer ist schändlich!

JOCHANAANDie Kriegshauptleute

JOCHANAANwerden sie mit ihren Schwertern

JOCHANAANdurchbohren,

JOCHANAANsie werden sie mit ihren Schilden

JOCHANAANzermalmen!

HERODIASEr soll schweigen! Er soll schweigen!

JOCHANAANEs ist so, dass ich alle Verruchtheit

JOCHANAANaustilgen werde

JOCHANAANdass ich alle Weiber lehren werde,

JOCHANAANnicht auf den Wegen ihrer Greuel

JOCHANAANzu wandeln!

HERODIASDu hörst, was er gegen mich sagt,

HERODIASdu duldest es, dass er die schmähe,

HERODIASdie dein Weib ist?

HERODESEr hat deinem Namen nicht genannt.

JOCHANAANEs kommt ein Tag,

JOCHANAANda wird die Sonne

JOCHANAANfinster werden wie

JOCHANAANein schwarzes Tuch.

JOCHANAANUnd der Mond

JOCHANAANwird werden wie Blut,

JOCHANAANund die Sterne des Himmels

JOCHANAANwerden zur Erde fallen

JOCHANAANwie unreife Feigen

JOCHANAANvom Feigenbaum.

JOCHANAANEs kommt ein Tag, wo die Kön'ge

JOCHANAANder Erde erzittern.

HERODIASHa, ha! Dieser Prophet

HERODIASschwatzt wie ein Betrunkener.

HERODIASAber ich kann den Klang

HERODIASseiner Stimme nicht ertragen,

HERODIASich hasse seine Stimme.

HERODIASBefiehl ihm, er soll schweigen.

HERODESTanz für mich, Salome.

HERODIASIch will nicht haben, dass sie tanzt.

SALOMEIch habe keine Lust zu tanzen,

SALOMETetrarch.

HERODESSalome Tochter der Herodias,

HERODEStanz für mich!

SALOMEIch will nicht tanzen, Tetrarch.

HERODIASDu siehst, wie sie dir gehorcht.

JOCHANAANEr wird auf seinem Throne sitzen,

JOCHANAANer wird gekleidet sein

JOCHANAANin Scharlach und Purpur.

JOCHANAANUnd der Engel de Herrn

JOCHANAANwird ihn darniederschlagen.

JOCHANAANEr wird von den Würmern

JOCHANAANgefressen werden.

HERODESSalome, Salome, tanz für mich,

HERODESich bitte dich.

HERODESIch bin traurig heute Nacht,

HERODESdrum tanz für mich.

HERODESSalome, tanz für mich!

HERODESWenn du für mich tanzest,

HERODESkannst du von mir begehren

HERODESwas du willst.

HERODESIch werde es dir geben.

SALOMEWillst du mir wirklich alles geben,

SALOMEwas ich von dir begehre, Tetrarch?

HERODIASTanze nicht, meine Tochter.

HERODESAlles, alles,

HERODESwas du von mir begehren wirst,

HERODESund wär's die

HERODESHälfte meines Königreichs.

SALOMEDu schwörst, Tetrarch?

HERODESIch schwör' es, Salome.

SALOMEWobei willst du das beschwören,

SALOMETetrarch?

HERODESBei meinem Leben,

HERODESbei meiner Krone,

HERODESbei meinen Göttern.

HERODIASTanze nicht, meine Tochter!

HERODESO Salome, Salome, tanz für mich!

SALOMEDu hast einen Eid Geschworen,

SALOMETetrarch.

HERODESIch habe einen Eid geschworen.

HERODIASMeine Tochter, tanze nicht.

HERODESUnd wär's die Hälfte

HERODESmeines Königreichs.

HERODESDu wirst schön sein als Königin,

HERODESunermesslich schön.

HERODESAh! Es ist kalt hier.

HERODESEs weht ein eis'ger Wind,

HERODESund ich höre...

HERODESwarum höre ich in der Luft

HERODESdieses Rauschen von Flügeln?

HERODESAh! Es ist doch so,

HERODESals ob ein ungeheurer,

HERODESschwarzer Vogel über der

HERODESTerrasse schwebte?

HERODESWarum kann ich ihn nicht sehn,

HERODESdiesen Vogel?

HERODESDieses Rauschen ist schrecklich.

HERODESEs ist ein schneidender Wind.

HERODESAber nein, er ist nicht kalt,

HERODESer ist heiss.

HERODESGiesst mir Wasser über die Hände,

HERODESgebt mir Schnee zu essen,

HERODESmacht mir den Mantel los.

HERODESSchnell, schnell,

HERODESmacht mir den Mantel los!

HERODESDoch nein! Lasst ihn!

HERODESDieser Kranz drückt mich.

HERODESDiese Rosen sind wie Feuer.

HERODESAh! Jetzt kann ich atmen.

HERODESJetzt bin ich glücklich.

HERODESWillst du für mich tanzen, Salome?

HERODIASIch will nicht haben, dass sie tanze!

SALOMEIch will für dich tanzen.

JOCHANAANWer ist der, der von Edom kommt?

JOCHANAANWer ist der, der von Bosra kommt,

JOCHANAANdessen Kleid mit Purpur gefärbt ist,

JOCHANAANder in der Schönheit seiner

JOCHANAANGewänder leuchtet,

JOCHANAANder mächtig

JOCHANAANin seiner Grösse wandelt?

JOCHANAANWarum ist dein Kleid mit

JOCHANAANScharlach gefleckt?

HERODIASWir wollen hineingehn.

HERODIASDie Stimme dieses Menschen

HERODIASmacht mich wahnsinnig.

HERODIASIch will nicht haben,

HERODIASdass meine Tochter tanzt,

HERODIASwährend er immer

HERODIASdazwischen schreit.

HERODIASIch will nicht haben, dass sie tanzt,

HERODIASwährend du sie

HERODIASauf solche Art ansiehst.

HERODIASMit einem Wort:

HERODIASIch will nicht haben, dass sie tanzt.

HERODESSteh nicht auf, mein Weib,

HERODESmeine Königin.

HERODESEs wird dir nichts helfen,

HERODESich gehe nicht hinein,

HERODESbevor sie getanzt hat.

HERODESTanze, Salome, tanz für mich!

HERODIASTanze nicht, meine Tochter!

SALOMEIch bin bereit, Tetrarch.

Salome tanzt

zu Herodias

HERODESAh! Herrlich!

HERODESWundervoll, wundervoll!

HERODESSiehst du,

HERODESsie hat für mich getanzt,

HERODESdeine Tochter.

HERODESKomm her, Salome. Komm her,

HERODESdu sollst deinen Lohn haben.

HERODESIch will dich königlich belohnen.

HERODESIch will dir alles geben,

HERODESwas dein Herz begehrt.

HERODESWas willst du haben? Sprich!

SALOMEIch möchte, dass sie mir gleich

SALOMEin einer Silberschüssel...

HERODESIn einer Silberschüssel...

HERODESGewiss doch...

HERODESin einer Silberschüssel.

HERODESSie ist reizend, nicht?

HERODESWas ist's,

HERODESdas du in einer Silberschüssel

HERODEShaben möchtest,

HERODESo süsse, schöne Salome,

HERODESdu, die schöner ist

HERODESals alle Töchter Judäas?

HERODESWas sollen sie dir

HERODESin einer Silberschüssel bringen?

HERODESSag es mir!

HERODESWas es auch sein mag,

HERODESdu sollst es erhalten.

HERODESMeine Reichtümer gehören dir.

HERODESWas ist es,

HERODESdas du haben möchtest, Salome?

SALOMEDen Kopf des Jochanaan.

HERODESNein, nein!

HERODIASAh! Das sagst du gut, meine Tochter!

HERODIASDas sagst du gut!

HERODESNein, nein, Salome!

HERODESDas ist es nicht, was du begehrst!

HERODESHör nicht auf

HERODESdie Stimme deiner Mutter.

HERODESSie gab dir immer schlechten Rat.

HERODESAchte nicht auf sie.

SALOMEIch achte nicht auf die Stimme

SALOMEmeiner Mutter.

SALOMEZu meiner eignen Lust

SALOMEwill ich den Kopf des Jochanaan

SALOMEin einer Silberschüssel haben.

SALOMEDu hast einen Eid geschworen,

HERODESDu hast einen Eid geschworen.

HERODESVergiss das nicht!

HERODESIch weiss,

HERODESich habe einen Eid geschworen.

HERODESIch weiss es wohl.

HERODESBei meinen Göttern habe ich

HERODESes geschworen.

HERODESAber ich beschwöre dich, Salome,

HERODESverlange etwas andres von mir.

HERODESVerlange die Hälfte

HERODESmeines Königreichs.

HERODESIch will sie dir geben.

HERODESAber verlange nicht von mir,

HERODESwas deine Lippen verlangten.

SALOMEIch verlange von dir den Kopf

SALOMEdes Jochanaan.

HERODESNein, nein,

HERODESich will ihn dir nicht geben.

SALOMEDu hast einen Eid geschworen,

HERODIASJa, du hast einen Eid geschworen.

HERODIASAlle haben es gehört.

HERODESStill, Weib,

HERODESzu dir spreche ich nicht.

HERODIASMeine Tochter hat recht daran getan,

HERODIASden Kopf des Jochanaan zu verlangen.

HERODIASEr hat mich mit Schimpf

HERODIASund Schande bedeckt.

HERODIASMan kann sehn,

HERODIASdass sie ihre Mutter liebt.

HERODIASGib nicht nach, meine Tochter,

HERODIASgib nicht nach!

HERODIASEr hat einen Eid geschworen.

HERODESStill, spricht nicht zu mir!

HERODESSalome, ich beschwöre dich:

HERODESsei nicht trotzig! Sieh,

HERODESich habe dich immer lieb gehabt.

HERODESKann sein,

HERODESich habe dich zu lieb gehabt.

HERODESDarum verlange das nicht von mir.

HERODESDer Kopf eines Mannes,

HERODESder vom Rumpf getrennt ist,

HERODESist ein übler Anblick.

HERODESHör', was ich sage!

HERODESIch habe einen Smaragd.

HERODESEr ist der schönste Smaragd

HERODESder ganzen Welt.

HERODESDen willst du haben, nicht wahr?

HERODESVerlang' ihn von mir,

HERODESich will ihn dir geben,

HERODESden schönsten Smaragd.

SALOMEIch fordre den Kopf des Jochanaan!

HERODESDu hörst nicht zu,

HERODESdu hörst nicht zu.

HERODESLass mich zu dir reden, Salome!

SALOMEDen Kopf des Jochanaan.

HERODESDas sagst du nur, um mich zu quälen,

HERODESweil ich dich so angeschaut habe.

HERODESDeine Schönheit hat mich verwirrt.

HERODESOh! Oh! Bringt Wein! Mich dürstet!

HERODESSalome, Salome,

HERODESlass uns wie Freunde

HERODESzu einander sein!

HERODESBedenk' dich!

HERODESAh! Was wollt ich sagen?

HERODESWas war's?

HERODESAh! Ich weiss es wieder!

HERODESSalome,

HERODESdu kennst meine weissen Pfauen,

HERODESmeine schönen, weissen Pfauen,

HERODESdie im Garten zwischen

HERODESden Myrten wandeln.

HERODESIch will sie dir alle, alle geben.

HERODESIn der ganzen Welt lebt kein König,

HERODESder solche Pfauen hat.

HERODESIch habe bloss hundert.

HERODESAber alle will ich dir geben.

SALOMEGib mir den Kopf des Jochanaan!

HERODIASGut gesagt, meine Tochter!

HERODESStill, Weib!

HERODESDu kreischest wie ein Raubvogel.

zu Herodes

HERODIASUnd du, du bist lächerlich

HERODIASmit deinem Pfauen.

HERODESDeine Stimme peinigt mich.

HERODESStill, sag' ich dir!

HERODESSalome, bedenk, was du tun willst.

HERODESEs kann sein,

HERODESdass der Mann von Gott gesandt ist.

HERODESEr ist ein heil'ger Mann.

HERODESDer Finger Gottes hat ihn berührt.

HERODESDu möchtest nicht,

HERODESdass mich ein Unheil trifft, Salome?

HERODESHör' jetzt auf mich!

SALOMEIch will den Kopf des Jochanaan.

HERODESAh! Du willst nicht auf mich hören.

HERODESSei ruhig, Salome.

HERODESIch, siehst du, bin ruhig. Höre:

HERODESich habe an diesem

HERODESOrt Juwelen versteckt,

HERODESJuwelen, die selbst deine Mutter nie

HERODESgesehen hat.

HERODESIch habe ein Halsband mit

HERODESvier Reihen Perlen.

HERODESTopase,

HERODESgelb wie die Augen der Tiger.

HERODESTopase, hellrot

HERODESwie die Augen der Waldtaube,

HERODESund grüne Topase, wie Katzenaugen.

HERODESIch habe Opale, die immer funkeln,

HERODESmit einem Feuer, kalt wie Eis.

HERODESIch will sie dir alle geben, alle!

HERODESIch habe Chrysolithe und Berylle,

HERODESChrysoprase und Rubine.

HERODESIch habe Sardonyx

HERODESund Hyacinthsteine

HERODESund Steine von Chalcedon.

HERODESIch will sie dir alle geben,

HERODESalle und noch andre Dinge.

HERODESIch habe einen Kristall

HERODESin den zu schaun keinem

HERODESWeibe vergönnt ist.

HERODESIn einem Perlenmutterkästchen

HERODEShabe ich drei wunderbare Türkise:

HERODESwer sie an seiner Stirne trägt,

HERODESkann Dinge sehn,

HERODESdie nicht wirklich sind.

HERODESEs sind unbezahlbare Schätze.

HERODESWas begehrst du sonst noch, Salome?

HERODESAlles, was du verlangst,

HERODESwill ich dir geben

HERODESnur eines nicht:

HERODESnur nicht das Leben

HERODESdieses einen Mannes.

HERODESIch will dir den Mantel

HERODESdes Hohenpriesters geben.

HERODESIch will dir den Vorhang

HERODESdes Allerheiligsten geben.

DIE JUDENOh! Oh! Oh!

SALOMEGib' mir den Kopf den Jochanaan!

sinkt auf seinen Sitz zurück

HERODESMan soll ihr geben, was sie verlangt!

HERODESSie ist in Wahrheit ihrer

HERODESMutter Kind!

Herodias zieht dem Tetrarchen den Todesring vom Finger und gibt ihn dem Ersten Soldaten, der ihn auf der Stelle dem Henker überbringt

HERODESWer hat meinen Ring genommen?

Der Henker geht in die Zisterne hinab

HERODESIch hatte einen Ring an meiner

HERODESrechten Hand.

HERODESWer hat meinen Wein getrunken?

HERODESEs war Wein in meinem Becher.

HERODESEr war mit Wein gefüllt.

HERODESEs hat ihn jemand ausgetrunken.

HERODESOh! gewiss wird Unheil

HERODESüber einen kommen.

HERODIASMeine Tochter hat recht getan!

HERODESIch bin sicher,

HERODESes wird ein Unheil geschehn.

an der Zisterne lauschend

SALOMEEs ist kein Laut zu vernehmen.

SALOMEIch höre nichts.

SALOMEWarum schreit er nicht, der Mann?

SALOMEAh! Wenn einer mich zu töten käme,

SALOMEich würde schreien,

SALOMEich würde mich wehren,

SALOMEich würde es nicht dulden!

SALOMESchlag' zu, schlag' zu, Naaman!

SALOMESchlag' zu, sag' ich dir!

SALOMENein, ich höre nichts.

SALOMEEs ist eine schreckliche Stille!

SALOMEAh! Es ist etwas zu Boden gefallen.

SALOMEIch hörte etwas fallen.

SALOMEEs war das Schwert des Henkers.

SALOMEEr hat Angst, dieser Sklave.

SALOMEEr hat das Schwert fallen lassen!

SALOMEEr traut sich nicht, ihn zu töten.

SALOMEEr ist eine Memme, dieser Sklave.

SALOMESchickt Soldaten ihn!

zum Pagen

SALOMEKomm hierher,

SALOMEdu warst der Freund dieses Toten,

SALOMEnicht?

SALOMEWohlan, ich sage dir:

SALOMEes sind noch nicht genug Tote.

SALOMEGeh zu den Soldaten

SALOMEund befiehl ihnen,

SALOMEhinabzusteigen und mir zu holen,

SALOMEwas ich verlange, was der Tetrarch

SALOMEmir versprochen hat, was mein ist!

Der Page weicht zurück. Sie wendet sich den Soldaten zu

SALOMEHierher, ihr Soldaten,

SALOMEgeht ihr in die Zisterne hinunter

SALOMEund holt mir den Kopf des Mannes!

SALOMETetrarch, Tetrarch,

SALOMEbefiehl deinen Soldaten,

SALOMEdass sie mir den

SALOMEKopf des Jochanaan holen!

Ein riesengrosser schwarzer Arm, der Arm des Henkers, streckt sich aus der Zisterne heraus, auf einem silbernen Schild den Kopf des Jochanaan haltend. Salome ergreift ihn. Herodes verhüllt sein Gesicht mit dem Mantel. Herodias fächelt sich zu und lächelt.. Die Nazarener sinken in die Knie und beginnen zu beten

SALOMEAh!

SALOMEDu wolltest mich nicht deinen Mund

SALOMEküssen lassen, Jochanaan!

SALOMEWohl, ich werde ihn jetzt küssen!

SALOMEIch will mit meinen Zähnen

SALOMEhineinbeissen,

SALOMEwie man in eine reife Frucht

SALOMEbeissen mag.

SALOMEJa, ich will ihn jetzt küssen

SALOMEdeinen Mund, Jochanaan.

SALOMEIch hab' es gesagt.

SALOMEHab' ich's nicht gesagt?

SALOMEAh! ah! Ich will ihn jetzt küssen.

SALOMEAber warum siehst du mich nicht an,

SALOMEJochanaan?

SALOMEDeine Augen,

SALOMEdie so schrecklich waren,

SALOMEso voller Wut und Verachtung,

SALOMEsind jetzt geschlossen.

SALOMEWarum sind sie geschlossen?

SALOMEÖffne doch die Augen!

SALOMESo hebe deine Lider, Jochanaan!

SALOMEWarum siehst du mich nicht an?

SALOMEHast du Angst vor mir, Jochanaan,

SALOMEdass du mich nicht ansehen willst?

SALOMEUnd deine Zunge,

SALOMEsie spricht kein Wort, Jochanaan,

SALOMEdiese Scharlachnatter,

SALOMEdie ihren Geifer gegen mich spie.

SALOMEEs ist seltsam, nicht?

SALOMEWie kommt es, dass diese rote Natter

SALOMEsich nicht mehr rührt?

SALOMEDu sprachst böse Worte gegen mich,

SALOMEgegen mich, Salome,

SALOMEdie Tochter der Herodias,

SALOMEPrinzessin von Judäa.

SALOMENun wohl!

SALOMEIch lebe noch, aber du bist tot,

SALOMEund dein Kopf, dein Kopf gehört mir!

SALOMEIch kann mit ihm tun, was ich will.

SALOMEIch kann ihn den Hunden vorwerfen

SALOMEund den Vögeln der Luft.

SALOMEWas die Hunde übrig lassen,

SALOMEsollen die Vögel der Luft verzehren.

SALOMEAh! Jochanaan, Jochanaan,

SALOMEdu warst schön.

SALOMEDein Leib war eine Elfenbeinsäule

SALOMEauf silbernen Füssen.

SALOMEEr war ein Garten voller Tauben

SALOMEin der Silberlilien Glanz.

SALOMENichts in der Welt

SALOMEwar so weiss wie dein Leib.

SALOMENichts in der Welt

SALOMEwar so schwarz wie dein Haar.

SALOMEIn der ganzen Welt

SALOMEwar nichts so rot wie dein Mund.

SALOMEDeine Stimme

SALOMEwar ein Weirauchgefäss,

SALOMEund wenn ich ansah,

SALOMEhörte ich geheimnisvolle Musik.

SALOMEAh! Warum hast du mich nicht angesehn,

SALOMEJochanaan? Du legtest über deine Augendie Binde eines,

SALOMEder seinen Gott schauen wollte. Wohl!

SALOMEDu hast deinen Gott gesehn, Jochanaan,

SALOMEaber mich, mich, hast du nie gesehn.

SALOMEHättest du mich gesehn, du hättest mich geliebt!

SALOMEIch dürste nach deiner Schönheit.

SALOMEIch hungre nach deinem Leib.

SALOMENicht Wein noch Äpfelkönnen mein Verlangen stillen.

SALOMEWas soll ich jetzt tun, Jochanaan?

SALOMENicht die Fluten, noch die grossen Wasser

SALOMEkönnen dieses brünstige Begehren löschen.

SALOMEOh! Warum sahst du mich nicht an?

SALOMEHättest du mich angesehn,

SALOMEdu hättest mich geliebt.

SALOMEIch weiss es wohl, du hättest mich geliebt.

SALOMEUnd das Geheimnis der Liebe ist grösser

SALOMEals das Geheimnis des Todes.

zu Herodias

HERODESSie ist ein Ungeheuer, deine Tochter.

HERODESIch sage dir, sie ist ein Ungeheuer!

HERODIASMeine Tochter hat recht getan.

HERODIASIch möchte jetzt hier bleiben.

HERODESAh! Da spricht meines Bruders Weib!

HERODESKomm, ich will nicht an diesem Orte bleiben.

HERODESKomm, sag' ich dir! Sicher,

HERODESes wird Schreckliches geschehn.

HERODESWir wollen uns im Palast verbergen,

HERODESHerodias, ich fange an zu erzittern.

HERODESManassah, Issachar, Ozias, löscht die Fackeln aus!

HERODESVerbergt den Mond, verbergt die Sterne!

HERODESEs wird Schreckliches geschehn.

SALOMEAh! Ich habe deinen Mund geküsst,

SALOMEJochanaan. Ah! Ich habe ihn geküsst, deinen Mund,

SALOMEes war ein bitterer Geschmack auf deinenLippen.

SALOMEHat es nach Blut geschmeckt?

SALOMENein? Doch es schmeckte vielleicht nach Liebe.

SALOMESie sagen, dass die Liebe bitter schmecke.

SALOMEAllein was tut's? Was tut's?

SALOMEIch habe deinen Mund geküsst, Jochanaan.

SALOMEIch habe ihn geküsst, deinen Mund.

zu den Soldaten

HERODESMan töte dieses Weib!